"Schlichte Musik wird dem Glauben nicht gerecht"

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"Schlichte Musik wird dem Glauben nicht gerecht", das ist die Überschrift eines Interviews mit dem Kirchenmusiker Hans-Jörg Kaiser auf katholisch.de (veröffentlicht am 16.5.)

Hier der Link: https://katholisch.de/artikel/67701-kirchenmusiker-schlichte-musik-wird-dem-glauben-nicht-gerecht

Aus kirchenmusikalischer Sicht kann ich einiges von dem, was er sagt, nachvollziehen. Würde ich aber in meiner Gemeinde (oder in Gemeinden, in denen jeden Sonntag eine Band statt der Orgel zu hören ist) die Diskussion anstoßen, dass manche der neuen Lieder arg seicht sind und wir deshalb lieber andere Lieder singen könnten (muss ja nicht immer von der Orgel begleitet sein; gut gemachte Klavierbegleitung tut vielen modernen Liedern gut), würde ich bei einigen Menschen Unverständnis und Ablehnung ernten. Und es käme möglicherweise das Argument, es könne ja nicht jede so "gebildet" sein oder den "schwierigen klassischen Kram" spielen. Dass es auch einigermaßen leichte und dennoch qualitativ gute klassische Musik gibt, interessiert in dem Moment nicht, wenn sich Menschen ob ihres persönlichen Musikgeschmacks "angefasst" fühlen.

Ein vielschichtiges Thema, und nicht langweilig.

 
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Wenn man 'Soli Deo Gloria' ernst nimmt, heißt es (für mich): das Beste gerade gut genug...
 
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Wenn man sich das evangelische Gesangsbuch ansieht, sind die meisten darin enthaltenen Lieder auch schlicht. Die Melodien von Kirchenliedern haben den Zweck, die Botschaft des Textes zu transportieren und eingängig, also leicht zu merken zu sein. Schlichtheit ist also schon aus funktionaler Sicht ein Kriterium.

Im Grunde sind Kirchenlieder ja Volkslieder, und populäre Musik ist die Volksmusik unserer Zeit.
 
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Zwischen "schlicht" und "flach" oder "seicht" besteht allerdings auch ein Unterschied - ich fand die Wortwahl auch nicht sehr glücklich, aber die Kritik zielt hier sinngemäss wahrscheinlich vor allem auf Letzteres, beispielweise poppige Liedchen mit Jesus-loves-you-Message, viel Event-Bohei etc. Und insofern kann ich das durchaus nachvollziehen. ;-)
 
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Ja, ich denke auch, dass schlicht und seicht nicht deckungsgleich ist.
 
Wenn man sich das evangelische Gesangsbuch ansieht, sind die meisten darin enthaltenen Lieder auch schlicht.
Da müsste man wohl "schlicht" mal definieren. Ja, die Rhythmen sind oft unkomplizierter als moderne Lobpreislieder (die teilweise völlig beliebig mit Synkopen gewürzt sind). Die Melodien, Modi und teilweise die Form ist dafür aber häufig sehr interessant und klug, teilweise haben sie sogar Taktwechsel. Aber ich weiß schon, was du mit "schlicht" meinst. ;-)
 
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Ja, die Rhythmen sind oft unkomplizierter als moderne Lobpreislieder (die teilweise völlig beliebig mit Synkopen gewürzt sind). Die Melodien, Modi und teilweise die Form ist dafür aber häufig sehr interessant und klug, teilweise haben sie sogar Taktwechsel. Aber ich weiß schon, was du mit "schlicht" meinst. ;-)

Die Rhythmen vieler Choräle sind aber im Laufe der Zeit stark geglättet worden.
 
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  • #11
Die KRÄTZE der Kirchenmusik: Das "neue geistliche Lied".
Ich bin auch kein großer Fan davon, obwohl es ein paar wirklich gute modernere Lieder darunter gibt. Aber die Wiege der Klassischen Musik liegt schon nicht zufällig in der Kirchenmusik, das ist einfach ganz große Kunst. Wenn man sich etwas eingehört hat, sind alte Choräle etwas wirklich Wunderbares und Herzerfüllendes. Natürlich auch besonders die Choräle von J.S.Bach :005:
Gleichzeitig muss man Fortschritt wagen und akzeptieren, auch wenn da immer wieder Irrwege oder Sackgassen beschritten werden. Ohne Neuerungen hätte es die ganz großen Klassiker alle nicht gegeben. Jeder hat sein Neues, Eigenes dazugetan. Die ganzen zweit-, dritt- und schrottklassigen haben wir ja alle längst vergessen.
 
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  • #12
"DANKE für diesen guten Morgen..." AAAAAARGH! *Strick nehm* *Tschüß Welt!*
:musik022: :musik018: :026: :008:
 
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  • #13
Ohne Neuerungen hätte es die ganz großen Klassiker alle nicht gegeben.
Die erste Neuerung nach dem Gregorianischen Choral war die Einführung der Zweistimmigkeit und musste hart erkämpft werden. Was für ein Frevel, denn die Einstimmigkeit spiegelte nach damaliger Ansicht der Kirche ja wider, dass es nur einen Gott und nur einen wahren Glauben gibt.
 
