Wird Klassik durch Unterlegung von "Beats" attraktiver?

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von .marcus., 17. Juli 2011.

  1. .marcus.
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    .marcus.

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    Man höre die Hörproben von dieser CD an:
    Classic: Adya: Amazon.de: Musik

    Ich empfehle den Toreador (7.) und die Morgenstimmung (14.).

    Was mich ja sehr interessiert ist, wie entschieden wird, welcher Titel deutsch sein darf (kleine Nachtmusik) und welcher uns auf englisch präsentiert wird (Ode to Joy/Orpheus in the Underworld). :)

    Viel Spaß.

    lg marcus
     
  2. Klavieroma
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    Klavieroma Guest

    Der Selbstversuch meinerseits ist negativ ausgegangen. Ich habe denToreador im 3. Takt panikartig abgeschaltet. Wahrscheinlich brauche ich mehrere Wochen, bevor ich das Original wieder mit Genuß hören könnte. Auf die Morgenstimmung habe ich daher lieber gleich verzichtet...

    Also, die Frage nach der Attraktivität ist damit wohl ausreichend beantwortet. Hattes Du da Zweifel?

    Liebe Grüße
    Klavieroma
     
  3. Leoniesophie
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    Leoniesophie

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    Boah, Marcus!

    Da hast Du ja wirklich ein "Perle " der Musik ausgegraben! Wahrscheinlich hast Dus Dir bestellt. Bitte schick mir eine Kopie!!!

    Ich habe in "alla turca" und in "air" reingehört. Da muß ich wirklich kerngesund sein, um sowas hören zu können. Ich finde wirklich, daß diese CD einen Preis für Geschmacklosigkeit verdient hätte. Also dann höre ich mir doch lieber Stückchen Nummer 8 aus Bartoks Mikrokosmos von meiner kleinen Tochter an - ohne Beats, ohne Pedal, ohne Streicher , im Fünftonraum - aber im Original!

    Aber ich hätte doch einen Verwendungszweck : Kennst Du diese permanenten Musikberieselung in Kaufhäusern? Da würde es wunderbar hinpassen. Die Sache hat dann allerdings einen Nachteil: Ich würde in dem Kaufhaus nicht den Umsatz steigern. :D

    Liebe Grüße

    Leonie
     
  4. Guendola
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    Guendola

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    Ich finde es abscheulich! Aber eines interessiert mich wirklich: Warum wird sowas gemacht, und wer mag solche Musik?
     
  5. .marcus.
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    .marcus.

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    @Klavieroma: Nein, ich hatte keine Zweifel. Wobei:

    Genau das interessiert mich! Irgendwer muss das doch kaufen. Die drei Rezensionen mit den 5 Sternen sind da aufschlußreich. Man schaue sich auch unter "Produktinformation" den "Amazon Bestseller-Rang" an.

    Wie ich zu dieser CD gekommen bin: Heute morgen hatte ich in meinem Mail-Postfach Werbung von Amazon. Man wollte mich offenbar auf die "wichtigsten Klassik-Neuheiten" hinweisen. Obige CD steht dort auf Platz 1...

    lg marcus
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. Juli 2011
  6. NewOldie
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    NewOldie

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    ... ich dachte immer mit "Rondo Veneziano" wäre der Gipfel der Geschmacklosigkeit in den 80ern erreicht.

    Schlimm auch der Film dazu bei Amazon. Traurig.
    Fassungslos über Menschen- und Kunst verachtende Verarmung.

    NewOldie
     
  7. Styx
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    Styx Guest

    Die Geschmäcker sind nun mal verschieden, es daher als "geschmacklos" zu titulieren ist eine rein subjektive Auffassung. Der Bedarf jedenfalls ist auf alle Fälle da.
    Ich erinnere an Richard Claydermann welcher Ende der 70iger Jahre (oder war es anfang 80iger?) mit seichter Popklassik sehr erfolgreich den Markt eroberte. Für einige "ernste" Musiker war das "ungeheuerlich wie man so laienhaft die Klassik verhunzen könne" (Anmerkung: Richard Claydermann ist Konzertpianist). Oder wie wird Justus Franz zum Teil zerissen?
    Es ist zwar wichtig daß originale Klassik erhalten bleibt aber es ist meiner persönlichen Meinung auch wichtig den Ottonormal Beat und Rock Hörer an die Klassik heran zu führen. Eine Diskomaus werde ich schwerlich von Klassik überzeugen können wenn ich sie zum Beispiel in ein Vivaldi Konzert schleppe. Für viele Menschen ist Klassik einfach nur etwas langweiliges, und sie befassen sich von selbst garnicht erst damit.

    Viele Grüße

    Styx
     
  8. tini
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    tini

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    oh neiiiin! das klingt ja schrecklich, da ist mir meine superholprige Fassung von "alla turca" schon deutlich lieber, die ist nämlich original. (die Noten mein ich:D)
    Gruss
    tini
     
  9. Nora
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    Nora

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    Marcus, diese Frage in einem eher konservativen Klavierforum zu stellen, kann nur eine rhetorische Frage sein. :D

    Obwohl mir speziell diese Variante von Klassik goes Pop, die Du verlinkt hast, auch nicht gefällt, denke ich wie Styx. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

    Ich persönlich bin aber offen für Crossover-Projekte in der Musik, die verschiedene Stilrichtungen mixen. Mir gefällt z.B. diese Version des Lacrimosa von Mozart, das von der Band Evanescence gesungen wird.

    [video=youtube;wO3RiGa0g4w]http://www.youtube.com/watch?v=wO3RiGa0g4w[/video]

    Hier die Originalversion:

    [video=youtube;k1-TrAvp_xs]http://www.youtube.com/watch?v=k1-TrAvp_xs[/video]

    Viele Grüße
    Nora
     
  10. Styx
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    Styx Guest

    Auch wenn mich die präser...ähm konservativen Klavier Omis und Opis gleich lynchen werden, warum nicht noch einen Schritt weiter gehen?

    Beispiel:
    :D :D :D

    Viele Grüße

    Styx
     
  11. chiarina
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    chiarina Guest

    Lieber Styx,

    das interessiert mich und du hast vielleicht mehr Erfahrung damit.

    Ist es denn wirklich so, dass Leute erst so etwas hören und sich dann tatsächlich beginnen, für Klassik zu interessieren?

    Ist es nicht eher so, dass, weil dies eben keine Klassik ist, einem der Weg noch eher dorthin verbaut wird, weil die Melodien auf diesem Wag leichter konsumiert werden können.

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass durch diese Musik der Weg zur Klassik gänzlich verbaut wird. Wie sind deine Erfahrungen?

    Ich persönlich glaube, dass durch richtige und kluge Auswahl jeder an Klassik herangeführt werden könnte. Da bin ich unverbesserlich optimistisch!!! :p

    Liebe Grüße

    chiarina
     
  12. Styx
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    Styx Guest

    Liebe chiarina,

    das meine Publikum ist ein anderes als jenes in den Konzertsälen, die wollen unterhalten werden und was "luschtiges" hören - das ist immer so eine Schwierigkeit heraus zu finden was denn für Musik die Leute lustig empfinden, die Humorvorstellungen sind da recht unterschiedlicher Natur. Ich weiß noch als ich es mal wagte die A-Dur Polonaise op 40 (Chopin) zu spielen, kamen Reaktionen wie "ich solle sie mit dem Beethovenscheiß verschonen" Die "frisierten" Stücke von Claydermann hingegen konnten sie garnicht genug hören, allen voran die Elise :D

    Viele Grüße

    Styx
     
  13. Klavieroma
    Offline

    Klavieroma Guest

    Lieber Styx,

    ich nehme an, Du hast "Klavier Omis" absichtlich auseinander geschrieben und die Ähnlichkeit mit meinem Nickname ist rein zufällig. Sonst müßte ich nämlich protestieren, ich lynche NIEMANDEN!

