Zusatzversicherung für freiberufliche Musikschullehrer?

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von weber18, 26. Aug. 2019.

  1. weber18
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    weber18

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    Hallo!

    Hier im Forum sind sicherlich auch einige Leute unterwegs, die freiberuflich als Musikschullehrer an privaten Musikschulen arbeiten… Ich habe mal eine Frage zum Thema Versicherungen… Hatte neulich ein Gespräch mit meinem Versicherungsmakler und dieser hat mir DRINGEND dazu geraten, meine übliche Privat-Haftpflichtversicherung um eine Lehrerhaftpflicht zu ergänzen. Beispiel: Ich unterrichte als Honorarkraft einen Schüler an einer Musikschule, dieser stürzt über einen meiner Gegenstände im Unterrichtsraum (z.B. Instrumentenkoffer) und verletzt sich ernsthaft. Im Regelfall haften private Musikschulen, die ausschließlich Honorarkräfte beschäftigen, für solche Dinge nicht, und eine 08/15-Privathaftpflichtversicherung deckt sowas auch nicht ab.

    Könnt ihr mir sagen, ob eine solche Ergänzung einer Haftpflicht durchaus sinnvoll ist, wenn man freiberuflich an privaten Musikschulen als Honorarkraft unterrichtet? Ich stehe mit dem Kapitel Versicherungen leider absolut auf dem Kriegsfuß und verstehe davon rein gar nichts, von daher freue ich mich sehr über einen kurzen Austausch hier!

    Viele Grüße!
     
  2. agraffentoni
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    agraffentoni

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    Die Makler raten gerne dringend zu irgendetwas.
    Frag nach einer Kombi.
    Bei meiner Betriebshaftpflichtversicherung z.B. ist die private mit drin.
     
  3. Peter
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    Peter Bechsteinfan

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    Ich würde erst mal nach Statistiken fragen, wie oft ein Schüler in einer Musikschule über den Instrumentenkoffer eines freien Mitarbeiter gestolpert ist und sich dabei ernsthaft verletzt hat. :-D

    Manche Risiken kann man mit gesundem Menschenverstand ganz gut selbst einschätzen.

    Dito. Bei dem Dachdeckertarif möchte das aber auch sein. :-)
     
  4. Barratt
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    Als Trainer im Sportbereich macht man das auf jeden Fall. Die private Haftpflicht ist tatsächlich außen vor, wenn man beruflich einen Unfall "verschuldet". Deshalb heißt sie ja auch "private" Haftpflichtversicherung. In einer Musikschule müsste es eine Betriebshaftpflichtversicherung geben, aber wenn die natürlich elegant den Honorarkräften das Risiko aufladen ... gar nicht nett. :schweigen:


    Bei einem Unfall mit teuren Folgen erkundigen die Versicherungen des Verunfallten sich akribisch nach allen erdenklichen Möglichkeiten, wie sie sich der Zahlungsverpflichtung entledigen können. Dazu beschäftigen sie Horden von Mitarbeitern.

    Umgekehrt wird es nicht teuer sein, das sehr überschaubare Risiko abzudecken, das ein Klavierlehrer durch sein berufliches Tun verursacht. ;-) Klavierspielen gehört nicht zu den Risikosportarten, wo in jeder Trainingseinheit eine potenzielle Lebens- oder Invaliditätsgefahr sich realisieren kann.

    Ich weiß schon, warum ich mich immer beharrlich geweigert habe, Springunterricht zu erteilen... Nicht auszudenken, wenn man an einem Unfall auch nur eine Mitschuld trüge. Horror.
     
