Was hat Dich heute unglücklich gemacht

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Henry, 31. März 2016.

  1. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Tja, und trotzdem tun wir es alle, auch Du. Dafür braucht man noch nicht mal Internet oder ein Telefon und es ist schon lange keine Frage der Freiwilligkeit mehr.
    Btw., ich halte meine Daten in einer vernünftigen "Cloud" für besser geschützt als auf der heimischen Festplatte sowohl gegen Missbrauch als auch vor Verlust.
     
  2. Stilblüte
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    Stilblüte Super-Moderator Mod

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    Und was ist eine vernünftige Cloud?
     
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  3. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Ihm hat überhaupt keiner mitgespielt - nur macht eine Kandidatur keinen Sinn, wenn schon von vornherein sicher ist, daß man nicht gewählt wird. Er hätte dort im Ort als Bürgermeister nicht die geringste Chance.
     
  4. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Gute Frage! Zu den vernünftigen zähle ich die, die sorgsam mit den Daten umgehen, gute Verschlüsselungen haben, Missbrauch vermeiden.
    a) Die bekanntesten dürften die Clouds von MS, Apple, Google und Blackberry (RIM) sein, denen sowohl die Wirtschaft, Politik, Finanzen, Militär als auch Privatleute ihre Daten in riesigen Mengen über Jahrzehnte hinweg anvertrau(t)en. Größere Lecks sind mir bei denen nicht bekannt, allerdings sind sie wenig durch Europa und dessen Gesetzgebung beeinflussbar.
    b) Dann sind da noch die Telefongesellschaften, aber auch hier zeigt sich, dass ein europäischer Sitz nicht vor staatlichen Eingriffen aus Übersee schützt (Abhörskandal).
    c) Und dann gibt es noch ein riesiges Sammelsurium aus verschiedensten Anbietern und Eigenlösungen, wo man wöchentlich liest, dass wieder mal was gehackt wurde (Versicherungen, Spieleplattformen, Socialmediaplattformen, tausende Serveranbieter/-hoster für alle Bereiche (auch Ärzte!), unzählig lange Liste...).

    Derzeit sind für mich a) oder b) "vernünftige" Clouds*. Ich würde mir aber viel lieber eine europäische Lösung wünschen, die auch europäischen Standards entspricht und europäischer Kontrolle unterliegt.

    *) für mich habe ich das derzeit einfach nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip gelöst:
    Alle meine Daten (privat als auch geschäftlich) werden verschlüsselt auf einem lokalen NAS abgelegt. Dieses NAS synchronisiert sich mit einem Anbieter aus a).
    Die Wahrscheinlichkeit, dass meine Daten durch Rohrbruch, Wohnungsbrand, mechanische Beschädigung, oder eigene Dummheit verloren gehen, halte ich für wesentlich größer als dass das in der von mir gewählten Cloud passiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand in mein lokales Netzwerk hackt oder einfach die Wohnungstür aufbricht und Daten klaut / missbraucht halte ich für wesentlich größer als dass das in der Cloud passiert.

    Nein, ich glaube nicht, dass meine Daten sicher sind. Aber da wo sie jetzt sind halte ich sie für sicherer als bei mir zu Hause.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020
  5. Barratt
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    Barratt Lernend

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    @frosch Ich zitierte Dich wegen des Stichworts "Datenschutz". Leider sehe ich ein bisschen rot bei diesem Stichwort. "Datenschutz" erlebe ich eigentlich nur als ein Konglomerat ärgerlicher Absurditäten. Dass man als Ehefrau beispielsweise nicht mitgeteilt bekommt, warum der Ehemann im Koma liegt (kaum dass man von diesem Umstand überhaupt erfährt :008:). Nur so als kleines Beispiel für die Perversion dieses Wahns.

    Einige weitere Gedanken zum Thema:

    • Ich akzeptiere, dass zu fast allen Fragen unterschiedliche Auffassungen gibt. :001: Also werde ich mich mit niemandem streiten, nehme mir aber das Recht heraus, meine Überzeugung darzulegen.
    • Etwas schwerer fällt mir die Akzeptanz, wenn nur aus der Perspektive der eigenen Betroffenheit argumentiert wird (das ist eine grundsätzliche Aussage und bezieht sich auf niemanden persönlich). Mir reicht meine Phantasie, um mir vorzustellen, welche Hölle z. B. die Dialysepflichtigen erleben. Dummerweise lernte ich im Laufe meines Lebens 3 dialysepflichige Personen im weiteren Umfeld kennen: Es ist wirklich die Hölle. Das wird den anderen Leuten, die auf ein Transplantationsorgan warten, nicht anders ergehen. Also ist es für mich selbstverständlich, nach meinem Tod Organspender zu sein. Ich bekomme davon nichts mit und habe keinen Schaden. Auch reicht meine Intelligenz nicht aus, mir valide Gegengründe vorzustellen.
    • Ganz pragmatisch: Es wäre von riesigem Vorteil für jeden und damit für das Budget der Allgemeinheit, wenn sämtliche Gesundheitsdaten (in Wahrheit: Krankheitsdaten) zur Person zusammengefasst würden, am besten zentral auf einer Datei, auslesbar in jeder niedergelassenen Praxis und in jedem Krankenhaus. GANZ toll wäre es auch, dort alle Befunde, Laborergebnisse, Bilder, Medikationen und Berichte abrufbar zu machen. Je umfassender ein Arzt informiert ist, desto besser kann er behandeln. Gut therapiert zu werden, ist mir erheblich wichtiger als die Geheimhaltung von Wahrheit. Richtig klasse fände ich es, wenn in dieser Datei auch gleich Patientenverfügung, DNA-Profil, Fingerabdrücke und Rentenanwartschaften hinterlegt würden. :005:
    • Im komatösen oder gar hirntoten Zustand wird man zum hilflosen Spielball der Willkür von Angehörigen. Man hat einen Ausweis und eine Patientenverfügung, die Angehörigen aber rücken nicht raus damit. Na danke auch!!! Mir wäre es lieber, wenn mein eigener Wille irgendwo hinterlegt wäre, worauf die behandelnden Ärzte Zugriff hätten, und zwar unabhängig von den Angehörigen. Angehörige treffen womöglich irrationale Entscheidungen (oder gar keine, weil sie nicht greifbar oder ebenfalls komatös sind).
    • Tot ist tot. Tote werden verbrannt oder verrotten. Egal ob mit komplettem Organsatz oder ohne diejenigen Ersatzteile, die andere davor bewahrt hätten, ebenfalls zu sterben. Es ergibt keinen Unterschied für den Toten, aber es könnte Lebende davor bewahren, vorzeitig zum Toten zu werden. Biomüll oder Lebensverlänger.
    • Ich hätte die Spahn-Variante bevorzugt. :020: Wer sich für Biomüll entscheidet, hätte das kundtun können.

    Ich bin auch vehement für Sterbehilfe. Als ich gestern morgen ganz früh Richtung Osten, Richtung Landeshauptstadt fuhr, beobachtete ich, wie der Aufgang unseres Zentralgestirns sich ankündigte. Im Rückspiegel – schuckeschwarze Nacht, der Horizont vor mir – pastellfarben, erleuchtet von einem Stern in knapp 150 Mio km Entfernung. In den Senken stand der Nebel. Das ist Wahnsinn, so groß, so unermesslich. Dieses Schauspiel läuft seit Millionen von Jahren ab und wird auch noch einige Millionen Jahre ablaufen. Man sollte sich nicht so wichtig nehmen. :bye:
     
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  6. frosch
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    frosch

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    @Barratt , ich kann viele Deiner Argumente gut nachvollziehen, einige teile ich sogar. Und hätte ich mehr Vertrauen in das, was Du als Szenario beschreibst, könnte ich Dir sogar ganz überwiegend zustimmen. Dieses Vertrauen in ein seriöses, vernünftiges und die Rechte der einzelnen Person optimal wahrenden Handling, von Hacking und Co. mal ganz abgesehen, habe ich -auch aus sehr subjektiven Erlebnissen heraus, leider nicht.

    Und ich hüte mich einigermaßen davor, die verschiedenen Meinungen zu diesem Thema moralisch zu bewerten.
     
  7. frosch
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    frosch

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    Ich tue es nicht. Es wird getan. Ein Unterschied.

