Steinway unter falschen Voraussetzungen.....

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  • #42
Ah... und die haben - Agraffen...?
 
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  • #44
Ah... und die haben - Agraffen...?
Besuche gelegentlich mal den Agraffentoni hinter Köln. Dann wird klar, warum er diesen Nick hat.

Vermittels Agraffen (anstelle Zickzack auf dem Steg) verändert sich das Klangprofil von Flügeln, zu Teilen dramatisch. Er hat ein äußerst interessantes Exemplar hierfür vorzuzeigen, -hören, modifiziert mit australischer Technik. Das war beeindruckend.
 
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  • #45
Trotzdem die Frage: neue Mechanik auf altes Tubengestell: was könnte man da ggfs. verbessern oder optimieren?

Gegenfrage: was stört Dich noch am derzeitigen Spielgefühl, was würdest Du gerne verbessert oder optimiert wissen?
Eigentlich stört mich da nix, außer das die Tasten (noch) nicht nachgewichtet wurden nach komplettem Mechaniktausch und jetzt wiederholtem Hammerkopftausch nebst Abschleifen der Hammerseiten und im Fängerbereich. Das Niederdruckgewicht differiert um einige Gramm zwischen benachbarten Tasten. Ich habe es nicht genau gemessen, aber im Mittelbereich können es schon +/- 2 bis 3 Gramm sein zwischen den Tasten. Und jetzt, wo ich davon schreibe, fängt es mich auch schon stärker an zu stören als vorher. :015:

Noch was zu Deinen Zahlen, falls Dir Dein Niedergewicht zu hoch scheint. Oft wird vergessen, dass Steinways Zahlen auf einer wichtigen, aber meist unbeachteten Vorgabe beruhen. Sie lautet, die Taste samt korrekt positioniertem Gewicht erst um 4 mm abzusenken, bevor man sie zum vollständigen Absinken loslässt. (Siehe dazu den "S&S Worldwide Technical Reference Guide"). Angesichts von möglichen ca 9,5 bis gut 10mm Tiefgang sind 4mm schon eine ganze Menge.

Hintergrund ist, dass das Losbrechmoment bei den offiziellen Steinway*-Angaben zum Spielgewicht ausdrücklich nicht mit berücksichtigt werden soll. Das macht in der Klaviaturmittellage dann gut und gerne 3 Gramm oder mehr aus. Falls Du nicht so gemessen hast, dürfte Dein Niedergewicht gemessen nach obiger Steinway* Vorgabe also eher bei 47-49g liegen, was angesichts der 30 Gramm Aufgewicht ziemlich nahe bei den Spezifikationen liegt, die laut Franz Mohr eigentlich nur Horowitz beherrschte. Fast alle anderen Pianisten fanden das dagegen quasi unkontrollierbar:

Franz Mohr über Horowitz' Spielgewicht

Womöglich könnte also auch Dir etwas weniger Aufgewicht und damit mehr Friktion sogar entgegen kommen?

Matizio, mir imponiert sehr, dass du nicht nur sehr detailliertes Spezialwissen mit uns teilst, sondern dies vor allem auch mit entsprechenden Quellen hinterlegst. Habe mir den Steinway* Worldwide Technical Reference Guide - danke für den Hinweis! - heruntergeladen und werde auch darin schmökern.

Eine wahrscheinlich wichtige Sache habe ich vergessen: Es wurde auf das alte Tubengestell nicht nur eine neue Renner-Mechanik aufgebaut, sondern das Röllchenmaß ist ebenfalls neu (17mm), gegenüber 16mm original von 1935. Damit konnte auch das Hammergewicht etwas höher sein als es ursprünglich war für gleiches Niederdruckgewicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr hohe Aufgewicht auch damit zusammenhängt?

Davon abgesehen, weiß ich, wie sich ein sehr niedriges Aufgewicht anfühlt, weil ich das an meinem Digitalpiano hatte: nämlich sehr zähes Spielgefühl. Hohes Aufgewicht ist genau das Gegenteil und ich gehe davon aus, dass auch die Repetitionsfähigkeit mit hohem Aufgewicht besser ist als mit ziemlich niedrigem Aufgewicht. Diesbgzl. empfinde ich nix Störendes an hohem Aufgewicht, im Gegenteil.

Aber ist es nicht schon fast ein Taschenspielertrick, das Niedergewicht ohne Berücksichtigung des "Losbrechmoments" zu messen? Denn als Spieler möchte ich doch gleichmäßiges Niederdruckgewicht haben, ausgehend von der Ruhelage. Also ist es doch besser, das auszumessen von der Ruhelage, um mglw. unterschiedliche "Losbrech-Reibungen" mit zu erfassen, und dann von z.B. 50g auszugehen statt 47g?
 
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  • #46
Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr hohe Aufgewicht auch damit zusammenhängt?
Nicht wirklich. Denn die schwereren Hämmer liegen ja auch wieder auf dem entsprechenden anderen Hebel auf. Aufgewicht ist Niedergewicht minus Reibung. Dein tolles Aufgewicht entsteht durch die qualitativ hochwertige Mechanik, die wenig Reibungsverluste hat.
Mit leichteren Hämmern hättest du weniger Blei in den Tasten, damit das selbe Niedergewicht erreicht wird - und auch ein ca. gleich hohes Aufgewicht.

Diesbgzl. empfinde ich nix Störendes an hohem Aufgewicht, im Gegenteil.
Man versucht ja auch nicht ohne Grund, das Aufgewicht im Rahmen das Möglichen zu maximieren...
 
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  • #47
Es wurde auf das alte Tubengestell nicht nur eine neue Renner-Mechanik aufgebaut, sondern das Röllchenmaß ist ebenfalls neu (17mm), gegenüber 16mm original von 1935. Damit konnte auch das Hammergewicht etwas höher sein als es ursprünglich war für gleiches Niederdruckgewicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr hohe Aufgewicht auch damit zusammenhängt?

Nicht wirklich. Denn die schwereren Hämmer liegen ja auch wieder auf dem entsprechenden anderen Hebel auf. Aufgewicht ist Niedergewicht minus Reibung. Dein tolles Aufgewicht entsteht durch die qualitativ hochwertige Mechanik, die wenig Reibungsverluste hat.
Doch, es hängt auch damit zusammen. Schwerere Hämmer lassen das Niedergewicht entsprechend steigen, wenn das Blei, so wie hier, belassen wird:

Mit leichteren Hämmern hättest du weniger Blei in den Tasten, damit das selbe Niedergewicht erreicht wird - und auch ein ca. gleich hohes Aufgewicht.
Hat er aber nicht, die Ausbleiung ist so geblieben - wenn ich es recht verstanden habe. Es wurden schwerere Hämmer eingebaut, zwar mit längerem Röllchenmaß, also unter weniger Lasthebel, aber auf einem Tubengestell für altes Röllchenmaß, also unter leicht negativ geknickter Stößergeometrie, (die ohne unterlegte Pappscheiben an den Hebegliedkapseln das Losbrechmoment steigen lässt), und dann wurden die Hämmer leichtergefeilt, bis ein (inklusive vermutlich erhöhtem Losbrechmoment) akzeptables Spielgewicht herauskam.
ich gehe davon aus, dass auch die Repetitionsfähigkeit mit hohem Aufgewicht besser ist als mit ziemlich niedrigem Aufgewicht. Diesbgzl. empfinde ich nix Störendes an hohem Aufgewicht, im Gegenteil.

Man versucht ja auch nicht ohne Grund, das Aufgewicht im Rahmen das Möglichen zu maximieren...
Aber nicht in jedem Fall und für jeden Pianisten, siehe Mohrs Video. Es gilt auch nur, solange die Mechanik immer noch genügend Dämpfung bereithält den individuellen "Spielschwung" genügend abzubremsen um einen auch im pianissimo noch differenzierten Anschlag für den jeweiligen Pianisten zu ermöglichen.

Wird das Aufgewicht dagegen kompromisslos (zu) hochgetrieben und wird auch das Niedergewicht im Verhältnis immer weniger, indem die Reibung überall extremal verringert wird, springt die Mechanik schon bei leisester Berührung los (Mohr/Horowitz: you could almost blow on it to move....) und lässt den Hammer kaum gedämpft quasi an die Saite knallen, oder sogar trommeln. Wenn dazu dann noch das anfängliche Losbrechmoment relativ hoch liegt, finden das wohl nur die wenigsten Pianisten gut und kontrollierbar...
 
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  • #48
Aber ist es nicht schon fast ein Taschenspielertrick, das Niedergewicht ohne Berücksichtigung des "Losbrechmoments" zu messen? Denn als Spieler möchte ich doch gleichmäßiges Niederdruckgewicht haben, ausgehend von der Ruhelage. Also ist es doch besser, das auszumessen von der Ruhelage, um mglw. unterschiedliche "Losbrech-Reibungen" mit zu erfassen, und dann von z.B. 50g auszugehen statt 47g?
Nein. Ich denke die rein auf die Trägheit bezogene Meßgröße Niedergewicht ist nicht eingeführt worden, um das Spielgefühl zu charakterisieren, sondern um ganz praktisch anhand eines Wertes und eines einfachen Verfahrens die Klaviatur auszuwiegen, d.h. die (Trägheits-)Verhältnisse immer so zu auszubalancieren, dass trotz verschiedener Hammergewichte und Geometrien eine während der sich bewegenden Taste einigermaßen einheitliche Spielweise möglich wird. Also genau im Gegenteil beim Ausbleien zunächst möglichst nur auf den unvermeidlichen Trägheitsaspekt abzustellen und alle zusätzlichen Friktionseffekte (Dämpfer, Losbrechen, Auslösung) so weit es geht dabei auszublenden.

Der Spielvorgang besteht m. E. nicht nur, oder auch nur vorrangig darin, Tasten aus ihrer Ruhelage zu bewegen. Denn oft werden Tasten doch gar nicht ganz in ihre Ruhelage zurückgelassen (Triller, Repetitionen, leggiero, legato, usw.), oder es wird der vorausgegangen Schwung eines Anschlags für den nächsten Anschlag mitgenommen, wenn die Taste beim Zurückkehren am oberen Ende leicht nachfedert (staccato). Ganz zu schweigen vom je nach dem unterschiedlich spürbaren Nachdruck, oder den veränderten Bedingungen ohne oder mit Pedalgebrauch etc.

Diese Vielfalt und die damit verbundenen unterschiedlichen Spielgefühle irgendwie in einer einzigen Zahl abbilden zu wollen erscheint mir unmöglich. Deshalb finde ich es umgekehrt gut, einen viel kleineren, aber dafür möglichst genau definierten und halbwegs repräsentativen Ausschnitt zu wählen, der sich ohne allzu große Verfälschung noch mit einer Zahl charakterisieren lässt und praktische Relevanz fürs Regulieren hat.

Noch was. Meine Formulierung hat vielleicht den Eindruck erweckt, Steinway* würde klammheimlich erleichterte Bedinungen für seine Spielgewichtsangaben verwenden, um "schönere" Zahlen zu bekommen als andere. In Wahrheit dürfte aber wahrscheinlich eher umgekehrt ein Schuh daraus werden: einige halten sich nicht an die Standardvorgaben und setzen dann vielleicht unwissentlich eigentlich nicht ganz vergleichbare Zahlen in die Welt... Ich weiß zwar nicht, wer diese Standardisierung wo und wann festgelegt hat, aber für praktische Zwecke scheint sie mir absolut sinnvoll.
 
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  • #49
Das Merkwürdige dabei ist nur, das ich nicht ein einziges Video gesehen habe, wo Tasten ausgewogen werden, noch im S&S Reference Guide, bei dem das Niederdruckgewicht von 47g bei S&S nicht vom Tastenwegbeginn gemessen wird. Da die Losbrechreibung (bei meinem Flügel*) so um die 3 Gramm beträgt, ist das schon ein Unterschied, ob ich mit 50g oder 47g auswiege! Also so ganz selbstverständlich scheint es nicht zu sein. Selbst das Video von der angesehenen Klavierwerkstatt Maiwald misst 47g von Tastenwegbeginn und nicht nach 4mm.
Von daher würden mich andere Meinungen dazu schon noch interessieren, oder eine von S&S autorisierte Quelle für die Messmethode, aus der hervorgeht, das viele Meisterbetriebe offenbar nicht die korrekte Messmethode zum Auswiegen nutzen (trotz gleicher Gewichtsangabe).

Hat er aber nicht, die Ausbleiung ist so geblieben - wenn ich es recht verstanden habe. Es wurden schwerere Hämmer eingebaut, zwar mit längerem Röllchenmaß, also unter weniger Lasthebel, aber auf einem Tubengestell für altes Röllchenmaß, also unter leicht negativ geknickter Stößergeometrie, (die ohne unterlegte Pappscheiben an den Hebegliedkapseln das Losbrechmoment steigen lässt), und dann wurden die Hämmer leichtergefeilt, bis ein (inklusive vermutlich erhöhtem Losbrechmoment) akzeptables Spielgewicht herauskam.


An den Hebegliedkapseln wurden keine Pappscheiben unterlegt. Woran erkenne ich eine leicht negativ geknickte Stößergeometrie? Die Reibung des Losbrechmoments beträgt vielleicht 3g, so ganz genau ist es schwierig zu messen. Muss ich Versuche machen, bei welcher Pappscheibenstärke die geringste Losbrechreibung entsteht? Oder ist es so, dass der Losbrechweg sich auch ändert - also dass sich dadurch der Tastenweg ändert, nachdem die Taste heruntergeht, bis diese Reibung verschwunden ist? Das wäre zumindest leichter zu messen.

Vom Gefühl her meine ich zumindest, dass der Tastenweg rel. lang ist, können 3-4mm sein, bis die Reibung des Losbrechmoments weg ist. Von daher, wenn ich da was verbessern könnte, um das zu reduzieren, wäre es schön (zielt auch auf die Frage von dir hin, ob ich was vermisse bei der Konstellation altes Gestell, aber längeres Röllchenmaß)
Wird das Aufgewicht dagegen kompromisslos (zu) hochgetrieben, springt die Mechanik sozusagen schon bei leisester Berührung los (Mohr/Horowitz: you could almost blow on it to move....) und lässt den Hammer kaum gedämpft quasi an die Saite knallen, oder sogar trommeln. Wenn dazu dann noch das anfängliche Losbrechmoment relativ hoch liegt, finden das wohl nur die wenigsten Pianisten gut und kontrollierbar...
Wie kann man denn das Aufgewicht kompromisslos hochtreiben? Es sind doch die Reibungen da, bei bester Mechanik ca. 50% des Niederdruckgewichts, sonst eher mehr?
 
  • #50
Wie kann man denn das Aufgewicht kompromisslos hochtreiben? Es sind doch die Reibungen da, bei bester Mechanik ca. 50% des Niederdruckgewichts, sonst eher mehr?
Eben, das sehe ich genau so! (ich würde nur sagen, dass bei der besten Mechanik die Reibung noch ein Stück unter 50% liegt)
und ich so um 50-52g liege, und das mit traumhaft hohem Aufgewicht von ca. 30g.
macht ca 21g Reibungsverlust, also ~41%.

Doch, es hängt auch damit zusammen. Schwerere Hämmer lassen das Niedergewicht entsprechend steigen, wenn das Blei, so wie hier, belassen wird:
Nicht, wenn die Geometrie entsprechend verändert wird! Schreibst du doch eh selber
Hat er aber nicht, die Ausbleiung ist so geblieben - wenn ich es recht verstanden habe. Es wurden schwerere Hämmer eingebaut, zwar mit längerem Röllchenmaß, also unter weniger Lasthebel, aber auf einem Tubengestell für altes Röllchenmaß, also unter leicht negativ geknickter Stößergeometrie, (die ohne unterlegte Pappscheiben an den Hebegliedkapseln das Losbrechmoment steigen lässt), und dann wurden die Hämmer leichtergefeilt, bis ein (inklusive vermutlich erhöhtem Losbrechmoment) akzeptables Spielgewicht herauskam.
Wenn andere Hämmer das gleiche Niedergewicht verursachen, dann auch das gleiche (oder zumindest sehr ähnliche) Aufgewicht.

Man versucht ja auch nicht ohne Grund, das Aufgewicht im Rahmen das Möglichen zu maximieren...
Aber nicht in jedem Fall und für jeden Pianisten, siehe Mohrs Video. Es gilt auch nur, solange die Mechanik immer noch genügend Dämpfung bereithält den individuellen "Spielschwung" genügend abzubremsen um einen auch im pianissimo noch differenzierten Anschlag für den jeweiligen Pianisten zu ermöglichen.

Wird das Aufgewicht dagegen kompromisslos (zu) hochgetrieben, springt die Mechanik sozusagen schon bei leisester Berührung los (Mohr/Horowitz: you could almost blow on it to move....) und lässt den Hammer kaum gedämpft quasi an die Saite knallen, oder sogar trommeln. Wenn dazu dann noch das anfängliche Losbrechmoment relativ hoch liegt, finden das wohl nur die wenigsten Pianisten gut und kontrollierbar...
Da steht "im Rahmen des Möglichen". Rein rechnerisch ist das Aufgewicht durch das Niedergewicht begrenzt, in der Praxis ist es noch deutlich darunter. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was du mit dem ersten Teil meinst. Nieder- und Aufgewicht wird ohne Dämpfung gemessen. Meinst du Reibung? Ja, in der Mechanik wird an gewissen Stellen Reibung gebraucht. Die Hammerachse sollte aber möglichst reibungsfrei sein. Je weniger Reibung desto präziser geht pp. Trommeln hat eher mit der Auslösung zu tun, eventuell auch mit schlecht eingestellten Fängern (aber selbst ganz ohne Fänger springen die Hämmer im Normalfall nicht wieder derart hoch).

Horowitz wollte möglichst geringes Niedergewicht (darauf bezieht sich das "blow on it to move"). Geringes Niedergewicht bedeutet immer auch noch geringeres Aufgewicht.
 
  • #51
Wenn andere Hämmer das gleiche Niedergewicht verursachen, dann auch das gleiche (oder zumindest sehr ähnliche) Aufgewicht.
wenn ich Matizio richtig verstanden habe, dann verursachen aber die anderen Hämmer in meinem Fall (altes Gestell, neue Mechanik) größere Losbrechreibung, falls das nicht durch Pappscheiben unter den Hebegliedkapseln kompensiert wird - verringert also das Aufgewicht bei gleichem Niedergewicht gegenüber der alten Mechanik und alten Hämmern.
 
  • #52
Geringes Niedergewicht bedeutet immer auch noch geringeres Aufgewicht.
Nein, eben nicht "immer". Das ist zwar dann so, wenn das Niedergewicht durch leichtere Hämmer vermindert wird, die dann umgekehrt weniger Masse haben um die Taste zu heben. Aber wenn das Niedergewicht nicht durch weniger Masse, sondern bei z.B. gleichbleibender Masse durch weniger Reibung verringert wird, erhöht sich das Aufgewicht, weil auch dessen Masse gleichbleibt und beim Hochdrücken nun auf weniger Widerstand stößt.

Unübersichtlich wird es halt, wenn bei einem Umbau sowohl Masse als auch Reibung verändert werden, wie es meistens der Fall ist...

Die Hammerachse sollte aber möglichst reibungsfrei sein. Je weniger Reibung desto präziser geht pp. Trommeln hat eher mit der Auslösung zu tun
Auch da widerspreche ich. Die Hammerachse darf zwar nicht zuviel Reibung haben, weil das neben dem Spielgefühl u.a. auch den Ton negativ beeinflußt, wenn der Hammer dann irgendwann zu lange an der Saite bleibt. Dann ist es nötig diese Reibung zu verringern, aber sie darf dabei auch nicht zu gering werden, weil sonst die Trommelgefahr steigt, da die nötige stoßabsorbierende Wirkung der Mechanik beim Anschlagen sonst zu gering wird, und irgendwann der ganze Mechanismus zu federelastisch wird, und da ist dann eben nichts mehr mit präzisem pp.

Deshalb kann es umgekehrt manchmal auch nötig sein, die Reibung der Hammerachse zu erhöhen, durch Tränken des Lagerfilzes oder sogar Austausch des Achsstiftes gegen einen dickeren. Manchmal hilft auch schon für dauerhaft mehr Luftfeuchte am Standort zu sorgen (- wobei auch da gilt, nicht zuviel, aber auch nicht zuwenig, und möglichst keine schnellen starken Schwankungen, sonst quittiert das der Resonanzboden....)

Horowitz wollte möglichst geringes Niedergewicht
Nein, nicht nur das, er wollte möglichst geringes Niedergewicht bei zugleich möglichst hohem Aufgewicht. Mohr nennt die Zahlen, 46g runter bei 30g plus x rauf.

Sprich, er wollte eine Mechanik mit gleichmäßig möglichst wenig Reibung - nach Deiner Rechnung weniger als 35% Reibung. Also nicht nur "noch ein Stück unter 50%" wie Du es den besten Mechaniken attestierst, sondern noch sehr deutlich darunter.

Und weil solche Mechaniken selten sind und nicht der Normalfall, hatte Mohr sie speziell daraufhin unter vielen Instrumenten ausgesucht und dann noch bis zum "Anschlag" frisiert, vermutlich also die Achsen poliert und geschmiert, die Tastenführungen mit Ahlen optimiert, die Lagerfilze getränkt oder gepudert oder noch mit heißen Messingeinsätzen ihre Filzoberflächen geglättet, usw. usf.

Alles, um durch Reibungsverminderung das Aufgewicht maximal hoch, und das Niedergewicht maximal runter zu treiben, bis zu einem Punkt, der diese Mechanik für nahezu alle anderen Pianisten unkontrollierbar machte.
 
