Physiker unter uns...?

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Dreiklang, 20. Nov. 2019.

  1. Barratt
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    @Häretiker
    Ich verspürte einen Stich, als Du die Antike bzw ausgerechnet Aristoteles abwertetest. Wenn man als Wissenschaftler in einer ernsthaften Diskussion etwas wirklich dringend unterlassen sollte, dann ist es die Entfernung des Schusters vom eigenen Leisten. :007:

    Erzähl über Physik, da kennst Du Dich aus.

    Btw, “früher“ ging “man“ auch nicht davon aus, die Erde sei eine Scheibe, obwohl dieser Quatsch sich hartnäckig hält.

    Zum Stichwort “Intuition“, lieber @Dreiklang ... Nichts ist weniger “intuitiv“ erfassbar als Physik jenseits des Schulstoffs. Disclaimer: Ich hatte nur drei Jahre Physik an der Schule, also kann ich nur vermuten, dass normalerweise sogar schon im Schulunterricht die Grenzen der Intuition überschritten werden.

    Der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft: Wissenschaft irrt sich empor, und genau das macht sie stark und faszinierend. Es gibt irgendeine These x. Diese These wird nicht einfach geglaubt, im Gegenteil. Je spektakulärer sie ist, desto eifriger stürzen Heerscharen von Kollegen sich drauf, um sie zu testen bzw zu falsifizieren. Oder aber weiterzuentwickeln.

    Eine These gilt so lange, bis sie widerlegt ist. Sie ist also keine “Theorie“ im landläufigen Sprachgebrauch (so eine Theorie kann alles sein, zum Beispiel dass die Erde eine Scheibe sei oder Schorsch Dabbelju drei Newyorker Hochhäuser “heiß sanieren“ ließ). Auch die Evolution ist keine Theorie (im Sinne von "bloßer Theorie"), sondern handfest nachweisbar.

    Intuition spielt womöglich eine Rolle vor der Erstellung einer These (irgendwie muss man ja auf eine Idee kommen). Aber nicht in der Peer Review und schon gar nicht bei Hans und Franz (= bei Nichtfachleuten) und hundertmal nicht im Bereich der theoretischen Physik. Vgl. Aussagen zur “Antike“, s. o.: Intuitiv glaubt man "früher doof, heute schlau".
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dez. 2019
  2. Häretiker
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    OK, Du hast das mehrmals erwähnt, aber die Botschaft ist nicht angekommen.

    Ich habe mehrmals erwähnt, dass die Längenkontraktion sehr wohl berücksichtigt werden muss, damit man die Messergebnisse erklären kann. Die Botschaft ist offenbar auch nicht angekommen.

    Und ich erwähnte auch, dass Längenkontraktion und Zeitdilatation zwei Seiten einer Medallie. Es kommt auf das Bezugssystem an. Das ist wohl auch nicht angekommen.

    Offenbar hast Du ein ganz anderes Verständnis von 'messen' als ich.

    Dann definiere doch einmal: Was vestehst Du unter 'messen'?

    Grüße
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  3. Häretiker
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    Häretiker

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    Dann darft Du das nicht mir vorwerfen, sondern z.B. den Zeitgenossen von z.B. Galileo oder Newton.

    Ich schrieb:

    Aristotles hatte ein derartiges Gewicht in der Philosophie, dass es eben schwer war, gegen ihn zu argumentieren, da traf man halt auf Widerstände. Und das wirfst Du mir vor? Du bist seltsam. :-)

    Und zum Leisten: Philosophie hat halt bei mir nur zum 3. Abifach gereicht. Aber in diesem Forum wäre es verdammt still, wenn nur die 'Experten' zu einem Thema posten dürften. :-)

    Grüße
    Häretiker
     
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  4. Häretiker
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    Häretiker

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    Doof würde ich nicht sagen. Ganz bestimmt nicht. Aber wie wir schon an den Gedankenspielen der Antike (Paradoxon vom pfiel, der in der Luft steht, wenn man "klein genuche" Zeiteinheiten betrachtet, Paradoxon von Achilles un der Schildkröte) sieht, mussten über die Jahrhundert erst einmal Begriffe entwickelt werden. Bei infinitesimalen Betrachtungen kann "0/0" (als Ergebinis eines Grenzwertprozesses) einen definierten Werte haben. Hat aber gedauert, bis die Infinitesimalrechnung entwickelt wurde.

    Davor hat man sich auch an Wurzeln aus negativen Zahlen versucht. Mit großem Schrecken. Der berüchtigte 'casus irreducibils", wenn man drei reelle Nullstellen eines kubischen Polynoms hat. Musste man erst einmal so hinnehmen, man tut so, als ob, muss 'irgendwie' aufpassen, dass man nix mathematisch Unsinniges tut, aber man konnte 'erst einmal so rechnen' und das Richtige kam herus. Erst später konnte man das ganze sauber durchformulieren.

    Davor musste man aufpassen, das sowas nicht passiert:
    -1 = i * i = sqrt(-1) * sqrt(-1) = sqrt((-1)*(-1)) = sqrt(1) = 1
    Oh, da ist was schief gelaufen ...

    Oder noch viel schöner:
    e^(2*pi*i) = 1
    => e^(2*pi*i + 1) = e
    => (e^(2*pi*1))^(2*pi+1) = e
    ausmultiplizieren:
    e^(-4 * pi^2) * e^(4 * pi * i) = 1
    => -4 * pi^2 = 0
    => pi = 0
    oops ...

    Das kann man den 'Antiken' nicht vorwerfen, das hat Jahrhunderte harte Arbeit bedeutet.

    Grüße
    Häretiker
     
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  5. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Es gibt indirekte Hinweise auf eine "Lorentzkontraktion". WP schreibt ja über dem dem ganzen Kapitel:

    "Es gibt jedoch eine Reihe von indirekten Bestätigungen der Lorentzkontraktion"


    Allerdings gilt: indirekte Bestätigungen sind in der Physik nichts wert. Mehr als Indizien sind das nicht. Nur Experimente erster Ordnung haben wirkliche Aussagekraft. Ausserdem muss man konstatieren, dass Effekte in atomaren Größenordnungen nicht so einfach auf makroskopische Verhältnisse übertragen werden können. Für das Verhalten der Schwerionen kann letzten Endes alles mögliche verantwortlich sein - eine "Lorentzkontraktion" ist dafür nicht notwendig.

    Beispiel: Steigerung des Ionisationsvermögens (das ja auch genannt wird). Wir wissen, dass an der Erdoberfläche die LG die höchste erreichte Geschwindigkeit ist. Elektrische Felder breiten sich auch mit LG aus. Wie wird also ein elektrisches Feld aussehen, dass von einem relativistisch schnellen Teilchen erzeugt wird? In Flugrichtung gestaucht. Für diese Erkenntnis braucht es keine Lorentzkontraktion...

    Als besonders kritisch dürfte der Widerspruch zur Quantenphysik zu sehen sein, auf den ich eben gestoßen bin: die SRT macht Objekte kleiner als die Planck-Länge.

    Ich denke, die Physik ist mit der SRT "falsch abgebogen", und jetzt stehen wir letzten Endes da, mit einigen Seltsamkeiten und Widersprüchen. Relativistische Geschwindigkeiten haben Einfluß auf die Masse und auf die Zeit - inwieweit sie Einfluß auf den Raum haben, das wäre aus meiner Sicht erst mal experimentell abzuklären (die zwei aus meiner Sicht grundlegenden Möglicheiten habe ich skizziert).

    Und die ART sagt die Rotationsgeschwindigkeit von Spiralgalaxien falsch voraus - woraufhin z.B. Unmengen von Dunkler Materie im Kosmos verteilt wurden, damit Rechnung und Beobachtung wieder übereinstimm(t)en. Ich persönlich sehe für solche Unmengen einer so seltsamen Substanz im interstellaren Raum aber jetzt keine besonderen Anhaltspunkte...

    -----
     
  6. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Zu "Intuition": sie kann ein überaus machtvolles Instrument sein - muss es aber auch nicht. Wenn die SRT Recht hätte, dann müssten Objekte, die relativistisch schnell an mir vorbeifliegen, sich in ihrer Länge verkürzen, in der Breite und Höhe aber nicht. Nur deshalb, weil sie an mir vorbeifliegen... wie funktioniert das? Ah, ich weiss: da ist Cäpt'n, Picard, der beamt Harry Potter einfach flugs hinter meinen Rücken, und der gute Harry zaubert (recht untypisch für ihn) brav und folgsam den Zug bzw. das Objekt kürzer, genau in dem Moment, in dem ich seine Länge messe...

    Nein... da sträubt(e) sich wie gesagt meine Intuition. Ich hab' übrigens auch schon diverse Physiksäle in Schule und Uni von innen gesehen, falls es interessiert...

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    Die ganze Sache ist, wie schon erwähnt, irgendwo der Streit um den Kaiser's Bart. Wenn man die SRT (oder ART) kippen würde, und durch eine geeignetere Theorie ersetzen würde: das würde niemanden interessieren, ausser eben die Physiker... mir persönlich fehlt ein wenig die Phantasie, was eine "neue Theorie von Zeit und Raum" uns wissenschaftlich oder technisch an neuen Dingen oder Erkenntnissen liefern könnte.

    ----

    Zu den "RT-Zweiflern-Physik-Esoterikern": die meisten von denen haben die SRT noch nicht mal vollständig begriffen - und versuchen trotzdem, sie ad absurdum zu führen. Das funktioniert nur leider nicht: die SRT ist in sich sowohl logisch als auch mathematisch geschlossen, und liefert für alle relevanten Punkte eine passende "Antwort". Auch wenn die manchmal etwas seltsam anmutet (Lorentzkontraktion, Relativitätsprinzip, ...).

    Wenn man an ihr herumkritteln will, dann muß man andere Wegen gehen: die bisher unbewiesenen Vorhersagen anschauen - oder eben ihre Grundlagen (das Relativitätsprinzip: ist unbewiesen bisher). Oder ihr Verhältnis zu anderen Theorien (Lorentzkontraktion vs. Planck-Länge).

    Ich hab' mal irgendwo gelesen, das Relativitätsprinzip war von Einstein eher als Gedankenanstoß an die Physikwelt gedacht gewesen... heute wird das aber als in Stein gemeißelte Realität gehandelt...

    ------

    Ganz generell muss ich euch aber mal ein Kompliment machen: so gesittet verlief die Diskussion über SRT/ART bisher noch nie. Und so weit bin ich auch noch nie gekommen in der Diskussion.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dez. 2019
  7. Ralph_hh
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    Ralph_hh

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    ART und SRT entziehen sich der Begreifbarkeit. Wo Newton noch im realen Leben erfahrbar ist, ist das bei ART und SRT nicht so. Es liegt in der Natur des Menschen, Dinge, die wir nicht verstehen abzulehnen und zu bekämpfen. "Was ich nicht verstehe, darf nicht sein" ist menschlich.

    Unter den "Unwissenden" gibt es einen Teil, der neugierig zuhört, akzeptiert, dass er wenig weiß und dem Experten diese Dinge glaubt. Es bleibt ein Glauben, denn zum Wissen fehlt das verstehen. Nicht jedem ist die Möglichkeit zum Studium theoretischer Physik gegeben. Bei mir hat es auch "nur" zum LK Physik und zum Ingenieursstudium gereicht. Und dann gibt es den Teil, der ablehnt, was er nicht versteht. Verschwörungstheoretiker finden sich in diesem Teil wieder. Es ist weitgehend sinnlos, mit diesem Teil zu diskutieren, man bekommt ihn nicht überzeugt, er will glauben, dass das alles Unfug ist. Und um das fachlich auszudiskutieren fehlt das know how.

    Die RT ist eine Theorie. Theorien werden postuliert, danach such man nach Indizien im Experiment, ob sich die Theorie bestätigt oder man einen Widerspruch findet. Final beweisen lässt sich keine Theorie. Der Skeptiker nimmt das zum Anlass, die Theorie, die er nicht versteht, in Frage zu stellen und seinerseits zu postulieren, dass das Unfug ist. Die Unfugtheorie allerdings wird in keinem Experiment bestätigt, das wird dann gerne anderen überlassen.

    Die derzeit gültigen Theorien werden ihre Gültigkeit behalten, bis jemand eine bessere findet. Besser bedeutet, sie erklärt ein Phänomen genauer, mit weniger Fehlern. Noch fehlt allerdings (meines laienhaften Verständnisses nach) der Fehler, den es auszubügeln gilt.
     
  8. Häretiker
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    Häretiker

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    "...
    Die Frage, ob die Lorentz-Verkürzung wirklich besteht oder nicht, ist irreführend. Sie besteht nämlich nicht „wirklich“, insofern sie für einen mitbewegten Beobachter nicht existiert; sie besteht aber „wirklich“, d. h. in solcher Weise, daß sie prinzipiell durch physikalische Mittel nachgewiesen werden könnte, für einen nicht mitbewegten Beobachter.
    ..."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Lorentzkontraktion#Experimentelle_Bestätigungen

    "Wirklich" ist das, was wir mesen.
    Wir messen die Verkürzung eines vorbeifliegenden Raumschiffs, also ist sie für uns wirklich.
    Für das Raumschiff ist es so lang wie immer.

