Username "Anfänger" tatsächlich noch frei :D

Dieses Thema im Forum "Vorstellungsrunde" wurde erstellt von Anfänger, 9. Dez. 2017.

  1. Anfänger
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    Anfänger

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    Ich habe bei meiner Anmeldung soeben einen leichten Lachflash bekommen. Da war doch der Username "Anfänger" tatsächlich noch nicht vergeben. :-D
    Sollte ich (wer weiß?) in 15 Jahren auf Welttournee gehen und ich nicht mit dem Horowitz verglichen werden, sondern der mit mir, kann ich mich hier ja vielleicht nochmal neu anmelden.

    OK, genug gelacht, einen Thread vor mir hat einer sich als "Spätberufener" angemeldet, der vom Alter her locker mein ... naja .... vielleicht Neffe sein könnte. Bei mir sinds 52 Jahre, womöglich der Newbie-Altersrekord hier. Ich bin ausschließlich Klassik-Fan und eigentlich gar nicht so Klavier-orientiert, sondern eher der Sinfonik verfallen, meine Lieblinge sind Gustav Mahler, Schostakowitsch. Beethoven selbstverständlich. Brahms, Bruckner, Prokofjew, Rachmaminow, Alban Berg, Anton Webern, also schon auch sehr "gegensätzliche" Welten, dazu seltener gespielte, wie Frank Martin, Hans Pfitzner...
    Das heißt nicht gleich, dass ich das Klavier nicht lieben würde. Außerdem ist es das absolute Schlüsselinstrument zum Musizieren. Alle Profimusiker der Klassik, von der Flöte bis zur Tuba und der Kesselpauke können mehr oder weniger Klavier spielen.

    Warum ich nicht eher angefangen habe: die Lebensumstände (Üben in einer Mietwohnung?), die vorherige Unzulänglichkeit von Digitalpianos und die Kosten für Unterricht. Zum ersten Fakt: ich habe tatsächlich schon im Hochsommer auf einer Wiese an der Donau einen Kleintransporter stehen sehen (Typus Sprinter/ Transit), in dem ein Schlagzeuger bei 35 Grad im Schatten eingeklemmt zwischen seinen ganzen Trommeln und Becken Schlagzeug übte. Das nährt die Annahme, dass ein Schlagzeuger mit Mietwohnung einen Transporter braucht, mindestens einen PKW-Planenanhänger, um auch nur zu seinem Probenraum zu kommen, falls er einen gefunden hat.

    Den Ausschlag, dass jetzt die Zeit gekommen ist, gab die enorme Verfeinerung der Digitalpianos in den letzten Jahren. Ich finde heute selbst mit klassischem Anspruch (extrem dynamisches Spielen, auch zartestes Pianissimo, schnelles Repetieren) locker ein Digi, dessen Klaviatur so etwas tatsächlich hergibt und kann sogar noch optimieren und Geld sparen, indem ich mein Instrument modular aufbaue. Es wird ziemlich sicher das Kawai VPC1 in Verbindung mit Pianoteq am Computer oder auch einem schönen Sample.

    Einen Lehrer habe ich, der Unterricht beginnt, wenn ich das Setup zusammen habe, wohl in 1 Monat.
    Die Motivation ist da und auch der Vorteil gegenüber einem Kind, dass mir das Üben nicht langweilig werden wird und ich keine schnellen Erfolgserlebnisse brauche, wie etwa in 3 Monaten das erste Präludium spielen zu können. Es wird mir nicht langweilig werden, so lange, wie es nötig scheint, erstmal nur stundenlang Oktaven zu üben und die Zwölftonleiter rauf und runter. Ich weiß, dass das Gehirn es ist, das Klavier spielt und werde sehen, ob ich mit 52 meine Rübe noch so trainieren kann, dass immerhin 3 Gliedmaßen (Hände und Pedalfuß) unabhängig voneinander spielen können.

    Sollte es mir tatsächlich gelingen, irgendwann halbwegs gut spielen zu können, freue ich mich wie Schmidts Katze auf Brahms und Schostakowitsch, denn die sind als großartige Musik vergleichsweise leicht zu spielen.

    Ich habe meinen Lehrer weiterhin gefragt, ob er mir in der ersten Lernphase abraten würde, nebenbei auch noch Cembalo (bzw. ein digitales Setup) zu spielen, wegen der Möglichkeit, ich könnte mir damit das gerade mühsam erlernte Fingergefühl fürs Klavier wieder versauen. Er sagt, das muss ich selber sehen. Schade, dass es in diesem Punkt weltweit nur 1 digitales Instrument gibt, dessen Tastenanschlag ganz speziell auf Cembalo getrimmt wurde und das kostet richtig Asche (Roland C-30). Irgend ein 61er Masterkeyboard mit orgeltypischem Druckpunkt in Verbindung mit wunderschönen Cembal-Samples wäre im Vergleich dazu zwar spottbillig, aber wie gesagt, der Tastenanschlag ....

    Sicher werde ich zusätzlich zum Unterricht noch weitere Möglichkeiten nutzen, wie einen "guten" Online-Kurs, der kostet aufs Jahr ja fast nix. In Anführungsstrichen deshalb, weil so etwas höchstens als Ergänzung zu einem echten Lehrer einen Wert einbringen kann.

    Achja ... Bastler bin ich auch noch und habe mit dem Adlerblick meiner Bastleraugen schon ein Foto gesucht und gefunden, das zeigt, dass ins Gehäuse des VPC1 sogar noch ein kleiner Stick-Computer reinpassen müsste. Dann könnte ich Pianoteq sogar im Gehäuse dabei haben.

    Über meine Fortschritte werde ich gern berichten, auch wenn sie enttäuschend sein oder ganz ausbleiben sollten. Ob ein 6-Jähriger eines Tages ein großer Konzertpianist werden könnte, ist immerhin möglich. Mit 52 ist so ein Gedanke natürlich Unsinn, ich bin ja nicht blöd. Als maximale Wunschziele setze ich mir, dass ich eines Tages mal mit anderen Amateuren zusammen vielleicht das Klaviertrio e-moll von Schostakowitsch spielen kann, das wäre schon ein Traum.
     
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  2. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Willkommen :-)

    Das hätte ich nicht gedacht. Krass!
    Bei weitem nicht. Du bist im Vergleich zu nicht wenigen Einsteigern noch ein rechter Jungspund. :-)
     
  3. mick
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    mick

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    Willkommen!

    Gründe für ein Digi gibt es, wenn man in einer Mietwohnung wohnt und nur abends spielen kann - das kann ich nachvollziehen. Bevor du aber über ein digitales Cembalo nachdenkst, denke besser über die Anschaffung eines Clavichords nach. Darauf kann man fast die gesamte Barockmusik spielen (abgesehen von Werken, die explizit für 2 Manuale komponiert wurden). Ein Clavichord ist so leise, dass es auch in einer Mietwohnung niemanden stört. Und es ist ein überaus lebendiges Instrument, an dem man sehr viel lernen kann. Die einzige Gefahr besteht darin, dass du dein Digi möglicherweise nicht mehr ertragen kannst, wenn du dich erstmal ans Clavichord gewöhnt hast.

    Für Brahms und Schostakowitsch taugt das natürlich nicht. Allerdings frage ich mich, wie du auf die Idee kommst, dass gerade Brahms vergleichsweise leicht zu spielen sei? Im Gegensatz zu vielen anderen großen Komponisten gibt es so gut wie keine einfache Klaviermusik von Brahms. Der überwiegende Teil seiner Werke ist leider schwierig bis sehr schwierig und für Amateure kaum je erreichbar. Das gilt gleichermaßen für die Klaviermusik als auch für die Kammermusik mit Klavierbeteiligung.

    Viel Erfolg!
     
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  4. Anfänger
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    Anfänger

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    Aaaaach tut das gut! Kannst Du das bitte nochmal sagen? Kriegst auch 10 Euro! :-D

    @mick
    das mit dem Clavichord ist ein Tipp, den ich zum ersten mal höre. Das hat mich jetzt neugierig gemacht. Und dabei weiß ich auch schon, dass sowas kein Vermögen kostet. Interessanterweise sind auch Cembali (neuerer Bauart) gebraucht billiger als Klaviere zu bekommen, wohl weil der potentielle Markt dafür viel kleiner ist. Wie stimmstabil ist so ein Clavichord, kennst Du Dich da aus?

    Dass ich Brahms für vergleichsweise leicht halte, enspringt meinem Höreindruck. Es kann natürlich sein, dass mich das gewaltig täuscht und ich einen Schreck kriege, wenn ich dann vor dem Notenbild sitze und nicht weiß, wie ich das spielen soll. Ich habe ihn jedenfalls als bisher Nur-Hörer etwa mit Beethoven verglichen, auch mit Bach oder Chopin. Nach den Eindrücken, die ich bisher also nur aus Hörerfahrung ziehen kann, sind ausgerechnet meine beiden Lieblings-Klavierkonzerte (das 4. von Rachmaninow und das 3. von Prokofjew) das ultra-extrem-schwierigste, was ich mir vorstellen kann.
    Ich weiß aber auch, dass viele Anfänger den Fehler machen, etwa die "Träumerei" von Schumann zu unterschätzen, weil die nach Notenbild so easy ist. Wo es aber weltweit nur wenige Pianisten gibt, die dieses Stück derart zelibrieren können, dass man wirklich anfängt, zu träumen. Das ist im Unterschied zu 16tel-Läufen vielleicht gar nicht zu erlernen, sondern man ist ein Mensch, der das kann oder man ist es nicht.

    Eine Besonderheit bei Brahms ist auch, dass er zeitlebens Sinfoniker sein wollte und von ihm überliefert ist, dass er sich unheimlich scheute, vor der Über-Referenz Beethoven eine Sinfonie zu schreiben. Deshalb halte ich das 1. Klavierkonzert in Wahrheit für eine "heimliche Sinfonie". Allein schon, weil der Pianist nach der ersten Orchesternote erstmal in Ruhe Kaffee trinken könnte, bevor sein erster Einsatz kommt.

    Mercie für die Willkommens-Wünsche! :)

    Achja, ganz am Rande... ich hatte mal vor Jahren einen Sketch aufgeschnappt, das muss im Rahmen einer Kabarett-Sendung gewesen sein, da hat der Pianist diesen unsäglichen "Richard Clayderman" imitiert und sich herrlich verspielt (Ganztonschritt statt Halbtonschritt). Ich weiß noch, wie ich mich vor Lachen fast eingepisst habe, weil der bei diesen Dissonanzen weiterhin mit diesem romantischem Kerzenschein-Lächeln ins Publikum glotzte. Kennt den Sketch jemand? Und wann und wo das war?
     
  5. mick
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    mick

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    Es ist überhaupt nicht stimmstabil. Aber es ist recht einfach, das Stimmen eines Clavichords zu erlernen - das gehört zum Spielen einfach dazu. Wie bei der Gitarre oder einem Streichinstrument. Bei Stretta gibt es eine ziemlich gute Einführung (eigentlich für Cembali, aber für ein Clavichord gilt prinzipiell dasselbe).

    Was die Länge der Orchesterexposition angeht - die geht eigentlich nicht über das hinaus, was man von Mozart oder Beethoven gewohnt ist (ca. 3,5 Minuten). Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass dieses Konzert schwieriger und anstrengender zu spielen ist als deutlich virtuoser wirkende Werke - beispielsweise das erste Konzert von Liszt oder das zweite von Saint-Saëns.

    Davon mal abgesehen: Während der Pianist des Liszt-Konzertes schon die Zugabe spielt, wühlt sich der Pianist des Brahms-Konzertes noch immer durch den ersten Satz...
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dez. 2017
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  6. Anfänger
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    Anfänger

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    Das heißt, Du hast den Klavierpart schon selbst gespielt? Hut ab! In welchem Kontext?

    Da Du zu Schostakowitsch geschwiegen hast, scheinst Du mir Recht zu geben. :)
    Spätestens hier ergibt sich auch, dass "großer Komponist" eine ungültige Metapher ist, weil man sich aussuchen kann, an was man sie festmacht: Prokofjew hat wesentlich virtuoser komponiert, der Erfindungsreichtum ist frappierend genial, Schostakowitsch hat mit einfachsten Linien und Intervallen gigantische Abgründe erschaffen, der mit einem Streichquartett emotional und philosophisch Räume aufmachen konnte, was anderen mit einem ganzen Orchester nicht gelang.

    Zum Clavichord einen Nachtrag:
    Nach vergangenem Überfliegen von Ebay und Wikipedia habe ich beides nochmal anständig quergelesen und muss mich korrigieren. Zum einen, falls es überhaupt moderne Clavichords gibt, findet man keine und die historischen kosten ein Vermögen. Es ist doch ein ganz schön andersartiges Instrument neben einem Cembalo, es gehört sogar zu den perkussiven Instrumenten und ähnelt daher vielleicht eher sogar einem Cimbalon, als einem Cembalo.
    Ich glaube auch überhaupt nicht, dass ein sehr gutes Digi mich irgendwann enttäuschen könnte. Wieso gibt ein guter Cembalist, der die paar Dollars von Roland wohl kaum nötig hat, sich her, ein solches Meisterwerk auf einem Digi zu spielen?


    View: https://www.youtube.com/watch?v=1H9KC7cQ8C8


    Ich habe auch enorme Schwierigkeiten mit der verbreiteten Küchenphilosophie, ein Digitalpiano würde niemals wirklich an ein echtes Klavier oder gar einen Konzertflügel heranreichen. Ich frage mich, wieso man annimmt, dass ein Konzertflügel eine Erfindung des lieben Gottes sei? Vor allem, wenn überliefert ist, dass den Komponisten und Virtuosen vergangener Jahrhunderte die zeitgemäße Unzulänglichkeit der Instrumente ärgerlich war und sie sich ungeduldig auf jede Neuerung gestürzt haben. Über das Metronom war Beethoven so glücklich, dass er dem Mechaniker Mälzl sogar eine Kantate gewidmet hat. Das Pianoforte wurde so herbeigesehnt, dass das Cembalo aus der Musik binnen kürzester Zeit nahezu ausstarb. Franz Liszt war von der Erfindung der sogenatten Jankó-Klaviatur (https://de.wikipedia.org/wiki/Jankó-Klaviatur) so begeistert, dass er prophezeite, in 50 Jahren würden nur noch solche Klaviere gebaut, weil sie die Spielmöglichkeiten enorm erweiterte. Das ist nicht eingetreten, weil sie zu spät kam und niemand bereit war, noch einmal das Klavierspiel ganz neu zu erlernen.
    Ich komme echt von dem Gedanken nicht los, nie zuvor waren die Menschen so verklemmt wie heute. "Igitt, wie kann man auf einem Synthesizer Klavier spielen, das ist doch kein Musikinstrument!" Was ist denn die Kirchenorgel dann? Die war der erste Synthesizer der Weltgeschichte und kein Mensch hat sich damals echoffiert, dass man eine Trompete doch nicht auf einem Tasteninstrument spielt oder den Klang einer Laute auf einem Cembalo! Bach hat dezidiert Werke für das "Deutsche Lautenwerck" komponiert und heute gibts Menschen, die den Stab über selbst den besten MIDI-Klaviaturen brechen, weil die sich angeblich nicht 99,9%ig so wie ein echter Flügel anfühlen. Wir kultivieren heute mit großem Auswand die Imitation des orginalen Spielgefühl eines Hammerflügels, obwohl das Pianoforte in einer Hinsicht auch ein Rückschritt zum Cembalo war: es spielt sich wegen der längeren Wege der Mechanik schwerfälliger, der Tastenhub ist größer und in dem Youtube-Beispiel wird deutlich, dass beim Spielen von 32tel-Noten sich die Finger dermaßen schnell bewegen müssen, dass die Millimeter des Tastenhubs, die auch noch dazukommen, schon eine kritische Größe werden. Bach hätte sich wahrscheinlich wie ein Kind über ein Cembalo gefreut, bei dem man die Tasten überhaupt nicht herunterdrücken, sondern einfach nur kurz berühren muss - heute wäre das technisch sofort möglich. Und ich vermute mal, Bach würde nicht recht verstehen warum man das nicht macht. Als Hauptargument einer Aversion gegen die technische Moderne kann ich gerade noch gelten lassen, dass das Instrument, auf dem man eines Tages final spielt, ja ein echtes Instrument sein wird und folglich auch auf einem Instrument gelernt und geübt werden muss, dass auch alle grundsätzlichen Nachteile des echten Instruments originalgetreu imitiert.