    Aber warum nennst Du die Omis und Opis, die Dich wegen dieses Pumuckel-Gedudels "gleich lynchen" werden, konservativ? Dein präser-Verschreiber läßt außerdem die Vermutung aufkommen, daß Du das Adjektiv "konservativ" ziemlich negativ belegst?

    Sind die Busladungen voller mediengeschädigter Flachkost-Konsumenten ein "progressives" Publikum?

    Das kannst Du doch nicht gemeint haben, oder?

    Ansonsten möchte ich mich Chiarinas Meinung anschließen. Mit etwas, das so gräßlich klingt, wird man niemanden für Klassik begeistern, sondern eher endgültig abschrecken.

    LG Klavieroma
     
  14. Nora
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    Nora

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    Liebe Klavieroma,

    es soll doch nicht darum gehen, Gegensätze zu verschärfen, hier die edle Klassik, dort die tumbe Popmusik. Die Frage, ob Crossover-Musik Menschen an die Klassik heranführen kann, wurde hier schon oft diskutiert. Da scheiden sich halt die Geister. Studien zu dem Thema habe ich bislang noch nicht gesehen.

    In dem Zusammenhang ist aber vielleicht folgendes interessant. Es gibt einen neuen Wettbewerb mit dem wohlklingenden Namen "Yeah". :D

    Hier ein Zitat aus dem Internet: Der Yeah Young Earopean Award sucht als erster Wettbewerb im gesamten europäischen Raum nach zukunftsweisenden Programmen und Projekten der Musikvermittlung. Angesprochen sind Orchester und Ensembles, Theater und Konzerthäuser, Komponisten, Musiker, Librettisten, Autoren, Pädagogen und Künstler in ganz Europa, die Kinder und Jugendliche für die klassische Musik begeistern.

    Klassische Musik für junge Leute: Preis für beste Vermittlung - Stadt & Land - Osnabrück

    Die Preisträger werden im November ausgezeichnet.

    Viele Grüße
    Nora
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. Juli 2011
  15. Cembalist
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    Cembalist

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    Na endlich mal was Innovatives! Es war lange an der Zeit, die Rhythmen der klassischen Musik einmal gründlich zu entstauben. Man konnte ja beim Tannhäuser nie wirklich mitschunkeln resp. -klatschen. Damit ist bald Schluß: Statt diffiziler Notenwerte, die ja, wenn man ehrlich ist, nur noch klapprige Musikwissenschaftler begeistern, bekommt das Publikum zeitgemäße Rhythmen zum Mitmachen! Bei Bestellung von Zwei CDs gibts ein Rhythmusgerät "Lambada" gratis dazu! Noch heute bestellen!

    Das ist "Orpheus in se andertrauser" pur!

    Gruß,
    Cem.
     
  16. Klavieroma
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    Klavieroma Guest

    Liebe Nora,

    Studien zum Thema kenne ich auch nicht, habe mich auch nicht bemüht. Es will mir aber nicht einleuchten, warum man mit rockigem Verschnitt für Klassik werben will, wo doch das Original verfügbar ist. Es wird doch im besten Falle Rock mit ner schönen klassischen Melodie daraus, das Besondere, Differenzierte und Subtile an der klassischen Musik wird durch den Beat übertönt. Die Poesie geht verloren. Womit ich nicht sagen will, daß es im Bereich der U-Musik keine poetischen Stücke gibt! Nur, die Klassik wird eben nicht besser durch Unterlegung mit rhythmischen Geräuschen.

    Schöner Wettbewerb, den Osnabrück da ins Leben gerufen hat. Aber weißt Du was, die Orchester, Ensembles, Theater, Pädagogen usw., die da angesprochen sind, sind ja in der Regel schon auf dem Gebiet aktiv und bemüht, junge Menschen an Klassik heranzuführen. Nur sind das eben Insellösungen, und ob ein Kind dann in ein solches Konzert o.ä. geht, hängt doch eher von seinen Eltern (vielleicht auch Großeltern etc.) ab.

