Bechstein historisch

  • Ersteller des Themas verdi1813
  • Erstellungsdatum

Das stimmt, natürlich, lieber Trisonus. (...)

Lieber "Foliantenblätterer", ;)

ich habe mir schon oft den Kopf darüber zerbrochen, inwieweit die Rechte eines Volkes, oder, die Rechte Betroffener, in die historische Vergangenheit zurückreichen, bzw. aus ihr heraus begründet werden können, könnten und dürfen.

Ich habe keine Antwort darauf gefunden...

Mir persönlich geht es, als eine Meinung in einem Internetforum, einfach darum, daß wir als gesamtes Volk diese vergangene Schuld nun nicht mehr seelisch/psychisch zu tragen brauchen, das sollte vorbei sein... was nichts weiter als eine einigermaßen durchdachte persönliche Meinung von mir ist.

Davon abgesehen, kann und darf jeder "aufarbeiten", wie es ihm ein persönliches Bedürfnis ist. Dieses Recht jemandem abzusprechen, wäre unangebracht. Es gibt ja auch Organisationen, die das betreiben...

Nur, wir führen eine öffentliche Diskussion darüber - eine Diskussion, die "alle", zumindest ein paar Leute, lesen. Es lesen nicht nur die, wenn ich jahreszahlen-mäßig richtig gerechnet habe, wenigen und immer weniger werdenden Betroffenen - sondern auch eine ganze frische Generation, die nichts für all das gewesene kann...

Ich habe keine Antwort darauf, was wir als Volk tun müßten, um das vergangene angerichtete Leid gut oder ungeschehen zu machen.

Aber ich habe eine Antwort darauf, wie wir uns - als Volk - vermutlich heute hier und jetzt fühlen können dürften: ohne die psychische Belastung einer historischen Schuld.

Viele liebe Grüße
Dreiklang
 
(1) Ich habe keine Antwort darauf, was wir als Volk tun müßten, um das vergangene angerichtete Leid gut oder ungeschehen zu machen.

(2) Aber ich habe eine Antwort darauf, wie wir uns - als Volk - vermutlich heute hier und jetzt fühlen können dürften: ohne die psychische Belastung einer historischen Schuld.

Lieber Dreiklang,

mit (2) beschreibst Du, was wir uns wünschen, mit (1) warum es nicht möglich ist: weil es keine Antwort gibt. Ich bin mit einem alten Ehepaar in Jerusalem befreundet, beide aus zionistischer Familie und daher bereits Mitte der 30er Jahre emigriert. Über sie habe ich einige andere sehr freundliche Leute kennengelernt, von denen ich Sätze hörte wie: meine Mutter / meine Familie ist in ... umgebracht worden. Stelle Dir vor, wie es als kleiner Bub für Dich gewesen wäre, wenn jemand einfach Deine Mutter umbringt: dann weißt Du, warum es auf (1) keine Antwort gibt. Niemand hat mich übrigens dort jemals als Paria behandelt, keiner je von Kollektiv- oder Erbschuld geredet und keiner verlangt, daß ich im härenen Büßergewand vor ihn träte. Aber alle sind sich in einem einig: die Erinnerung muß wachgehalten werden, denn das ist das einzige, was ihnen von ihren Eltern und Geschweistern geblieben ist. Und deswegen werden wir nicht nach unseren Wünschen davonkommen.

Schöne Grüße,

Friedrich
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Aber ich habe eine Antwort darauf, wie wir uns - als Volk - vermutlich heute hier und jetzt fühlen können dürften: ohne die psychische Belastung einer historischen Schuld.
Das aber nur, weil eben aufgearbeitet wurde und wird. Das "Deckeln" bringt keinerlei seelische Freiheit.
 
Nun geh zu und stell ihn doch bitte wieder rein. Fäden mäandern halt mal, finden aber auch wieder in ihr altes Bett zurück.

Mich interessiert hier eine historische Frage, die hoffentlich wenigstens halb hierher gehört: das Holzlager von Bechstein verbrannte im Krieg wie das anderer Herstelle auch. Muß man das in erster Linie als finanziellen Verlust sehen oder ging damit auch ein Stück Markenindividualität zugrunde, weil man nun auf Quellen zurückgreifen mußte, derer sich andere auch bedienen konnten? Und wie wurde eigentlich die Zeit überbrückt, bis wieder ein Holzlager aufgebaut war?


Das wäre tatsächlich interessant! Woher hatte denn Bechstein das Holz vor dem Krieg bezogen? Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass es aus Rumänien kam. In den Hochlagen dort wuchs es sehr langsam und homogen. Wie lange musste denn das Holz damals lagern, wie lange lagert das Holz heute?

