Warum werden die Stücke von Einaudi hier so negativ gesehen?

  • Ersteller Ersteller annibee
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  • #101
Ist dieser Beitrag jetzt Kunst oder kann der weg?
 
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  • #102
Ich glaube, du verwechselst die Rezeption von Kunst mit der Kunst an sich.
Ich glaube Kunst an sich gibt es nicht, da gehört immer ein für sich dazu - um in der Terminologie des deutschen Idealismus zu bleiben.
Ohne wahrnehmende und fühlende Menschen wird Kunst nicht. Auf Geschmack lässt sich das natürlich auch nicht reduzieren.
 
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  • #103
Aber mal eine subjektive Sache zum Thema Einaudi:

Ich würde Einaudis Werke jetzt ganz sicher nicht als irgendwelche Meisterwerke sehen, die Musik ist sehr einfach gestrickt und die transportierten Aussagen sind oberflächlich - keine Frage.

Aber Einaudi stört mich nicht, für eine oberflächliche Untermalung habe ich überhaupt nichts gegen Einaudi. Das passt zu einer Massage oder vielleicht zum Rumdösen und Entspannen.

Richtig schlimm finde ich aber z.B. dieses River flows in you Zeugs, v.a. mit aufgeblasener Agogik gespielt. Das ist nicht nur primitiv, sondern irgendwie noch exsaltierter, aufgeblasener, das bringt mich richtig auf die Palme. Wenn Einaudis Musik einem einfach gestrickten, nicht sehr vielschichtigen, ehrlichen Menschen entspricht, wirkt das Yirumazeugs wie so ein primitiver Wichtigtuer.
 
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  • #104
dieses River flows in you Zeugs
... läuft bei einem Bestattungsunternehmen, mit dem ich beruflich öfter telefonieren muss, als Warteschleife. Das Lied vom Tod, fürwahr. :005:

(Bei Einaudi denke ich auch oft, das dudelt so gefällig vor sich hin und hat dabei durchaus etwas Meditatives. Einfach, minimal, unendliche Wiederholungsschleifen, nichts Widerständiges oder Unerwartetes,... andererseits aber eben auch nichts, das mich reizen könnte, mich weiter damit auseinanderzusetzen. Soll es vielleicht ja auch gar nicht.)
 
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  • #105
Die fabelhafte Welt der Amelie habe ich damals gerne gesehen und die Musik hat im Film für mich auch funktioniert. Wirklich zuhören darf ich aber nicht. (damit wir TEY besammen haben)
 
  • #106
Eine wesentliche Anforderung an Kunst ist es, dass sie berühren muss, etwas im Betrachter/Hörer verändern, im besten Fall etwas auslösen
Gilt auch Langeweile?
Wie schon oben erwähnt, haben ja auch meditative Klangbilder ihre Daseinsberechtigung, und da wäre Einaudi für mich ein prima Beispiel. :müde:

Meine Auslöser sind Vulfpeck&Co. :-)
 
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  • #107
Wie schon oben erwähnt, haben ja auch meditative Klangbilder ihre Daseinsberechtigung, und da wäre Einaudi für mich ein prima Beispiel. :müde:
Wenn etwas erschaffen wird, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen - ist es dann Kunst? Nach Théophile Gautier („L’art pour l’art“) jedenfalls nicht.
 
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  • #108
Also wäre etwa religiöse Kunst gar keine?
 
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  • #110
Vielleicht ist die Frage nicht so sehr, ob etwas einem bestimmten Zweck dient, sondern ob es darüber hinaus auch für sich stehen kann/könnte. Das muss sich ja nicht unbedingt ausschließen und tut es bei jeglicher Kunst, die diese Bezeichnung verdient, wohl auch nicht. Beim Soundtrack von "Amélie" hingegen - na ja ... ;-)
 
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  • #111
Vielleicht ist die Frage nicht so sehr, ob etwas einem bestimmten Zweck dient, sondern ob es darüber hinaus auch für sich stehen kann/könnte.
Könnten Werke wie Bachs Matthäuspassion, Mozarts C-Moll-Messe oder Verdis Requiem nicht für sich stehen, würden sie heute gar nicht mehr gespielt. Denn nahezu alle Aufführungen finden im konzertanten Rahmen statt, oft in weltlichen Konzertsälen.
 
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  • #112
Natürlich ist religiöse Kunst auch Kunst.

Wenn nicht, dann ist vieles von Bachs Musik ebenfalls keine Kunst. Ich denke da kann hier niemand zustimmen ... ob er Bach nun mag oder nicht.
Auch diverse Gemälde wären dann keine Kunst, nur weil sie einen religiösen Inhalt haben. So mancher gekreuzigter Jesus ist aber aus der Kunstgeschichte einfach nicht wegzudenken.

Betrachtet man die überlieferte Geschichte, dann kann man Religiom oder Spiritualität sogar als einen Ursprung der Kunst betrachten mindestens aber als großen Motor in der Kunstgeschichte.
 
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  • #113
Nach Théophile Gautier („L’art pour l’art“) jedenfalls nicht.
Dass Du ausgerechnet mit dem alten Kiffer kommst. :-D
Seine Doktrin über Kunst in einem Vorwort eines Sexromans ist für mich großer Bullshit und war eh nur den damaligen politischen Repressionen geschuldet. Warum manche Theorien über so lange Zeit weitergegeben und hochgehalten werden, verstehe, wer will.
Natürlich darf, kann, soll, muss Kunst auch zweckbestimmt sein.
 