    Lies mal die Snowden-Biographie.

    (Wichtige Daten habe ich vom Netz getrennt bzw. bewahre sie nicht nur digital auf, teilweise gedoppelt an verschiedenen Orten.)


    Ja.

    Ich nicht. Denn schon ab dem Moment, in dem Du sie in die Cloud einspeicherst, sind sie nicht mehr sicher.

    Die Tendenz zu immer mehr Datensammelei und digitaler Überwachung führt zu einer neuen Art Totalitarismus. Da, wo ich mich dem entziehen kann oder will, möchte ich es auch tun.

    Ich kenne noch das Leben ohne Internet & Co. Wenn ich mal nicht mehr im Beruf bin, werde ich den aktiven Netz-Konsum sowieso auf ein Minimum sinnvoller Nutzungen zurückfahren. Man lebt ruhiger, bewusster und erfüllter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020
  8. mick
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    mick

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    Wenn du sie auf dem Rechner oder dem Wischtelefon hast und online bist, sind sie noch viel weniger sicher. Tatsache ist, dass die großen Cloud-Anbieter einen enormen Aufwand betreiben, um die Sicherheit der Daten bestmöglich zu gewährleisten. Das ist deren Geschäftsmodell - ein einziger gravierender Fehler gefährdet bereits deren gesamte Existenz.

    Diesen Aufwand zur Sicherung kannst du mit privaten Mitteln niemals abbilden. Und wenn du deine Daten bereits vor der Übertragung verschlüsselst, hat weder der Cloud-Anbieter noch irgendein Geheimdienst Zugriff darauf - jedenfalls nicht mit vertretbarem Aufwand.

    Sicher sind deine Daten nur, wenn du sie gar nicht speicherst oder aufbewahrst. Ist aber irgendwie keine praktikable Lösung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020
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  9. frosch
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    frosch

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    Da gibt es auch ganz andere Ansichten von Fachleuten. Mag es doch jeder so machen, wie ihm dünkt.
     
  10. frosch
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    frosch

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    Vielleicht weckt das hier ein wenig Verständnis für "Gegengründe".
    Sehr reflektiert und lesenswert.

    Und das hier.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020
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  11. Andre73
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    Andre73

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    Sehe ich durchaus auch so. Es gibt aber auch einen gegenläufigen Effekt: Cloud-Speicher sind als Daten-Hubs besonders interessante Angriffsziele.

    Ein Angreifer hat ein hohes Interesse daran, hier viele Ressourcen zu investieren, weil die Belohnung potenziell immens ist. Und wer besonders viel Ressourcen investiert, der findet auch irgendwann irgendwas. Perfekte Sicherheit gibt es nicht, die illegalen Datenabflüsse aus Cloud-Speichern zeigen das immer wieder.

    Der private Computer von Hans und Franz mit deren unstrukturierten, heterogenen Daten ist ein deutlich einfaches Angriffsziel, aber eben auch viel uninteressanter.

    Oftmals sind diese Systeme auch sehr individuell, man muss nicht 1 mal einbrechen und hat dann eine Schablone für alle Systeme, sondern immer wieder Ressourcen investieren. Deshalb funktionieren Konzepte wie "Budestrojaner" auch kaum, man muss diese Tools immer wieder durch Experten anpassen, was immer wieder Ressourcen frisst.

    Dort wird kaum einer viel Ressourcen investieren (außer es sind verschwendete Steuergelder...), es sei denn die Person ist von besonderem Interesse.


    Wie gesagt, grundsätzlich ja, aber in der IT-Security beschäftigt man sich insbesondere mit dem Risiko "Datensee als besonders interessantes Angriffsziel"
     
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  12. mick
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    mick

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    Das ist absolut klar. Aber sobald ich meine Daten bereits verschlüsselt hochlade, wird der individuelle Aufwand wieder immens, diese Verschlüsselung aufzubrechen.

    Absolute Sicherheit gibt es nicht, das ist klar. Es geht immer um eine Risiko-Abwägung. Aber meine schützenswertesten Daten (z.B. Bank- und Kreditkartendaten, Krankenversicherung, Steuersachen etc.) befinden sich ohnehin auf irgendwelchen Cloudspeichern, ohne dass ich mich dagegen wehren kann.
     