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  • #53
wenn ich Matizio richtig verstanden habe, dann verursachen aber die anderen Hämmer in meinem Fall (altes Gestell, neue Mechanik) größere Losbrechreibung, falls das nicht durch Pappscheiben unter den Hebegliedkapseln kompensiert wird - verringert also das Aufgewicht bei gleichem Niedergewicht gegenüber der alten Mechanik und alten Hämmern.
Aber um wieviel geht es da? 2g mehr oder weniger fällt bei mir unter "sehr ähnlich".
 
  • #54
Nein, eben nicht "immer".
Doch, immer. Du hast den Satz falsch verstanden, vielleicht das erste Wort als "Geringeres" gelesen. Das Aufgewicht liegt immer unter dem Niedergewicht. Wer geringes Niedergewicht will, muss mit entsprechend geringem Aufgewicht leben.

Sprich, er wollte eine Mechanik mit gleichmäßig möglichst wenig Reibung - nach Deiner Rechnung weniger als 35% Reibung. Also nicht nur "noch ein Stück unter 50%" wie Du es den besten Mechaniken attestierst, sondern noch sehr deutlich darunter.
"noch ein Stück" heißt "mehr als nur ein bisschen", also "deutlich". Sollte eigentlich offensichtlich sein, dass mir klar ist, dass es nicht ganz nah bei 50% meine, weil ich ja erstens für das Instrument von Mindenblues 41% ausgerechnet habe und zweitens die zitierten 50% mit meiner Aussage nach unten korrigiert habe.

Je weniger Reibung in der Hammerachse ist, desto präziser kann man spielen. Sogar die Kapsel(!) muss sich von selber nach unten bewegen, sonst ist in der Achse zu viel Reibung, also nahe 0. Gleichzeitig muss sie natürlich stabil sein, damit der Hammer nicht seitlich wackeln kann, etc. Ich habe noch nie gehört, dass jemand zu wenig Reibung an dieser Stelle hat. Die dickere Achse nimmt man nur dann, wenn der Hammer locker ist.
Wie gesagt: Bzgl Trommeln und dessen Verhinderung sind Auslösung und Fänger zuständig. Die Schwerkraft hilft auch dagegen - hier geht es um die Mechanik in einem Flügel.

Horowitz: unterschiedliche Quellen nennen nur 44g oder sogar 41g (vielleicht einmal mit und einmal ohne die hier erwähnte Losbrechreibung). Und wenn Mohr die Achsen noch poliert und geschmiert hat, müsste doch entsprechend dem, was du schreibst, Horowitz' Konzerte durch übermäßiges Trommeln versaut worden sein.
 
  • #56
Doch, immer. Du hast den Satz falsch verstanden, vielleicht das erste Wort als "Geringeres" gelesen..... Wer geringes Niedergewicht will, muss mit entsprechend geringem Aufgewicht leben....
Nein, Du irrst Dich, das ist nicht zwangsläufig so. Es kommt ganz auf die Umstände an. Du fixierst Dich beim Thema Gewichtung allein auf Veränderungen der Masse, übersiehst aber die Reibung, die zu ändern sich auf die Hebelarme nunmal anderssinnig auswirkt. Aber ich habe diesen wichtigen Unterschied oben schon erklärt und sollte nicht länger versuchen, Dich von Deiner einseitigen (und daher manchmal irrreführenden) Sicht abzubringen.

Dass die Reibung in der Hammerkapsel immer so niedrig wie möglich sein sollte, ist eine genauso falsch vereinfachte Sichtweise. Auch da kommts darauf an, wie bereits erläutert.

Für mich zwei Beispiele, wie fixe Überzeugungen unter manchem Umständen dann auch mal zu vielleicht gut gemeinten, aber m. E. verkehrten oder nicht zielführenden Maßnahmen führen können. Aber das mag natürlich jeder anders sehen....
 
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  • #57
Nein, Du irrst Dich, das ist nicht zwangsläufig so.
Noch einmal: Du verstehst den Satz falsch. Anders formuliert soll er ausdrücken: Aufgewicht ist immer kleiner als Niedergewicht. Wer das Niedergewicht senkt, senkt die machbare Obergrenze für das Aufgewicht.

wie bereits erläutert.
Nein, wie bereits BEHAUPTET. Die Ursachen von und Maßnahmen gegen Trommeln habe ich dir geschrieben, aber darauf gehst du nicht ein.
 
  • #59
Nein und nochmal nein.
Aber es ist alles gesagt - wiederholen ermüdet bloß und hilft keinem.
Und somit spielt es auch keine Rolle, wer das letzte Wort behält.
 
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