Anmerkung: Ich finde es sehr gut und bemerkenswert, dass ein Vertreter von Bechstein hier Stellung nimmt. Klasse!
 
Soweit ich mich an meine Schreinerlehre zurückerinnern kann, sollte Holz 30 Jahre lagern, bevor man es als getrocknet bezeichnen kann.

RUdl
 
Muß man das in erster Linie als finanziellen Verlust sehen oder ging damit auch ein Stück Markenindividualität zugrunde, weil man nun auf Quellen zurückgreifen mußte, derer sich andere auch bedienen konnten?
ich entsinne mich einer Expedition in diverse klavierbauerische Refugien, wo erklärt wurde, dass irgendwelche italienischen Hölzer bei allen hochwertigen Instrumenten verwendet würden -- also zumindest ein Teilbereich (ging es um Resonanzböden?) ist aus dieser Brandkatastrophe ausgeschlossen
 
Soweit ich mich an meine Schreinerlehre zurückerinnern kann, sollte Holz 30 Jahre lagern, bevor man es als getrocknet bezeichnen kann.
Lang ist's her ... Heute wird das in Trockenkammern in wenigen Wochen gemacht. Das veröffentlicht natürlich kein Hersteller, auch wenn es so ist. Es gibt Hersteller, die unterhalten nach wie vor große Trockenlager, es gibt aber auch genug, die mittels Technik Ihre Lagerkosten minimieren.
 
Lang ist's her ... Heute wird das in Trockenkammern in wenigen Wochen gemacht. Das veröffentlicht natürlich kein Hersteller, auch wenn es so ist. Es gibt Hersteller, die unterhalten nach wie vor große Trockenlager, es gibt aber auch genug, die mittels Technik Ihre Lagerkosten minimieren.

Danke. Hintergrund meiner Frage war die oft - auch hier im Forum - zu lesende Meinung, daß der Siegeszug von Steinway nach dem Krieg mit dem Verlust der Holzlager bei den Konkurrenten zu tun habe. Stimmt das also so nicht? Geht nicht um den Verlust markenspezifischer und klangrelevanter Hölzer, sondern "nur" um den Kapitalverlust und darum, daß zwischen Kriegsende und Währungsreform lang kein Geld zur Beschaffung von Tonholz verfügbar war?
 
Danke. Hintergrund meiner Frage war die oft - auch hier im Forum - zu lesende Meinung, daß der Siegeszug von Steinway nach dem Krieg mit dem Verlust der Holzlager bei den Konkurrenten zu tun habe. Stimmt das also so nicht? Geht nicht um den Verlust markenspezifischer und klangrelevanter Hölzer, sondern "nur" um den Kapitalverlust und darum, daß zwischen Kriegsende und Währungsreform lang kein Geld zur Beschaffung von Tonholz verfügbar war?

Interessante Frage! Weiß jemand etwas?
 
Danke. Hintergrund meiner Frage war die oft - auch hier im Forum - zu lesende Meinung, daß der Siegeszug von Steinway nach dem Krieg mit dem Verlust der Holzlager bei den Konkurrenten zu tun habe. Stimmt das also so nicht? Geht nicht um den Verlust markenspezifischer und klangrelevanter Hölzer, sondern "nur" um den Kapitalverlust und darum, daß zwischen Kriegsende und Währungsreform lang kein Geld zur Beschaffung von Tonholz verfügbar war?

Also ich lese diesen Faden mit äusserstem Unbehagen , speziell wegen der Diskussion um die nationalsozialistische Vergangenheit der Firma Bechstein bzw. deren damaliger Inhaber .
Elektrische Trockenkammern gab es bereits vor dem I. Weltkrieg und wurden diese auch von allen grösseren Klavierfabriken selbstverständlich eingesetzt - und war man sogar stolz darauf . Natürlich wurde das Holz im Freien vorgetrocknet und dann schonend in den Trockenanlagen weiter heruntergetrocknet . Eine Trocknung auf z.B. 4-6% Holzfeuchte , wie beim Klavierbau heute üblich , ist auf rein natürlichem Wege überhaupt nicht möglich !
Das Resonanzbodenholz , Klaviaturholz kam VOR dem II. Weltkrieg durchwegs aus Rumänien - Polen - Ukraine ( früher Teil Ungarns - Siebenbürgen ) , aus den Karpathen , denn dort war und ist bis heute das für Resonanzboden u. Klaviatur beste Holz . Nach dem II. Weltkrieg waren die Verbindungen nach dort abgerissen und jahrzehntelang versperrt .
Die Fa. C. Bechstein und deren Klaviere waren in Europa und speziell in Deutschland selbst , auch in England und Kolonien vor dem I. Weltkrieg und teils auch noch in der Zwischenkriegszeit weit bekannter und auch mehr vertreten als der amerik.-deutsche Konkurrent . Durch die bekannten besonderen "NS-Ereignisse" bei Bechstein , Firmenführung durch kommissarische Verwaltung , anschliessend amerik. Eigentümer , durch die speziell ungünstigen polit- geographischen Verhältnisse am Standort Berlin , durch das Bombardement der Fabriken etz. konnte die Produktion viele Jahre nach dem Krieg nicht oder nur sehr gering wieder aufgenommen werden , DIES hauptsächlich führte zu der eklatanten Marktüberlegenheit des grossen Mitbewerbers . Ähnlich erging es Bösendorfer , auch wenn diese Firma bei weitem nicht die Grösse und damalige weltweite 'Bekanntheit Bechsteins erreicht hat . Noch ein Wort , zur Namensnennung von Lieferanten : eine vollkommen "idiotische" Manier , die in den letzten Jahren eingerissen ist , vornehmlich ursprüngl. von Erzeugern-Händlern minderwertiger Klaviere , die u.U. mit dem einen oder anderen Bestandtreil eines renommierten Lieferanten ausgerüstet sind , deshalb aber NOCH LANGE NICHT wirkliche Qualität haben ,sondernm diese nur suggerieren wollen , - Bechstein hat vollkommen recht , seine Lieferanten , deren es bei jedem Bestandteil in einer grösseren Firma immer mehrere gibt , aus Sicherheitsgründen geben muss ,- NICHT zu nennen .
Bei einer Qualitätsware kann sich der Konsument wohl darauf verlassen , dass der Erzeuger der Ware sowohl soviel Können und Hirn , als auch soviel Anstand und
Berufsehre besitzt , ordentliches Vormaterial zu verwenden .
Ich habe noch niemals gehört , dass sich Autokäufer dafür interessieren , wo z.B. Merzedes seinen Stahl oder andere Bestandteile bezieht !?

mit vfrdl. Grüssen
Hans Nemetschke / J. Nemetschke KG. Klaviermacher Wien
 
Vielen Dank für die Ausführungen. Ich hätte es auch positiv bewertet, wenn das Holz früher aus Rumänien etc. kam. Ein langsames und gleichmäßiges Wachstum ist, so denke ich, dem Klange durchaus förderlich.

Kommen Resonanzböden bzw. deren Holz nicht auch gerne aus dem Bayerischen Wald?

Ob Bösendorfer so unbekannt war - bin mir da nicht so sicher. Ich habe dieses WE gerade das Buch "Wiens vergessene Konzertsäle" von Christina Meglitsch gelesen. Da wird über den Ehrbar- und Bösendorfer-Saal geschrieben. Besonders im Bösendorfer-Saal gaben sich damals die Besten der Besten die Klinke die Hand. Es wurden innerhalb von 40 Jahren 4500 Konzerte gegeben (S. 107). Rubinstein, Liszt, Bülow, Brahms spielten doprt, um nur einige zu nennen.

Im 19. Jhd. war es eine Ehre und eine Besonderheit, wenn ein Künstler bereitsch schon mal im "Bösendorfer" aufgetreten war. Der Name war sicherlich weltbekannt. Was den Marktanteil betrifft, also die ökonomische Seite, war das sicherlich anders.

So produzierte Deutschland im Jahre 1913 150000 Klaviere, Österreich nur 15000. USA war Spitzenreiter mit 326300 Klavieren (S. 23)
 

Elektrische Trockenkammern gab es bereits vor dem I. Weltkrieg und wurden diese auch von allen grösseren Klavierfabriken selbstverständlich eingesetzt - und war man sogar stolz darauf . Natürlich wurde das Holz im Freien vorgetrocknet und dann schonend in den Trockenanlagen weiter heruntergetrocknet . Eine Trocknung auf z.B. 4-6% Holzfeuchte , wie beim Klavierbau heute üblich , ist auf rein natürlichem Wege überhaupt nicht möglich !

Vielen Dank für diese Informationen. Wie so oft, provozieren sie eine neugierige Anschlußfrage: wie haben denn denn die Streichers, Stingls und alle die anderen vor der elektrischen Trocknung den notwendigen Trockenheitsgrad erreicht?

Dankeschön!
 
Vielen Dank für die Ausführungen. Ich hätte es auch positiv bewertet, wenn das Holz früher aus Rumänien etc. kam. Ein langsames und gleichmäßiges Wachstum ist, so denke ich, dem Klange durchaus förderlich.

Kommen Resonanzböden bzw. deren Holz nicht auch gerne aus dem Bayerischen Wald?

Ob Bösendorfer so unbekannt war - bin mir da nicht so sicher. Ich habe dieses WE gerade das Buch "Wiens vergessene Konzertsäle" von Christina Meglitsch gelesen. Da wird über den Ehrbar- und Bösendorfer-Saal geschrieben. Besonders im Bösendorfer-Saal gaben sich damals die Besten der Besten die Klinke die Hand. Es wurden innerhalb von 40 Jahren 4500 Konzerte gegeben (S. 107). Rubinstein, Liszt, Bülow, Brahms spielten doprt, um nur einige zu nennen.

Im 19. Jhd. war es eine Ehre und eine Besonderheit, wenn ein Künstler bereitsch schon mal im "Bösendorfer" aufgetreten war. Der Name war sicherlich weltbekannt. Was den Marktanteil betrifft, also die ökonomische Seite, war das sicherlich anders.

So produzierte Deutschland im Jahre 1913 150000 Klaviere, Österreich nur 15000. USA war Spitzenreiter mit 326300 Klavieren (S. 23)

Ob das Holz für Resonanzboden "gerne" aus dem bayr. Wald kommt ,kann ich nicht beurteilen , tatsächlich kommt heute ein gewisser Teil von dort , als Ersatz f. das Rumänienholz . Es ist richtig ,dass der Bösendorfer -Saal ( ehemals Reithalle des Fürsten Liechtenstein ) ein ganz ausgezeichnete Akustik hatte und dementsprechend
bekannt war , der damaligeösendorfer - Eigentümer , Ludwig Bösendorfer ,ein sehr guter Geschäftsmann ( " Marketinggenie") war ,und Bösendorfer "gross" machte , natürlich bei Pianisten undMusikern und Publikum in Wien / Österr. -Ungarn sehr bekannt war , jedoch international im Vergleich zu Bechstein keinem Vergleich standhalten konnte . Bechstein machte in Jahren der Hochblüte an die 5000 Instrumente jährlich und exportierte diese weltweit , Bösendorfer erzeugte etwa 300-500 und der Exportanteil war sehr gering . Ich glaube ( Zeitschrift f. Instrumentenbau Paul de Witt ) , dass das D.R. 1913 sogar über 200.000 Klaviere herstellte , 150.000 davon exportierte .
 
Vielen Dank für diese Informationen. Wie so oft, provozieren sie eine neugierige Anschlußfrage: wie haben denn denn die Streichers, Stingls und alle die anderen vor der elektrischen Trocknung den notwendigen Trockenheitsgrad erreicht?

Dankeschön!

Also die Firma Stingl ( Gebrüder Stingl Wien III., Ungargasse ) ist relativ jung ( speziell gegenüber Streicher ) ,ich glaube gegr. um 1895 , da gab es bereits diese Trockenanlagen . Holz wurde früher und auch später noch am sogg. "Hängeboden" in den Werkstätten getrocknet . Es waren dies am Plafond befestigte Regale , meist direkt über oder nahe dem Werkstattofen , wo durch die aufsteigende warme Luft das dort gelagerte Holz getrocknet wurde . Unsere Firma hatte ab 1909 eine sogg. elektr. Trockenanlage aber sicher sind auch später noch div. Hölzer am Hängeboden getrocknet worden . Ganz kleine Werkstätten haben Ähnliches - soferne sie noch einen Ofen haben - noch heute .
 
Wagners Bechstein-Tafelklavier

Hat eigentlich jemand etwa davon mitbekommen, wie der Streit zwischen der Stadt Leipzig und der Wagner-Stiftung um das von Bechstein für Wagner in den 1860er Jahren gebaute Tafelklavier steht?

Und hat Bechstein damals serienmäßig Tafelklaviere gebaut oder war das eine Sonderanfertigung? Ach ja - und: wann ist das Untergestell abhanden gekommen (in Bayreuth stand es jedenfalls ohne)?

Grüße,

Friedrich
 
das von Bechstein für Wagner in den 1860er Jahren gebaute Tafelklavier steht?

war das nicht eine vom Kini in Auftrag gegebene Sonderanfertigung, welche er dann Wagner schenkte, und nannte/nennt sich "Kompositions-" oder "Schreibtischklavier"?
...sofern das Bayreuther Museum im nächsten Jahr wieder eröffnet ist, wird man sehen, ob dieses kuriose Exponat noch dabei sein wird oder nicht.
 

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