  13. Musikanna
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    Musikanna

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    So unterschiedlich können Ansichten und Empfindungen sein. Mir wäre es total wichtig, dass meine Angehörigen, die ohnehin mit der Trauer um mich weiterleben müssen, sich nicht auch noch in innere Konflikte stürzen. Im Klartext: Ich teile ihnen rechtzeitig meine Einstellung zur Organspende mit, aber entscheiden sollten ggf. sie, und sei es völlig irrational, wenn es ihnen emotional hilft.
     
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  14. Andre73
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    Andre73

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    Das mit der Verschlüsselung bringt aber auch nur etwas, wenn nur Du den Schlüssel hast - in deiner Nutzersphäre auf deinem Client/deinen Clients.
    Oftmals sagen die Cloud-Speicher zwar, "wir speichern verschlüsselt", aber sie haben gleichzeitig irgendwo auf der Cloud-Schnittstellen-Seite den Schlüssel zur Entschlüsselung - und damit wird das ganze wieder Makulatur.

    Das Problem mit den Schlüsseln auf Nutzer-Seite ist, dass wenn man diese Dinger verliert, man nicht mehr an seine Daten herankommt. Und diese Dinger sind z.B. 2048 Bit lange Zahlen/Buchstabenkolonnen - die kann man sich nicht aufschreiben. Man muss sie umsichtig exportieren/importieren zwischen seinen Geräten.
    Siehe auch Bitcoin mit den verlorenen Wallets etc. - ein riesen Problem für den Nutzer Joe Average.

    In dieser Zwickmühle "Sicherheit kontra Usability" sitzen Cloud-Speicherdienstleister ziemlich stark - weshalb man hier oft Kompromisse macht und damit doch ein interessantes Angriffsziel bleibt.

    Der Elefant im Raum bleiben dabei Quantenrechner - der de facto Standard RSA 2048 kann damit recht schnell geknackt werden, bei nur 11 stabilen Qubits (dort ist man noch nicht, für stabile Qubits braucht man dutzende aktuelle Qubits). Dann hat man mit einem erfolgreichen Angriff riesige strukturierte Datenmengen als heiligen Gral ;)
     
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  15. chiarina
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    chiarina

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    Lieber frosch,

    danke für die lesenswerten Artikel!

    Ich kann deine Zweifel verstehen. Auch ich habe Angst vor möglichem Missbrauch, vor dem, was eine Widerspruchsregelung bedeuten könnte und was ich möglicherweise jetzt nicht überblicken kann.

    Im ersten von dir verlinkten Artikel geht man sehr schlimm mit den Angehörigen um und auch mit dem toten Kind nach der Organspende. Das war allerdings 1985. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das heute noch so wäre - zumindest wird durch solche Artikel und die momentanen Diskussionen sicherlich eine Sensibilisierung geschaffen.

    Was ich nicht glaube, ist dieses:

    "zweitens hat die Wissenschaft neue Erkenntnisse, setzt man die bei schwersten Schädelhirntraumen ein, kann man etwa 70 Prozent dieser Menschen retten und die meisten von ihnen in ein normales Leben zurückführen."

    Das ist für mich eine ungeheuerliche Aussage und leider wird sie durch keine weiteren Ausführungen/Studien o.ä. erläutert. Dass bei schwersten Schädelhirntraumen 70% ein normales Leben führen, was das auch immer sei?! Das halte ich für unmöglich.

    Was den Hirntod angeht und seine Definition(en), sehe ich das auch kritisch. Wer weiß schon, ob der Mensch wirklich tot ist, und was ist überhaupt tot?

    Was ich aber weiß, ist, dass ein hirntoter Mensch nach diesen Kriterien nicht mehr in der Lage ist, am Leben in irgendeiner Form teilzunehmen. Er lebt nicht mehr, auch wenn er vielleicht nicht komplett tot ist. Ich verstehe sehr gut, wie schrecklich das alles für die Angehörigen im ersten Artikel war, aber ich glaube, es hat viel damit zu tun, dass es das KIND der Eltern war.

