Wie läuft es bei Steinway?

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  • #21
Ich arbeite mit vielen Herstellern, Händlern und Kunden im In- und Ausland zusammen
Kann es sein, dass wir schon mal persönlich und im echten Leben miteinander zu tun hatten in Verbindung mit Vertrieb?

Das eigentliche Problem betrifft vor allem einen Teil der deutschen Premiumhersteller. Andere Produzenten, insbesondere in Asien, entwickeln sich deutlich besser.

Kommt darauf an, was man unter besser versteht. Der weltgrößte Klavierhersteller Pearl River hat Umsatzeinbußen und ist in die Verlustzone gerutscht. Yamaha* hat auch etwas weniger Klaviere verkauft, interessanterweise in China jedoch wieder mehr. Aber denen macht das nichts aus, weil die anderen Sparten ja gut laufen. Und Kawai* hat ebenfalls Umsatzeinbußen und operativen Verlust durch Rückgang der Zahlen bei akustischen Pianos. Und bei Hailun sieht es auch nicht besser aus. Bei Parsons würde ich vermuten auch nicht viel besser.
Und was das Know-how betrifft: Das sitzt heute längst nicht mehr ausschließlich in den Fabriken. Ein großer Teil der Expertise liegt bei selbstständigen Klavierbauern, Restauratoren, Konzerttechnikern und spezialisierten Werkstätten. Dort wird täglich Wissen weiterentwickelt und weitergegeben – unabhängig von der Serienproduktion.
Ja, definitiv.
 
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  • #22
ich guck mal in meine Glaskugel: es gibt langjährigen Trend zu Schallplatten. Zu mechanischen Uhren. Qualität, Mechanik, Handwerk. (Es gibt eine eigene iPod-Reparatur-Szene (!); eine eigenes Apple Music Classical)
Ich glaube fest daran, dass es für diese "unsere" Musikinstrumente eine Zukunft gibt. Der Weg dahin ist sicher steinig.
Ein Revival, ein Rückbesinnen. Eine größere Wertschätzung. Trotzdem werden E-Pianos und Hybride im kleinen und mittleren vierstelligen Segment bleiben.
 
  • #23
ich guck mal in meine Glaskugel: es gibt langjährigen Trend zu Schallplatten. Zu mechanischen Uhren. Qualität, Mechanik, Handwerk. (Es gibt eine eigene iPod-Reparatur-Szene (!); eine eigenes Apple Music Classical)
Ich glaube fest daran, dass es für diese "unsere" Musikinstrumente eine Zukunft gibt. Der Weg dahin ist sicher steinig.
Ein Revival, ein Rückbesinnen. Eine größere Wertschätzung. Trotzdem werden E-Pianos und Hybride im kleinen und mittleren vierstelligen Segment bleiben.

Die Frage wird sich eher in die Richtung verschieben, wer in den nächsten Jahren noch bereit sein wird, für ein neues Instrument einen fünf- oder gar sechsstelligen Betrag auszugeben. Es gibt einen riesigen Markt, auf dem massig Gebrauchtinstrumente angeboten werden, manche davon eben auch in unverbasteltem Zustand.

Wer sich vor em Kauf ein wenig mit der Materie beschäftigt, wir schnell zu dem Ergebnis kommen, dass ein Neukauf heutzutage keinen Sinn ergibt, sondern vor allem Geld verbrennt.

Ein klassisches Trauminstrument für angehende Pianisten, Klavierlehrer und ambitionierte Klavierspieler ist der Steinway* B, der neu heute mal locker über 150.000 EUR kostet. Für ein Drittel des Preises kann man heute einen sehr gut erhaltenen B aus den 60-80er Jahren kaufen, noch ein wenig in eine Mechanikregulierung und Intonation, vielleicht auch neue Hammerköpfe, investieren und hat dann etwas mindestens gleichwertiges.

Und wenn ich mir die gebrauchten Flügel* der gehobenen Klasse vor Augen führe, die ich in den letzten Jahren unter den Fingern hatte, wüßte ich, dass ich selbst bei den als Top angebotenen Instrumenten immer noch ein paar tausend EUR in die Hand nehmen würde, um klanglich und mechanisch das herauszuholen, was tatsächlich in Ihnen steckt.
 
