Wiedereinstieg, wie kann es weitergehen?

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Balzaccoffee

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Hallo zusammen,

ich wollte mich kurz vorstellen und euch um Einschätzung bzw. Empfehlungen bitten.

Ich habe früher Musik studiert (Nebenfach Klavier), allerdings damals ehrlich gesagt kaum geübt und bin am Ende mit Mühe durch die Prüfung gekommen (gerade so eine Bach-Invention). Inzwischen arbeite ich als Musiklehrer an einer Grundschule und habe vor etwa einem Jahr wieder angefangen, ernsthaft Klavier zu üben.
In den letzten Monaten hat sich einiges getan:
  • Russische Klavierschule Band 2 bis etwa Seite 62
  • Clementi Sonatinen Nr. 1 und 2
  • Bach Inventionen Nr. 1, 4, 8, 10 (aktuell bei Nr. 13)
Ich bin inzwischen ziemlich motiviert und bereit, täglich ca. 1,5–2 Stunden zu üben. An Literatur habe ich u. a.
  • Bach Inventionen, kleine Präludien und Fugetten
  • Russische Klavierschule Band 2 und 3
  • Sonatinenalben (Peters)
  • Burgmüller etc.
Jetzt stellen sich für mich mehrere Fragen:
  1. Wie würdet ihr meinen aktuellen Stand einschätzen (Übergang Unterstufe / Mittelstufe?)
  2. Wie sollte ich sinnvoll weitermachen – eher systematisch (Bach komplett, Sonatinen etc.) oder mehr gemischt mit Repertoire?
  3. Was versteht ihr konkret unter „Mittelstufe“ im Klavierbereich?
  4. Wenn ich weiter täglich 1,5–2 Stunden übe: Wie lange dauert es ungefähr, bis man solide in der Mittelstufe angekommen ist?
Vielleicht noch zur Einordnung: Das, was ich oben beschrieben habe, habe ich größtenteils in den letzten 5 Monaten geschafft.

Ich freue mich über Einschätzungen, Erfahrungswerte und konkrete Literatur-/Übeempfehlungen.
 

Ad 1: Unterstufe
Ad 2: möglichst breitgefächertes Arbeitspensum: Barock, Klassik, Romantik, Gegenwart. Sinnvoll: jeweils Stücke in unterschiedlichen Arbeitsstadien.
Ad 3: Beethoven, Mozart: die „leichteren“ Sonaten; Chopin: op. 28,15; einige Walzer; Bach: dreistimmige Inventionen.
Ad 4: derartige Prognosen sind im besten Falle unseriös. Die musikalisch-manuelle Entwicklung verläuft NIE linear.
 
Für Deinen Beruf/Musiklehrerjob ist es ja offensichtlich irrelevant, wie Du spielst. Also würde ich einfach munter so weiterüben, wie es gerade kommt - oder auch 'mal Pause machen.

CW
 
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Fachkenntnis und Übe-Disziplin scheinen vorhanden zu sein. Einfach machen, gelegentliches Coaching durch einen guten Lehrer... Der Weg ist das Ziel, enjoy the process!
 
Bach: dreistimmige Inventionen.
Das ist einer der verbreitetsten Irrtümer überhaupt! Die dreistimmigen Inventionen sind sehr dicht, polyphon und streckenweise richtig fies schwer! Viele Fugen aus dem WtC sind leichter!
 
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Warum ist es wichtig, ob man Unter- oder Mittelstufe ist? Gibt es da relevante Einordnungen von Stücken, die du gerne spielen möchtest? Ansonsten kannst du dich das ja mal für andere Lebensbereiche fragen - bist du als Schwimmer eher Anfänger oder Mittelstufe? Als Autofahrer? Als Koch? Das hängt von der Bemessungsskala ab - und da gibts sicher ganz verschiedene. Wenn jemand Clementi-Sonatinen und Bachinventionen spielen kann, würde ich persönlich die Preson nicht mehr als Anfänger bezeichnen.
 
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Für Deinen Beruf/Musiklehrerjob ist es ja offensichtlich irrelevant, wie Du spielst.
Nein. Gerade als Musiklehrkraft an Grundschulen ist man oft die erste Begegnung zur praktizierten Musik für die jungen Menschen.
Eine gute Ausbildung und Versenkung in alle möglichen Stilrichtungen unserer abendländischen Musik hat Auswirkungen in Ausdruck - hoffentlich- und Vielseitigkeit im Begleiten auch einfacher Lieder.
Für mich war und ist es immer am Wichtigsten, dass die werdenden Lehrer die Musik erspüren. Nur dann können sie sie so weitergeben, dass sie den Schülerlein im Gedächtnis bleiben.
Also: Super, @Balzaccoffee , dass Du Dich diesen Geheimnissen verstärkt widmest! In der Tat ist es völlig egal, ob Mittel- Ober- oder Nebenstufe.
Wenn Du Dich mit Clementi beschäftigst, ist Mozart und Beethoven nicht fern. Burgmüller weist den Weg zur Romantik.
 
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Doch.

Ob der der Threadersteller eine Sonatine in perlender und beeindruckender Qualität wiedergeben kann oder nicht, dürfte höchstens die Eltern interessieren - falls es jemals zu einem Vorspiel kommt, was ich bezweifele.

Für die musikalische Bildung der kleinen Kinder (Grundschule!) dürfte die Qualität des vorhandenen Unterstufenrepertoires nicht von Bedeutung sein. Da zählen didaktische Fähigkeiten und auch der Lehrplan mehr.

Bin überrascht, dass jemand mit so überschaubaren praktischen Fähigkeiten Musiklehrer ist. Aber notfalls wäre ja noch der Einsatz des Hauptinstrumentes Tuba (?) zu überlegen......das fänden die Kids bestimmt super:musik018:

CW
 
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  • #10
Danke schonmal für die Antworten. Ich nehme mit, dass eine vielfältige Literaturauswahl die schlauste ist. Ich neige dazu alles immer in ein System packen zu müssen. Mir geht es aber eigentlich eher darum mich musikalisch frei am Klavier ausdrücken zu können, in so fern sind die Tipps sehr hilfreich. Da ich vor 1,5 Jahren einen Schlaganfall hatte und alles autodidaktisch mache, versuche natürlich schon eine sinnvolle Strategie zu fahren.
 
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  • #11
Die dreistimmigen Inventionen sind sehr dicht, polyphon und streckenweise richtig fies schwer! Viele Fugen aus dem WtC sind leichter!
in der Tat gibt es in den dreistimmigen Inventionen hakelig-fiese Passagen. Aber eben weil die Stücke so kompakt und „überschaubar“ sind, finde ich sie auch gestalterisch eher beherrschbar. Bei den Fugen des WTK habe ich nach geraumer Zeit oft das Gefühl, es ist zwar alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Den Spannungsbogen bis zum Schlußakkord aufrecht zu erhalten ist dann viel schwieriger.

Mich würde aber jetzt interessieren, welche der Fugen aus dem WTK Du leichter findest als die dreistimmigen Sinfonien.

Béla Bartók schlägt übrigens folgende Reihenfolge der WTK-Fugen nach Schwierigkeit vor: ii,15; i,6; i,21; i,10; ii,20; i,11; i,2; i,9; i,13; ii,21; ii,6; ii,19; ii,11; i,19; i,14; i,28; ii,2; i,5; i,7; ii,14; ii,7; i,1; i,17; ii,13; i,15; ii,12; ii,1; ii,24; ii,10; i,16; ii,5; ii,18; i,24; ii,9; ii,4; i,23; ii,3; i,12; i,3; ii,8; i,22; ii,17; i,4; i,8; i,20; ii,22; ii,16; ii,23.
 
  • #12
alles autodidaktisch
Es wäre trotzdem eine Überlegung wert, ab und zu mal eine Unterrichtsstunde zu nehmen, oder zwei.
Du hast durch Dein Studium bestimmt gute Grundlagen, aber Input schadet erfahrungsgemäß nicht.

Ich würde mich mit den Stufeneinteilungen auch nicht näher befassen - ein leichtes Stück, musikalisch überzeugend gespielt, ist nicht weniger "wert" als schwierige Stücke, nur weil es vielleicht technisch weniger anstrengend ist.

Bin überrascht, dass jemand mit so überschaubaren praktischen Fähigkeiten Musiklehrer ist.
Bin überrascht, was Du über die Person zu wissen glaubst.

Es mag ja sein, dass die Fähigkeiten am Klavier nicht das sind, was manche von Musiklehrkräften erwarten, aber wer

früher Musik studiert (Nebenfach Klavier)
hat, wird musikalisch wohl nicht komplett ahnungslos sein.
 
  • #13
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  • #14
Es wäre trotzdem eine Überlegung wert, ab und zu mal eine Unterrichtsstunde zu nehmen, oder zwei.
Du hast durch Dein Studium bestimmt gute Grundlagen, aber Input schadet erfahrungsgemäß nicht.

Ich würde mich mit den Stufeneinteilungen auch nicht näher befassen - ein leichtes Stück, musikalisch überzeugend gespielt, ist nicht weniger "wert" als schwierige Stücke, nur weil es vielleicht technisch weniger anstrengend ist.


Bin überrascht, was Du über die Person zu wissen glaubst.

Es mag ja sein, dass die Fähigkeiten am Klavier nicht das sind, was manche von Musiklehrkräften erwarten, aber wer


hat, wird musikalisch wohl nicht komplett ahnungslos sein
Ich möchte nur auf dem Klavier weiter vorankommen.
Musikalisch spielen meine blechschüler regelmäßig bei Landes und Bundeswettbewerb jumu. Habe selbst in profiorchestern gespielt und wir machen an der Grundschule regelmäßig große Aufführungen mit den Kindern.
 
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  • #15
Ich hatte verstanden Musiklehrerin an einer allgemein-bildenden Schule?
Das habe ich auch so verstanden, und der weitere Text bestätigt das ja auch: erste Berührungen mit Musik, die von einer Person gespielt und im direkten Kontakt hautnah erlebt und jedem ermöglicht wird.

@cwtoons
Das sind - gerade auch im Grundschulalter - prägende Erlebnisse. Schon Kinder sind in der Lage, Klangschönheit wahrzunehmen und sie von Gestümper zu unterscheiden. @Tastatula hat sicherlich genau das gemeint. Es gibt Schüler, die bringen ein unfassbar feines Gehör mit, da staune ich immer mal wieder.

Ich habe früher in einem Chor gesungen, nicht, weil mir das Singen so gefallen hat, sondern weil ich dem Musiklehrer bei seinem tollen begleitenden Klavierspiel zuhören wollte.

Hinzu kommt, dass ein Musiklehrer selbst Leidenschaft für Musik mitbringen muss, um Schüler für ihr Fach zu begeistern. Sonst hat man es mit einer mürrischen Meute zu tun, die den Musiklehrern das Leben schwer macht (gibt es viel zu oft, nach dem, was ich so höre).

Wenn es in der Schule egal wäre, wie ein Musiklehrer sein Instrument spielt, würde der Staat auch nicht Millionen von Euro in die Ausbildung von Schulmusikstudenten an ihrem Instrument investieren. Hören ist schließlich die wichtigste Kompetenz in der Musik, und die Didaktik beinhaltet ja auch differenziertes Hören.
 
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  • #16
@Demian, Danke! Ja, genau so hatte ich es gemeint. Verzeihung wegen des Verschreiberlis @Alter Tastendrücker, ich werde es korrigieren.
Und nocheinmal: Ja, ich finde es überaus wichtig, den Kindern die beste Qualität mitzugeben, die möglich ist.
Auch der gemeine Laie kann schöne Musik von Geklimper unterscheiden. Er kann es vielleicht nicht begründen und analysieren, das können wir dann. Aber fühlen tut jeder den Unterschied, der zuhört.
 
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  • #17
Ich möchte nur auf dem Klavier weiter vorankommen.
Würdest du denn in Bezug auf dein Hauptinstrument das autodidaktische Vorgehen empfehlen?
Falls nicht: warum möchtest du am Klavier so vorgehen?

Das Forum hier kann in vielen Punkten hilfreich sein, aber mitunter rechnen sich ein paar Stunden bei einer Lehrkraft dann doch. :heilig:
 
  • #20
@Balzaccoffee: Es ist großartig und mutig, dass Du im fortgeschrittenen Alter Deine verschütteten Klavierkenntnisse auf Vordermann bringen willst. Gerade, wenn Du schon ein anderes (odere mehrere andere?) Instrumente perfekt spielen kannst, was Deinen Fortschritt sicher stark beschleunigen wird.

Ich freue mich über Einschätzungen, Erfahrungswerte
Auch ich habe in weit fortgeschrittenem Alter mein vormals sträflich vernachlässigtes Zweit(streich)instrument wieder aus dem Kasten geholt und begonnen, Unterricht zu nehmen. Daher kann ich Deine Erfahrungen ganz gut nachvollziehen.

Ich würde Dir in Deiner Situation empfehlen, nicht autodidaktisch vor Dich hinzuwursteln, besonders, wenn die motorischen und technischen Grundlagen noch fehlen. Mir hilft wöchentlicher Unterricht sehr, auch wenn er eigentlich zeitlich überhaupt nicht in meinen Alltag hineinpasst. Dadurch schleifen sich Fehler und falsche Haltungen gar nicht erst ein, und man bekommt jede Woche neue Impulse fürs Weiterarbeiten.

Die Einteilung in Unterstufe/Mittelstufe/Oberstufe habe ich beim Klavier auch noch nie gehört. Von den Streichern kenne ich diese Einteilung und vermutlich spielt sie auch bei Euch Blechbläsern eine Rolle. Allerdings wird die Einsortierung bei Dir dadurch erschwert, dass Du sehr asynchron unterwegs bist: musikalisch bist Du durch Dein Blechstudium auf höchstem Niveau, motorisch vermutlich auch, spezifisch am Klavier bist Du derzeit noch nicht so weit. Diese Kombination, verbunden mit hoher Motivation, führt aber dazu, dass Du sehr schnell Fortschritte machen kannst, ggf. etwas eingeschränkt durch Deine gesundheitliche Herausforderungen. Insgesamt ist das eine sehr spannende Kombination. Deine konkreten Fragen könnte Dir am besten ein Lehrer beantworten, der Deine Gesamtsituation im Blick und Dich und Dein Spiel sehr gut kennengelernt hat.

Hilfreich ist es, neben guter Anleitung vor allem auch Geduld mit sich zu haben und immer wieder in das "Anfängermindset" zurückzukehren und mit einer Mischung aus "spielerisch" (kindlich) und "zielgerichtet" (erwachsen) an die Sache heranzugehen und sich auch über kleine Fortschritte zu freuen.
 
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