    Ich habe das bei meinem Opa ganz anders wahrgenommen. Zu Beginn der 80er stellten Ärzte nicht gern lebenserhaltende Maschinen ab und so lag mein hirntoter Opa eine Woche auf der Intensivstation an den Geräten. Das war für uns alle absolut schrecklich. Natürlich atmete er noch etc., aber er war nicht mehr da. Er war tot. Diese Diskrepanz war gruselig. Ich hatte das Gefühl, dass mein Opa nur noch erlöst werden wollte, aber durch die Maschinen noch an seinen Körper gefesselt war.

    Ich verstehe die eindrücklich beschriebenen Gefühle der Mutter in dem Artikel sehr gut und ich glaube, dass es mir auch so ginge, wenn es meine Kinder wären. Ich glaube aber auch, dass kein Weg daran vorbei führt, dass das Kind längst gegangen ist und kein Weg zurück führt. Selbst wenn der übrig gebliebene Körper noch warm ist, ein paar Reflexe zeigt o.ä..

    Richtig ist, dass sie sich gegen das gesamte, erschütternde Prozedere zur Wehr setzt(e) und ich hoffe, dass heute so etwas nicht mehr vorkommt. Viele Berichte scheinen das zu bestätigen, aber es gibt noch viel zu tun, besonders was die Angehörigen betrifft: https://www.tagesspiegel.de/wissen/...ren-betroffenen-der-organspende/24252510.html .

    Ich wäre froh über die Widerspruchsregelung gewesen. Ich habe tatsächlich ein Problem, einen Ausweis in der Tasche zu tragen, der sich mit meinem Tod beschäftigt. Aber vielleicht muss ich da noch einmal in mich gehen und mich entscheiden.

    Liebe Grüße

    chiarina
     
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  16. Barratt
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    Barratt Lernend

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    Wie gesagt, ich akzeptiere, dass andere Leute andere Ideen/Überzeugungen haben. Vor allem solange sie mir nicht ihre aufdrängen wollen. Texte wie die von Dir verlinkten nehme ich zur Kenntnis, aber sie sind für mich irrelevant.

    Der zweite Text ist ja wenigstens noch wissenschaftlich. Der gefühligen Autorin des 1. Texts hätte seinerzeit eine gute Trauerbegleitung sicher mehr geholfen als die Lektüre von Texten, die zu verstehen dieser christlichen Pädagogin ganz offensichtlich die Kompetenz fehlte. Was sie eingangs zum Thema SHT absondert, ist darüber hinaus sachlich falsch. Die Gefühle einer Einzelperson sind für mich keine Argumente, aber selbstverständlich hat jeder die Freiheit, mit seiner Meinung hausieren zu gehen.
     
  17. Barratt
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    Barratt Lernend

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    Das falsch. Genau dieser Passus ließ mich erstmalig zurückstutzen. Wenn ein Text mit so einem Mumpitz beginnt, möchte ich den Rest schon nicht mehr lesen. Habe ich aber. Es wird nicht sachlicher.

    Eben nicht. Das war die Maschine, die es so aussehen lies. Ein hirntoter Patient hat keine Spontanatmung - oder er ist nicht hirntot.

    Diesem falschen Eindruck saß offenbar auch die Autorin von Text 1 auf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020
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  18. maxe
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    maxe Gesperrt

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    Diese Organspendenproblematik ist ein sehr schweres Feld.

    Hirntodvermutung und ihre Folgen sind sehr belastend, verstörend und schwiereig nüchtern zu behandeln.

    Was mich sehr bewegt, sind Aspekte die @frosch hier in seinen Links angesprochen hat :

    - der Narkose oder Opiat/Relaxanz-abschirmung des vermeintlich (Hirn-)Toten:
    " bizarren Diskussion, die unter europäischen Anästhesisten geführt wird. Soll man Hirntote bei der Organentnahme narkotisieren, weil nicht völlig auszuschließen ist, dass sie – zumindest auf einer grundlegenden Ebene – Schmerz empfinden können? In der Schweiz ist eine Narkose vorgeschrieben,"

