"Schlichte Musik wird dem Glauben nicht gerecht"

  • Ersteller Ersteller Dorforganistin
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  • #22
Da Glaube eh etwas für schlichte Gemüter ist, ist es für den Glauben doch unerheblich, wie schlicht die Musik ausfällt.
 
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  • #23
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  • #24
Können wir hier vielleicht bei der Musik bleiben?
Für Religionskritik gibt es siche andere passende Orte.
 
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  • #25
Den Wert von Kirchenmusik rein an ihrer kompositorischen Qualität & Komplexität fest zu machen finde ich schwierig. Musik im Gottesdienst ist Teil eines grösseren Ganzen und hat sowohl auf emotionaler als auch inhaltlicher Ebene zum Gelingen eines Gottesdienst beizutragen. Es gibt Momente wo das mit Bach wunderbar funktioniert, genauso gibt es Momente wo andere Musik passender ist. Ich spiele viel an Beerdigungen Volksmusikbearbeitungen, weil das schlicht die Trauernden in ihrem musikalischen Idiom abholt. Schwierig wird es erst wenn, alle Musik, auch die gesungene, inhaltlich komplett banal oder inhaltsleer ist. Denn ich erwarte, dass die Liturgen die inhaltlichen Bälle, die ich ihnen über Liedtexte oder bekannte Melodien (und deren allgemein bekannte Texte) zuspiele, auch wieder zurückspielen und das einflechten. Funktioniert leider viel zu selten, aber man kann sich seine Pfarrpersonen leider auch nicht immer aussuchen...

Das darüber aber immer wieder gern diskutiert wird hat meiner Meinung nach zwei Gründe:
1) In den meisten Kirchen herrscht ein Verteilkampf um Ressourcen, da ist das andere zu diskreditieren vielleicht die einfachste Art der Existenzsicherung.
2) Es gibt leider zu viele Kirchenmusiker, die denken, einfach komponierte Musik sei auch einfach wiederzugeben. Das führt dazu, das Popularmusik schnell schnell eingeübt und aufgeführt und dann natürlich qualitativ abfällt. Auch im vorliegenden Interview mit der starken Betonung der langen Übezeiten der Klassiker scheint es, als denke der Kirchenmusiker Pop & Co. sei alles ein Selbstläufer.
 
  • #26
2) Es gibt leider zu viele Kirchenmusiker, die denken, einfach komponierte Musik sei auch einfach wiederzugeben.
Komisch, wo wohnst du denn? Ich kenne keinen einzigen. Vielleicht Nebenamtliche?
 
  • #27
Nein, die nebenamtlichen Kirchenmusiker und Laien die ich kenne gehen da entweder sehr sorgfältig damit um oder getrauen sich schon gar nicht, da sie in dem auch nicht ausgebildet sind. Ich hatte die Erfahrung eher mit hauptamtlichen älteren Semestern und auch im Studium mit einem Teil der Dozenten gemacht...
 
  • #28
Hm. Vielleicht rührt das aus einem Standesdünkel her, wo sie denken, einfache Musik sei unter ihrem Niveau und sie könnten sie mal eben vom Blatt spielen - und dann funktioniert es doch nicht so wirklich...?
 
  • #29
Auf einer alten MC gab mir ein Freund mal das "kleine" Satireprojekt zweier seiner bekannten (Namen würde ich hier nicht nennen ... hab ich auch eh vergesssen ... es waren jedenfalls über 80 Minuten insgesamt).

In einem der Sketche ging es auch um "moderne Kirchenmusik" ... es begann mit "Liebe Gemeinde (Orgelbegleitung) ... heute haben wir mal was ganz neues (Die Orgel verstummt) ... vor allem für die Jüngeren Semester".
Dann kam das von Partys gewohnte "BummBummBummBumm" mit tobender Menge im Hintergrund und eine mit Hall belegte Stimme (Vorbild: eindeutig Scooter) sagte "DJ Moses in da House" (lauterer Jubel)... gefolgt von einem "Hayeah" (Johl) und einem "fühlt ihr euch alle christlich?" ... was dann kommt, versteht kein Mensch mehr, weil die Crowd DJ Moses zu hart feiert.

Gottesdienst als rauschende Party ... ich denke, der olle Gregor rotiert im Grab. Spätestens wenn die Monstranz Crowdsurfen geht, hört es auf.
 
  • #30
es aber auf der Orgel unpassend findet
Ich kann mir nur einfach schwer vorstellen, woran das liegt.
Wenn er es melodisch nicht passend findet, einem Leadsheet zu folgen, dann läge es an ihm, die Akkorde anders darzubieten, damit sich passendere Melodien ergeben.

Es steht jedem frei, ein Leadsheet einfach mal auszukomponieren und es dabei den Bedürfnissen des eigenen Instrumentes sowie des eigenen Ohres anzupassen.
 
  • #31
"DJ Moses in da House" (lauterer Jubel)... gefolgt von einem "Hayeah" (Johl) und einem "fühlt ihr euch alle christlich?"
Klingt jetzt nicht so weit von Gospel / modernen Gottestdiensten in den USA entfernt.

PS:
 
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  • #32
Es steht jedem frei, ein Leadsheet einfach mal auszukomponieren und es dabei den Bedürfnissen des eigenen Instrumentes sowie des eigenen Ohres anzupassen.
Das kann man machen, klar.
Es gibt halt Lieder, die "klingen" auf der Orgel nicht wirklich, egal, wie gut man arrangieren kann. Ich greife dann zur Ukulele oder spiele auf dem Stagepiano, aber das geht halt auch nicht in jeder Kirche.

Wir müssen in der Kirchenmusik oft flexibel sein und Kompromisse machen. Das geht teilweise in der Ausbildung los und zieht sich dann auch durch die Tätigkeit. Und niemand kann alles gleichermaßen gut. Ich finde das auch nicht schlimm. Aber wir sollten auch beim "neuen geistlichen Lied" nicht alle Moden und Simplifizierungen mitmachen.

Ich erinnere mich an einen Gottesdienst, in dem "Ein feste Burg" gesungen werden sollte. Das steht in zwei Versionen im Gesangbuch, in einer rhythmisch vereinfachten und in einer etwas komplexeren, älteren. Ich finde die ältere wesentlich leichter zu singen und spiele diese auch. Die Gemeinde singt das auch gut mit. Hinterher kam der Pfarrer und sagte, in dieser Form hätte er das Lied noch nie gesungen und er sei überrascht gewesen, wie gut der Text und die Melodie zueinander passten und er wüsste gar nicht, warum alle immer die einfache Fassung spielen würden.
Wer mit der einfachen Fassung (im Nebenamt) besser zurecht kommt, soll die meinethalben spielen. Ich bin da nicht dogmatisch.
 
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  • #33
Das kann man machen, klar.
Ich habe eine Band, die nur alte brasilianische Lieder covert ... alles wird nach Leadsheets eingeübt ... und dabei passiert es ganz automatisch, das "Dinge" in das Stück einfließen, die so nicht im Leadsheet stehen, weil immer irgendwer eine Version mit einer tollen Flötenstimme, einem Gimmick vom Cavaquinho oder einem guten Break gehört hat.
Die Sängerin ist über 60 und hat die Songs natürlich alle eh im Ohr. Das sind teilweise die Hits ihrer Kindheit und Jugend (Brasilianerin).

Der Punkt ist, dass es ohnehin passiert. Allerdings bezieht sich das auch eher auf den Bandkontext, wo man teilweise jahrelang die selben Stücke spielt. Das wird extrem langweilig, wenn man nicht entwickelt und variiert.
Gottesdienst ist da ein ganz anderes Tier. Wir spielen, damit Menschen tanzen können und nicht, um Teil ritueller Abläufe zu sein und diese musikalisch zu unterstützen, wobei sich die thematischen Anforderungen jedes mal leicht ändern.
Ich erinnere mich an einen Gottesdienst, in dem "Ein feste Burg" gesungen werden sollte. Das steht in zwei Versionen im Gesangbuch, in einer rhythmisch vereinfachten und in einer etwas komplexeren, älteren. Ich finde die ältere wesentlich leichter zu singen und spiele diese auch. Die Gemeinde singt das auch gut mit
Vereinfachungen sind manchmal etwas zu mathematisch geraten ... das wird halt einfach begradigt, damit man schön geradeaus mitklatschen kann (gehässig überzogen).
So manche bezaubernde Melodei verliert dadurch ihren Zauber. Und wenns nicht ins Ohr geht, bleibts nicht gut m Hirn (oder muss halt konditioniert werden).
 
  • #34
Ich finde erstmal grundsätzlich, dass man ja möglichst eine breite Schicht ansprechen soll und deshalb sowohl komplexere als auch einfachere Kirchenmusik braucht.

Diese ganze NGL-Band-Sachen sind aber meist nur eine Lobpreisung der Abschaffung sämtlicher Identität der eigenen Institution. Das transportiert doch eigentlich nichts und wird nur von irgendwelchen Kirchentagsgängern gefeiert.
Vor allem halte ich es für naiv, junge Leute damit anzusprechen. In meinem Freundeskreis - auch im musikalisch nicht gebildeten Teil - kann ich mit der Orgel eher Leute begeistern. Die Orgel ist einfach das mächtigste, würdevollste Instrument. Das kann keine Band und kein Klavier ersetzen. Und Klassiker wie "Macht hoch die Tür", "vom Himmel hoch", "Oh Haupt voll Blut und Wunden", "Christ ist erstanden" oder "Ein feste Burg" geben seit Jahrhunderten trotz kulturellen und politischen Wandels Identität.
Schütz, Bach, Mozart, Mendelssohn, Brahms und Co. sind dann halt für die tiefgründigere Auseinandersetzung.
 
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  • #35
Vor einigen Jahren in der Bonner Innenstadt. Eine Nonnen-Combo. Ich zitiere: "Oh la la la, ja! Christus ist für alle da!". Jeder blamiert sich halt so gut er kann ...
 
  • #37
  • #38
Können wir bitte in diesem Thread über Musik sprechen und nicht über eure Kritik an Religiosität?

Danke.
 
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  • #39
Aber das gehört doch auch zusammen. Mit diesem NGL-Mutantenstadl versucht die Kirche, sich an die Jugend anzubiedern. Nicht ahnend, daß es dafür viel coolere Musik gibt. Und da muss man fragen dürfen: wollen die ernsthaft über Glaube reden oder suchen die einfach nur neue zahlende Mitglieder:innen:ens?
 
  • #40
Es ist ein Unterschied, ob darüber gesprochen wird, ob das NGL die Leute erreicht oder nicht, oder ob Menschen, die gläubig sind, von vorn herein "Schlichtheit" unterstellt wird.

Das sollte man schon trennen (können).
 
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