Pedalanweisungen in Kleine Studie


Gernot
Gernot
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Liebe Leute

Ich übe gerade an der "Kleinen Studie" aus Schumanns Album für die Jugend. In meiner Ausgabe (Henle Urtext) stehen mit Ausnahme von zwei Takten unter allen Takten Pedalzeichen. In den meisten Fällen geht der Pedaleinsatz über einen ganzen Takt, in ein paar Fällen über zwei ganze Takte. In zwei Fällen gibt es keine Pedalzeichen.

Nämlich in Takt 34:
schumann_studie001.jpg

und in Takt 48:
schumann_studie002.jpg
Wie ist das zu verstehen?

Gar kein Pedal in diesen beiden Takten? Wenn ja - weshalb? Aus harmonischen Gründen oder - bei Takt 48 könnte ich mir das vorstellen - zur deutlichen Trennung von einzelnen Abschnitten?

Oder schon (ad lib.) mit Pedal, aber nicht ganztaktig, sondern je drei Achtel-Gruppen mit dem Pedal binden?

Liebe Grüße
Gernot
 
H
hanapha
Guest
Hi Gernot,

wie hört es sich denn an, wenn Du das Pedal gegen die Anweisung benutzt - vielleicht nur Halbgas? (muss ich heute Abend auch mal probieren)

Ansonsten kann ich mir nur harmonsiche Gründe vorstellen. Ich finde es immer ziemlich grausam, wenn ein Stück überwiegend mit Pedal
gespielt wird und dann der Raumklang auf einmal weg ist.

Gruß
Jörg
 
Flageolett
Flageolett
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Hallo Gernot,
in meiner Ausgabe steht bei Takt 34 sehr wohl das Pedalzeichen- auch über den einen Takt gehend. Mir fällt grad auch nicht ein, warum ausgerechnet dieser Takt anders sein sollte als der Rest. Ich trete das Pedal aber bei dem Stück nur wenig, zu viel macht das Ganze so schwammig, find ich. Takt 48 ist was Besonderes in dem Stückchen, er bildet ja den Übergang zum Schlussteil, ich verlangsame das Tempo hier etwas, um danach wieder a tempo zu spielen. Ich glaube, du hast hier jede Menge Möglichkeiten, einfach ausprobieren!
Gruß, flageolett
 
Gernot
Gernot
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Danke für Eure Antworten. :-)

@ Hanapa: Es klingt für meine Ohren auch mit Pedal in Ordnung, eigentlich sogar besser, weil - wie du ja auch anmerkst - sonst ein deutlicher Bruch im Klangeindruck entsteht, wenn ich da plötzlich keines einsetze.

@ flageolett: Danke für die Info. Takt 48 verstehe ich auch so wie Du es beschreibst. Da würde ich das Pedal auch nur halbtaktig verwenden.

Dass ich da herumexperimentieren kann und soll, ist mir schon klar. Ich würde halt trotzdem gerne verstehen, wieso diese beiden Takte anders notiert wurden. Ich bin davon ausgegangen, dass die Pedalisierungszeichen von Schumann stammen, da das eine Urtextausgabe ist. Oder sind Pedalzeichen eher so zu sehen wie die Fingersätze, die (laut Titelblatt) explizit nicht vom Komponisten stammen.

In der gesamten Ausgabe sind Pedalzeichen eher die Ausnahme (die Kleine Studie bildet diesbezüglich die Ausnahme von der Ausnahme). In den Stücken, die zum Album für die Jugend gehören, steht soweit ich das durchgeschaut habe in jedem Fall nicht nur das "Ped." sondern auch ein "*". Bei den Kinderszenen, die im selben Band enthalten sind, steht dagegen meist nur ein "Ped." Zeichen am Beginn des Stücks, z.T. auch bei einzelnen Stellen. Das verstehe ich dann so, dass man pedalisieren darf/soll, wo man es für sinnvoll erachtet. Unabhängig von der Frage, von wem sie stammen, wirken die Pedalisierungsanweisungen in "Kleine Studie" auf mich verbindlicher und auf jeden Fall gezielt gesetzt. Daher die Frage nach dem Warum für das Fehlen von Pedalzeichen in den beiden Takten.