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  • #24
Die Frage wird sich eher in die Richtung verschieben, wer in den nächsten Jahren noch bereit sein wird, für ein neues Instrument einen fünf- oder gar sechsstelligen Betrag auszugeben. Es gibt einen riesigen Markt, auf dem massig Gebrauchtinstrumente angeboten werden, manche davon eben auch in unverbasteltem Zustand.

Wer sich vor em Kauf ein wenig mit der Materie beschäftigt, wir schnell zu dem Ergebnis kommen, dass ein Neukauf heutzutage keinen Sinn ergibt, sondern vor allem Geld verbrennt.

Ein klassisches Trauminstrument für angehende Pianisten, Klavierlehrer und ambitionierte Klavierspieler ist der Steinway B, der neu heute mal locker über 150.000 EUR kostet. Für ein Drittel des Preises kann man heute einen sehr gut erhaltenen B aus den 60-80er Jahren kaufen, noch ein wenig in eine Mechanikregulierung und Intonation, vielleicht auch neue Hammerköpfe, investieren und hat dann etwas mindestens gleichwertiges.

Und wenn ich mir die gebrauchten Flügel der gehobenen Klasse vor Augen führe, die ich in den letzten Jahren unter den Fingern hatte, wüßte ich, dass ich selbst bei den als Top angebotenen Instrumenten immer noch ein paar tausend EUR in die Hand nehmen würde, um klanglich und mechanisch das herauszuholen, was tatsächlich in Ihnen steckt.
Okay, das ist nachvollziehbar. dahin gehen meine Überlegungen auch. Angebot und Nachfrage sind die bestimmenden Faktoren erster Ordnung.

Was genau meinst du denn mit deinem letzten Absatz? Solche Gebrauchten? junger Bösendorfer 230VC
 
  • #25
Die Frage wird sich eher in die Richtung verschieben, wer in den nächsten Jahren noch bereit sein wird, für ein neues Instrument einen fünf- oder gar sechsstelligen Betrag auszugeben.
Nun, da dürfen wir keinesfalls nur den D-A-CH-Markt betrachten. In China, Russland, Indien, USA und etlichen anderen (Groß-)Regionen gibt es unzählige Menschen, die 200 K genauso ausgeben können, wie Du eine Briefmarke kaufst. Wenn dann noch dazu kommt, dass eine standesgemäße Wohnung (und solche Leute haben i.d.R. etliche Domizile) einen ordentlichen Flügel* aufweisen muss, ist mir um die renommierten Marken nicht bange, solange sie die jeweiligen Märkte adäquat bedienen können. Ich fürchte allerdings, dass sich die meisten Marken schwer damit tun, Kunden, die 100% Service / Extrawunsch jetzt und sofort wollen, entsprechend zufriedenzustellen, selbst wenn diesen Kunden 50k mehr oder weniger sch...egal sind. Wenn da ne Taste klemmt, muss der beste Techniker SOFORT einfliegen und zu Diensten sein.

Dumm allerdings für S&S HH, dass der neureiche Flügelkäufer wenig Sachverstand hat und im Zweifelsfall u.U.sogar auf NY setzt.
 
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  • #26
Wer sich vor em Kauf ein wenig mit der Materie beschäftigt, wir schnell zu dem Ergebnis kommen, dass ein Neukauf heutzutage keinen Sinn ergibt, sondern vor allem Geld verbrennt.

Ein klassisches Trauminstrument für angehende Pianisten, Klavierlehrer und ambitionierte Klavierspieler ist der Steinway B, der neu heute mal locker über 150.000 EUR kostet. Für ein Drittel des Preises kann man heute einen sehr gut erhaltenen B aus den 60-80er Jahren kaufen, noch ein wenig in eine Mechanikregulierung und Intonation, vielleicht auch neue Hammerköpfe, investieren und hat dann etwas mindestens gleichwertiges.
Das kann man so nicht sagen. Bzw. das gilt nur für Leute mit Ahnung, die sich zutrauen, ein gebrauchtes Instrument richtig einzuschätzen. Ob sie damit recht haben, wissen aber auch die erst nach der Überholung. Der Großteil der Käufer hat dieses Wissen jedoch nicht und die kaufen lieber das fertige Produkt, bei dem keine Überholung fällig ist. Oder halt ein bereits überholtes. Außerdem fühlt sich neu halt immer gut an, manche Leute wollen grundsätzlich nichts gebrauchtes kaufen. Und ein Steinway B mag ein klassisches Trauminstrument sein, aber bestimmt keines für die Massen.

Aber ja, es stimmt: Neukauf heißt tatsächlich immenser Wertverlust.
 
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  • #27
Aber ja, es stimmt: Neukauf heißt tatsächlich immenser Wertverlust.
Nicht unbedingt, kommt sicher auf das Alter und die Marke an. Ich habe z. B. keinen gebrauchten SK 3 gefunden, der günstiger als für meinen damaligen Neupreis zu haben ist.
 
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  • #28
Betrachtet man den Automarkt, scheint enormer Wertverlust bei vielen (der Masse?) kein Kaufhindernis zu sein.
 
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  • #29
Innerhalb Deutschlands kauft auch keiner mehr. Schlechte Zukunftsaussichten, Angst um den Job und Deindustrialisierung dank hoher Energiepreise, Fachkräftemangel und überbordender Bürokratie.
Der Niedergang der deutschen Klabierbauindustrie liegt im wesentlichen an den gesellschaftlichen Veränderungen begründet: Klaviere waren vor 150 Jahren familiäre Statussymbole und wurden damals verkauft in hohen Stückzahlen wie heute Autos. Diese Situation hat sich schon vor nach dem Krieg begonnen zu verändern und seitdem erleben wir einen stetigen Rückgang, über einen schon sehr langen Zeitraum hinweg, noch weit bevor aktuelle Fakoren wie Zukunfts-/Jobängste, Bürokratieprobleme und Fachkräftemangel überhaupt ein Thema waren.

Letztes ist in Deutschland nur die Kirsche auf der Torte, aber ersteres ist der Tortenboden. Und in anderen Weltregionen liegen auch wieder ganz andere Ursachen zugrunde, wie z.B. die weggefallende staatliche Subvention in China. Auch wenn die Tendenzen. an vielerlei Orten auf den ersten Blick vergleichbar scheinen, sind die Ursachen doch z.T. deutlich verschieden und bedarf einer differenzierten Betrachtung.
 
  • #30
Und trotzdem gibt es lange Wartelisten für Klavierunterricht an den Musikschulen.

Die plötzlich einbrechenden Verkaufszahlen sind ja auch in Möbelmärkten und Küchenstudios zu beobachten. Wenn man an solchen vorbei fährt, wundert man sich über die wenigen Autos auf dem Parkplatz.
 
  • #31
Die plötzlich einbrechenden Verkaufszahlen sind ja auch in Möbelmärkten und Küchenstudios zu beobachten. Wenn man an solchen vorbei fährt, wundert man sich über die wenigen Autos auf dem Parkplatz.
Das kann man nicht so pauschalisieren. Natürlich gibt es das zahlreich, genauso zahlreich kann ich dir volle Parkplätze vor Möbelhäusern nennen. Und beim Klavierverkauf gibt es keine plötzlich einbrechenden Verkaufszahlen - die gehen schon seit Jahrzehnten zurück. Richtig ist vielmehr, dass die aktuelle Situation einen weiteren Druck auf die grundsätzlich eh schon schlechte Lage in der Branche ausübt.
 
  • #32
Und trotzdem gibt es lange Wartelisten für Klavierunterricht an den Musikschulen.
Wobei wir da nicht wissen, auf welchen Instrumenten dann zuhause geübt wird. Bei vielen kommt vielleicht erstmal ein Digi ins Haus.
 
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  • #33
Wobei wir da nicht wissen, auf welchen Instrumenten dann zuhause geübt wird. Bei vielen kommt vielleicht erstmal ein Digi ins Haus.
So ist es. Bei meinen Schüler war es in den letzten 20 Jahren so:
10-20% der Anfänger hatten schon ein Klavier von der Mutter oder sich ein gebrauchtes Klavier gekauft
80-90% haben sich ein Digipiano gekauft.

1-2% davon haben sich dann irgendwann mal ein neues Klavier (und sogar mal einen Shigeru) gekauft

Vor 40 Jahren war das nicht so. Da wurden Schimmel, Kawai, Yamaha, Bechstein und Grotrian neu und gebraucht gekauft. Natürlich auch mal Rippen, Zimmermann usw.
 
  • #34
Und beim Klavierverkauf gibt es keine plötzlich einbrechenden Verkaufszahlen - die gehen schon seit Jahrzehnten zurück. Richtig ist vielmehr, dass die aktuelle Situation einen weiteren Druck auf die grundsätzlich eh schon schlechte Lage in der Branche ausübt.
Als (mittlerweile) ehemaliger Händler kann ich dir sagen: da liegst du definitiv falsch. Es ist zwar richtig, dass vor 40 Jahren viel mehr Klaviere verkauft wurden. Aber die jetzt einbrechenden Verkaufszahlen kamen dann doch recht plötzlich. Das war kein kontinuierlicher Niedergang.
 