    Ich jedenfalls werde eine wunderbar ausgefeilte Hammerklaviatur, auf der man richtig arpeggieren und zauberhaftes Pianissimo spielen kann, nicht gegen eine verstimmte Möre von Stubenklavier eintauschen wollen, bei der schon jede Taste einen anderen Anschlag hat und ein Pianissimospiel überhaupt nicht möglich ist. Ich habe keinen Zweifel, dass das C-30 ein Traum von Ingenieurleistung ist und verschwende keinen Gedanken daran, dass ich mich daran irgendwann mal scheiße fühlen würde. Die Vorzüge eines echten Cembalo kenne ich natürlich auch: es hat eine Seele und riecht wunderbar nach Holz. Das heißt, wenn der städtische Cembalostimmer gerade krankgeschrieben ist, kann man zwar nicht spielen, aber man kann wunderbar dran riechen. :blöd:
     
  7. mick
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    mick

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    Dieses Konzert leider nur in einer Hochschulveranstaltung an zwei Klavieren. Noch nicht mit Orchester.

    Sagen wir mal so - im Gegensatz zu Brahms hat Schostakowitsch einige Stücke geschrieben, die für Amateure sehr dankbar sind - zu allererst den schönen Zyklus "Tanz der Puppen"! Falls du allerdings die erste Klaviersonate im Auge hast...

    Das stimmt nicht. Einen guten Nachbau eines historischen Vorbildes von einem renommierten Cembalobauer bekommt man ab ca. 6.000 EUR, gute gebrauchte Instrumente ab ca. 1.500 EUR. Der Gebraucht-Markt ist halt nicht so riesig - du müsstest dich in der Alte-Musik-Szene ein wenig umhören.

    Das ist kein guter Cembalist. Der drischt auf das Instrument ein wie ein Organist, der mit drei mechanischen Koppeln spielt. Ein echtes Cembalo würde der so in kürzester Zeit zugrunde richten - da biegt sich ja die Springerleiste hoch. Auch stilistisch hat das, was er da treibt, mit Cembalospiel wenig zu tun. Insofern ist es ein Segen, dass der auf einem Digitalinstrument spielt.

    Es war keine Kantate, sondern nur ein scherzhafter Kanon. Und selbst den hat er gar nicht komponiert - er wurde ihm nur von Anton Schindler untergejubelt.

    Oh nein. Die chromatische Fantasie ist lange nicht das Ende der Fahnenstange, was Geschwindigkeit und Virtuosität angeht. Auf dem Flügel kann man durch die Repetitionsmechanik sogar deutlich schneller spielen als auf einem Cembalo.

    Das ist Quatsch. Cembalisten stimmen ihre Instruments üblicherweise selbst.

    Zu der Thematik akustisches Instrument vs. Digi will ich gar nichts weiter schreiben - dazu gibt es hier unzählige Fäden. Man kann aber beobachten, dass so gut wie niemand, der hier von einem Digi zum akustischen Instrument "aufgestiegen" ist, wieder zurück will. Vielleicht geht es dir - mit etwas Erfahrung im Musizieren - ebenso. Wenn du ernsthaft Klavier spielen willst, musst du das Risiko in Kauf nehmen, eines Tages ein akustisches Klavier und eines ferneren Tages einen Flügel unbedingt haben zu wollen. Auch, wenn du es dir als Anfänger momentan nicht vorstellen kannst. ;-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dez. 2017
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  8. fisherman
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    fisherman

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    Der Cembalist stimmt immer - das Cembalo nie ;-)
     
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  9. Klafina
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    Klafina

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    Tja, so ist es!
    Wenn mir jemand bei meinem Wiedereinstieg gesagt hätte, dass ich einige Jahre danach einen Flügel möchte statt eines Klaviers, hätte ich nur milde gelächelt und mir gedacht: "So ein Spinner."

    Aber so war es nun einmal, wobei es schlimmere Risiken gibt im Leben als den Kauf akustischer Instrumente.

    Willkommen, @Anfänger !

    Auch ich gehöre übrigens zu denen, die älter sind als du und später (wieder) angefangen haben. Und mit dem Hintergrund und der Neugierde, die du hast, könnte das eine spannende Geschichte in deinem Leben werden.
     
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  10. mick
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    mick

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    Da kann ich dich trösten. Prokofiev 2 ist schwieriger als Prokofiev 3, Rachmaninow 3 schwieriger als Rachmaninov 4, Brahms 2 und Tschaikowsky 2 sind ebenfalls eher schwieriger als deine Lieblingskonzerte. Und es gibt ein paar Sachen für Klavier solo, die noch bösartiger sind.
     
  11. altermann
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    altermann

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    Prokofiev, Rachmaninow, Tschaikowsky usw. haben viele Noten geschrieben.
    Habe dazu keinen Bezug, da einseitig, starrsinnig und alt.
     
  12. Anfänger
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    @Klafina, Danke!
    Ja, ich glaube das schon, warum sollte ich das nicht glauben? Aber vom Anschaffungspreis eines einigermaßen tauglichen Klaviers/ Flügels und der Unmöglichkeit, damit in Mietwohnungen zu leben einmal abgesehen ... glaube mir, ich weiß, was schlechte Instrumente sind! :-) Ich habe als Lehrling aus eigenem Antrieb ein paar Cello-Stunden genommen und mein bisschen Geld für das billigste 4/4-Cello zusammengekratzt, das man kaufen konnte. Es war die Hölle! Blutunterlaufene Fingerkuppen und man brauchte richtig Kraft, um einen sauberen Ton rauszukriegen. Bis mir mein Lehrer dann mal kurz sein Instrument reichte, ein Meistercello, welches er im Sinfonieorchester spielte. Ich musste die Saite nur sanft andrücken und ... voilla! Das Ding spielte sich fast von selber! Da ich mir sowas unmöglich leisten konnte, habe ich kapituliert. Das nächste: was hättest Du geraten, welchen Beruf ich erlernt habe? :-)

    Klavierbauer!

    Und auch das war die Hölle! Das war blanke Industrie! Weil die Stückzahlen so hoch angesetzt waren, haben selbst alte Hasen, die schon 30 Jahre an der Bandsäge stehen, teilweise die Pausen durchgearbeitet, um den Teilestau abzuarbeiten. Zu diesen lieblos zusammengedroschenen Instrumenten konnte ich NULL Beziehung aufbauen. Das sind eben auch Lebenserfahrungen, die andere User nicht haben. Und vielleicht versteht man jetzt, dass es mir reichlich wurscht ist, ob ich an einem lieblos zusammengedroschenen Klavier oder einem lieblos zusammengelöteten Digi sitze, so lange die Klaviatur und die klangliche Reaktion auf den Tastenanschlag mein OK hat. Ich bin in dieser Beziehung kein Romantiker und von meiner Einschätzung, dass unsere Vorfahren das auch nicht waren und im Unterschied zu uns heute ziemlich aufgeschlossen und technikaffin durchs Leben gegangen sind, rücke ich auch nicht ab. Ein Cembalo ist im Unterschied zu einem Flügel sogar noch einfacher digital zu imitieren, weil es kein dynamisches Instrument ist. Ich saß bisher ein einziges mal an einem Cembalo (im ehrwürdigen Händel-Haus in Halle) und fand das Tastengefühl absolute Klasse. Wenn Roland dieses tatsächlich gut imitiert hat, mit seiner Klaviatur im C-30, sehe ich keinen Ausschließungsgrund mehr - im Gegenteil: auf realsamples.de warten dann phantastische Samples historischer Instrumente auf meinen Geldeingang, wenn es mal soweit ist, dass ich mir das C-30 leisten kann. Unter anderem sogar von einem Nachbau des schon erwähnten "Deutschen Lautenwercks".

