Wal Mart - der hohe Preis der Niedrigpreise!

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Heglandio, 27. Dez. 2009.

  1. Heglandio
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    Heglandio

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    Schlechte Arbeitsbedingungen bei Billigdiscountern sind keine deutsche Erfindung. Amerikanischer Vorreiter ist der Wal Mart Konzern, ein Unternehmen das für das permanente Verbreiten von Guter Laune in seinen Supercentern steht.
    Im Gegensatz zu herkömmlichen Discountern die nur über ein eingeschränktes Warenangebot verfügen, bietet Wal-Mart ein Vollsortiment. Dies macht den hohen Anreiz für den Kunden aus.

    Wie es hinter den Kulissen aussieht hat sich jetzt der amerikanische Dokumentarfilmer Robert Greenwald angeschaut. Sein 97 minütiger Film ist eine Abrechnung mit den Praktiken des multinationalen Konzerns. „Wal Mart - The High Costs of Low Price“ heißt die Dokumentation, Uraufführung in Deutschland ist auf der diesjährigen Berlinale. Greenwald zeigt schonungslos die Schattenseiten von Niedrigpreisanbietern für die Angestellten und für die Kommunen.
    In den USA hat dieser Film ein erhebliches Aufsehen erregt und dazu geführt, dass eine öffentliche Diskussion über den Konzern in Gang gekommen ist. Kombiniert wurden die landesweiten Filmvorführungen mit Events und Aktionen von Anti-Wal-Mart-Aktivisten.

    Mittlerweile hat der Supermarktgigant schon Wirkung gezeigt und selbst eine Gegenkampagne in Gang gesetzt. Die kritische Debatte über die zerstörerischen Folgen globaler Konzerne wird dies sicherlich noch fördern. Wal-Mart - Der hohe Preis der Niedrigpreise stammt aus dem Hause e-m-s:

    http://video.google.de/videoplay?docid=4072997107481666198&hl=de#

    ...völlig kostenlos anschauen!
     
  2. thepianist73
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    thepianist73

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    Hier zum selben Thema ein Bericht über die Aussagen des Chefs des grössten Detailhändlers der Schweiz. Zum Glück haben die wenigstens noch Verantwortungsbewusstsein und bauen keine Stellen ab!
     
  3. violapiano
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    violapiano

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Dez. 2009
  4. Heglandio
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    Heglandio

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    Ich habe lange weggeschaut und mich nicht damit beschäftigt. Schande über mich!

    Herbert Bolliger kann ich aber nicht verstehen. Ich kenne die Migros gut und habe selber erlebt, wie sie über Jahre hinweg einheimische Kleinladenbesitzer verdrängt haben. Das Duopol Migros und Coop decken ja fast bis 2/3 des Schweizer Marktes ab. Da von einer gerechteren Welt zu reden, ist für mich ein wenig verwegen.

    De facto würde ich sagen, Herr Bollinger lehnt sich ein wenig sehr weit aus dem Fenster. Man könnte satirisch auch behaupten, dass die Migros für den freien Markt einsteht, solange sie keine ernsthafte Konkurrenz erhält. Was wiederum paradox ist.

    Ich sehe Bollinger eher mit Skeptik. Seine Volkspropaganda von wegen: "Die Deutschen kommen und würden unfair spielen und hätten mehr Eigenkapital ..." zielt am Problem, wenn es denn überhaupt eines gibt, total vorbei. Ist das nicht Angstmacherei? gezielte Polemisierung? oder gar Detaillistenpropaganda?

    Fakt ist, dass sich Lidl und Aldi an unsere scharfen Gesetze halten müssen, sonst droht ihnen ganz schnell der Rausschmiss und eine dicke Klage obendrein. Solange sie diese gesetzliche Grenze nicht überschreiten und ihre Mitarbeiter schön dem Gesamtarbeitsvertrag mit den Mindestlöhnen etc. unterstellen und keinen Mist bauen (Lohndumping oder andere Skandale), begrüsse ich Lidl und Aldi sehr.
    Sie bringen die nötige Konkurrenz in die Schweiz und generieren auch viele Arbeitsplätze. Das darf man nicht vergessen, bei aller Kritik! ;-)

    Aber: Die Verhältnisse von Wal-Mart basieren auf einem amerikanischen Kapitalismus, der um einiges mehr von kurzlebigen Renditen und Gewinnmaximierungen lebt und das massiv auf Kosten anderer. Das ist nicht korrekt und sollte im Keim erstickt werden!

