Wahlrecht ab 16 Jahre

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Wu Wei, 30. März 2007.

  1. Wu Wei
    Offline

    Wu Wei

    Beiträge:
    2.429
    Hallo,

    habe heute in "Deutschland-Radio Kultur" diesen Beitrag gehört. Da man selten so viele Altersgruppen versammelt hat, wie hier in unserem Forum, möchte ich die Gelegenheit nutzen: Was haltet ihr von diesem Text und von der Absenkung des Erstwahlalters auf 16 Jahre?

    Wu Wei
     
  2. Stilblüte
    Offline

    Stilblüte

    Beiträge:
    7.353
    Es gibt bereits Länder, in denen man ab 16 wählen darf- habe nur gerade vergessen, welche.

    Ich persönlich halte ziemlich wenig davon, würde ehrlich gesagt eher dafür sprechen, das Wahlalter noch etwas zu erhöhen- z.B. auf 20 Jahre.

    Dass Jugendliche heute reifer sind als früher, halte ich für ziemlichen Schwachsinn, dass die Pupertät (bei einigen) immer länger dauert, schon eher für die Wahrheit ;) Allerdings kommt die Jugend in jenem Artikel doch etwas zu schlecht weg ("...sich die Pickelgesichter gut benehmen...die Jugend sei ein Problem, dass sich mit der Zeit von selbst erledigt...")!

    Aber was würde es bringen, das Wahlalter zu senken? Ich schätze, 90% der 16-18-Jährigen würden gar nicht wählen gehn, oder würden auf Rat eines Erwachsenen wählen. Außerdem ist man mit 16 meiner Ansicht nach einfach noch zu Jung, um solche Entscheidungen zu treffen. Nicht wenige Jugendliche sicher auch noch mit 18.
    Wenn ich mich nicht irre, war das Wahlrecht im alten Rom noch um einiges höher als hier bei uns- und bestimmt nicht ohne Grund! (Dass Frauen da nicht wählen durften, lassen wir jetzt mal außen vor...)

    Der Vergleich mit dem Autofahren gefällt mir gut- mit 16 ist man wohl noch zu leichtsinnig und übermütig, um verantwortungsvoll Autofahren zu können.
    Ist Politik weniger gefährlich als Autofahren?

    Mit der Strafmündigkeit, das ist so eine Sache: In England ist man meines Wissens schon mit 10 Strafmündig, in anderen Ländern (Schweden?) erst ab 17.

    Stilblüte
     
  3. Tosca
    Offline

    Tosca

    Beiträge:
    716
    Vermutlich haben die Politiker die Wählerstimmen genau der früh gereiften Jugendlichen im Blick, die sie mit verschärften Bestimmungen gegen pubertäres Koma-Saufen vor sich selbst schützen müssen... :twisted:
     
  4. keyla
    Offline

    keyla Guest

    ich hab jetzt nur den fettgedruckten artikel gelesen

    aber auch ich denke man ist mit 16 noch zu jung. das trifft natürlich nich für alle zu.
    Beichspeil ich: mit 16 hat mich das n scheiß interressiert und ich hätte gewählt was meine eltern gesagt hätten. jetzt (mit 17) bin ich politisch schon sehr interressiert unddenke ich wär in der lage meine eigene entscheidung zu treffen.

    was man nicht vergessen darf: auch viele erwachsene wählen das was "doch alle" wählen. und wohl die wenigsten machen sich die mühe ein parteiprogramm durch zu lesen und wissen somit gar nicht was sie wählen.

    allerdings wird politik (oder zumindest wahlversprechen) so gemacht, dass es möglichst viele wähler gibt. und aufgrund der doch schon auffälligen Überzahl an rentnern ist es vielleicht zumindest eine Idee die anzahl der jüngeren wähler zu verdoppeln. wogegen wieder spricht, dass diese wahrscheinlich nicht zur wahl gehen.
     
  5. Haydnspaß
    Offline

    Haydnspaß

    Beiträge:
    5.124
    Ich finds witzig: Millionen Bildzeitungsleser dürfen wählen, aber von den Jugendlichen meint man, die seien zu dumm dazu...:p
     
  6. Christoph
    Offline

    Christoph

    Beiträge:
    1.148
    Ha! Sehr gut!!!
     
  7. Peter
    Online

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    16.750
    Sehe es wie Haydnspaß. Gerade angesichts schlechter Bildungs- und Jugendpolitik hätten Jugendliche mit der Wahl ein enormes Sprachrohr für sich und Politiker wären gezwungen, die Interessen zu berücksichtigen. Auch würde es das politische Interesse der Jugendlichen fördern.
     
  8. Basilisk
    Offline

    Basilisk

    Beiträge:
    78
    Zumindest in der Schweiz wäre es meiner Meinung nach verfehlt, das Wahlalter unter 18 Jahre zu senken. Das Gegenteil wäre angemessener. Ich bin gerade 18 und ich meine behaupten zu können, dass ein Grossteil meiner Altersgenossen sich nicht gross mit den zur Abstimmung stehenden Themen befassen (können) und vielmehr einfach noch von gewissen ideologischen Vorstellungen geprägt sind. Z. B. ist es unter vielen jungen Leute "in Mode", grundsätzlich immer links zu stimmen. Eigentlich sollten doch nur diejenigen Leute abstimmen dürfen, die etwas von der Sache verstehen und auch nicht nur ausschliesslich die eigenen Interessen berücksichtigen. Das gibt es aber und darf es in einer Demokratie auch nicht geben.
     
  9. clavio
    Offline

    clavio

    Beiträge:
    2.262
    Na, das ist ja ein Widerspruch in sich. Du kannst doch nicht auf der einen Seite die Demokratie hochhalten und auf der anderen Seite sagen, dass nur Leute "die etwas von der Sache verstehen" an der Demokratie teilnehmen dürfen. :confused:

    Gruß
     
  10. Basilisk
    Offline

    Basilisk

    Beiträge:
    78
    Ja natürlich. Ich meine eben, dass dies ein Widerspruch ist. Die Demokratie war und ist immernoch das beste was es gibt. Das andere wäre falsch. Ziel ist es, allen Leuten die Politik näher zu bringen und möglichst alle Leute daran zu beteiligen, weil die Politik eines Landes schliesslich alle betrifft. Aber die Leute sollten auch Verstehen, worüber sie abstimmen. Und das ist leider nicht immer so.
     
  11. Haydnspaß
    Offline

    Haydnspaß

    Beiträge:
    5.124

    Willst du denn den Leuten, die "grundsätzlich immer links" stimmen, das Wählen generell verbieten - oder nur denjenigen unter 18?
     
  12. keyla
    Offline

    keyla Guest

    aber wie viele erwachsene befassen sich denn wirklich mit dem was sie wählen? ich denke nicht, dass es viel mehr sind als bei den jugendlichen
     
  13. Basilisk
    Offline

    Basilisk

    Beiträge:
    78
    Denjenigen unter 18.
    18 Jahre finde ich eine gute Grenze, weil man mit dem 18. Alterjahr (politisch) mündig wird und somit viele altägliche "Geschäfte" nun selbst in eigener Verantwortung in die Hand nehmen kann und muss. Das eigene Handeln hat nun eine viel grössere Tragweite und es stehen einem mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Somit ist man direkter betroffen von irgendwelchen staatlichen Massnahmen und hat sich eigentlich für das Handeln der Regierung zu interessieren.
    Ich sage nur, dass junge Leute tendentiell eher links abstimmen, weil halt alle so denken. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn jemand nur "links" stimmt. Ich habe bei einigen Punkten der Politik "linksstehender" Parteien nichts einzuwenden, bei anderen dafür schon. Ebenso verhält es sich mit allen anderen Parteien, egal wo diese stehen. Es gilt halt, sich möglichst umfangreich zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden!
    Junge Leute sind in ihrem Denken doch meist eher noch ziemlich "radikal" und entwickeln erst mit der Zeit eine "sachliche Urteilsfähigkeit". Das ist auch natürlich, man muss die (politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, ökologischen, ...) Zusammenhänge ja erst kennen lernen und begreifen.
     
  14. Haydnspaß
    Offline

    Haydnspaß

    Beiträge:
    5.124

    Das ist wohl wahr - diese Zusammenhänge müßte man kennen.
    Aber wer kennt die schon? Ich würde das von mir nicht behaupten.
     
  15. Stilblüte
    Offline

    Stilblüte

    Beiträge:
    7.353
    Hm- wenn man so argumentiert, könnte man fragen, welcher Sinn überhaupt hinter dem Wahlrecht stehen- wenn doch sowieso niemand weiß, was er eigentlich wählt?!
    Und schnell ist man an einem Punkt angelangt, an den man eigentlich gar nicht kommen wollte, und hinterfragt den Sinn der Demokratie:confused:

    Stilblüte
     
  16. Haydnspaß
    Offline

    Haydnspaß

    Beiträge:
    5.124

    Selbstverständlich muß sich auch ein demokratisches System kritische Fragen gefallen lassen. Wie sieht es aus mit Glasnost und Perestroika in der Demokratie? Kann man den demokratisch gewählten Politikern nach der Wahl noch trauen? Wessen Interessen vertreten sie - die Interessen der Wähler oder die Interessen einiger Manager, die aus Profitgründen die Arbeit in Hungerlohnländer auslagern? Man erfährt die Wahrheit ja leider immer erst viel später (meistens kurz nach der Wahl) aus den Nachrichten.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Apr. 2007
  17. Peter
    Online

    Peter Bechsteinfan Mod

    Beiträge:
    16.750
    Das würde aber den Sinn einer Wahl nicht gerecht werden. Natürlich soll und muss man bei der Wahl seine Interessen vertreten. Nur so ist sichergestellt, dass das größte Interesse auch am meisten Berücksichtigung findet.
    Das setzt aber min. ein BWL-Studium vorraus, eigentlich sogar langjährige berufliche Erfahrung.
    Dass Jugendliche oft links wählen, könnte ja auch damit zu tun haben, dass linke Parteien Bildungs, Familien- und Jugendpolitik priorisieren? Hat für mich nicht wirklich was mit Mode zu tun.
     
  18. Tosca
    Offline

    Tosca

    Beiträge:
    716
    "Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn."

    Das Zitat wird lt. Wiki sowohl Georges Clemenceau als auch Winston Churchill zugeschrieben. Da beide schon länger nicht mehr sind, zeigt es, dass dieses Phänomen alles andere als neu ist.

    Gruß
    Tosca
     
  19. Haydnspaß
    Offline

    Haydnspaß

    Beiträge:
    5.124
    Das Zitat ist infam :tuba:

    Daß die Leute im Lauf ihres Lebens immer bequemer und gleichgültiger werden, würde ich nicht als Zeichen für das Vorhandensein von Hirn deuten :cool: