Warum werden die Stücke von Einaudi hier so negativ gesehen?

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annibee

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Ich habe gesehen, dass es hier einige gibt, die Einaudi gar nicht gut finden, und dass sogar ein Titel gesucht wird für ein Lied, das sehr gefällt - aber wenn es von Einaudi sein sollte, kann es nicht gespielt werden. Da er meinen Ohren gefällt, interessiert mich, was an seinen Stücken die Abneigung hervorruft.
 

Es handelt sich um Trivialmusik.

Du kannst ja auch gerne Dr.-Frank-Romane, Essen von McDoof, Sendungen auf RTLII, Schlager oder Pornos gut finden. Jeder hat sein ein oder anderes "guilty pleasure". Völlig normal, so ist der Mensch.

Aber deswegen muss man ja nicht verschweigen, dass es sich bei diesen Dingen und eben auch bei Trivialmusik wie Einaudi, Tiersen etc. um lower culture handelt, die halt an die einfacheren Hirnwindungen appelliert.

Viele sind heute so programmiert, dass sie Instrumentalmusik im Grunde nur als Filmmusik hören. "Richtige" Musik ist für die Normalos stets ein vertonter Text, also etwas mit Gesang. Solche Musik wie die hier diskutierte erinnert an Filmmusik (und erfüllt dafür ja auch sehr gut ihren Zweck) und löst daher filmartige Emotionen und innere Bilder aus, wie z.B. bei dieser Art von Musik den prototypischen verregneten Abend bei abwesendem Liebhaber o.ä. Im Grunde ist das nur Tapetenmusik, die irgendwie eine Stimmung schafft, sonst ist da nix los. Und es ist halt zusätzlich noch eine triviale, unkomplexe und klischeehafte Stimmung.

Gute Musik ist weit, weit mehr als einfach akustischer Stimmungsauslöser.
 
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Da er meinen Ohren gefällt,
kannst Du selbstverständlich Einaudi-Nummern spielen oder konsumieren, soviele, wie Du schaffst. Da würde ich mich einen Teufel darum scheren, wie das hier kommentiert wird.

CW
 
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@annibee : In Deinem anderen Faden hast Du schon das richtige Wort für Einaudis belanglose Strickware gefunden: NETT. Und nett ist bekanntlich der kleine Bruder von sch… Was Dich aber nicht zu hindern braucht, das Zeug rauf und runter zu klimpern. Das Gute dabei: dafür benötigt man nicht einmal soliden Klavierunterricht.
 
Ich mag das Repetitive an den Stücken von Einaudi und im Moment wären sie für mich noch eine ziemliche Herausforderung; es läuft bei mir noch nicht flüssig. Insofern werde ich ihn eines Tages auf meine Spielliste setzen.
 
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@annibee
Ich spiele auch lieber Dreilancia als Einaudi. Ein kleiner Scherz.

Wenn es zu meiner Stimmung passt, dann kann ich mir auch mal ein oder zwei Stücke von Einaudi oder Thiersen anhören (auch Yiruma geht mal klar ... damit wir das TEY-Trio wenigstens komplett haben).
Allerdings finde ich es auf Dauer einfach etwas zu langweilig ... das gilt aber für fast alle Komponisten ... geballt ist mir das zu langweilig ... egal ob Mozart, Bach, Chopin oder Beethoven ... OK ... TEY langweilt mich schon besonders schnell.

Aber wenn es einem gefällt, sollte es eigentlich keine noch so bedeutende Meinung geben, die einen davon abhält, diese Stücke zu spielen. Musik, die man selbst macht, sollte einem vor allem selbst gefallen.

Mein Tipp: Gib nicht so viel auf das, was andere von Musik halten, die dir gefällt.
 
Und was das Niveau der Musik angeht: Wir sind hier ja alle (vermutlich) Erwachsene, aber die Klavier-Reife im Sinne von „zu bewältigen“ ist unterschiedlich. Mein Kopf ist in anderen Bereichen auch ein Profi und kann da vielleicht auch so denken wie ihr. Und gleichzeitig kann ich verstehen, wenn ein Leseanfänger egal welchen Alters niedrigere Sachen als reizvoll empfindet und / oder mangels Erfahrung nicht alles sieht. Im Deutsch-Abi wurde in diesem Jahr von den Schülern gefordert, sich zu „Modewörtern“ zu positionieren - wie soll ein 18- oder 19-Jähriger eine nicht angelesene oder auswendig gelernte kritische Position dazu haben?
 