    - Harvard Medizinethiker will sogar u.U. noch nicht Hirntote als Spender nutzen:
    "Andere Experten wie der Bostoner Medizinethiker Robert Truog halten es für akzeptabel, dass man unter Umständen lebenswichtige Organe entnehmen darf, auch wenn der Spender gar nicht tot ist. Damit würde aber der Weg für fremdnützige Tötungen bereitet,"


    Hier mal genau langsam durchlesen und auf sich wirken lassen:

    https://www.suedkurier.de/ueberregi...tote-bekommen-eine-Narkose;art1350069,9907857


    Andererseits ruft sogar Rom auf, die Organspende als großen Akt der Nächstenliebe zu praktizieren, aus vatikanischer Sicht, sind die ethischen Probleme offenbar weniger stark ins Gewicht fallend.
    https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-04/papst-franzikus-organspende-audienz-aufruf.html
     
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  19. dilettant
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    dilettant

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    Verschlüsseln kannst Du Daten, die Du selbst erfasst hast. Diese Daten kannst Du vermutlich relativ unbeschwert bei Google & Co. speichern. Das Risiko, dass sie dort verlorengehen, halte ich ähnlich wie @Peter für deutlich geringer als auf meiner lokalen Festplatte. Das Risiko, dass sie ausspioniert werden, ist auch gering, denn sie sind individuell strukturiert und keiner weiß, was für Informationen es eigentlich sind. So lange Du als Person relativ langweilig bist, dürfte da wenig passieren.

    Das Problem sind doch strukturierte Datenspuren, die einfach-so entstehen. Wann war ich wo angemeldet, wann habe ich mich wo aufgehalten, nach welchen Produkten habe ich gesucht, welche Seiten habe ich wie lange gelesen. Wofür gebe ich mein Geld aus. Das sind die Daten, aus denen die Datenkraken Profile erstellen und beispielsweise – anscheinend mit einer durchaus guten Trefferquote – das Wahlverhalten herauslesen. In diese Rubrik fallen leider auch alle von Behörden erhobenen Daten und so eben auch Gesundheitsdaten oder Daten zur Organspende. Aus dem Hacken der Daten und dem anschließenden gezielten Töten eines Menschen mit der passenden Leber ließe sich jedenfalls schon mal ein schöner Krimi stricken.

    Gegen die Sammelei von Datenspuren kann man wenig machen. Verschlüsseln der eigenen Fotogalerie nützt da wenig. Man müsste ständig über Anonymisierungsseiten surfen, alles bar bezahlen, etc. Das Leben würde auch ganz schön anstrengend.
     
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  20. frosch
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    frosch

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    @chiarina und @Barratt , danke.

    Aber ihr kommt bei euren Einwänden gegen die verlinkten Texte mit Argumenten, die ja völlig auf der Hand liegen. Ich habe sie genau so erwartet. Ich wollte schon die Uhr danach stellen... ;-)

    Es greift m.E. aber viel zu kurz, das alles nur als fehlgeleitete Trauerarbeit abzutun. V.a. auch die angesprochenen medizinisch ethischen Argumente zu Transplantationen generell.

    Warum habe ich sie verlinkt? V.a um zu zeigen, dass es bei diesem Thema m.E. keine "objektive Sicht" gibt, wie gerne dargetan wird. Die Sichtweisen auch zu diesem Thema sind vielmehr von verschiedenen, auch sehr subjektiven, Interessen geleitet, die man mag oder auch nicht. Über die man sich aber nicht moralisch erheben sollte. Die Mutter ist um Objektivität bemüht. Ich verlange nicht von ihr, dass sie das auch durchgehend schafft. Sie berührt aber wichtige Punkte dieser Thematik.

    Und, ich deutete das schon an, es ist v.a. eine Glaubenssache zu meinen, die dort geschilderten Umstände seien heute nicht mehr möglich. (Mag sich hierzu jeder seine eigenen Gedanken machen.) Bei mir ist es mehr als nur Glauben, daran zu zweifeln.

    Vielleicht hat er noch immer recht:

    Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr.
    Prof. Rudolf Pichlmayr – 1987
    Transplantationsmediziner



    Es gäbe noch viel zu diesem Thema zu sagen, doch das könnte den nicht beabsichtigten Eindruck erwecken, ich würde agitieren wollen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Jan. 2020