    Von den geschilderten Erfahrungen abgesehen, ist die Tatsache, dass ich Klavierbauer gelernt habe, jedoch komplett wertlos, weil ich den Beruf nach Abschluss der Lehre nie angetreten habe. Ich hatte dort nichtmal einen Stimmkurs gemacht, der war optional.

    Mit meinem künftigen Klavierlehrer gab es ein Vorgespräch, aus dem hervorging, dass er wohl auch mehrere Ansätze brauchte, in seinem Werdegang als Musiker. Eine russische Klavierlehrerin war demnach dabei, vor der er nach 3 Monaten geflüchtet ist. Die war wohl sehr sehr streng nach russischer Schule, bei Unzufriedenheit aber auch schon richtig böse. Die Menschen sind verschieden - da ich tendentiell sowieso eher zu dominanteren Frauen neige :-D hätte so ein Unterricht bei mir womöglich besonders schnell zu Erfolgen gefühlt, wer weiß...

    Um das von mir heiß geliebte Trio von Schostakowitsch nochmal ins Gespräch zu bringen ... auf der Webseite dieser Musiker:


    View: https://www.youtube.com/watch?v=B3iFMcR7VQ4


    stehen einige interessante Sätze. Demnach kriegen sie an einem Tag, an dem sie sich gestritten haben und sich nicht riechen können, musikalisch gar nichts gebacken, da könnten sie noch sie viele Proben machen. Und an glücklichen Tagen dagegen gäbe es ein fast schon telepathisches Zusammenspiel zwischen ihnen. Also zwischen 3 Menschen, die sich gefunden haben. Im Umkehrschluss könnte das heißen, dass zwei Wildfremde vielleicht nichts großartiges Zustandebringen, wenn sie plötzlich etwas miteinander einstudieren sollen.
    Es gibt für einen Musiker offensichtlich noch so viele außermusikalische Dinge zu beherrschen, die zwingend dazugehören und ohne die es nicht laufen kann.
     
  13. mick
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    mick

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    Ein Geigenbauer hätte vermutlich mit wenig Aufwand den Steg kürzen können. ;-)
     
  14. Drahtkommode
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    Drahtkommode

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    @Anfänger und @mick haben viele Worte geschrieben. Kann das nicht lesen, mein Leben ist zu kurz.
     
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  15. mick
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    mick

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    Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie. Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie.

    BTW: Ist dein Sarg schon fertig? :lol:
     
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  16. Klavirus
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    Klavirus

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    Wer? Prokofiev, Rachmaninow und Tschaikowsky?
     
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  17. Nachtmusikerin
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    Nachtmusikerin

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    Lieber Anfänger,
    ich finde es toll, dass du solch eine Begeisterung zeigst. Das wird bei dir sicher eine langfristige Sache. Allerdings würde ich mich jetzt nicht unbedingt auf das Shostakowitsch Trio versteifen. Ich hatte einmal die letzten beiden Sätze bei JuMu gespielt. Den dritten Satz kann man natürlich vom Blatt spielen, aber im vierten hat es doch auch ein paar schwierigere Stellen. Vor allem muss man dafür auch Streicher finden, die nicht nur stümpern (ich sage nur: Flageolett im ersten Satz...), sonst macht es keinen Spaß.
    Lass es doch einfach auf dich zukommen.
    Wenn du gerne mit anderen zusammenspielst, kannst du das ja vierhändigerweise bei Clavio-Treffen tun. Für diese Art des Zusammenspiels gibt es nämlich tatsächlich für jedes Niveau Literatur. Beim Klaviertrio ist das leider nicht der Fall.
    Aus welcher Ecke Deutschlands kommst du denn?
    Liebe Grüße,
    NaMu
     
