Trennungskinder

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von dilettant, 10. Nov. 2017.

  1. dilettant
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    In der Welt Online (*) las ich heute morgen diese Wasserstandsmeldung über die Sondierungsgespräche: Betreuung von Scheidungskindern? Der Systemwechsel fällt aus

    Ich bin verwundert. Was treibt ausgerechnet die Grünen um, sich gegen das Wechselmodell zu stellen, also ein gleichberechtigte und abwechselnde Betreuung von Trennungskindern durch beide Elternteile. Ich habe leider keine Argumentation der Grünen gefunden, warum sie dagegen sind. Wer weiß mehr, wer kennt die Haltung der Grünen zu diesem Thema?

    (*) Der Artikel ist natürlich mit Vorsicht zu genießen - die Welt Online schreibt nun mal pro FDP und dazu gehört, die Grünen schlechtzumachen. Und die Basis des ganzen Artikels ist eigentlich nur ein Halbsatz von Katja Suding, man habe in diesem Thema "keine Verbündeten".
     
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  2. frosch
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    Ganz einfach:

    Zitat aus Wikipedia:

    "Frauen wählen häufiger als Männer die Grünen."


     
  3. Peter
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    Warum werden in erster Instanz nicht einfach die Kinder gefragt? :denken:
     
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  4. Barratt
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    Die zählen nicht, die sind nur irgendwie "da". Das sind die Mäuse, die besser zur Seite treten, wenn die Elefanten zu tanzen beginnen. :-( Da geht es vor allem um Machtverhältnisse zwischen sich clinchenden Erwachsenen.:cry2: So sad.
     
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  5. hasenbein
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    hasenbein

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    Die Frauen sind längst in vielen entscheidenden Dingen die Bestimmer.

    Um das noch weiter auszubauen und unter dem Deckmantel "Gleichstellung" immer mehr Privilegien für Frauen herauszuholen, werden weiterhin Phantasiegeschichten vom angeblichen "Patriarchat", angeblichen "Lohnlücken" etc. verbreitet.

    Tatsache ist, bei Scheidung bist du als Mann der Gearschte.

    Dies darf allerdings nicht dazu führen, zu denken, ein Wechselmodell sei gut.

    Für die Kinder ist das einfach Mist! Ein Kind will nicht 2 Zuhauses haben, und es will nicht, obwohl es in Zuhause 1 gerade tolle Sachen vorhat - mit seinen Freunden oder alleine -, gezwungen werden, nun erstmal wieder in Zuhause 2 umzuziehen. Das Wechselmodell ist etwas, bei dem mal wieder NUR die Erwachsenen an SICH denken, das Kind aber hinten runterfällt. (Wie schon bei der Doppelverdienerei, Ganztagsschulen etc.)
     
  6. dilettant
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    Hm. Mich hatte zunächst interessiert, wie die Grünen argumentieren, bevor ich mir eine Meinung bilde.

    Qui bono - das ist ein plausibler Grund, warum sie diese Position vertreten. Aber sie werden kaum offen damit argumentieren, d.h. irgendeine Story müssen sie doch trotzdem haben?

    Das klingt gut und wird vermutlich zu wenig gemacht. Ganz unkompliziert ist es natürlich nicht, gerade bei kleinen Kindern.

    Vor allem aber: Egal ob man Kinder fragt oder nicht, wichtig ist doch zunächst, welche Optionen überhaupt zur Wahl stehen. In Deutschland gilt das Residenzmodell, d.h. einer betreut das Kind hauptsächlich und der andere zahlt. Zu entscheiden ist dann nur noch, wer betreut und wer zahlt. Die Variante einer abwechselnden Betreuung steht bei einer gerichtlichen Entscheidung nicht zur Wahl. Die Eltern können sie natürlich einvernehmlich umsetzen, aber anscheinend werden ihnen dabei sogar noch Steine in den Weg gelegt.
    Keine Ahnung, ob das die Regel ist, ich glaube eher nicht. Jedenfalls hat das Problem, dass die Entscheidung über die Betreuung zum Machtkampf genutzt wird, hat nichts damit zu tun, ob der Gesetzgeber das Residenz- oder das Wechselmodell bevorzugt.
    Nein, vermutlich will es das nicht. Es will ein Zuhause mit Mama und Papa haben. Aber diese Option steht bei einer Trennung nicht zur Wahl. Heute ist vom Gesetzgeber vorgesehen, dass das Kind mit einem Elternteil lebt und auf den anderen weitgehend verzichtet. Im Vergleich dazu klingt 2 Zuhause schon nicht mehr ganz so schlecht.
     
  7. beo
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    Gerichtlich bestimmt werden muss doch sowas nur, wenn mindestes ein Elternteile mehr an sich als an die Kinder denken, und dann sollen die Kinder auch noch zwischen diesen Eltern ständig hin und her wechseln, wenn die keinen Knall bekommen, weiß ich auch nicht mehr.

