Warum werden die Stücke von Einaudi hier so negativ gesehen?

  • Ersteller Ersteller annibee
  • Erstellt am Erstellt am

  • #141
Auf YT gibt es den Titel "Experience" des Albums "In A Time Lapse" ( Teatro Dal Verme in Milan December 2023) des Maestro Einaudi zu verkosten.

Diese Tonanwendungen könnten wirkliche Musikschaffende und derer Liebhaber zu einigem Unwohlsein verleiten.

(Ich verstehe nicht, warum damit innert zweier Jahre 17 Millionen Hörer und 230.000 Likes generiert werden konnten.)

Wer nicht durch modernistische Konditionierung eingespurt wurde empfindet wahrscheinlich Einaudis Tonstücke eher langweilig, einfältig, leblos, ungrundiert, farblos, entseelt und saftlos.
 

  • #142
Vorsicht! Bitte keine Komponistenbeleidigungen. Ligeti kann nix dafür... :coolguy:

Ich wollte Ligeti nicht beleidigen. Der hat schon seine Qualität, obgleich ich nicht 100% mit Ligeti warm werde.
 

  • #145
Wieso Intelligenz? Sie muss nur genug Geld haben, dass Einaudi davon leben kann.
 
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  • #147
Man darf auch nicht vergessen, die, die hier die ganze Zeit das Hohelied der Primäkultur singen, hören vielleicht in ihrem Auto bei jeder Gelegenheit WDR 4 oder so. Wer 's nicht kennt, das ist der hiesige Spartensender u. A. für Oldies - auch genannt Kukidentprogramm.

CW
 
  • #150
verläuft nicht eigentlich nur eine scharfe Grenze zwischen Kultur und Un-kultur?
Je mehr Menschen du bittest, diese Grenze zu definieren, desto unschärfer wird sie.

Es sei denn, du fragst in akademisch gebildeten Musikerkreisen ... die hauen dir dann gleich den Schlagbaum als Grenzmarkierung auf den Kopf.
 
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  • #152
Das ist gar keine Frage; dass religiös gebundene Kunst den Weg von der kultischen Begehung zum ästhetischen Ereignis geht, ist in allen Epochen belegt.

Zum ersten Mal in aller Klarheit beim griechischen, oder genauer gesagt, attischen Drama (Musiktheater!), wo man die Stadien der Entwcklung gut nachverfolgen kann. Es beginnt als gottesdienstliches Element im Rahmen des Dionysoskults (das “Dionysostheater” in Athen steht ja im Kultbezirk des Dionysos), ist also Teil des Staatskults, und Mitwirkende müssen attische Vollbürger sein. Diese Bindung an den Dionysoskult hat von Anfang an auch eine politische Dimension, denn das Theater wurde eingeführt zwecks kultischer Aufwertung des Kleineleutegottes Dionysos, der bis dahin irgend ein Mittelding zwischen Gott und Hanswurst war, und damit zwecks politischer Aufwertung der “kleinen Leute”, auf welche sich die Peisistratiten (die Tyrannen von Athen) bei ihrem Staatsstreich gegen ihre Adelsgenossen vorrangig gestützt hatten. Die zweite Phase ist die der Professionalisierung. War das Drama bisher "Laientheater", treten nun ausgebildete Sänger auf, für die dann auch Soloarien eingeführt werden (ab Euripides). Die dritte Phase ist die beginnende Lösung aus dem kultischen Kontext: Euripides hatte die Nase voll von dem konservativen attischen Publikum und inszeniert seine Sachen fortan am makedonischen Königshof in Pella, wo die Aufführungen somit nicht mehr dem Lob des attischen Gottes, sondern dem Prestige der makedonischen Dynastie dienen. Die dritte Phase ist die des Exports in die restliche griechische Welt (es entstehen überall masssenhaft Theater) und die der Kommerzialisierung als “Kurtheater” für eine zahlungskräftige Kundschaft wie in Epidauros, dem bekannsten Beleg für diese abschließende Phase.

Mutatis mutandis kann man diese Entwicklung bei vielen andere Beispielen sehen, wie etwa am Weg von Bachs Oratiorien aus der Thomaskirche ins Gewandhaus oder auch bei nicht-religiöser Kunst wie z.B. am Weg von Brechts didaktischen Stücken zum Repertoire des bürgerlichen Theaters.

Diese Entwicklung war von den meisten Autoren sicher nicht so gedacht, und auch über den weltfremden, die Notwendigkeit von Ressourcen und die eines Publikums gleichermaßen außer Acht lassenden „L’art pour l’art“-Anspruch hätten die meisten von ihnen wohl den Kopf geschüttelt. Sie ist aber ein unvermeidliches Produkt der Rezeptionsgeschichte, die aus heutiger Sicht einen großen Vorteil hat, nämlich den Rezipienten sozusagen die in Freiheit zu entlasssen, das Kunstwerk nach seinen Bedürfnissen zu rezipieren, didaktisch oder kulinarisch oder beides. Oder sogar intellektuell, z.B. wenn die zeitliche Distanz zwischen Kunstwerk und Rezipienten so groß geworden ist, dass es jene beiden Zwecke zunehmen weniger erfüllen kann. Gibt es hier jemand, den die Texte der Arien der Bachschen Oratorien ästhetisch oder inhaltlich ansprechen? Mich auch nicht. Aber wenn man sie in den Kontext der zeitgenössischen Rhetorik und Theologie stellt, werden sie auf einmal hochinteressant.
Herzlich bedanke ich mich für Ihren sehr hochinteressanten Beitrag!


