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Matizio
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Das Merkwürdige dabei ist nur, das ich nicht ein einziges Video gesehen habe, wo Tasten ausgewogen werden, noch im S&S Reference Guide, bei dem das Niederdruckgewicht von 47g bei S&S nicht vom Tastenwegbeginn gemessen wird. Da die Losbrechreibung (bei meinem Flügel) so um die 3 Gramm beträgt, ist das schon ein Unterschied, ob ich mit 50g oder 47g auswiege! Also so ganz selbstverständlich scheint es nicht zu sein. Selbst das Video von der angesehenen Klavierwerkstatt Maiwald misst 47g von Tastenwegbeginn und nicht nach 4mm.
Von daher würden mich andere Meinungen dazu schon noch interessieren, oder eine von S&S autorisierte Quelle für die Messmethode, aus der hervorgeht, das viele Meisterbetriebe offenbar nicht die korrekte Messmethode zum Auswiegen nutzen (trotz gleicher Gewichtsangabe).
Ich denke es wird eine einzig "korrekte" und "autorisierte" Meßmethode schlechthin gar nicht geben. Sondern es gibt verschiedene Arten die Gewichtung zu messen je nachdem, was die Meßwerte anzeigen sollen.
S&S oder deren Vertragswerkstätten arbeiten nicht umsonst so gut wie ausschließlich mit fabrikneuen oder neuwertig restaurierten Originalmechaniken. Die haben die originale Geometrie, die aktuellen originalen Bauteile und Materialien, und der Zusammenbau weist dank moderner Fertigungstechnologie geringste und höchst gleichmäßig verlaufende Toleranzen auf.
Die Reibungsverhältnisse an den Oberflächen der verschiedenen Teile dürften daher durchgehend optimiert sein. Unter diesen Umständen ist es sehr wahrscheinlich einfach so, dass das Losbrechmoment hier keine nennenswerte Rolle spielen wird. Ich habe zwar noch keine derart neue oder neuwertige Steinway*-Mechanik gesehen, vermute aber, dass es da unter einem Gramm liegen wird, falls überhaupt messbar, und somit nicht spürbar ist. Dann wird es auch nicht darauf ankommen, ob man von oben oder von 4mm weiter unterhalb mißt, weil es hier einfach keinen Unterschied im Ergebnis machen wird.
Ganz anders wird das aber aussehen, wenn es um bereits lange gespielte, oder historisch gealterte, oder nach eigenen Vorstellungen "zurechtgebastelte" Mechaniken geht. Wenn dann auch noch, wie in Deinem Fall, umgearbeitete Fremdteile verbaut sind und vermutlich noch dazu eine ungenaue Regulierung vorliegt, und obendrein die Mechanik nach dem Umbau nicht neu ausgewogen wurde, wird sie unter diesen Bedingungen durch Spielen dann auch schneller verschleißen. Denn die ganzen unter diesen Umständen nun ungleichmäßig belasteten Lagerstellen werden in Folge dessen zunehmend Reibung entwickelt haben, und zwar mit Sicherheit mehr als das bei einer neuwertigen bzw. gut eingestellten und ausgewogenen Mechanik der Fall ist.
Es macht dann m.E. weniger Sinn zu versuchen, diese zusätzliche Reibung durch neues Auswiegen kompensieren zu wollen, weil das nicht wirklich möglich ist. Denn mehr Masse bedeutet ja immer auch mehr Reibung und insgesamt höhere Trägheit, weshalb es für ein flüssiges Spielgefühl generell immer empfehlenswert ist, nur soviel Blei einzusetzen wie es für den reinen Trägheitsausgleich unbedingt erforderlich ist und für ein gutes Ergebnis besser sein dürfte, die dann ggf. verbleibende Reibung durch anschließendes sorgfältiges Regulieren und Polieren etc. zu minimieren.
Vor diesem Hintergrund wird dann auch verständlich, dass erfahrene Spezialisten wie M. Igrec empfehlen, das Niedergewicht zum Ausbalancieren ohne das Losbrechmoment zu ermitteln um der Mechanik so wenig Trägheit wie möglich "einzupflanzen", und die verbleibende Reibung dann separat anzugehen. Der Vorteil ist dann auch, dass die auf diese Weise neu ausgewogene Mechanik sich im Laufe der Zeit vielleicht wieder etwas von der Fehlbelastung (durch das nicht erfolgte Auswiegen zuvor) wieder erholen kann, und die Folgen der Fehlbelastung (z.B. auch höherer Verschleiß) nicht durch unnötig hohes Auswiegen für die Zukunft "einzementiert" werden.
Was also tun um aus dem ganzen Schlamassel, den Du selbst angerichtet hast wieder einigermaßen rauszukommen und Deinen "Bastard" (O-Ton Clavierhaus) in einen halbwegs spielbaren Zustand zu versetzen?
Ferndiagnosen sind natürlich kaum möglich und Spekulationen wenig hilfreich. Du hast mir geschrieben, einige Regulierschritte nun erst mal selber anhand des Reference Guide unternehmen zu wollen. Das kann man versuchen, aber nur, wenn man auch verstanden hat, was man da tut, und wann man es tun muss und warum. Welche Schritte man in welcher Reihenfolge und auf welche Art unternehmen muß, um zu einem erreichbaren Ziel zu kommen.
Leider scheint mir das alles aber in Deinem Fall nicht ganz so zu sein, die Reihenfolge und Richtung der Schritte die Du unternimmst oder hast unternehmen lassen kommt mir irgendwie nicht schlüssig und zielführend, sondern bisher eher verschlimmbessernd vor. Vermutlich wolltest Du die Ratschläge einiger Fachleute auch nicht recht hören und hast dazwischengefunkt.
Zwar ist ein Umbau immer irgendwo auch Privatsache. Aber das Ergebnis ist bei Dir jetzt vermutlich eines dieser Instrumente, deren beeinträchtigte und inhomogene Spielbarkeit nicht mehr dem hohen Standard von Steinway* entspricht, und die der Firma und ihren Vertragshändlern und -Werkstätten verständlicherweise ein Dorn im Auge sind, weil sie den Ruf und das Ansehen untergraben könnten, wenn sie wieder verkauft werden und in Umlauf kommen sollten...
Ich jedenfalls würde erstmal die Klaviatur "korrekt" auswiegen lassen, also ausdrücklich einen damit beauftragten Klavierbauer bitten, das Niedergewicht dabei erst ab 4mm unterhalb der Taste zu bestimmen auch um den möglicherweise schlechten Einfluß der Stößerstellung damit erstmal zu umgehen. Danach kann man dann ggf. die Stößerstellung durch Unterlegen korrigieren und dann Regulieren.
Aber gut möglich, dass Du es selber besser zu wissen meinst und weiter so m.E. inkonsequent vorgehen möchtest wie bisher, und Dir am Ende dann wieder ein Deines Erachtens "traumhaftes" Aufgewicht bescheinigst... Deshalb nichts für ungut, ich meine es nicht böse, und bin in diesem Fall ja vielleicht auch gar nicht kompetent genug, da mir entsprechende Erfahrung wie gesagt fehlt, denn ich habe bisher nur meinen eigenen Flügel* reguliert. Und damit: Viel Glück!
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