    Und es sind schon lange nicht mehr nur die Frauen die die Kinder bekommen, ich kenne einige alleinerziehende Väter, darunter sogar einen dem die Kinder eigentlich egal sind, der will nur seie Ex quälen.
     
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  8. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Das zu pauschalisieren ist sowieso Mist. Jede Familie, jedes Elternteil und vor allem jedes Kind müss(t)en einzeln angeschaut werden. Für manche Kinder mag das Wechselmodell perfekt sein, anderen wäre das zu stressig. Ich könnte mir nicht vorstellen, zwei gleichberechtigte zu Hauses zu haben. Es fehlt die Basis, das Fundament, das echte, sichere Nest. m.E. müssten die Eltern in unmittelbare Nähe ziehen, so dass das Kind nach Belieben wechseln kann, wenn es möchte.
     
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  9. beo
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    beo

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    Ich denke es geht nicht darum, ob das grundsätzlich funktioniert, da habe ich überhaupt keine Bedenken. Wichtig dabei ist aber, die Eltern sind sich einig und am Wohl der Kinder orientiert. Aber wenn das der Fall ist, dann braucht es kein Gesetz dazu.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Nov. 2017
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  10. Klavirus
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    Klavirus

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    Denk dran: Platz ist das Einzige, was man nehmen darf, ohne dafür sitzen zu müssen!
     
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  11. dilettant
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    Sehr idealistisch gedacht. Wie bereits erwähnt legt das Gesetz selbst den Eltern noch Steine in den Weg, die sich einigen wollen. Beispielsweise bin ich auf die scheinbare Nebensächlichkeit gestoßen, dass ein Kind rein rechtlich nur einen Wohnsitz haben kann, was eben keine Gleichberechtigung beider Eltern ist. Kindergeld wird zum Beispiel immer nur an einen Elternteil ausbezahlt, der andere muss sich seinen Anteil ggf. per zivilrechtlichem Ausgleichsanspruch abholen. Anscheinend gibt es auch Probleme mit der Unterhaltstabelle. Es ist eben nicht vorgesehen, dass bei gleichen Betreuungsanteilen auch kein Unterhalt mehr zu zahlen ist.

    Worum es der FDP vor allem geht, ist, dass im Streitfall der Ausgangspunkt für einen Kompromiss die 50:50-Regel sein soll und das Gericht die Abweichungen begründen soll. Es geht gar nicht darum, dass für alle Kinder das Wechselmodell erzwungen werden soll.

    Statistisch ist es offenbar so (habe keine Zahlen nachgeprüft), dass in der weit überwiegenden Zahl der Fälle die Kinder bei der Mutter wohnen, d.h. trotz gleichberechtigter Ausgangssituation tritt in der Realität eine Schieflage ein. Gerade die Grünen sind es ja, die solchen Schieflagen gerne mit Quoten und "positiver Diskriminierung" begegnen wollen. Warum nicht hier, was spricht dagegen?
     
  12. beo
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    Ich kenne einen Fall in dem die Eltern sich einigen wollten, und es auch getan haben. Da ist das Gesetz kein Thema. Die Kinder sind bei der Mutter gemeldet und die halbe Woche beim Vater, in diesem speziellen Fall verdient der Vater sehr viel mehr und gönnt seiner Ex einfach was sie an Unterhalt und Kindergeld bekommt. Es ist aber auch denkbar, dass der Elternteil bei dem die Kinder gemeldet sind, dem Elternteil, bei dem die Kinder einen signifikaten Teil der Woche zu Besuch sind, für die Zeit Verpflegungskosten zahlt.

    Ich bleibe dabei, wenn die Eltern wie Erwachsene mit der Situation umgehn und entsprechend fair sind, dann kann man die Zeit mit den Kindern wirklich aufteilen, wenn das nicht der Fall ist, sollte man die Kinder beim kleineren Übel lassen, und nicht zwischen den Eltern aufreiben.
     
  13. dilettant
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    Ich fasse zusammen:
    • Manche Clavios meinen, eine Änderung der Rechtslag sei nicht erforderlich, weil sich die Eltern im günstigen Fall auch ohne Gesetz einigen können und im Streitfall das Gesetz auch nicht hilft.
    • Manche Clavios meinen, das Residenzmodell sei besser und das Wechselmodell nicht im Interesse der Kinder und sehen deshalb keinen Änderungsbedarf.
    Was die Grünen meinen, weiß ich leider immer noch nicht. Offenbar wisst Ihr es auch nicht, oder die Meldung war eine Ente.
     
  14. Stegull
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    Stegull

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    Wenn sie gute und richtige Sachen bestimmen ist das doch in Ordnung.

    Bei der Scheidung bist Du nur der gearschte, wenn du die richtige Frau dazu geehelicht hast.
    Es gibt auch schmerzfreie Scheidungen - nicht alle Frauen sind schlecht. Und mit diesen Frauen ist auch super Wechselmodell möglich. Gilt übrigens auch für Männer.

    Also beim nächsten Mal Augen auf bei der Partnerwahl. Dann klappts auch mit der freundlichen Scheidung.
     
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  15. thomas 1966
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    thomas 1966

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    Und wer ist das?
    Darüber musste ich jetzt lachen... :-)
     
  16. Barratt
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    Ich habe jetzt mal das Wahlprogramm dieser Partei an den entsprechenden Stellen durchforstet (umfangreicher Schinken mit - @fisherman - augenkrebserregendem Typo). Es gibt natürlich keine explizite Aussage zu einer Forderung einer konkurrierenden Kleinpartei.

    Es könnte also sein, dass die grünen Sondierer in den Gesprächen mit der FDP-Forderung konfrontiert wurden und sie abgelehnt haben.

    Meine Meinung: Potenzielle Eltern sollten sich der Verantwortung bewusst sein, bevor sie ein Kind auflegen. Falls nicht gerade schwerste Verfehlungen des einen Elternteils vorliegen (also alles, was in den Bereich des StGB fällt), sollen die Eltern sich gefälligst zusammenreißen und nicht wegen jedem Kinkerlitzchen das ganz große Drama abfackeln. Wer sich nicht sicher ist, ob ein Zusammensein mit dem/der Anderen die kommenden 18 Jahre möglich / erträglich ist, soll sich die Kinderkriegerei besser verkneifen.

    Vor allem haben (zusätzliche) Kinder noch nie evtl. existierende Probleme geheilt, sondern immer nur verschlimmert. Der Klassiker: Beziehung kriselt und es besteht der Wahn, durch ein weiteres Kind die Sache zu kitten. Es passiert: Das Gegenteil. Wer leidet am meisten? Die Kinder natürlich.
     
  17. hasenbein
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    hasenbein

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    Au weia, ja. Oder die Beziehung kriselt, und deshalb zieht man zusammen oder baut ein Haus.

    Solcherlei Idiotie ist leider verblüffend verbreitet und kennt offenbar auch keinerlei Grenzen.

    In Beziehungsdingen setzt bei vielen ansonsten durchaus nicht unintelligenten und zur Rationalität fähigen Leuten die Vernunft aus. Vermutlich oft, weil insbesondere der Mann oft denkt, man dürfe doch nicht leichtfertig eine Beziehung/Ehe aufs Spiel setzen und man müsse doch alles tun, damit es allen gut geht, und möglichst kompromiss- und konzessionsbereit sein, und deswegen die abwegigen Ideen der Partnerin mitmacht, statt (bei Inkaufnahme des einhergehenden Zerstreitungs- undnTrennungsrisikos) auf den Tisch zu hauen.
     
  18. Barratt
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    Das erinnert mich an die überaus traurige Geschichte des Mannes, der unser heutiges Haus "gebaut" hat. :-(

    Er legte sich buchstäblich krumm, physisch wie finanziell, das obligatorische "Eherettungskind" war geboren, das Haus halb fertig, die Geldsorgen erheblich - woraufhin sie es vorzog, mit (angeblich!) dem Tennislehrer durchzubrennen (Eskapismus weiblich). Die beiden haben sogar beim Notartermin vor unseren Augen und Ohren darüber diskutiert, wer wann und warum welches Kind wo abholen müsse. :cry:

    Ich kenne die Story nur vom Hörensagen von den Nachbarn. Sie würde Dir gefallen, denn sie bestätigt/verstärkt wirklich alle Klischees.:teufel: Furchtbar. :cry2:

    Da hat sich der erste Mann meiner Schulfreundin pragmatischer aus der Affäre gezogen, der hat sich nämlich gepflegt von einem Bürohaus gestürzt - gerade mit eigener Kanzlei selbständig gemacht, die Ehefrau mit frisch entbundenem Säugling und Brustkrebs/Chemo darniederliegend... (Eskapismus männlich). Mir war der Kerl von Anfang an suspekt, aber auf mich will ja niemand hören. :konfus:

    Drum prüfe, wer sich vermehrt und bindet, [...] Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.
    (frei nach dem schwäbischen Dichterfürsten)
     
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  19. beo
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    beo

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    Wenn Eltern sich um die Kinder streiten, hat jemand von Außen doch wirklich ein Problem zu erkennen, welcher der Elternteile es wirklich gut mit den Kindern meint. Sicher ist, mindestens einer tut es nicht, denn sonst könnten die sich ohne Hilfe einigen.
     
  20. Peter
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    Ganz ehrlich (ich hoffe meine Eltern lesen hier nicht mit :-D ): Mir wäre ein großes Drama lieber gewesen, so lange ich denken kann. Zusammen konnte ich meine Eltern nie ertragen und das ist bis heute so. Es ist mir absolut schleierhaft, wie man sich so was wie die beiden antun kann. Als Kind habe ich darunter sehr gelitten und meine Mutter angefleht, angeschrien, angeheult... sich endlich scheiden zu lassen.

    Dann gäbe es gar keine Kinder mehr. Sicherheit gibt es nicht. Sicher ist nur, dass es das Leben gibt.
    Davon abgesehen kenne ich niemanden, der sich beim Jawort nicht "sicher" wäre.
     
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