Piazzolla: Otoño Porteño - Diverse Fragen

Emma90

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Hallo! :001:

Leider habe ich gerade keine Klavierlehrerin, die ich fragen könnte und das wird noch ein paar Monate so bleiben (hatte davor 2 Jahre Musikschulunterricht Klavier). Möchte aber gern trotzdem weitermachen. Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand die ein oder andere Frage beantworten könnte, da ich etwas feststecke:

Es geht um folgende Stelle aus dem Tango "Otoño Porteño" von Piazolla, den ich versuche, mir selbstständig zu erarbeiten:
fingersatz.webp

Ich versuche, einen bequemen Fingersatz zu finden, habe aber noch nicht genug Erfahrung.

Frage 1: Ich hatte im Kopf, dass man bei aufeinanderfolgend zweimal dem gleichen Ton einen Fingerwechsel vornimmt. Nun ist diese Stelle relativ schnell und deshalb dachte ich, dass man hier vielleicht ausnahmsweise beim gleichen Finger bleiben kann? Oder sollte ich bei den ganzen Sechzehnteln trotzdem lieber jedes Mal wechseln?

Frage 2: Hätte jemand eventuell für Takt 37 eine im Tempo angenehmer zu spielende Variante?

Ich versuche mir schon immer selber Gedanken zu machen und zur Not würde ich das Stück halt so wie notiert lernen. Habe aber das Gefühl, dass es eleganter geht und würde gern dazulernen (gern auch allgemein gesprochen, brauche nicht jeden Ton vorgekaut).

Danke schon mal!
 

Hallo Emma90,

willkommen im Forum!

Zu deiner ersten Frage: Fingerwechsel auf dem selben Ton ist oft dann sinnvoll, wenn dieser Ton oft wiederholt wird, also drei- oder viermal oder noch öfter; wenn man dafür immer den selben Finger nimmt, wird die Hand leicht steif. Bei nur zwei gleichen aufeinanderfolgenden Tönen würde ich das in dieser Passage nicht machen, die Bewegung wird unruhig. Es bietet sich m.E. bei der oft vorkommenden Folge es-es-d-d-cis-cis-c-c an, für die Töne auf den schwarzen Tasten den Mittel- und für die weißen Tasten den Zeigefinger zu nehmen.

Zu deiner zweiten Frage (Takt 37) fällt mir nur ein: Den Daumen würde ich für diese 16tel-Sequenzen auf keinen Fall einsetzen.

Ich hoffe, das hilft dir ein wenig. Grüße thomasz
 
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Vielen Dank für deinen Beitrag, Thomasz!

Die "Grundregel", die den Fingerwechsel auf gleichen Tönen betrifft ist schon mal sehr hilfreich! Und auch die anderen Tipps!

Mein Problem ist oft noch, dass sich Bewegungen/Fingersätze unbequem anfühlen und ich nicht weiß, ob diese einfach ungewohnt sind und schlichtweg eingeübt und normalisiert werden müssen oder tatsächlich "schlecht gesetzt" sind.

Gibt es irgendwo vielleicht Standardfingersatz-Grundregeln zum Nachlesen? Ich denke, vieles lernt man mit der Zeit, aber gerade jetzt am Anfang ohne Lehrer ist das Fingersatzfinden gar nicht so einfach, weil ich Konventionen nicht kenne. Ich schaue meist, wo ich rauskommen will ("den Anschluss finden") und versuche längere Strecken "in einer Lage" zu basteln. Wenn ich dann mal gedruckte Fingersätze habe, sehe ich oft Varianten, auf die ich selber gar nicht gekommen wäre.

Danke noch mal für die Hilfe!
 
Liebe Emma90,

Es ist sehr fraglich, ob die Artikulation (staccato) in deinem Notentext wirklich der originalen Artikulation entspricht. Soweit ich weiß, sind es eher Zweierbindungen, die dort (zum Beispiel vom Cello) erklingen. Ich würde jedenfalls grundsätzlich den Fingersatz 32 32 32 abwärts und 23 23 23 aufwärts wählen. Da hast du viel Freiheiten in der Artikulation und die Sekundschritte können auch gebunden (legato) werden.

Bezogen auf den Anfang würde ich also mit dem 3. Finger auf e'' beginnen, dann auf es'' den 2 Finger nehmen und im Folgenden immer 32 32. Auf dem c'' im zweiten Takt auf der ersten Taktzeit würdest du dann mit dem 3. Finger landen. Im Anschluss auf c'' c'' d'' dann 123 nehmen, im Folgenden immer 23 23.

Es steht Lentamente drüber. Auch wenn dort vielfach Sechzehntel notiert sind, ist der Charakter kein pickender Specht, sondern melodisch zu denken, der Puls ist langsam.

Viel Freude und Erfolg!

chiarina

P.S.: Die zwei Sechzehntel vor T. 37 (es‘‘ d‘‘) mit 4 5 spielen.
 
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Wow, vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, das hilft sehr!

Jetzt habe ich gelernt, wie kleinschrittig Fingerwechsel "im Tempo" (ja ok, lentamente) sein können und werde das in Zukunft bei ähnlichen Stellen im Hinterkopf haben. Durch deine detaillierten Beispiele habe ich dazu auch erstmal keine Fragen mehr, vielen Dank für den Aufwand!

Guter Hinweis zum Staccato ("pickender Specht" ist ne gute Metapher :001:)! Ehrlich gesagt, hatte ich das auch eher als optional gesehen und die Stelle etwas legerer empfunden.

Edit: Beim Anpassen der ganzen Passage ist mir aufgefallen, dass ich in Takt 31 und seinen Entsprechungen von allein nicht darauf gekommen wäre, beim c von 2 (letzter Ton Takt 30) - 3 (erster Ton Takt 31) kommend, erstmal noch mal mit 1 zu beginnen. Wieder ein neues Prinzip entdeckt, danke!
 
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Hallo Emma, um Deine vorige Teilfrage noch einmal zu beantworten: es gibt keine Standardfingersätze. Das liegt an unterschiedlichen Handgrößen/Fingerlängen etc. Es gibt einen Verlag mit blauem Einband, der gibt Ansatzweise Fingersatzvorschläge vor, welche häufig , aber nicht immer sehr gut sind. Zu Takt 37 : Man könnte auch mit dem Daumen bei der Abwärtssequenz auf dem a landen und das folgende gis dann mit dem Zeigefinger übergreifen - fände ich für mich auch bequem. Aber die Fingersätze muss sich jeder selbst erarbeiten.
 
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Hallo Houston, danke für die Ausführungen!
Zu deinem Vorschlag für Takt 37 frage ich mich allerdings, wie ich den d-f-Doppelgriff greifen soll, wenn ich den Daumen für das a nutze? Meine linke Hand ist ja mit dem weit entfernten großen E beschäftigt. Oder würde man d-f nur anschlagen und pedalmäßig halten?
 

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