    Den Knoten musst Du erst einmal lösen. Da knirscht es nicht im Gebälk, Spanungen bauen sich auf und es ächszt überall, das ist eine falsche Vorstellung.

    Hast Du da auch diese Fragen gestellt? Was war die Antwort? Spätestens eine Übungsgruppenleiter in kleiner Runde sollte doch Antwort geben können.

    Wissenschaftlich schon. Nennt man Grundlagenforschung. :-)

    Grüße
    Häretiker
     
  9. Häretiker
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    Häretiker

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    Wenn Du noch Beschäftigung suchst:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ungelöster_Probleme_der_Physik

    Im Gegensatz zum Herrn Planck, dem man noch im 19. Jahrhundert vom Physikstudium abgeraten hat, weil "bis auf ein paar kleine Unstimmigkeiten" das Gebäuder der Physik ja abgschlossen ist, sehen wir heute: Das geht noch was!

    Ich fand immer spannend:
    "...
    Was ist der Zusammenhang zwischen Quarks und Leptonen?[28] Das Proton und das Elektron haben die gleiche Elementarladung +e bzw. -e, ansonsten aber unterschiedliche Eigenschaften.[31]
    ..."
    und
    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_ungelöster_Probleme_der_Physik#Baryonenasymmetrie

    Über Baryonenasymmetrie, CP-Verletuzng im System der neutralen Kaonen und die Tatsache, dass diese Verletzung noch nicht ausreicht zur Erklärung, habe ich mal einen Seminarvortrag gehalten, lang ist's her.

    Mathematisch bemerkenswert: Man braucht mindestens drei Generationen Quarks, um eine CP-Verletzung zu bekommen.

    Grüße
    Häretiker
     
  10. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Ja, das kenne bzw. weiß ich alles - und zählt auch zu den "Seltsamkeiten" der SRT (eben das Relativitätsprinzip).

    Noch um einiges seltsamer meiner Meinung nach: in einer fast lichtschnellen Rakete saust eine Fliege von hinten nach vorne. Für den nicht mitbewegten Beobachter von aussen betrachtet überschreitet die Fliege dabei spielerisch die Lichtgeschwindigkeit... und das, obwohl es enorme Energien gekostet hat, die Rakete überhaupt erst soweit zu beschleunigen, und obwohl die LG die höchste erreichbare Geschwindigkeit ist.

    Sehr unlogisch bzw. un-intuitiv für mich...

    Meiner Meinung nach hätte die betrachtete Fliege extreme Schwierigkeiten, sich auch nur einen mm/s weiter in Flugrichtung zu beschleunigen - da ihre eigene Masse ja höchstwahrscheinlich auch gegen unendlich gehen wird, wenn sie sich der LG immer weiter nähert. Die RT sagt da aber, wie gesagt, was anderes, und ich hab' echte Schwierigkeiten damit, das zu glauben.
    Das kommt ja nicht besonders gut, sich im Physiksaal als RT-Kritiker aufspielen. Ausserdem: seltsam fand' ich die SRT immer schon ein wenig. Aber die so richtigen Zweifel kamen mir dann erst viel später.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dez. 2019
  11. Andre73
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    Andre73

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    Du musst ggf. einfach mal ein paar Übungsaufgaben zur SRT machen.
    Schau Dir mal relativistische Geschwindigkeitsaddition an - und achte dabei besonders darauf, wo der Beobachter sitzt - im Raumschiff oder außerhalb?
    Im Raumschiff: Die Fliege saust wie üblich nach vorne, kein Problem.
    Von außerhalb - relativistisch rechnen!: Die stark in Flugrichtung verkürzte Fliege fliegt in stark in Flugrichtung verkürztem Raumschiff nach vorne und die Zeit vergeht im Raumschiff von außerhalb gesehen langsamer ... keine c-Verletzung durch entsprechend verkürzte Strecke. Es passt alles zusammen!

    SRT und QM haben verblüffende Überschneidungen, z.B. diese Forschungsrichtung:
    https://arxiv.org/pdf/1302.6165.pdf
    "We show that the vacuum permeabilityμ0and permittivityǫ0may originate from the magneti-zation and the polarization of continuously appearing and disappearing fermion pairs. We then show thatif we simply model the propagation of the photon in vacuum as aseries of transient captures within theseephemeral pairs, we can derive a finite photon velocit"

    Ziel: Man leitet aus Quantenfluktuationen des Vakuums diese Konstanten her, der Rest ist Maxwell...der Kreis schließt sich. Bisher sieht es danach aus, dass es passen wird - weiß nicht was der aktuellste Stand ist - aber es wäre verblüffend.


    Die Planck-Länge ist ja geradezu so definiert, dass darunter die Teilchenenergie dem Schwarzschildradius gleicht, also die bisherigen Gesetze zusammenbrechen.
    Newton ist aber deshalb nicht falsch, nur weil es nahe Lichtgeschwindigkeit Anpassungsbedarf gibt.
    Genau so ist SRT nicht falsch, nur weil es nahe großen Gravitationssenken Anpassungsbedarf gibt.
    Und die ART nicht falsch, nur weil sie nahe atomaren Größenordnungen zu Widersprüchen mit der QM führt. Die Modelle sind im Rahmen ihres Geltungsbereiches passend. Es ist ja schon viel gewonnen, wenn man sich dieser Geltungsbereiche jeweils bewusst ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dez. 2019
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  12. Häretiker
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    Kurze Antwort: Nein!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Relativistisches_Additionstheorem_für_Geschwindigkeiten

    Grüße
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  13. Häretiker
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    Die Grundidee gab es ja auch schon in der klassischen Mechanik (Galilei-Transformation). Die Relation "F = m * a" gilt für alle Inertialsysteme, weil in der Definition der Kraft ja nur die Zweite Ableitung (Beschleunigung) enthalten ist, nicht aber die erste (Geschwindigkeit) oder nullte (Ort).

    Will heißen: Im Gültigkeitsbereich der klassischen Mechanik ist für beliebige Galilei-Transformationen (von einem Inertialsystem ins andere ) die Kraft konstant.

    Wäre jetzt die Frage: Ist es sinnvoll, dass die Kraft konstant ist, egal, in welchem System ich mich zum anderen bewege? Wenn wir konsistente Physik haben wollen: Ja! Das war schon Newton bewusst.

    Grüße
    Häretiker
     
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  14. Ferragus
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    Ferragus

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    Kompliment auch an dich: Es scheint dass du nicht allzu versteift in deiner Meinung und offen bist, deine Ansicht den Belegen entsprechend anzupassen. (Andernfalls wäre eine Diskussion aber auch witzlos.)

    Die Masse, wie Physiker den Begriff üblicherweise verwenden, ist ein sog. Lorentzskalar , das heißt in jedem Bezugssystem dieselbe. Manchmal führt man eine sog. "relativistische Masse" ein, die sich für verschiedene relativ bewegte Beobachter unterscheidet, und nennt die eben genannte Masse "Ruhemasse". (der Begriff "relativistische Masse" wird aber nicht viel verwendet, weil das Konzept nichts bringt und allenfalls Verwirrung stiftet)

    Unabhängig davon, ob man den unglücklichen Begriff jetzt verwendet oder nicht:

    Das, was die Fliege in deinem Beispiel sieht, ist immer ihre Ruhemasse. Aus ihrer Sicht ändert ich nichts, sie wird weder schwerer noch sieht sie sich verkürzt noch sonst irgendwas.
     
  15. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Wenn wir (so wie hier) die Plausibilität einer Theorie ein wenig abklopfen wollen, dann müssen wir uns vor allem mit ihren Schwachstellen befassen. Es hilft normalerweise nicht, mit oder in dieser Theorie zu argumentieren:
    denn genau das wissen wir Stand heute nicht - wir können es nicht experimentell nachweisen. Alles, was wir wissen, sind einige Indizien aufgrund relativistisch schnell bewegter Elemtentarteilchen (Zeitdilatation, und auch ist die LG ganz offenbar eine obere Grenze für die Geschwindigkeit von Materie, siehe Teilchenbeschleuniger).
    De facto haben wir heute in der Physik offiziell anerkannte und etablierte Theorien, die aber in ihren Überschneidungsbereichen zu ernsthaften Problemen führen. Das ist prinzipiell immer schlecht in einer wissenschaftlichen Disziplin, und das ist den Physikern auch bewußt.

    Im Grunde heißt das nichts weiter, als dass wir Stand heute den "Stein der Weisen" (die TOE) noch nicht gefunden haben, denn "eigentlich" sollten sich alle bekannten Phanömene der Physik wohl aus einer einzigen konsistenten Theorie heraus ableiten lassen.

    Ich hab' aber auch keine Ahnung, wie die TOE aussehen könnte. Ich vermute ein wenig, die Ausgangsbasis müßte die Quantentheorie sein...
     
  16. Andre73
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    Andre73

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    Das wissen die Physiker auch ohne dich, dass es da noch Probleme gibt.
    Physik ist nach wie vor ein spannendes Forschungsfeld mit jede Menge Stoff.

    Die Theorien sind in ihren Anwendungsbereichen dennoch sehr wertvoll und nicht nutzlos, nur weil sie Geltungsgrenzen haben.

    Denn zwar kann man mit der ART prinzipiell ausrechnen, wie eine Kanonenkugel fliegt - nur ist das höllisch kompliziert - die Gleichungen sind so schwer, dass sie in vielen Bereichen nur für einige Spezialfälle lösbar sind. Wo man es schafft, passen Sie beeindruckend gut.
    Wozu also, wenns der Newton als Grenzfall (keine Lichtgeschwindigkeit, keine riesigen Gravitationssenken) auch tut?

    Rein theoretisch können wir den Aufbau von Körpern aus der QFT ableiten. Nur sind die Gleichungen derart kompliziert, dass es die klassische Statik etc. auch tun - solange man eben im Geltungsbereich unterwegs ist! Wir können das für Vielteilchensysteme noch nicht ausrechnen sondern nur zeigen, dass im Grenzfall klassische Theorien gelten - und dann eben die klassischen Theorien auf diese Fälle anwenden und unfassbar viel Rechenzeit und Komplexität sparen.

    Du wirst ja auch nicht die Regeln/Formeln des globalen Finanzmarktes/VWL/Buchhaltung etc. anwenden um auszurechnen, wieviel Geld Du nach dem spontanen Kauf einer Banane noch übrig hast.
     
  17. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Nein, nicht wirklich...

    Es ist ein bisschen schade, dass wir in Sachen Technik (und auch Physik) irgendwie am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein scheinen... wird es noch neue bahnbrechende Erkenntnisse geben, die die Welt, wie wir sie kennen, verändern könn(t)en...?

    Ich glaub's irgendwie nicht...
     
  18. Andre73
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    Andre73

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    Ehrlich gesagt verstehe ich gar nicht was Du willst.
    In der Technik machen wir doch riesen Sprünge. Die Menschen haben sogar Angst vor den Veränderungen. Siehe KI, siehe Quantenrechner, siehe Robotikfortschritte, Dronen etc.

    Die Veränderungen sind so groß, dass sie sogar im Alltag der Mennschen ankommen - viel Grundlagenforschung hat ja einen geringen "Wohnzimmerfaktor".

    Und auch Physik - es passiert sehr viel. Der Higgs-Boson-Nachweis ist gerade mal 7 Jahre her.
    Der direkte Nachweis von Gravitationswellen ist gerade mal 4 Jahre her. Das waren riesen Events!
    Andauernd kommt man im Gleichungsgewirr von ART und QFT ein Stückchen weiter, unaufhörlich neue Erkenntnisse - auch wenn natürlich der Breite schwer zu vermitteln.
     
  19. Dreiklang
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    Dreiklang

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    Okay, da hast Du wohl Recht.

    Ich meinte eher so etwas wie die Entdeckung von neuen Elementarkräften (vielleicht vergleichbar mit der Elektrodynamik), was uns völlig neue technische Anwendungsgebiete erschließen würde.

    Aber was sich sonst so in Wissenschaft und Technik tut, da muss ich Dir Recht geben, da ist schon "Musik drin", und noch so einiges denkbar.
     
  20. Barratt
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    Barratt Lernend

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    Die solltest Du nicht ausgerechnet in der theoretischen Physik suchen. :005:

    Es gibt gar nicht selten Erkenntnisse, die das Weltverständnis derjenigen "verändern", die die Bedeutung der Erkenntnisse nachvollziehen können. Was haben die Eingeweihten sich gefreut über die gemessene Gravitationswelle oder das Higgs-Teilchen... :001: Beides sind sehr bedeutende Erkenntnisse.