Stille Nacht

Meinst Du Noten oder Aufnahmen?
Ich erinnere mich an eine Fernsehübertragung eines Weihnachtkonzertes mit der Garanca, wo sie dieses Lied gesungen hatte. Diese Version fand ich am gelungensten.
 
IMAG8176[1].jpg 1) Diese einfache Version aus meinem sehr alten Lieblings-Weihnachtsheft.

2) Die schönste Version ist eine Erinnerung an den Abschluss der Christmette in meiner schwäbischen Heimatstadt, Licht aus und bei Dunkelheit singt die brechend volle Kirche mit echter "Inbrunst". Das schwülstige Wort ist hier das einzig passende. Auch als jugendlicher Gruftie kurz vor den Tränen.

3)
 
Ich geb's kleinlaut zu: ein großer Liebhaber dieses Lieds bin ich nicht. Dafür ist der Text auch nach den Maßstäben des frühen 19. Jh. sprachlich zu biedermeierlich und süßlich ("Holder Knab im lockichten Haar") und theologisch mit seinem Konzept des rachsüchtigen Stammesgottes ("Als der Herr vom Grimme befreit / In der Väter urgrauer Zeit / Aller Welt Schonung verhieß") reichlich rückwärtsgewandt.

Musikalisch gefällt mir die Erstfassung (bzw. früheste rekonstruierbare Fassung) am besten. Zum einen entsprechen die Punktierungen in den Takten drei und vier ("a-all-es schläft" etc.) dem Siciliano-Charakter mehr als die späteren Vereinfachungen. Zum anderen ist der originale Quintsprung von Takt 8 auf 9 ("Haar / Schlafe") weit weniger kitschig als die "plakative Anhebung der Melodie um eine Terz" (wie es das Österreichische Musiklexikon nennt), welche der "auf virtuose Schaustellung frisierten Fassung" der Zillertaler Tourneetruppe geschuldet ist, die damit durch Europa tingelte.

Aber sowohl der puderzuckerglitzernde Text als auch die musikalische Verkitschung trifft halt auch heute noch einen populären Geschmack. Ich erinnere mich noch gut daran, wie groß die allgemeine Empörung war, als das Lied 1963 aus der durch und durch puristisch-nüchternen Neuausgabe des Gesangbuchs der EKD geschmissen wurde: Man sang es in der Christvesper dann halt ohne Gesangbuch; Pfarrer und Kantor waren gegen den eine kollektive gemeindliche Entrüstung artikulierenden Kirchenvorstand machtlos. In der aktuellen Fassung ist es wieder drin, selbstverständlich mit dem jaulenden Septimensprung. Wir lassen uns doch unsere Vorstellungen von Innerlichkeit nicht von einem innviertler Dorfschulmeister einkürzen, gelle.
 
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Oooch, lieber @Ambros_Langleb, jetzt hast Du mich total ernuechtert: Biedermeierlich und suesslich, puderzuckerglitzernder Text, musikalische Verkitschung ... habe ich wirklich so einen schlechten Geschmack? Nee, bin Dir nicht boese, weil ich genau darueber seit gestern nachdenke, da hatte ich das Video von @Rheinkultur gesehen und gehoert und ich war den Traenen sehr nahe. Und seitdem frage ich mich, warum ich alle Jahre wieder von diesem Lied so beruehrt werde. An einem religioesen Zusammenhang kann's nicht liegen, das schliesse ich aus. Das Weihnachtsfest an sich, bzw. die damit verbundenen "Festlichkeiten" widerstreben mir zunehmend.

Aber trotzdem, irgendwas muss da sein. Die einzige Erklaerung, die ich mir geben kann, sind die Kindheitserinnerungen: Die Vorfreude auf den Tag, wenn das Christkind kommt. Zuerst die Adventszeit, jeden Sonntag eine Kerze mehr, erstes Weihnachtsgebaeck, Weihnachtslieder im Kindergarten, in der Schule, die Lichter, die beleuchteten Weihnachtsbaeume laengs der Strassen (wenn ich mit den Eltern so 10 km durch Muenchen zur Oma fuhr, da zaehlte ich die immer). Zuhause sahen wir Kinder unseren Christbaum ja erst am spaeten Nachmittag des 24. zur Bescherung. Dann endlich hat das Christkind geklingelt, wir durften ins Wohnzimmer, und da strahlte mir nur Licht und Pracht entgegen. Was fuer ein Moment!
Oder war der ganze Dezember nur ein einziges Fiebern nach den Geschenken? Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall war der Dezember bis zum Heiligen Abend fuer mich Kind eine ganz besondere Zeit ... zu der unverweigerlich auch die "Stille Nacht" gehoert ...
 
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Ein kleines Gedicht zur Geschichte des Adventskranzes:

Johann Hinrich Wichern,
soviel kann ich versichern,
hat achtzehnachtunddreißig
im Rauhen Haus,
das weiß ich,
die Tradition begründet
und Kerzen angezündet
auf einem alten Wagenrad,
das da so rumgelegen hat.
Er tats für Waisenkinder,
uns freut es heut nicht minder.
 
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Ich hab keine Lieblingsversion dieses Lieds (vielleicht die aus dem geerbten Weihnachtsalbum vom Opa, bei der ich sehr stolz war, als ich sie am Klavier endlich spielen konnte), aber eine Erinnerung aus einem Heiligabendgottesdienst in einer "fremden" Gemeinde. Da war es Tradition, "Stille Nacht" ohne Beleuchtung zu singen. Ich wusste das vorher allerdings nicht, fing mit der Intonation an und in der Kirche gingen alle Lichter aus. Am Notenpult der Orgel gab es kein eigenes Licht, so dass alles, was noch leuchtete, die Altar- und die Christbaumkerzen waren, und die Pedalbeleuchtung.
Gut, bei einem so bekannten Lied muss man auch nicht unbedingt in die Noten gucken, aber ich war zwei Takte lang doch ein wenig irritiert. Hinterher entschuldigte sich die Küsterin dafür, mich nicht gewarnt zu haben.
 

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