F.X. Mozart Klavierkonzert Es-Dur

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Ich habe beim graben ein Klavierkonzert entdeckt was mich echt überrascht hat.

Mozarts Sohn Franz Xaver hat es geschrieben. Ich kann es garnicht einordnen aber es fasziniert mich - ein Mosaik, stellenweise sehr Beethovenesk, dann wie Schubert, romantisch aber klassisch.

Was ist das hier?

 
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Man hört Mozart an einigen Stellen wie ein Zitat. aber es hat durch und durch eine beethovensche Ernsthaftigkeit.
 
Ich finde es fantastisch. Wie im Zwiespalt zwischen Klassik und Romantik. Viele überraschende Einfälle die berührend sind und ich hab mich bis zum Schluss nie gelangweilt. Ich mag es so gern dass ich es lernen würde.
 
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Danke fürs Teilen dieser Entdeckung.

Ich höre es gerade, hier kommt eine Art Hörprotokoll:

Das Fugato ab 0:43, also noch am Anfang der Orchesterexposition, ist auf jeden Fall schon mal sehr überraschend und unkonventionell.

Die Passage ab 5:50 finde ich ganz wundervoll. Allerdings fällt mir auch auf, dass in diesem Satz vieles überladen wirkt. Auch die Durchführung zeigt das stellenweise. Es fehlt das Innehalten, wie es sein Vater, Beethoven und Schubert (du hast die Namen genannt) immer wieder eingesetzt haben.
Ab 9:13 ändert sich das zwar, aber (v.a. ab 11:15) habe ich wieder den Eindruck, dass der Komponist zu viele "überflüsige " Töne unterbringen wollte.

Mein Fazit zum ersten Satz: Dein Begriff "Mosaik" trifft es gut. Mir fehlt allerdings das verbindende Element dieser vielen immer wieder aufblitzenden großartigen Ideen.

Der zweite Satz ist ein Intermezzo als Überleitung zum dritten Satz. Schade, dass der nur wie eine Skizze erscheint. Denn dieser Satz hat ein riesiges Potenzial, sich in etwas sehr Tiefgründiges auszuwachsen. Tut er aber leider (!) nicht.

Der dritte Satz gefällt mir am besten. Wie auch schon im zweiten Satz habe ich auch hier den Eindruck, dass sich Franz Xaver vom Schatten des Vaters löst und endlich mal wirklich sein eigenes Ding macht. Besonders deutlich wird das ab 19:49. Sehr beeindruckend: die schnellen Wechsel zwischen Melancholie und übersprudelnder Lebensfreude.

Fazit: Es lohnt sich, dieses Klavierkonzert anzuhören und sicherlich auch zu spielen, v.a. wegen einiger unkonventioneller Kniffe, die die Musik immer wieder bereithält. Wenn allerdings die Zeit begrenzt ist, versprechen die Werke des Vaters insgesamt intensivere musikalische Erlebnisse.
 
immer wieder aufblitzenden großartigen Ideen.
Ja genau das fasziniert mich. Wie ein Kaleidoskop wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft abwechselnd aufblitzt. Mich stört es überhaupt nicht dass es nicht so klar gegliedert oder das verbindende nicht ausgeprägt ist. Ich finde dieses umhertreiben zwischen den Ideen sogar reizvoll. Ach das fehlen von langen Momenten des innehaltens stört mich nicht, es ist wie in mitten der Wogen eines Umbruchs.
 
Insgesamt ist das Konzert nett anzuhören, meiner Meinung nach aber auch nicht viel mehr. Es reiht eine Gefälligkeit an die nächste, ohne eine wirkliche Entwicklung der Ideen. Ich befürchte, dass sich das bei näherer Beschäftigung sehr schnell abnutzt.
Das Fugato ab 0:43, also noch am Anfang der Orchesterexposition, ist auf jeden Fall schon mal sehr überraschend und unkonventionell.
Wenn es ein Fugato wäre, wäre es sicher unkonventionell. Ist es aber nicht, sondern nur eine simple Sequenz. Die man dennoch eher in einer Durchführung erwarten würde.

Der zweite Satz ist ein Intermezzo als Überleitung zum dritten Satz. Schade, dass der nur wie eine Skizze erscheint. Denn dieser Satz hat ein riesiges Potenzial, sich in etwas sehr Tiefgründiges auszuwachsen. Tut er aber leider (!) nicht.
Diesen Satz hat FX erst nachträglich hinzugefügt; ursprünglich war das Konzert zweisätzig.

Der dritte Satz gefällt mir am besten. Wie auch schon im zweiten Satz habe ich auch hier den Eindruck, dass sich Franz Xaver vom Schatten des Vaters löst und endlich mal wirklich sein eigenes Ding macht.
Nun ja, zumindest das Haupt-Motiv hat er von seinem Vater adaptiert (Zauberflöte, Finale II, „Er ist’s! Er ist’s! ich glaub es kaum!“). Wer sich mit diesem Rondo beschäftigen möchte, kann übrigens auch auf die Klavier-Solo-Fassung des Satzes zurückgreifen, die FX selbst arrangiert hat.

@Carnina Schaue dir auch mal das C-Dur-Konzert von Clementi an, wenn dich der Stil zwischen Mozart und Beethoven fasziniert. Meiner Meinung nach ist das deutlich origineller als das Konzert von Mozart junior.
 
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Schaue dir auch mal das C-Dur-Konzert von Clementi an, wenn dich der Stil zwischen Mozart und Beethoven fasziniert. Meiner Meinung nach ist das deutlich origineller als das Konzert von Mozart junior.
Oh danke für den Tipp! Das mache ich!

Ich befürchte, dass sich das bei näherer Beschäftigung sehr schnell abnutzt.
Das kann gut sein. Vor allem weil es rein manuell gesehen wohl nicht unwesentlich viel Arbeit macht so wie das klingt.
 

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