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  • #114
Dem widerspricht Mick doch gar nicht.
Ähm, Mr. Logik, wie sonst sollte man die von ihm gestellte und von Gautier beantwortete Frage verstehen?
Ich bezog mich auch nicht auf das, was Mick weiter unten schrieb, sondern auf die von ihm erwähnte Doktrin von Gautier, "dass Kunst völlig zweckfrei zu sein habe, jedes gesellschaftliche oder gar politische Engagement meiden müsse und allein in der Perfektion ihrer Produkte einen Sinn finde".
Bitte mal VHS-Kurs "Logik für Dummies I" machen.
Cool! Sitzen wir dann nebeneinander?

Er sagt nur, dass wirkliche Kunst auch dann, wenn die Zweckbestimmung wegfällt, für sich stehend ihre Kunstwirkung entfaltet.
Na dafür ist Einaudi doch auch ein prima Beispiel. Seine Filmmusik hören ganz berührt ne Menge Leute, die die Filme nie gesehen haben.
 
  • #115
Gilt auch Langeweile?
Wie schon oben erwähnt, haben ja auch meditative Klangbilder ihre Daseinsberechtigung, und da wäre Einaudi für mich ein prima Beispiel. :müde:
Langeweile (= Belanglosigkeit?)wäre FÜR MICH ein KO-Kriterium.

Den Zuhörer/Betrachter meditativ stimmen hingegen nicht. Yves Kleins blaue Tafeln, Rothkos Farbflächen oder auch natürlich William Turner knipsen bei mir sofort den Meditationsmodus an.
 
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  • #116
Noch din Gedanke zum l‘art pour l‘art: Man kann dies auch als Eskapismus betrachten, was ebenfalls einen Zweck bedeutet.
 
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  • #117
"Se masturbait-elle en écoutant du Brahms ?"

(Michel Houellebecq)
Man beachte den Unterschied: Den Autor Houellebecq kann man mögen oder auch nicht, seine literarischen Werke sind Kunst. Übergriffige "lustige" Spekulationen unter der Gürtellinie über das Intimleben anderer Forumsmitglieder hingegen (auch eine Form sexueller Belästigung?!) ... - doch, kann weg, finde schon.-
 
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  • #118
Man beachte den Unterschied: Den Autor Houellebecq kann man mögen oder auch nicht, seine literarischen Werke sind Kunst. Übergriffige "lustige" Spekulationen unter der Gürtellinie über das Intimleben anderer Forumsmitglieder hingegen (auch eine Form sexueller Belästigung?!) ... - doch, kann weg, finde schon.-
Unabhängig von Details und Bezügen... der Rüffel ist angekommen! Habe den Post entfernt.

Seltsam nur, dass der Post, auf den ich mich bezog, und der sich wesentlich deutlicher unter der Gürtellinie rumtrieb, dafür sogar ein paar Likes bekommen hat.
 
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  • #120
Naja...
In vergangenen Jahrhunderten hatte die breite Masse noch nicht mal Zugang zu "Hochkultur" mit ihrer außerordentlichen Fülle an Qualität. "Die Menschen" hatten ganz andere Prioritäten. Die Anzahl der Menschen, egal ob Kind oder Greis, die sich heute qualitativ hochwertiger Musik widmen, dürfte um ein Vielfaches höher sein als in vergangenen Jahrhunderten.

Die Beschwerden über den Niedergang der Kunst sind genauso alt wie die aktuellen Krisenüberschriften. "Die Zeit ist aus den Fugen" (jetzt aber wirklich!) ist von Shakespeare. Jeder Journalist der das schreibt, ist nicht ernst zu nehmen.

Man muss schon in einer ganz schönen Blase sein um von der Zeit der Wiener Klassik das Bild zu haben, dass da alle wie Mozart rumgelaufen sind. Von dieser Musik hat die breite Masse absolut nichts mitbekommen und auch gar nicht die Muse dazu gehabt. Hat es jemals so viele Leute in Deutschland gegeben wie heute die davon leben können sich voll der Kunst zu widmen? Oder nebenbei (wie ich)? Das Profitum ist ja auch eher modern (die Profis mögen mich korrigieren, wenn ich da falsch liege).

Und selbstverständlich gibt es auch heute junge, talentierte Künstler die Neues wagen (Enaudi meine ich damit nicht). In ein paar Jahrzehnten werden einige Musiker von heute Kultstatus haben, genauso wie Musiker aus den 60gern und 70gern jetzt Kultstatus haben. Aber natürlich will die heute ältere Generation (wie jede Generation vor ihr) nicht akzeptieren dass es heute auch bedeutende Künstler gibt (das ist heute ja alles nichts mehr!), weil das Gefühl "von früher" und der eigenen Jugend eben einmalig ist. Es ist ein Antrieb jeder jungen Generation mit alten Regeln zu brechen und die ältere Generation erstmal zu enttäuschen. Repetition mögt ihr nicht? Hier bitte.

Und noch etwas anderes, auch wenn es sehr Off-Topic ist: Unsere tolle, deutsche Hochkultur (Goethe, Bach, Kant!) hat kein bisschen deutsche Verbrechen und Dummheit verhindert. Natürlich ist sie auch nicht Schuld daran, sie macht uns weder zu besseren noch zu schlechteren Menschen.
Hochkultur ist etwas Tolles, ich genieße Klassik, Jazz und Weltliteratur! Aber selbstverständlich kann man auch zufrieden und friedlich ohne sie leben. Also, selbst wenn die Hochkultur im Niedergang wäre, so what. Hauptsache wir Deutschen machen nicht mehr so einen Scheiß wie früher (als alle noch so toll Musik gemacht haben), weil das war wirklich einmalig scheiße und dumm.
 
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