    Brauchte man nicht viel mehr Projekte der Art "Wie bringe ich Eltern, Musiklehrern an Schulen, Kindergärtnerinnen ... bei, Kinder mit klassischer Musik vertraut zu machen"?
    (§1 Weniger Radio hören, das Gedudel versaut das Gehör.)

    Liebe Grüße
    Klavieroma
     
  17. Styx
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    Styx Guest

    Liebe Klavieroma,

    es war keineswegs eine Anspielung auf Deinen Nutzernamen, ich hätte natürlich auch den Begriff "Flügelschraube" für hochbetagte moralinsaure Pianistinnen verwenden können :D

    Aber zum Thema:
    ich will das jetzt mal mit dem Essen vergleichen - es gibt Menschen welche in schönster Regelmäßigkeit Hummer, Austern, Champagner usw. genießen, da wird nicht einfach mal so drauf los gefuttert, nein, da läßt man sich jeden Bissen und jeden Schluck auf der Zunge zergehen und wehe es ist nicht absolut korrekt gekühlt oder zubereitet. Ja selbst die Tafel darf nur nach bestimmten Kriterien gedeckt sein.
    Dieses ist ein wohlerlauchter aber kleiner Bevölkerungskreis. Denen welche nicht da zu gehören, ist es wichtig daß sie satt werden und es ihnen irgendwie schmeckt, von diesen Bevölkerungskreis gibt es ein paar mehr (um nicht zu sagen sie sind weit in der Überzahl)

    Genau so ist es in der Musik. Es gibt einen kleinen Teil von Menschen welche jeden Ton jede Note und alles was da zu gehört genießen, und die kennen sich auch richtig aus. Nur der Großteil will einfach nur daß es ihnen gefällt und sie ihren Spaß daran haben, und denen ist es völlig wurscht ob wo ein Stakkato richtig gesetzt wurde oder nicht, die Unterhaltung steht im Vordergrund.

    Oft wird vergessen daß viele aus heutiger Sicht klassische Komponisten zu ihrer Zeit Unterhaltungsmusik machten, ich sag nur ein Beispiel: Chopin - Walzer. Vielleicht wäre auch einmal zu durchdenken wie einige klassische Komponisten mit den heutigen technischen Möglichkeiten umgegangen wären? Würde Ludwig van Beethoven in der heutigen Zeit leben und komponieren, würde er mit Sicherheit von vielen abgelehnt werden.

    Viele Grüße

    Styx
     
  18. Guendola
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    Guendola

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    Das kann man überhaupt nicht vergleichen! Evanessence hat ja ein neues Stück geschrieben, und nicht einfach ein paar Beats und E-Gitarre dazugespielt, eigentlich eher ein eigenes Stück mit dem Original unterlegt - und zwar recht sinnvoll.

    Interessant finde ich, daß beim Original der Name "DarkBloodAndDead666" eingeblendet wird :D
     
  19. Guendola
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    Guendola

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    Hmmm, ich würde sagen, wenn er heute so komponieren würde, wie damals, also die selbe Musik, wäre er nicht Beethoven.
     
  20. thomas1966
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    thomas1966 Guest

    Wenn man das auf die Beispielmusik umlegt, müsste es funktionieren, denen die andere Nahrung gewohnt sind, Austern mit viel Ketchup und Champagner mit Bier zu servieren. Das wird ihnen nicht schmecken und schon gar nicht den Geschmack vermitteln, der die von Dir genannten anspricht.

    Ebenso wird der Versuch, durch klassische Musik mit Beat jemandem für Klassik zu begeistern, scheitern. Wenn diese Art von Musik jemandem gefällt, so soll er seine Freude damit haben. Es wird eben produziert und zu verkaufen versucht - warum nicht, wenn es klappt?

    Grüße
    Thomas