Hallo annibee

Lass dich nicht verunsichern. Es ist richtig, dass "es hier einige gibt, die Einaudi gar nicht gut finden", und vermutlich einige das nachplappern, weil sie dem erlauchten Kreis angehören wollen, und selten jemand eine andere Sicht auf das Thema hat. Es ist schon skurril, wenn hier solche Begriffe wie

"guilty pleasure"
fallen. Wenn jemand versucht, anderen einzureden, dass sie Schuld, Scham oder was weiß ich noch empfunden müssen bei Dingen, die ihnen Vergnügen empfinden, dann bekommt das ein Gschmäckle nach Ersatzreligion. Kann also getrost entsorgt werden. Auch der Begriff "Normalos" zeigt ganz klar, worum es hier geht, eine elitäre Haltung, die auf andere herabblickt, um ... (kann sich jeder denken).

Ich behaupte auch, dass
an die einfacheren Hirnwindungen appelliert
schon ein fundamentales Missverständnis birgt. Musik muss NICHT zwingend an Hirnwindungen appellieren, seien es einfachere oder komplexere. Es reicht völlig, wenn Musik emotional den Hörer erreicht. Die Musik von Einaudi schafft offenbar genau das, darauf beruht sein Erfolg, und das verzeihen ihm die "Eliteros" nicht :016:.

Wenn du also Spaß am Spielen von Einaudis Musik hast, lass dir das nicht vermiesen.
 
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Es gibt 3 Stücke von Einaudi, die ich wirklich mag. Das sich ständig wiederholende Motiv hilft mir beim Entspannen. Dadurch sind sie für mich im positiven Sinne "Einschlafmusik".
Die Kritik an dieser Musik ist genau das. Das ein Motiv mit keiner oder nur wenig Veränderung wiederholt wird. Nach Noten möchte ich ein solches Stück nicht spielen. Das wird sehr Eintönig. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie zum Üben von Agorik und Dynamik gut geeignet sind. Aus meiner Sicht ist Ludovico Einaudi in diesen Bereichen gut. Deswegen leben seine Stücke bei ihm und bei vielen anderen Spielenden - in der Regel Anfängern - nicht.
 
  • #10
Man kann ja auch sein Repertoire mit Helene-Fischer-Songs anreichern. Die sieht auf jeden Fall besser aus als Einaudi.

CW
 
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  • #11
Es gibt auch andere Komponisten, die in Richtung "Minimal" bzw. repetitive Elemente komponieren. z.B. Philip Glass oder Steve Reich. Da könntet ihr mal reinhören.
 
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  • #12
@Dromeus
Die Einaudi-Kritiker auf "Trittbrettfahrer", "Mitläufer" oder "Nasebräuner" zu reduzieren, ist auch nicht die feine englische Art.
Vor allem ist es nicht minder manipulativ.

Vielleicht sind die Leute auch einfach nur ehrlich, und es gefällt ihnen halt wirklich nicht.
Es geht ums Gefallen ... und nicht um irgendwelche objektiv messbare Qualitätsstandards, die man als "Elitero" gefälligst zu beachten hat, bevor man zugibt, dass einem ein Stück gefallen hat.
 
  • #13
Die Einaudi-Kritiker auf "Trittbrettfahrer", "Mitläufer" oder "Nasebräuner" zu reduzieren, ist auch nicht die feine englische Art.
So pauschal, wie du das jetzt formulierst, war ich nicht.

Vielleicht sind die Leute auch einfach nur ehrlich, und es gefällt ihnen halt wirklich nicht.
Auch wieder eine Pauschalierung. Ich sprach lediglich von "vermutlich einige". Ohne auf irgend jemand mit dem Finger zu zeigen, einfach aufgrund allgemeiner Lebenserfahrung. Vielleicht gibt es ja auch einige, die Einaudi gut finden, und mit ihrer Meinung lieber hinter dem Berg halten?

Es geht ums Gefallen ... und nicht um irgendwelche objektiv messbare Qualitätsstandards
Falsch, die Frage war: "Warum werden die Stücke von Einaudi hier so negativ gesehen?" und als Begründungen fielen Begriffe wie:
trivial, unkomplex, klischeehafte, lower culture... Ob jetzt subjektiv oder objektiv (das ist eh nicht sauber zu trennen), aber mit "Qualität" wird doch klar argumentiert, und das bei jeder TEY "Diskussion".

Mehr wollte ich gar nicht sagen, das Thema mündet rasch in einen ermüdenden Schlagabtausch. In diesem Sinne... schönen Sonntag allerseits :musik064:.
 
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  • #14
In dem Augenblick, wo man Musik auf „Gefühl“ und „Gefallen“ reduziert, wird jede Diskussion sinnlos. Aber Musik ist mehr als nur das. Und da wird es dann interessant, Kriterien herauszuarbeiten, was Einaudi von Steve Reich und Philipp Glass unterscheidet.
 
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  • #15
@DromeusEs geht ums Gefallen ... und nicht um irgendwelche objektiv messbare Qualitätsstandards, die man als "Elitero" gefälligst zu beachten hat, bevor man zugibt, dass einem ein Stück gefallen hat.
Falsch, es geht sehr wohl um objektive Qualitätsstandards.

Meine jahrelange, auch akademische, Ausbildung als Musiker hätte ihren Sinn verfehlt, wenn ich nicht bei Stücken sagen könnte, was an ihnen objektiv besser oder schlechter komponiert ist.

Zu behaupten, es gehe nur um persönlichen Geschmack, ist vermaledeiter postmoderner Relativismus.

Bei Bildern sagt doch auch keiner "die Bilder vom Straßenmaler sind nicht besser oder schlechter als Rembrandt oder Picasso, es ist lediglich Geschmackssache". (Wahrscheinlich gibt es aber doch Bekloppte, die so was sagen...)
 
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  • #16
Zu behaupten, es gehe nur um persönlichen Geschmack
Ich habe nicht behauptet, dass es nur um den persönlichen Geschmack geht.

Wer aber glaubt, den persönlichen Geschmack komplett ignorieren zu können, liegt mMn fast immer falsch.
 
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  • #17
Hat das irgendwer gesagt?

Ich schrieb doch extra, jeder soll das gut finden, was er halt gut findet.

Nur sollte er auch die Information bekommen, dass das, was er da gut findet, nicht the cream of the crop ist.
 
  • #18
Musik muss doch nicht komplexe Strukturen aufweisen, um gut gemacht zu sein. Das zeigen etliche Kompositionen, die einfachste Mittel nutzen, während deren Komponisten hochkomplexe Techniken beherrschten. Zu diesen Komponisten gehört auch Einaudi. Ich zitiere hier mal den allseits geschätzten @Rheinkultur, der, nachdem abwertend von „Einaudi-Niveau“ gesprochen wurde, dies geschrieben hat:

Einaudi-Niveau? Vorsicht. Ludovico Einaudi war als Meisterschüler des in den USA wirkenden Luciano Berio in Direktverbindung mit der Weltklasse der Avantgarde der 1960erjahre, die stilistisch Lichtjahre abseits des sogenannten "Easy Listenings" anzusiedeln ist. Auch viele Komponisten der Popular- und Filmmusikszene sind in der Schule führender Avantgarde-Komponisten großgeworden - und da wird ein zunächst sehr schlichtes und simples Material viel geschickter verarbeitet, als es so mancher oberflächliche Betrachter erwarten würde. Gerade das ist ein hochinteressanter Aspekt: zunächst denkt man, so primitives und anspruchslos gestricktes Material kann selbst der dümmste Trottel händeln. Man tue es wirklich und man stellt fest, es gibt doch Unterschiede - und zwar gewaltige. Ein ähnliches Phänomen bringt man öfters mit der bildenden Kunst in Beziehung: die lächerlichen Kleckse da auf der Leinwand bringt jedes Kleinkind zustande. Mag sein. Was aber hindert den spöttisch kommentierenden Betrachter daran, selbst so etwas auf die Leinwand zu klecksen und für das Machwerk eine Million Euro zu fordern?
 
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  • #19
Blabla, klar, in gewisser Weise stimmt das ja, was im Rheinkultur-Zitat fettgedruckt ist.

Aber ich lasse mich nicht durch solche Hintergrundinformationen blenden, sondern höre selber hin. Und ich kann diese behauptete Raffinesse und Subtilität in Einaudis Klavierstücken nicht entdecken. Der Kaiser ist nackt. Punkt.
 
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  • #20
"When I hear people who love my music and are trying to copy it, it sounds strange to me because it sounds so simple, made by other people. It took me a lot of years to find the balance, to find a way to be on the edge of being accessible but at the same time having the echo of a deep, more complex world."

https://www.steinway.com/news/features/a-new-vision-ludovico-einaudi

"Die Menschen glauben, sagt er, dass seine Art von Musik leicht zu machen ist. Das sei ein Irrtum. 'Ich suche nach Reinheit. Nach perfekte ausbalancierten Relationen. Wie in einem japanischen Garten: Da liegen Steine, aber die hat nicht einfach jemand dort abgelegt, sondern sie haben alle eine Bedeutung. Eine Geschichte.' “

 
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