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  • #14
"DANKE für diesen guten Morgen..." AAAAAARGH! *Strick nehm* *Tschüß Welt!*
:musik022: :musik018: :026: :008:

Das Urteil teile ich. Von der resultierenden Handlung möchte ich Dir gerne abraten.

Die erste Neuerung nach dem Gregorianischen Choral war die Einführung der Zweistimmigkeit und musste hart erkämpft werden. Was für ein Frevel, denn die Einstimmigkeit spiegelte nach damaliger Ansicht der Kirche ja wider, dass es nur einen Gott und nur einen wahren Glauben gibt.

Mit der Ansicht der Kirche hat das nicht ursächlich was zu tun. Das ist ein Splitter Zahlensymbolik, der aus dem Neupythagoreismus stammt, wo man die Eins als Repräsentantin des (neuplatonischen) “Einen” (Gottes/Grunds aller Dinge etc.) ansah. Über die Rezeption dieser Zahlensymbolik durch die spätantiken christlichen Autoren (prominentes Beispiel: Augustins Interpretation der sechs Schöpfungstage in De genesi ad litteram; es gibt aber auch wesentlich dümmere Belege) wurde sie in die Scholastik vererbt und hielt sich, bis Platon seine Rolle als bedeutendster vermeintlicher Protochrist verlor.
 
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  • #15
"DANKE für meine Ar-beits-stelle..." :005:
 
  • #16
Zitat Hans-Jörg Kaiser:
"Rutter, Gjeilo auch Andrew Lloyd Webber mit seinem Requiem zeigen, dass es auch in unserer Zeit Musik gibt, die im spirituellen Raum funktioniert und das auch transportiert."


Tut mir Leid, aber bei sowas kommt bei mir keine innere Freude und Liebe auf, Da denk ich eher an Hölle.

Zitat Hans-Jörg Kaiser:
"Aber bei der Bandmusik habe ich solch wertige Musik selten oder gar nicht gehört."
Haha.
Er sagte zuvor:
"Lange Zeit hatten wir in Mainz zwei Semester Pop und Jazz in der Bachelorausbildung, nun sollen es vier Semester werden."
Da muss im Unterricht wohl was schief gelaufen sein
Weiter sagt er:
"Das zeigt sich schon an der Notation: Wenn es nur die Melodie und Begleitakkorde gibt, passiert da nichts,"
Kein Wunder, wenn man kein Jazzer ist und keine Phantasie hat.

"es braucht eine weitere Stimme, eine Gegenstimme. Das sind Gitarrengriffe, das funktioniert auf der Orgel auch nicht. Es muss komplexer sein."
Damit sollten richtig ausgebildete Musiker kein Problem haben

Mit diesem Sheet -->
1779474992289.webp

sollte mindestens das herauskommen -->


Wenn Musiker und Kirchengemeinde keine Liebe und Freude in die Musik investieren, kommt auch keine Liebe und Freude heraus.
 
  • #17
Das sind Gitarrengriffe, das funktioniert auf der Orgel auch nicht.
Da bin ich echt ins Schleudern gekommen.
Wo liegt genau das Problem?
Ich vermute, dass es dem Herrn Kaiser einfach unmöglich ist, über einem bezeichneten Grundton einen Akkord aufzubauen (und das halte ich bei ausgebildeten Musikern für ziemlich seltsam).

In Leadsheets werden nur "Ausnahmen von der Regel" gekennzeichnet.
Die "Regel" ist der Durakkord in Grundstellung (z.b. C für c-e-g).
Kleinschreibung bzw. ein kleines "m" dahinter zeigen Moll an (c für c-es-g).
Kleine hochgestellte Zahlen zeigen Abweichungen (z.B. eine b5, eine Septime, None) in den oberen Stimmen.
Kleine tiefgesetzte Zahlen/Buchstaben zeigen an, dass abweichend nicht der Grundton im Bass liegt (z.B. bei einem Quartsextvorhalt).

So kompliziet ist das alles eigentlich nicht und statt von 2 auf 4 Semester "Pop" aufzustocken, sollte man sich an den Hochschulen wohl überlegen, ob man seinen Studenten nicht besser ein bisschen Harmonielehre beibringen sollte.

Wenn ich E-Dur von der Gitarre exakt aufs Klavier übertrage, dann bekomme ich z.B. ein E, darüber ein H, dann ein weiteres e, ein gis, ein h und ein e'.
Ich will garnicht wissen, in wie vielen Klavierstücken einem dieser Akkord in ganz genau dieser Form begegnet. Es ist z.B. der Schlussakkord in Edward Griegs "Wächterlied".
 
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  • #18
Lieber Olf,

das --> 1779541397024.webp

hab nicht ich geschrieben, sondern der Hans-Jörg Kaiser.
 
  • #19
@Conicu
Ich weiß ... mein Post war auch nicht direkt an dich gerichtet.
Dein Zitat war nur der Aufhänger.

Ich habe es mal etwas editiert, sodass klarer wrd, dass nicht du gemeint warst.
 
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  • #20
Ich vermute, dass es dem Herrn Kaiser einfach unmöglich ist, über einem bezeichneten Grundton einen Akkord aufzubauen (und das halte ich bei ausgebildeten Musikern für ziemlich seltsam).
Ich denke sehr wohl, dass er das kann, es aber auf der Orgel unpassend findet.
 
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