Valentina Lisitsa in Gstaad/CH am 04.08.14

40er

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Muss mal ein paar Worte zum gestrigen Lisitsa Auftritt in der kleinen Kirche in Zweisimmen/Gstaad verlieren.

Mal vorneweg: Es war für mich das allererste richtige klassische Live Konzert, dass ich gesehen habe.
Die Atmosphäre in dem kleinen Kirchsaal war einmalig, da praktisch nur der Bösendorfer Flügel dort Platz hatte wo sonst der Pfarrer seine Worte spricht. Dementsprechend nahe sassen wir am Ort des Geschehens und hatten freien Blick auf Lisitsas Hände.

Der Flügel war einfach die Wucht. Einen solch kraftvollen aber nie aufdringlichen Klang habe ich noch von keinem anderen Instrument hören können. Der Bösendorfer klingt im Vergleich zu unserem alten S&S den wir hier in unserer Kirchgemeinde stehen haben wie aus einer anderen Liga.

Lisitsa selbst spielte wie als wenn sie von einem anderen Universum gekommen wäre. Einfach unglaublich - ich habe öfters meinen Mund vor lauter Staunen nicht mehr schliessen können. Selbst meine Frau, die mit Klavier eigentlich nichts weiter am Hut hat, war sprachlos und restlos begeistert.

Höhepunkt war für mich natürlich, dass sie die Chopin Etüden aus Op. 10 (1-12) und Op. 25 (1-12) in einem Rutsch nach der Pause gespielt hat. Alles ohne ein einziges Notenblatt! Wie schafft man so was??

Zum Schluss gab Lisitsa noch vier Zugaben, man merkte ihr an, dass ihr die heimelige Atmosphäre in der Kirche auch gefallen hat. Die letze Zugabe war das Chopin Nocturne op.9 nr. 2. - vielleicht das einzige Stück, dass ich in meiner Restlebenszeit noch erreichen könnte.

Schade war, dass Lisitsa kein einziges Wort gesprochen hat. Sie wirkte anfangs auch insgesamt sehr schüchtern, man hatte den Eindruck, dass sie am liebsten ihr Gesicht hinter ihren Schal verstecken wollte. Der brandende Applaus den sie am Ende bekam, lockte sie auch nicht aus der Reserve um mal ein paar Worte zu sagen.

Das Programm, das sie gespielt hat hängt hier an, ebenso wie einige verwaschene Fotos (ging nur ohne Blitz).

Insgesamt ein tolles Erlebnis und beeindruckend den Unterschied zwischen einem Pianisten und Virtuosen mal sehen zu dürfen.
Selbst ist man natürlich wieder stark neu motiviert worden, das eigene Spiel weiter voranbringen zu können.

Auf der Heimreise hatte es 40er natürlich wieder mal zu eilig und prompt erleuchtete irgendwo nach Bern ein Blitzer auf der Autobahn bei deutlich überhöhter Geschwindigkeit unseren Wagen. Wahrscheinlich wird die Strafe wieder teurer als, die Karten gekostet haben....:cry::blöd::-(

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...
Da schließe ich mich an. Auch eine veröffentliche Aufnahme wäre interessant, wenn ich mir die Mikrofonierung betrachte. So ein Raum ist wohl nicht so leicht in den Griff zu bekommen.

Gruß
Manfred
Das Konzert wurde gestern live im schweizer Radio SRF 2 übertragen. Habe ich nicht vorher gewusst.

Vor dem Konzert hat eine ganz süsse Moderatorin von SRF2 den Besuchern Fragen über Lisitsa und youtube gestellt. :love:
Ich hätte mich glatt verlieben können....
 
french-lesson

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Lieber 40er, wenn ich mich nicht täusche hattest du schon eine halbe Geschichte mit deiner KL, jetzt mit der SRF-Moderatorin, und das in Anwesenheit deiner Frau... Du lebst gefährlich! :D
Ich wäre auch sehr gerne nach Gstaad gekommen, leider hat es nicht gepasst
 
kreisleriana

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Der Flügel war einfach die Wucht. Einen solch kraftvollen aber nie aufdringlichen Klang habe ich noch von keinem anderen Instrument hören können. Der Bösendorfer klingt im Vergleich zu unserem alten S&S den wir hier in unserer Kirchgemeinde stehen haben wie aus einer anderen Liga.


Höhepunkt war für mich natürlich, dass sie die Chopin Etüden aus Op. 10 (1-12) und Op. 25 (1-12) in einem Rutsch nach der Pause gespielt hat. Alles ohne ein einziges Notenblatt! Wie schafft man so was??

ja die Imperials habe einen sehr schönen ausgewogenen Klang und herrliche Bässe, euer S&S ist allerdings wohl kein neuer D Flügel wie er in den großen Sälen steht, insofern hinkt der Vergleich etwas.

War ein technisch schon extrem anspruchsvolles Programm, Liszt Sonate und sämtliche Chopin Etuden ....

ABER mein lieber 40er, dass ein Pianist das ohne Noten spielen kann sollte dich als selbst Klavier-Spielenden eigentlich wirklich nicht verblüffen, manche schaffen es sogar, ein ganzes Klavierkonzert auswendig zu lernen, stell dir das vor....:-D;-)

Spaß beiseite, ich war letztes Wochenende bei einem Meisterkurs, da erlebte ich schon was anderes:
Da standen nicht nur Beethoven, Mozart und Schubert Sonaten, das wohltemperierte Klavier-beide Bände- etc am Programm und der Maestro setzte sich - egal wo und wann er den Studenten was zeigen wollte zum Nebenflügel und setzte bei jedem Takt ein ohne Noten zu haben und spielte vor, das heißt der hat das gesamte WTK band 1 und 2, die meisten Beethoven und Schubert Sonaten etc im Kopf , einmal ging wegen eines Kurzschlusses das Licht aus und er spielte im Stock-Finsteren eine Bachfuge weiter als ob nichts passiert wäre.....:puh: .

Oder : Wilhelm Kempff gab mal einen Meisterkurs mit SÄMTLICHEN Beethoven Sonaten, die Sonaten, die die Studenten nicht spielten, spielte er selbst, damit alle Sonaten dran kamen, er hatte also alle 32 Sonaten auswendig und vorspielreif im Kopf....
 
 

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