    PS: Man könnte natürlich aus der Schweizerperspektive behaupten, dass seien amerikanische Verhältnisse. Vielleicht auf den ersten Blick. Deutschland ist wirklich nicht gerade das Vorzeigemodell und Deutsche schauen auch fast nur ausschliesslich auf den Preis. Wohingegen der Schweizer weiter denkt und sich zumindest auch über die Leistungen Gedanken macht (Preis-Leistungs-Verhältnis). Was wohl auch in einem Mentalitätsunterschied und Bewusstsein zu begründen ist. Doch sehe ich wie gesagt keine Probleme, sie müssen sich zum guten Glück an unsere Spielregeln halten. ;-)
     
  5. Heglandio
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    Heglandio

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  6. Erdferkel
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    Erdferkel

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    Das Dumme an all diesen Dokumentationen, nicht nur zu diesem speziellen Thema, ist, dass sie einen "Bösewicht" an den Pranger stellen, auf den man als Zuschauer schimpfen kann, ohne dass man sich seiner eigenen Verantwortung bewusst sein muss. Aber im Prinzip tragen wir das doch (fast) alle mit. Wichtig wäre es, dass die Medien mehr Aufklärungsarbeit leisten, was man selber tun kann, damit uns unsere Welt noch ein wenig erhalten bleibt. Statt dessen wird verurteilt. Und die armen Opfer werden bedauert.

    Schwarzmalerei findet man überall. Lösungswege werden viel zu selten diskutiert. Und wenn, dann nur mit Lobbyisten (z.B. Abgeordneten), damit es emotional und nicht sachlich abläuft.
     
  7. Heglandio
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    Heglandio

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    Das sehe ich grösstenteils auch so!

    Aber liegt es nicht in der Natur einer Dokumentation, gerade wenn sie versucht Missstände auf zu decken, auch zu pointierten und überspitzten Darstellungen zu greifen? Wäre das einem Missverhältnis entgegen nicht mehr wie gerecht? Das man die Leute ein wenig aufrüttelt?

    Wenn es um Inhalte geht, dann finde ich gerade diesen Film ziemlich unumstritten. Ich mein, was willst du sonst noch sehen? Das sie japanische Fabrikarbeiter mit der Peitsche tot peitschen?
    Dieser Film zeigt leider exemplarisch, dass man total an den Menschen vorbeiwirtschaften kann und das total skrupellos und es den Leuten obendrein noch als Erfolgsmodell verkauft wird. Dreistigkeit in Person!

    Nur ein Beispiel:
    Das Preisdrückerei ad extrema zu verarmten und total inliquiden Familien führt, haben zumindest ein paar Beispiele gut demonstriert. Was die Konsequenz daraus ist, dass die Familien in einem riesen grossen bürokratischen System dann Fürsorge oder Sozialhilfe beantragen und so unmengen an Steuergeldern verschlingen und wer profitiert davon? (rhetorische Frage) Es gibt ja gar keine direkte Alternative dazu, zumindest hat man für ein solches Szenario noch keine ausgedacht.
    Die Leute gar nicht zu unterstützen, wäre Suizid für den Staat. Die Leute versuchen ordentlich zu bezahlen wäre dann in der Gesamtrechnung wohl immer noch billiger. Jetzt kann man sagen, dass alle Politiker dort geschmiert sind. Ja, es mag viele Lobbyisten in der Politik geben. Aber dann sollte man sich mal überlegen, wie man den Lobbyismus unterbrechen kann.

    Im Übrigen finde ich: Lösungsansätze zu entwickeln sind eine wichtige Sache, aber dafür muss man zuerst die Sachlage analysieren und das macht dieser Film sehr schön, wenn auch sehr einseitig.
    Ausserdem sieht man viele Verlierer in diesem System und denen das als Schwarzmalerei zu verkaufen wäre glaube ich auch nicht wirklich gerecht? Ich meine, es geht da um Menschen und nicht um irgendwelche Hirngespinste.
     
  8. Heglandio
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    Heglandio

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    Für Deutschland auch sehr interessant:

    Wir sind drin - Konzernlobbyisten im Zentrum der Macht
    Dieses Video ansehen auf video.google.de
    42:15 - Vor 8 Monaten
    Wie macht man seine eigenen Gesetze? Wie beeinflusst man Politiker? Wie setzt man seine Interessen durch? Für den Normalbürger ein Wunschtraum, für die deutsche Industrie Wirklichkeit. Denn deren Mitarbeiter sitzen in Bundes- und Landesministerien, schreiben teilweise direkt an Gesetzen mit und werden sogar als Referatsleiter eingesetzt - bezahlt von der Industrie. Die Dokumentation deckt einige Fälle auf, am Ende fragt sich der Zuschauer: Wer hat eigentlich das Sagen im Land? Rund 100 "Leihbeamte" aus unterschiedlichen Unternehmen und Verbänden arbeiten in Ministerien, gesteht die Bundesregierung inzwischen ein. Der renommierte Verwaltungsrechtler Hans Herbert von Arnim spricht von U-Booten der Industrie.

    http://video.google.de/videoplay?docid=2409084747038051998&hl=de&emb=1#
     
  9. just listen!
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    just listen!

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    Wir erleben doch gerade an unsrerer neuen Regierung, wie man Lobbyarbeit direkt umsetzt. Damit sorgt der Politiker schon frühzeitig für seine spätere Karriere in der Wirtschaft, siehe Kohl, siehe Schröder usw..
    Aber: Jede Regierung ist letztendlich das Spiegelbild des Volkes. Und das scheint sich ja aus derart geballter Unfähigkeit, Unwilligkeit und Bestechlichkeit nichts zu machen, solange man weiter bei Aldi, Liedl, Kik und co. für Ausbeutung, Umweltverschmutzung und Verletzung von Menschenrechten sorgen kann.