  18. Anfänger
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    Anfänger

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    @Nachtmusikerin, Mercie, wie die Italiener sagen! :-)
    Nein nein, ich habe mich nicht "versteift" auf dieses eine Werk, ich habe das nur als Beispiel angeführt, für eine Musik, in die ich ziemlich verliebt bin. Die 9. Sinfonie von Mahler hätte in diesem Kontext hier ja wenig Sinn gemacht, mangels Klavier. :-D
    Ich komme aus einer Welterbe-"Ecke", aus Regensburg. Wahrscheinlich wäre der nächstgelegene Clavio-Treff dann "Minga", aber dafür müsste ich ja sowieso erstmal aus dem Anfängerstadium herauswachsen, das wird Jahre dauern. Bei dem Trio und überhaupt bei Kammermusik von ihm halte ich die Streicherparts für am schwierigsten, wegen des häufigen Flageoletts und anderer unkonventioneller Spielweisen, auch die Streichquartette sind voll davon. Die Cellistin tut mir da fast leid, an einer Note hat sie das Flageolett nicht durchgehalten. Ach, was mich übrigens auch noch überwältigt hat, war mal ein "Reinhören" in Liszts Klavierbearbeitungen der Beethoven-Sinfonien. Da schoss mir der Gedanke durch den Kopf: einen mittelmäßigen Komponisten würdest du daran erkennen, dass seine Sinfonie auf einem Klavier langweilig klingt - bei Beethoven wirkt die Genialität seiner Melodik, Rhythmik und Kontrapunktik auch ohne Orchestrierung - seine Sinfonien wären auch dann als Knaller eingeschlagen, wenn er sie nur als Sonaten veröffentlicht hätte. Wahnsinn war der Typ! :)

    Glückwunsch, zu der Gelegenheit, dass Du diese großartige Musik von Schostakowitsch schon spielen konntest!
     
  19. Nachtmusikerin
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    Nachtmusikerin

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    Ja, der Schostakowitsch machte echt Spaß. Der vierte Satz ist unglaublich intensiv. Da zupften sich die Streicher die Finger blutig und der Saitenverschleiß war recht hoch.
    Da irrst du dich aber gewaltig!
    Du kannst wirklich auch als Anfänger schon schöne Stücke mit anderen zusammen spielen.
    https://www.amazon.de/Klaviermusik-vier-H%C3%A4nden-Band-Originalkompositionen
    /dp/3920470893/ref=sr_1_26?ie=UTF8&qid=1512859938&sr=8-26&keywords=vierh%C3%A4ndige

    Diesen Band kann ich absolut empfehlen. Der Secondo-Part ist für fortgeschrittene Pianisten eine Blattspielnummer und der Primo absolut für Anfänger geeignet.
     
  20. Barratt
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    Barratt Lernend Mod

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    Grüß Dich, Anfänger! :bye: (Nickname fällt in die Kategorie "richtig cool")

    Finde ich gut, wie Du an die Sache herangehst. Ist die halbe Miete, wenn man sich des extrem langen Weges bewusst ist, den man gehen (bzw. kraxeln/humpeln/kriechen) muss, ehe erste Ziele erreichbar werden. :-) Dieser Weg selbst ist das Ziel. Wenn Du ihn zunächst auf elektronische Weise beschreiten möchtest, ist das beim heutigen Stand der Technik kein Problem mehr. Spielen muss man immer noch selbst, egal wie der Ton erzeugt wird. :blume:

    Die Anschaffung eines digitalen Instruments ist sowieso nie von Schaden, denn selbst wenn Du Dich wider Absicht und Erwarten später noch analog orientieren würdest, ist und bleibt es oft hilfreich, wenn man die Möglichkeit hat, auch mal leise/lautlos/ohne Körperschall zu spielen.

    Viel Spaß, hier und vor allem bei Deinem künftigen Musizieren!