  5. Melegrian
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    Melegrian

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    Für ein beschädigtes Instrument müsste wohl eher der Verursacher oder dessen private Haftpflicht aufkommen. Ansonsten solltest Du eine Vorstellung davon haben, welche gesetzlichen Versicherungen benötigt werden. Bei mir war das einst in einem völlig anderen Bereich die Berufsgenossenschaft, an der dann auch die Unfallmeldungen gegangen wären. Ob man als Honorarkraft eine benötigt, könnte ich dir aber nicht sagen, so richtig vorstellen kann ich es mir nicht. Wer wäre denn bei Wegeunfällen zuständig?
    Betriebshaftpflicht ist ja eigentlich nur für sonstige Sach- und Personenschäden. Für Winterdienst hatte ich eine, doch da war die Gefahr wesentlich höher. Alle anderen Bereiche waren kaum abgedeckt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2019
  6. Barratt
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    Als Freiberufler? Niemand. Das ist doch das "Schöne" an dem Modell. Das komplette Risiko (sein eigenes wie das des zu Unterrichtenden) wird auf die Honorarkraft abgewälzt. Trotzdem bestimmt der Boss die Konditionen.
     
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  7. Melegrian
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    Melegrian

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    Na hätte ja sein können, weil ich gelesen hatte, dass selbst so eine private Haushaltshilfe gesetzlich Unfallversichert ist.
     
  8. Barratt
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    Die ist ja auch offiziell angestellt. ;-) Das ist die Honorarkraft ja gerade nicht.
     
  9. Melegrian
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    Falls es sich nur um eine erweiterte Nachbarschaftshilfe handelt, sollen die aber dennoch versichert sein, falls sich an dieser Regelung noch nichts geändert hat. So steht es hier zumindest noch:

    https://www.deutschlandfunk.de/unfa...ohen-kaum.1773.de.html?dram:article_id=401631

    Also die Honorarkraft würde eine Betriebshaftflicht benötigen, wenn ich es richtig verstehe, die sollte es dann mit abdecken? Aber vielleicht verstehe ich es ja auch nicht richtig?

    Wenn ich das so lese, dann sollte man da vielleicht noch aufpassen, welche Bereiche die alles abdecken. Sonst heißt es am Ende, sie sind zwar als Musiker abgesichert, nicht aber als Honorarkraft oder umgekehrt.

    https://www.betriebshaftpflicht.info/ratgeber/betriebshaftpflicht-musiker/
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2019
  10. maxe
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    Ganz einfach gesprochen,

    wer eine PrivathaftpflichtVers hat, sollte so konsequent und logisch sein, dass er für seine berufliche Tätigkeit eine Berufshaftpflicht ebenso abschließt. Gerade im Berufsalltag kann es ja gelegentlich stressig werden, und dann passieren auch Fehlsteuerungen....

    Ziel ist ja gewissermaßen der Rundumsorglosvollschutz,
    wenn ich das jetzt mal so sagen darf, ja natürlich, irgendwie macht es ja sicherlich Sinn, sich gegen die Gefahren des Lebens zu schützen;
    nur :
    Leben ist die größte Gefahr ;-)
     
  11. Barratt
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    Nein, denn die Honorarkraft ist kein Betrieb.

    Es gibt spezielle Berufshaftpflichtversicherungen für Freiberufler. Diese Versicherungen orientieren sich wie alle privaten Versicherungen daran, welches Risiko abgedeckt werden soll und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Versicherungsfall eintritt. Die dürfte beim Klavierlehrer minimal sein.
     
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  12. Melegrian
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    Melegrian

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    Wer selbstständig tätig ist, sollte zuerst einmal Risiken abschätzen können, um sich nicht schon an Versicherungen dumm und dämlich zu zahlen. Beim Springunterricht, wie von @Barratt geschrieben, sehe ich das ein. Könnte ja auch mit Querschnittslähmung enden und keiner möchte so etwas miterleben.

    Beim Winterdienst war es mir auch ohne Betriebshaftpflicht zu fett. Blechschaden kam einmal vor, weil eine abschüssige Straße noch nicht gestreut war. Da uns aber das Ordnungsamt nicht rechtzeitig rief und für die waren wir nur auf Abruf unterwegs, stellte auch keiner eine Forderung an uns. Das sind halt Sachen, die teuer werden könnten.
    Für Tiefbauarbeiten war ich hingegen nicht versichert, eine gelegentlich mit einem Minibagger zerrissene Telefonleitung musste ich dann aus eigener Tasche bezahlen. Und darauf, dass zu Feierabend alles richtig abgesperrt wird, darauf kann man ja letztendlich achten, auch darauf, mit Instrumentenkoffern keine Stolperfallen zu errichten.

    Na ja, wird wohl sein, doch ich kenne Berufsgenossenschaften und die sind nur für Arbeitnehmer und so. Sonstige Personenschäden wurden durch die Betriebshaftplicht abgedeckt. Bei Freiberuflern mag das anders aussehen mit so einer Berufshaftpflichtversicherung, doch so etwas habe ich ja nicht mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2019
  13. maxe
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    Im Unterschied dazu deckt die BerufshaftpflichtVers auch Vermögensschäden.


    Unabhängig davon,
    rate ich allen Musiklehrern zu
    Verdi Mitgliedschaft,

    ( da sind die Versicherungen, auch Anwälte schon mit bei) :super::super::super:


    https://musik.verdi.de/musikschulen


    verdi-Logo.jpg
     
  14. Melegrian
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    Melegrian

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    Kein Unterschied, Sach- und Personenschäden sind bei einer Betriebshaftplicht selbstverständlich abgedeckt, denn die wäre ja nicht nur für die Blechschäden am Fahrzeug, sondern auch für die Beulen der Insassen aufgekommen, falls die Schuld an uns gelegen hätte.

    Ginge das als Honorarkraft mehr in die Richtung Musiker oder Lehrer?
    Frage so ganz naiv, weil ich keine Ahnung habe, nur einmal vor ein paar Jahren mit dem Gedanken spielte, bei der Volkshochschule nachzufragen, was die sich noch alles als Programmpunkte vorstellen könnten. Doch selbst wenn, eine Versicherung hätte ich nicht abgeschlossen.

    Eigentlich, so vom Namen her, ist ja so ein Reitlehrer oder Klavierlehrer mehr ein Lehrer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2019
  15. maxe
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    richtig,

    aber i.d.R. keine "reinen" Vermögensschäden, die sind u.a. zusätzlich in der Berufshaftpflicht...

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vermögensschaden
     
  16. Melegrian
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    Melegrian

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    Die schließen Freiberufler mit in die Betriebshaftlichtversicherung ein, zumindest in diesem Text.
    Ich weiß nicht mehr, was in meiner alles stand, von allen Punkten aber das wenigste, um die Kosten gering zu halten. Deshalb schrieb ich weiter oben, wer selbstständig unterwegs ist, sollte zuerst einmal selbst die Risiken abschätzen können. Außer einer Krankenversicherung und einer Kfz-Versicherung wird man die meisten Versicherungen nie im Leben benötigen. Dennoch habe ich drei weitere, wie Gebäudeversicherung, aber z.B. keine Hausratversicherung, weil noch nie benötigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2019
  17. Stilblüte
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    Mitglieder im Tonkünstlerverband sind (vermutlich - je nach Ortsverband?) versichert. Bei mir ist z.B. auch eine Schlüsselversicherung dabei.
     
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  18. Melegrian
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    Bin nach Jahren mal wieder die Liste von unserer Volkshochschule durchgegangen. Bei den meisten Kursen hätte ich keine Bedenken, was eine Versicherung anbelangt. Nur bei "Junge VHS" - "Kids - Kochkurse", da bestünde schon die Gefahr ernsthafter Verbrühungen oder so, könnte ich mir vorstellen. Jedenfalls hätte ich da mehr Bedenken, wenn nichts wegen einer Versicherung richtig geklärt ist.

    Weiter unten ein Bewerbungsbogen als PDF. Kurse könnte man halt zumindest bei einer Bewerbung als Dozent gleich mit vorschlagen. Sollte jedoch ein Kurs sein, der voraussichtlich mehr als 3 Leute anzieht und nicht von jedem dritten Dozenten bereits angeboten wird, erzählte mir zumindest mal eine.
     