Irgendwann mal muss man alle Ihre Beiträge hier sammeln und herausgeben !!
 
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  • #153
Je mehr Menschen du bittest, diese Grenze zu definieren, desto unschärfer wird sie.

Es sei denn, du fragst in akademisch gebildeten Musikerkreisen ... die hauen dir dann gleich den Schlagbaum als Grenzmarkierung auf den Kopf.

Da gibt es aber auch einen Graubereich. Pärt ist so ein Beispiel. Irgendwie keine hohe Kunst, aber irgendwie doch. Auch bei sehr schräger moderner Musik gibt es so einen Graubereich. In der Musik ist man da aber schon strenger als in der bildenden Kunst. Für mich ist aber z.B. Banksy auch nur eine Art Andre Rieu der bildenden Kunst und vor allem ein Marketinggenie.
 
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  • #154
Mir gefallen ein paar Einaudi Stücke sehr gut, auf meiner Skala liegen sie auch über einigen Klassik-Stücken. Ich hab ne Schwäche für Minimalismus (wobei ich alles von Glass besser finde als das beste Einaudi Stück).

Ein paar Stücke von Yiruma mag ich auch sehr gerne.... Nur mit Tiersen kann ich absolut null anfangen.

Ich würde aber lieber was von Sakamoto oder Takashi Yoshimatsu spielen. Das ist musikalisch schon wesentlich wertvoller.
 
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  • #155
Herzlich bedanke ich mich für Ihren sehr hochinteressanten Beitrag!


Irgendwann mal muss man alle Ihre Beiträge hier sammeln und herausgeben !!

Schmarrn. das kannst du in der einschlägigen Literatur viel genauer nachlesen. Frag einfach mal die "KI" deiner Wahl nach einer leicht verständlichen Geschichte der Griechischen Tragödie auf Englisch (die mir bekannten auf Deutsch sind verständlich, aber ohne das Adverb).
 
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  • #156
Bloss mal so, interessehalber:
Wie würdet ihr das "Buch der Klänge" von Hans Otte einordnen?
 
  • #157
Schmarrn. das kannst du in der einschlägigen Literatur viel genauer nachlesen. Frag einfach mal die "KI" deiner Wahl nach einer leicht verständlichen Geschichte der Griechischen Tragödie auf Englisch (die mir bekannten auf Deutsch sind verständlich, aber ohne das Adverb).

Sie sind zu bescheiden xD


Edit : ich meine im Sinne der Höflichkeit...
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #158
Bloss mal so, interessehalber:
Wie würdet ihr das "Buch der Klänge" von Hans Otte einordnen?

Gar nicht, ich würde es im Regal der Musikabteilung stehen lassen.

Grüße
Häretiker
 
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  • #159
Auf YT gibt es den Titel "Experience" des Albums "In A Time Lapse" ( Teatro Dal Verme in Milan December 2023) des Maestro Einaudi zu verkosten.

Diese Tonanwendungen könnten wirkliche Musikschaffende und derer Liebhaber zu einigem Unwohlsein verleiten.

(Ich verstehe nicht, warum damit innert zweier Jahre 17 Millionen Hörer und 230.000 Likes generiert werden konnten.)

Wer nicht durch modernistische Konditionierung eingespurt wurde empfindet wahrscheinlich Einaudis Tonstücke eher langweilig, einfältig, leblos, ungrundiert, farblos, entseelt und saftlos.

Auch wenn es jetzt schon einen Monat her ist, möchte ich trotzdem meinen Senf dazugeben. Würstchen müssen selbst mitgebracht werden.

Ich habe mir besagtes YT Video ca. 4 Minuten angeschaut. Nach 1,5 Minuten dachte ich mir "kommt da jetzt noch was, oder wars das schon?". Aber jeder soll das hören/spielen, was ihm gefällt.

So rein nach dem Gehör, stufe ich dieses Stück nicht als besonderes anspruchsvoll, aber geeignet für Anfänger ein. Kann natürlich auch sein, dass ich mich täusche. Bin selbst blutiger Anfänger, würde damit jetzt aber nicht bei meiner KL aufschlagen und sagen, dass ich das in einem Jahr (keine Ahnung ob realistisch oder nicht) spielen möchte.

Nur mal aus Neugier. Wie lange würde ein normal begabter, blutiger Anfänger brauchen, bis er sowas halbwegs sicher spielen kann?
 
  • #160
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