"Schlichte Musik wird dem Glauben nicht gerecht"

  • Ersteller Ersteller Dorforganistin
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  • #41
"es braucht eine weitere Stimme, eine Gegenstimme. Das sind Gitarrengriffe, das funktioniert auf der Orgel auch nicht. Es muss komplexer sein."
Damit sollten richtig ausgebildete Musiker kein Problem haben

Da bin ich echt ins Schleudern gekommen.
Wo liegt genau das Problem?
Ich vermute, dass es dem Herrn Kaiser einfach unmöglich ist, über einem bezeichneten Grundton einen Akkord aufzubauen (und das halte ich bei ausgebildeten Musikern für ziemlich seltsam).
Du glaubst im Ernst, ein Professor für Orgelimprovisation bekommt es nicht hin, auf einem bezeichneten Grundton einen Akkord aufzubauen?


Ich denke sehr wohl, dass er das kann, es aber auf der Orgel unpassend findet.

Er kann das mit Sicherheit. Ich verstehe das so: Wenn halt gar nichts anderes passiert, als dass man die Melodie und die notierten Akkorde spielt, dann klingt es auf der Orgel genauso poplig wie mit einer popligen Kirchenband.
 
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  • #42
Peter Planyavsky (ehemaliger langjähriger Wiener Domorganist und emeritierter Professor für Orgel) hat sich intensiv mit der Begleitung Neuer Geistlicher Lieder auf der Orgel befasst. Er hat 2007 mit einem Chor eine CD aufgenommen, einige kurze Hörbeispiele gibt es hier:

 
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  • #43
Du glaubst im Ernst, ein Professor für Orgelimprovisation bekommt es nicht hin, auf einem bezeichneten Grundton einen Akkord aufzubauen?
Warum komme ich bei solchen Aussagen von einem Professor für Orgelimprovisation wohl ins Schleudern?
Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, dass so jemand das nicht kann.
Deswegen verstehe ich ja auch nicht, wie sich so jemand zu Unsinn wie "das sind Gitarrengriffe, dass funktioniert so auf der Orgel nicht" hinreißen lässt.
Ich sehe auf einem Leadsheet nur Akkorde, die man auch von einem Streich- oder Flötenensemble spielen lassen kann ... auf einer Gitarre oder Ukulele geht's natürlich auch.
Die Standardrhythmen auf der Gitarre klingen auf der Orgel halt doof ... die haben aber mit den Akkorden nix zu tun.
 

  • #44
Jetzt habe ich das Interview mal überflogen, obwohl es mich überhaupt nicht interessiert.
Deswegen verstehe ich ja auch nicht, wie sich so jemand zu Unsinn wie "das sind Gitarrengriffe, dass funktioniert so auf der Orgel nicht" hinreißen lässt.
Musst halt den ganzen Text lesen. Er kritisiert das Fehlen einer auskomponierten Gegenstimme. Also wenigstens zweistimmig sollte es sein, und das fehlt dann halt in einem Leadsheet. Die Lösung:
Es muss komplexer sein. Auch da muss diese dritte Dimension, hin zum Göttlichen, vorhanden sein.
Ähm joa, blabla.

Am Ende geht es, so vermute ich, wie so oft um eine für ihn bessere Verteilung von Mitteln:
Das wirkt sich auch auf die Mittelvergabe aus. Für solche Events werden oft erstaunliche Personalressourcen und finanzielle Mittel eingesetzt. Für Technik wird dabei viel Geld ausgegeben, Beleuchtungseffekte und Sound müssen ja gewährleistet sein.
 
  • #45
Am Ende geht es, so vermute ich, wie so oft um eine für ihn bessere Verteilung von Mitteln:
Das spielt sicher auch eine Rolle, aber ich denke nicht, dass man es allein darauf reduzieren kann.

Ich bin sicher nicht mit allem einverstanden, was er im Interview gesagt hat, aber erlebe es in der Praxis gerade bei Kolleg*innen im Nebenamt schon auch, dass es schwer fällt, sich in allen Musikstilen heimisch zu fühlen und adäquat zu begleiten. Für die Lieder aus dem (evangelischen) Gesangbuch gibt es ausgesetzte drei- und vierstimmige Begleitsätze, aber von einem Leadsheet zu spielen lernste in der Orgelausbildung nicht unbedingt (es gibt zusätzlich Pop-Kantoren-Ausbildungen, da kommt das natürlich vor).
Und manches neue Lied ist halt musikalisch auch echt langweilig, selbst mit Gitarren- oder Bandbegleitung.

Wir müssen bei Kirchens nicht oberflächlich sein, weder im gesprochenen Wort noch in der Musik. Aber was für den einen schon oberflächlich ist, ist für die andere vielleicht noch tief genug. Da gibt es meiner Meinung nach keine Lösung, die allen schmeckt. Aber im Gespräch bleiben ist wichtig.

Für die vier Lieder beim Familiengottesdienst am Pfingstmontag hatte ich vier Instrumente im Einsatz (nacheinander, nicht gleichzeitig): die Orgel, das Stagepiano, das Akkordeon und die Ukulele. Das würde ich aber nicht von nebenamtlichen Kolleg*innen erwarten, dass die das auch so machen.
 
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  • #46
Deswegen verstehe ich ja auch nicht, wie sich so jemand zu Unsinn wie "das sind Gitarrengriffe, dass funktioniert so auf der Orgel nicht" hinreißen lässt.

Das steht da ja auch nicht...
 
  • #47
Das spielt sicher auch eine Rolle, aber ich denke nicht, dass man es allein darauf reduzieren kann.

Ich bin sicher nicht mit allem einverstanden, was er im Interview gesagt hat, aber erlebe es in der Praxis gerade bei Kolleg*innen im Nebenamt schon auch, dass es schwer fällt, sich in allen Musikstilen heimisch zu fühlen und adäquat zu begleiten. Für die Lieder aus dem (evangelischen) Gesangbuch gibt es ausgesetzte drei- und vierstimmige Begleitsätze, aber von einem Leadsheet zu spielen lernste in der Orgelausbildung nicht unbedingt (es gibt zusätzlich Pop-Kantoren-Ausbildungen, da kommt das natürlich vor).
Und manches neue Lied ist halt musikalisch auch echt langweilig, selbst mit Gitarren- oder Bandbegleitung.

Wir müssen bei Kirchens nicht oberflächlich sein, weder im gesprochenen Wort noch in der Musik. Aber was für den einen schon oberflächlich ist, ist für die andere vielleicht noch tief genug. Da gibt es meiner Meinung nach keine Lösung, die allen schmeckt. Aber im Gespräch bleiben ist wichtig.

Für die vier Lieder beim Familiengottesdienst am Pfingstmontag hatte ich vier Instrumente im Einsatz (nacheinander, nicht gleichzeitig): die Orgel, das Stagepiano, das Akkordeon und die Ukulele. Das würde ich aber nicht von nebenamtlichen Kolleg*innen erwarten, dass die das auch so machen.
Fehlt nur noch die Blockflöte.
Ich selbst war dereinst, 1962, der beste Flockblödenspieler des Erzgebirges.
 
  • #48
Das NGL wird mit seiner willkürlichen und völlig sprachfernen Rhythmik nur noch von Reinhard Mey in den Schatten gestellt:
Mit dem einen Unterschied: bei Reinhard ist das Personalstil, ähnlich wie das rrrollende Nazi-R bei Till Lindemann. Beim NGL ist es einfach plump.
 
  • #49
Hier gibt es einen jungen Organisten, der gerne mal Kinderlieder und Popsongs als Einzugs- und Auszugslieder im Gottesdienst spielt:



(Leider nur auf Instagram, auf Youtube habe ich ihn nicht gefunden).
Auf seinem Kanal gibt's weitere Beispiele, die Gemeinde scheint's zu mögen wenn er das jede Woche macht....


Aus unserer Gemeinde gibt es eine legendäre Geschichte.
Vor längerer Zeit (25 -30 Jahre) kam der Bischof zu Besuch. Beim Einzug des Bischofs in die Kirche spielte der Organist (ein begnadeter Musiker) ein Stück und versteckte den Imperial March darin. Die meisten haben es nicht bemerkt, der Rest hat sich königlich amüsiert.:003:
 
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  • #51
Ich hab auch schon mal die Titelmelodie zu den Olsenbanden-Filmen zu einem Faschingsgottesdienst gespielt. Oder einen Ragtime. Es geht viel auf der Orgel.

Es sagt ja auch keiner (und ich glaub, auch nicht der Interviewte), dass es gar nicht geht oder dass man es niemals tun sollte. Es gibt "neue" Lieder, die gut ins Ohr gehen und die sich auch schön spielen lassen, keine Frage. Und wem das eher liegt als die Klassiker (oder die Barockiger), soll das spielen.

Persönlich finde ich eine Mischung gut. In einer Gemeinde, in der nur "Band-Lieder" gesungen werden, fehlt ebenso etwas wie in Gemeinden, die alles nach 1900 geschriebene ablehnen (absichtlich überspitzt formuliert - die Realität ist selten schwarzweiß).
 
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