  19. Melegrian
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    Melegrian

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    Irgendwie halte ich das alles auf einmal für fehlerhaft gedacht.
    Wo und bei wem melden die Schüler sich an?
    Wenn die sich bei der Musikschule anmelden, um mit denen einen Vertrag abzuschließen, dann bist Du doch vermutlich nicht mehr als ein austauschbarer freiberuflicher Mitarbeiter. Bei Minderjährigen hättest Du da für diese Zeit eine gewisse Aufsichtspflicht, würde ich vermuten, doch für Stolperfallen im Gebäude, fehlende Fluchtwege usw. wäre die Schule verantwortlich und kein anderer, nehme ich an.
    Deine Mitbringsel wirst Du ja nicht so aufstellen, dass die da erst einmal drübersteigen müssen.
    Und wenn sich zwei mit einem Kuli im Streit gegenseitig die Augen ausstecken, dann spielt es wohl eh keine Rolle mehr, ob der Dir gehörte oder nicht. Entscheidender könnten Fragen sein, welche die Aufsichtspflicht bei minderjährigen Schülern betreffen, könnte ich mir vorstellen.

    Bei den Langzeitpraktikanten, die ich hatte, sah das so aus, dass die zwar über die Bildungsträger versichert waren und von denen ihr Geld erhielten, doch die Einweisungen und Belehrungen durch mir erfolgen mussten.
    Etwas anderes war es mit den Schülern, von denen einer auch nach den Ferien noch stundenweise half. Da kam es einmal zu einer Verletzung mit Krankschreibung und da wurde der Unfall der Berufsgenossenschaft gemeldet.

    Wieder anders war es mit so einer Schüler-AG, doch das ist ja schon 30 Jahre her. Zwei Jungs mit Fahrrädern stritten beim Aufsteigen und Losfahren miteinander und der eine kam dabei mit dem Fuß zwischen Kette und Speichen und jammerte vor Schmerzen. Ging gut ab, doch da musste ich die halt auch noch belehren, dass sie sich im Straßenverkehr vernünftig verhalten sollten. Das gehört halt mit zu. Da bin ich mir nicht völlig sicher, wie das heute aussehen würde.

    Interessanter finde ich in diesem Zusammenhang gerade diesen Artikel und frage mich, inwieweit der erste Satz auch in Deinem Fall zutreffen würde oder auf private Musikschulen bzw. allgemein, z.B. wenn ein Verein mit Jugendlichen arbeitet, bei dem es ja keine Versicherung gibt.

    Das wären sicherlich Fragen, die Dir ein Anwalt besser erläutern könnte, als ein Versicherungsmakler.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Aug. 2019
  20. Barratt
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    @Melegrian Stimmt. Der TE müsst sich einfach schlau machen, was für ihn zutrifft.

    @weber18 Du solltest einfach mal das Gespräch mit Deinem "Arbeitgeber" suchen. Die Raterei bzw. der Vergleich mit völlig anderen Branchen hat ja keinen Sinn. Einfach so aufs Geratewohl ... da wäre mir etwas mulmig zumute... :schweigen:

    Falls Du im Berufsverband organisiert bist, wie Stilblüte schrieb, bist Du verm. darüber haftpflichtversichert. Das lässt sich ja abklären.

    Das ist man als Sporttrainer übrigens auch, wenn man im Auftrag eines Vereins handelt, der Mitglied im Sportbund ist. Jedes Mitglied eines solchen Vereins ist automatisch "unfallversichert" (frag mich nicht nach den Konditionen, weiß ich nicht mehr).

    Ich habe jüngst die exorbitanten Kosten zur Kenntnis nehmen müssen, die ein simpler, dämlicher Stolperer nach sich ziehen kann. Da wurde noch nicht einmal operiert, aber dennoch. Der Kampf mit PKV und BG ist längst zum Anwalt ausgelagert.

    An dieser Stelle erneut mein obligatorisches Mantra: Bloß nicht privat krankenversichern...
     
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