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  • #35
Wenn ich mir ansehe, dass sich der Listenpreis meines Klaviers in den 13 Jahren seit dem Kauf mehr als verdoppelt hat, bei einer kumulierten Inflation von etwa 30%, dann wundert es mich nicht, dass ein Neukauf immer seltener infrage kommt, unabhängig von den restlichen Einflussfaktoren. In einem schrumpfenden Markt sind die Fixkosten eines zweiten Standortes irgendwann nicht mehr tragbar und wenn man dann noch die Energiekosten in Deutschland mit denen in den USA vergleicht, man denke nur an die Trocknung des Holzes, dann ist klar, weshalb Steinway die Produktion möglicherweise auf NY konzentrieren möchte. Ich bedauere das auch, aber ich habe seinerzeit meinen Beitrag zur Unterstützung der deutschen Klavierindustrie geleistet und werde mir nicht alle 20 Jahre ein neues Instrument leisten.
 
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  • #36
und wenn man dann noch die Energiekosten in Deutschland mit denen in den USA vergleicht, man denke nur an die Trocknung des Holzes, dann ist klar, weshalb Steinway die Produktion möglicherweise auf NY konzentrieren möchte
Soweit ich weiß, liegt die Produktion NY technisch/baulich (mind.) Jahrzehnte hinter HH zurück. Wenn man noch die Handwerkerskills mit einrechnet, kann die Priorisierung von NY nur als US-Überheblichkeit gedeutet werden, die nichts mit strategischer Unternehemsführung zu tun hat.
 
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  • #37
Vielleicht behält man aus Imagegründen den traditionsreicheren Standort?
 
  • #38
In einem schrumpfenden Markt sind die Fixkosten eines zweiten Standortes irgendwann nicht mehr tragbar und wenn man dann noch die Energiekosten in Deutschland mit denen in den USA vergleicht, man denke nur an die Trocknung des Holzes, dann ist klar, weshalb Steinway die Produktion möglicherweise auf NY konzentrieren möchte.

Und was ist mit den Transportkosten?
 
  • #40
Wie läuft es bei Steinway?

Bei Steinway & Sons stehen die Zeichen weiterhin auf Veränderung. Nach aktuellen Entwicklungen wurde der bisherige Geschäftsführer des Standorts Hamburg, Guido Zimmermann, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Die Verantwortung für Europa, den Mittleren Osten und Asien übernimmt künftig Gavin English, der bislang als President von Steinway in den USA tätig war.

Für den Standort Hamburg wurde Joachim Merz als Leiter der Fertigung und Produktion benannt. Gleichzeitig wurden auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung Aussagen getroffen, die viele Mitarbeiter aufhorchen lassen: Offen wurde kommuniziert, dass das Unternehmen langfristig keine zwei Produktionsstandorte mehr benötige.

Zwar soll die Produktion in Hamburg vorerst weitergeführt werden, jedoch mit deutlich reduzierten Kapazitäten. Besonders bitter ist, dass die Belegschaft bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht hat. Mitarbeiter verzichteten auf ihres Urlaubsgeldes, um Arbeitsplätze zu sichern und dem Unternehmen in einer schwierigen Phase entgegenzukommen. Dennoch scheint dies die geplanten Umstrukturierungen nicht aufhalten zu können.

Nach dem Betriebsurlaub soll bereits die nächste Kündigungswelle folgen. Für viele langjährige Mitarbeiter bedeutet das große Unsicherheit – und für den traditionsreichen Standort Hamburg wirft es ernste Fragen über die Zukunft auf.

Hamburg war über Jahrzehnte ein Synonym für handwerkliche Exzellenz im europäischen Klavier- und Flügelbau. Sollte dieser Standort weiter geschwächt werden, wäre das nicht nur ein Verlust für die Beschäftigten, sondern auch für die Tradition des deutschen Klavierbaus.

Ich bin gespannt, welche Entscheidungen in den kommenden Monaten getroffen werden und welche Zukunft Steinway dem Standort Hamburg tatsächlich noch einräumt. Die nächsten Schritte des Unternehmens werden richtungsweisend sein.
 
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