Preise und Inflation auf der Langzeitstrecke...

Dieses Thema im Forum "Das Klavier: allgemeine Infos, Kauf, Reparatur" wurde erstellt von Wiedereinaussteiger, 12. Juni 2019.

  1. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Habe da eine Website empfohlen bekommen, die behaupet, Inflation von 1800 an bis heute berechnen zu können. (Ich weiß nicht, ob die Jahr für Jahr differentiell Inflation rechnen, oder so excelmäßg mit einem einzigen Zinssatz.)

    Habe da mal den Neupreis meines Flügels von 1877 mit 1800 USD eingetickert... Knapp 43.000 USD würde das nach Inflation heute angeblich wert/teuer sein.

    Die aktuellen Kisten der entsprechenden Größe kosten allerdings nach Liste ca. 150.000 USD. ...

    https://westegg.com/inflation/infl.cgi
     
  2. Sven
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    Sven

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  3. Häretiker
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    Ich denke, das liegt vielleicht auch daran, dass man damals gute Handwerkskunst vergleichsweise billig haben konnte. Dasist jedenfalls so, was kolportiert wird, wenn man fragt, warum man niocht mehr Saxophone wie in den USA der 20er und 30er kauft.

    Interessant fand ich auch:
    Wie lange muss ich arbeiten für einen Liter Benzin?
    1960 noch 13,7 Minuten, 2004 waren es 2,4 Minuten.

    Abstrus wird es dann für Festplatten. Die erste war die IBM 350 (1956), keine 4MB, kostete 650$. Pro Monat, die wurde nur vermietet. Heute kostet eine Platte mit 4TB (also 10^6 mal soviel) ca. 100€.

    Grüße
    Häretiker
     
  4. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    Nun, klar ist , dass IT-Technik da keinen guten Vergleich liefern kann... Moore'sches Gesetz, alle zwei Jahre vervierfachen sich die Zahlen der Transistoren auf einer Chipfläche. Ähnliches bei Festplattenplatz.

    Aber es stimmt..., Festplatten waren auch noch weit danach irre teuer. Ich erinnere mich meines ersten Arbeitscomputers 1983 in einer Bochumer Maschinenfabrik, in der ich CNC-Lochstreifendaten für Drehmaschinen programmierte. Ein riesiges 19-Zoll-Rack, zwei Meter hoch, darin eine Festplatte von 12,5 MB, die man kurz zuvor für 32.000 DM gekauft hatte. Die dann, mit zehn Kollegen, die mit programmierten, und zwei naseweisen Jungingenieuren in nichtmal 15 Monaten knackevoll wurde.

    Das ganze Teufelszeugs hatte inclu Software von DG und dem Programmier-System des Werkzeugmaschinenherstellers Heyligenstaedt, Gießen, 340.000 DM gekostet... So viel wie eine dicke CNC-Drehmaschine. Oder anderthalb Einfamilienhäuser...

    Der Rechner, eine 16-bit-Maschine Data General Nova 2, taktete mit 700 Millisekunden, also ca. 1.3 Kilohertz, hatte einen Arbeitsspeicher von 192 kB, und zwei alphanumerische Terminals - eine für die nette, manchmal bärbeißige Dame, die die Karre fuhr, plus einen "Testplatz" für so naseweise Youngster wie wir, die wir uns erstmals an solch eine Höllenmaschine dran trauten (die anderen Kollegen nicht..., ähm, nee... )

    Wir kauften dann eine 2x5-MB-Kombination Fest-Wechselplatte hinzu, die uns nochmal 28.000 DM kostete...

    Die erste Festplatte, die ich dann privat (nach C64) 1986 erwarb, eine sogenannte "HardCard", Festplatte mitsamt Controller zum Einstecken in die ersten IBM-kompatiblen PCs.., kostete mich mit 20 MB noch 800 DM.

    Heute gehst in den Mediamarkt und holst dir eine mobile Festplatte für 59,99 EU, mit 2 Terabyte...
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juni 2019
  5. Ambros_Langleb
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    Ambros_Langleb

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    Das ist ziemlich genau das Drum, das wir 1985 als ersten Rechner hatten (für die ganze Fakultät! - Rechenzeit wurde zugeteilt). Der Maschinist wurde zusammen mit der Apparatur an die Uni verkauft; sie brauchte einen klimatisierten Raum, machte einen Heidenlärm und alles, was man länger aufheben wollte, wurde mangels Festplattenkapazität auf tortenplattengroße Bandspulen gespeichert. Ich mochte aber das AOS-VS Beriebssystem. Man konnte damit mühelos das IBM-Format (wie hieß das gleich noch? EBCDIC oder so?) konvertieren, ellenlange Dateien sortieren, Grep-Searches machen und noch andere Dinge, die Windoof ohne Zusatzprogramme bis heute nicht liefert.
     
  6. reymund
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    reymund

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    Hab mir gerade für mein neues Handy eine 128 GB Speicher gekauft, jetzt hat mein Handy 171 GB frei. Meine erste Festplatte hatte 20 MB in einem PC und hat ein Schweinegeld gekostet. In 10 Jahren bekommt man wahrscheinlich TB Karten fürs Handy . Als nächstes wird das ganze unter die Haut geschoben, dann hat man alle Klaviernoten im Kopf.
     
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  7. OE1FEU
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  8. Wiedereinaussteiger
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    Wiedereinaussteiger

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    ... Na hier scheinen ja doch - neben dem Klavier-Interesse - eine Menge Technik-Historiker versammelt zu sein... ;-)

    Freut mich.

    <verneigt sich>
     
  9. fisherman
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    Technik Historiker? Eher Opas, die über die alten Zeiten erzählen ;-)

    Zu diesen Altvorderen-Zeiten hatte ich mir (Anfang der 90er?) 4 Wechselplatten-Cartridges a 1 GB gegönnt. Der Spass hat damals 16.000,- gekostet. Dann kam ein Kunde ins Büro, sah die kleinen Dinger (20x25x10 cm) und erhielt auf Nachfrage Aufklärung. Dann sank er andächtig in die Knie - in seiner Firma hantierte man noch mit gullydeckelgroßen Festplatten an der AS400

    Tja, "meine" fortschrittlichen 4 GB von damals brauchen heute soviel Platz wie das Schwarze unter dem kleinen Fingernagel. Und kosten ... ungefähr einen Euro. Das ist wahre Deflation ;-)
     
  10. Kalivoda
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  11. OE1FEU
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    Und wenn ich's Dir zeige, was dann?
     
  12. Kalivoda
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    Wenn dann die Karte im Handy auch noch funktioniert, dann freue ich mich über die gute Nachricht. :super:
     
  13. OE1FEU
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    OE1FEU

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    Es gibt keinen Grund dafür, dass eine solche Karte, die speziell für mobile Endgeräte wie Kameras, Tablets und auch Smartphones konzipiert wurde, nicht funktionieren sollte. Es ist ein Block Device mit einem hohen Grad an Miniaturisierung. In 3 Jahren haben wir dann 4TB auf einer SD-Card und auch die werden funktionieren. Wenn also ein Handy SDXC-kompatible Karten aufnimmt, dann wird auch die 1TB-Karte funktionieren.
     
  14. J. S. Schwach
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    J. S. Schwach

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    Oder du holst dir nen Fernseher für - 40 €, steckst die in die Mieterhöhung und hast damit 2 % Inflation, also Preisstabilität.
    Nennt sich hedonische Methode.
     
  15. Bassplayer
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    Die Hersteller schreiben bei einigen Handys, dass Karten „nur“ bis 512GB unterstützt werden. Die Limitierung in dieser Angabe wäre falsch wenn Karten mit 1TB funktionierten.
     
  16. Kalivoda
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    Doch. Der Formfaktor. Die kriegst Du nämlich rein physisch in kein Smartphone rein.

    Nein, die werden mit heutigen Handys nicht funktionieren, da (u)SDXC nur bis zu 2TB unterstützt.

    Das schreiben die Hersteller so, da die 512GB die größten Karten sind, die überhaupt lieferbar sind. Somit kann man sie mit größeren Karten nicht testen. Das wird also nur von der Rechtsabteilung vorgegeben, falls die Pferde vor der Apotheke doch mal kotzen sollten.

    Die Datenübertragung bei (micro)SDXC erfolgt seriell. Deshalb können auch keine Adressleitungen fehlen. Daher ist davon auszugehen, dass die Geräte auch tatsächlich alle bis 2TB funktionieren.
     
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  17. OE1FEU
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  18. Barratt
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    "Inflation" über einen dermaßen langen Zeitraum (deutlich mehr als 200 Jahre) zu "berechnen", ist, mit Verlaub, historisch vollkommen absurd... :007:

    Wenn man vergleichen möchte, dann vergleiche man Jahreseinkünfte, Kaufkraft und Lebensstandard (ich rede nicht von Pianos, GB im PC oder Handy, sondern von Miete, Brotpreis und sauberem Wasser [noch nicht einmal von fließendem Strom aus der Steckdose :004:]).

    Solche Vergleiche sind sehr spannend. :007: Ein Durchschnittshaushalt hat ca. die Hälfte seines Einkommens für Miete aufgewendet und ca. die andere Hälfte für Nahrungsmittel. "Konsumgüter"? Für die allermeisten lebenslang unerschwinglich. Der Lebensstandard eines heutigen Hartzers übertrifft um ein Vielfaches den eines überdurchschnittlich gut verdienenden Ministerial"beamten" des ausgehenden 18. Jh. (nur dass letzterer täglich 12 Stunden dafür arbeitete).


    Wenn Ihr wüsstet, WIE GUT es uns heutzutage und hierzulande geht !!! :021:
     
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  19. Bassplayer
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    Bassplayer

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    Ok, der „Warenkorb“ ist heute anders und der Zugang zu Instrumenten und Unterricht meistens auch, verglichen mit der Situation vor 100 oder mehr Jahren.

    Aber interessant finde ich solche Vergleiche schon, insbesondere wenn man nicht ganz soweit zurück geht und sich fragt, was kostete z. B. zur der Zeit, als es die meisten Klavierhersteller gab, ein Klavier, wieviel Monatsgehältern entspricht das und wer konnte es sich leisten.
    Darüber wurde auch früher mal diskutiert.
    https://www.clavio.de/threads/steinway-upright-das-geld-wert.14019/page-4#post-236451
     
  20. Bernhard Hiller
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    Bernhard Hiller

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    Hm. In der industriellen Produktion wurde sehr viel Handarbeit durch Maschinen ersetzt. Klavierbau ist immer noch eine Nische recht kleiner Hersteller mit recht wenig Maschineneinsatz, also recht wenig Produkt je eingesetzter Arbeitszeit.
    Früher einmal teilten sich Produktivitätszuwächse halbwegs gleich auf Arbeit und Kapital auf. Seit den 1970ern gehen Zuwächse in den USA nur mehr zu Gunsten des Kapitals, der reale Stundenlohn des Arbeiters ist heute auf dem Niveau von damals.
    Und wie wirkt sich das nun auf den Klavierpreis aus? Sicherlich nicht banal zu bestimmen...
    :denken: