Pleyel Mignon-Flügel (1912) mit deutschem Patent? Suche nach Herkunftsgeschichte

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beatricello

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Hallo zusammen,
ich habe über Kleinanzeigen einen kleinen Stutzflügel geschenkt bekommen und bin gerade dabei, ihm wieder etwas neues Leben einzuhauchen. Er wurde leider jahrelang nur als Dekoobjekt genutzt.
Gereinigt und grob gestimmt habe ich ihn bereits in stundenlanger Eigenarbeit. Jetzt stehen die Reparatur eines abgebrochenen Beins und zweier Elfenbeinbeläge an. Ansonsten ist der Flügel* echt noch in Schuss und hat einen schönen Klang.

Bei der genaueren Inspektion des Instruments bin ich auf eine spannende, aber für mich eher rätselhafte Sachen gestoßen. Gerne würde ich mehr über den Flügel* uns eine Geschichte erfahren.
Vielleicht kann mir ja hier im Forum jemand behilflich sein.


Fakten zum Instrument:
  • Schriftzug Tastenklappe: Lyon-Pleyel Paris
  • Aufschrift Gussrahmen / Holzquerbalken: "RESONATOR MIGNON" und der Zusatz "gesetzlich geschützt"
  • Opus-/Modellnummer (im Holz hinten): Op. 5520
  • Eingeprägte Nummer im Gussrahmen: 4217
  • Stempel auf der herausgezogenen Mechanik: "Pleyel"
  • Der Macher der Mechanik hat sich im Juli 1912 verewigt: „REISZMANN MIKLÓS – 1912.7.“
  • Eine weitere Wartung im Mai 1913 sagt: „Vatzy Anw. 1913“
  • Mitten im Ersten Weltkrieg (Mai 1918) unterschrieb ein Stimmer auf der Dämpferleiste: „Pausa András 1918. V. 12.“ (in ungarischer Datumsnotation).

Weiß jemand, ob es sich hierbei um eine spezielle Lizenzfertigung oder Kooperation für den deutschsprachigen bzw. österreichisch-ungarischen Markt handelte (wegen des ungarischen Namens und des deutschen "gesetzlich geschützt"-Schriftzugs)?

Oder hat jemand Zugriff auf einen Alters-Atlas oder historische Pleyel-Kataloge, in denen diese "Resonator Mignon"-Reihe oder die Opus-Nummer 5520 auftaucht?

Danke Euch schon mal für die Hilfe. Ich habe ein paar Fotos vom Instrument angehängt.
 

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Wenn denn es ein echter Pleyel wäre, und betreffs 5000er Produktionsnummern: Da gibt es das Buch des französischen Hammerklavier-Auskenners Rene Beaupain. Ich habe meine Pleyel-Ausgabe verlegt, habe gerade nur sein Buch über Erard greifbar.

Die "falsche" Stellung des Lyon deucht mich als Stenciling - diese gezielte Methode des Abfälschens von Herstellernamen auf "minderen" Klavieren, um eine große Herkunft anzutäuschen.

Zitat aus der Wikipedia:
"Pleyel ist eine französische Klavierfabrik und -marke, die 1807 in Paris von dem österreichischen Komponisten und Musikverleger Ignaz Josef Pleyel unter dem Namen Ignace Pleyel & Comp.ie gegründet wurde. Die Firma nahm im Verlauf ihrer Geschichte unterschiedliche weitere Namen wie Ignace Pleyel et Fils aîné; Pleyel, Wolff et Cie.; Pleyel, Wolff, Lyon et Cie. oder Pleyel, Lyon et Cie. an"

Auch da taucht der Name eines Schwiegersohnes, Gustave Lyon, auf - aber an anderer Stelle, nicht vornedran.
Aber wie gesagt, Wiener Mechanik, und Pleyel - das passt nicht.
 
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Wenn denn es ein echter Pleyel wäre, und betreffs 5000er Produktionsnummern: Da gibt es das Buch des französischen Hammerklavier-Auskenners Rene Beaupain. Ich habe meine Pleyel-Ausgabe verlegt, habe gerade nur sein Buch über Erard greifbar.

Die "falsche" Stellung des Lyon deucht mich als Stenciling - diese gezielte Methode des Abfälschens von Herstellernamen auf "minderen" Klavieren, um eine große Herkunft anzutäuschen.

Zitat aus der Wikipedia:
"Pleyel ist eine französische Klavierfabrik und -marke, die 1807 in Paris von dem österreichischen Komponisten und Musikverleger Ignaz Josef Pleyel unter dem Namen Ignace Pleyel & Comp.ie gegründet wurde. Die Firma nahm im Verlauf ihrer Geschichte unterschiedliche weitere Namen wie Ignace Pleyel et Fils aîné; Pleyel, Wolff et Cie.; Pleyel, Wolff, Lyon et Cie. oder Pleyel, Lyon et Cie. an"

Auch da taucht der Name eines Schwiegersohnes, Gustave Lyon, auf - aber an anderer Stelle, nicht vornedran.
Aber wie gesagt, Wiener Mechanik, und Pleyel - das passt nicht.
Hallo zusammen,
vielen Dank schon mal für die Antworten. :)
Kurze Rückfrage für mich als Laien. Woran erkennt ihr die "Wiener Mechanik?"

Tatsächlich habe ich bislang gar nicht an der "Pleyel" herkunft gezweifelt.
Lässt sich aus diesen Bildern vielleicht mehr herausfinden?
 

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Danke für Euren tollen Input. Ich habe derweil auch noch etwas weiter recherchiert.
Und mich dafür vor allem auf das "Resonator Mignon gesetztlich geschützt" fokusiert, dass auf gem Gussramen steht. Dabei bin ich auf Ernst Kaps gestoßen der den "Patentflügel mit Resonator" gebaut hat.

Könnte mein Flügel* evtl. So einer sein?
Ich muss mal noch die genauen Maße messen.

 
Zu Kaps passt die Wiener Mechanik nicht.
 
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  • #10
Methode des Abfälschens von Herstellernamen auf "minderen" Klavieren, um eine große Herkunft anzutäuschen.
Wenn ich mich recht erinnere, hat hier im Forum ein User einen Bechstein-Flügel gekauft.
Es stellte sich dann heraus, dass das gar kein Bechstein ist.
Mein ehemaliger Hausarzt zeigte mir mal voller Stolz einen günstig erstandenen Grotrian-Flügel.
Da passte weder die Gußplatte, noch die Mechanik zum gelabelten Hersteller...
 
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  • #11
Wo auf dem Flügel könnte ich noch Hinweise auf die Geschichte des Instruments finden?
Du könntest versuchen im Netz baugleiche oder ähnliche Flügel zu finden.
Ich würde meine Suche auf Wiener-Flügel zwischen 1880 und 1920 eingrenzen.
 
  • #12
Wenn ich mich recht erinnere, hat hier im Forum ein User einen Bechstein-Flügel gekauft.
Es stellte sich dann heraus, dass das gar kein Bechstein ist.
Mein ehemaliger Hausarzt zeigte mir mal voller Stolz einen günstig erstandenen Grotrian-Flügel.
Da passte weder die Gußplatte, noch die Mechanik zum gelabelten Hersteller...
Da bin ich tatsächlich schmerzfrei ...weil ich den Flügel ja geschenjt bekommen habe. Nur schade das ich jetzt nicht wirklich mehr über seine Geschichte herausfinden kann. 😅
 
  • #13
Mein ehemaliger Hausarzt zeigte mir mal voller Stolz einen günstig erstandenen Grotrian-Flügel.
Da passte weder die Gußplatte, noch die Mechanik zum gelabelten Hersteller...

Da war dann wohl eine amerikanische Gußplatte und Mechanik verbaut, oder?
 
  • #15
  • #17
Hallo zusammen,

ich habe den Flügel nun noch einmal ganz exakt nachgemessen und mir ist noch eine Idee gekommen.


Hier sind die genauen Maße des Instruments:
Breite: 151,1 cm
Gesamttiefe mit Tastatur: ca. 164 cm
Reine Rahmentiefe (Korpus): exakt 149 cm

Meine neue Vermutung zum Hersteller:

Nachdem ihr völlig zu Recht angemerkt habt, dass Pleyel niemals Wiener Mechaniken gebaut hat, habe ich mir die handschriftliche Signatur auf der Mechanik noch einmal ganz genau angeschaut. Wenn man bedenkt, wie in der alten Kurrentschrift von 1912 ein großes, geschwungenes „H“ geschrieben wurde, könnte das vielleicht ein H sein. Könnte es sein, dass dort gar nicht „Reiszmann“, sondern „HEITZMANN – 1912.7.“ steht?

Ich denke das könnte schon sein.
Voralle wegen der Wiener Mechanik: Die k.u.k. Hof-Pianofortefabrik Johann Heitzmann & Sohn aus Wien war bekannt dafür, diese Mechanik traditionell sehr lange zu verbauen.

Die Opus-Nummer: Die hinten im Holz eingestempelte Nummer Op. 5520 würde zur fortlaufenden Werkseriennummer in die Spätphase von Heitzmann vor dem Ersten Weltkrieg passen.

Was sagen die Experten und Alters-Atlas-Besitzer zu dieser Heitzmann-Theorie? Passt das zu euren Daten?
 

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  • #18
Auf dem Bild mit den Dämpfern steht ganz eindeutig in Blockschrift "REISZMANN".
 
  • #20
Also vermutlich ein Pleyer-Flügel, versehen mit den verkaufsfördernden Attributen "Lyon" und "Paris".
 
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