Neugierige Grüße
Gernot
 
P
PianoPuppy
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Oder sind Pedalzeichen eher so zu sehen wie die Fingersätze, die (laut Titelblatt) explizit nicht vom Komponisten stammen.

Hallo Gernot,

Die Pedalisierungsanweisungen sind von Schumann. Das Stück selbst habe ich nie gespielt - mich würde es jetzt aber auch interessieren, warum in einigen Takten das Pedal weggelassen wird. In der Henle Ausgabe hast du noch ein paar Takte gekennzeichnet, wo Schumann erst in späteren Ausgaben Pedal hinzugefügt hat. Auf IMSLP gibt es übrigens eine Fassung des Albums, die von Clara Schumann editiert wurde, ist glaube ich gleich die erste.

LG, PP
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Gernot
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Hallo Pianopuppy

In der Henle Ausgabe hast du noch ein paar Takte gekennzeichnet, wo Schumann erst in späteren Ausgaben Pedal hinzugefügt hat.

In diesem Stück? Sehe ich nicht. Ich habe Henle Nr. 46 (aus 1977).

durch Deinen Hinweis auf ISMLP habe ich im Vergleich der Ausgaben noch weitere Takte ohne Pedalzeichen gefunden, die ich bisher übersehen hatte. :oops: :

Schumann_kleine_studie.jpg

In neueren Ausgaben werden zum Teil Pedalzeichen ergänzt. Interessant finde ich aber eine russische Ausgabe, in der in Takt 48 Pedalzeichen ergänzt werden. Diese stehen in Klammern und sind dadurch laut Vorwort als Ergänzungen vom Herausgeber gekennzeichnet. Bei den übrigen Stellen hat er aber nichts ergänzt.

Liebe Grüße
Gernot
 
Gernot
Gernot
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Ein weiterer Versuch: wer kann/mag das erklären?

Ich versuch's nochmal. Vielleicht habe ich diesmal mehr Glück :-)

Liebe Grüße
Gernot
 
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Ich versuch's nochmal. Vielleicht habe ich diesmal mehr Glück :-)

Liebe Grüße
Gernot

Hallo Gernot,

Habe jetzt mal meinen KL auf das Thema angesprochen, der meinte zunächst es gehe um eine gewisse Klangvorstellung, die Schumann realisiert haben wollte und scheinbar wollte er gewisse Zusammenklänge vermeiden:

Leider haben wir einen Takt übersehen und mir ist jetzt auch nichts dazu eingefallen.

Takt 34: Hier ergibt sich die Konstellation d-e-c' und damit eine ausgefüllte Terz
Takt 46: haben wir übersehen
Takt 48: zweistimmig, ohne Pedal sind die "Melodienoten" klarer
Takt 51: wieder eine ausgefüllte Terz
Takt 60: dazu sind wir nicht mehr gekommen, da wir bereits eine halbe Stunde überzogen hatten und der nächste Schüler schon vor der Tür stand - ich denke aber, daß wegen des Tritonus kein Pedal angewendet wird

Vielleicht fällt dir ja jetzt zu Takt 46 noch was ein, ansonst könnte ich meinen KL noch mal fragen, allerdings laufe ich dann wohl Gefahr, daß er mir das Stück aufgibt. :roll:

LG, PP
 
Gernot
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Liebe PianoPuppy

Tut mir leid, ich habe Deine Antwort gerade erst wahrgenommen. :oops: Ziemlich peinlich. Vielen Dank für Deine Mühe, sehr lieb, dass Du bei deinem KL nachgefragt hast. :kuss::kuss:

Ich werde mir das morgen ansehen. Vielen Dank nochmal! :trompete:

Liebe Grüße
Gernot
 
Gernot
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Liebe PP

Danke nochmal für die Mühe

Habe jetzt mal meinen KL auf das Thema angesprochen, der meinte zunächst es gehe um eine gewisse Klangvorstellung, die Schumann realisiert haben wollte und scheinbar wollte er gewisse Zusammenklänge vermeiden:

Das nehme ich auch an :-)



Takt 34: Hier ergibt sich die Konstellation d-e-c' und damit eine ausgefüllte Terz

Das leuchtet mir ein. "Ausgefüllte Terz" - noch nie gehört - wieder was gelernt.

Takt 46: haben wir übersehen
Takt 48: zweistimmig, ohne Pedal sind die "Melodienoten" klarer

OK. Das kann ich auch nachvollziehen.


wegen g, fis1, a1? Dieselbe wendung gibt es in Takt 19, dort interessanterweise mit Pedalisierungsanweisung.

Takt 60: dazu sind wir nicht mehr gekommen, da wir bereits eine halbe Stunde überzogen hatten und der nächste Schüler schon vor der Tür stand - ich denke aber, daß wegen des Tritonus kein Pedal angewendet wird

Ist Pedal bei tritonus generell zu vermeiden?

Vielleicht fällt dir ja jetzt zu Takt 46 noch was ein, ansonst könnte ich meinen KL noch mal fragen, allerdings laufe ich dann wohl Gefahr, daß er mir das Stück aufgibt. :roll:

Ist Doch ein schönes Stück. Oder magst Schumann nicht so gern?

Liebe Grüße
Gernot
 
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Lieber Gernot,

wegen g, fis1, a1? Dieselbe wendung gibt es in Takt 19, dort interessanterweise mit Pedalisierungsanweisung.

Das ist mir selbst nicht aufgefallen, ich habe zwar, nachdem wir die Takte ohne Pedal im Unterricht besprochen haben noch einmal das gesamte Stück angeschaut, aber der Takt ist mir entgangen. Mal schauen, ob ich dazu noch was herausfinden kann.


Ist Pedal bei tritonus generell zu vermeiden?

Keine Ahnung - ich bin ja immer davon ausgegangen, daß man Dissonanzen eher nicht zusammenklingen läßt, und hätte, wenn die Pedalisierung nicht dabeistünde, auch die Takte mit Sekunden nicht mit Pedal gespielt. Aber der Tritonus ist das Intervall mit der schärfsten Dissonanz - eigentlich ein schrecklich-schauriger Klang, daher kommt es mir plausibel vor, daß das der Grund ist, warum der Takt ohne Pedal gespielt wird.

Ist Doch ein schönes Stück. Oder magst Schumann nicht so gern?

Doch ich mag die Schumann Stücke an und für sich sehr gern - aber es gibt andere im Album, die mir besser gefallen, als die "Kleine Studie" und dazu kommt, ...ich will gar nicht wissen, welche grausamen Übungen meinem KL für dieses Stück einfallen. Allein der Gedanke, daß ich auch nur einen Teil davon transponieren soll, buh - nein, muß nicht sein. :razz:

Aber wenn sich bis Freitag nichts im Faden tut, frage ich nächste Stunde noch einmal nach - da ich frisch mit Stücken eingedeckt bin, dürfte es derzeit ungefährlich sein. :D:D:D

LG, PP
 

P
Pianist A
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Auch wenn das Thema schon paar Monate her ist. In meiner Ausgabe steht ein allgemeiner Hinweis zu diesem Stück:

Schumann hat das Pedal offentsichtlich allzu schematisch notiert. Man halte die 3 Achtel des Basses mit den Fingern bis zum Taktende aus und nehme Pedal erst vom 4. Achtel an bis zum Anschlag des 1. Achtels des jeweils folgenden Takts.


Was haltet ihr davon?
 
rolf
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Schumann hat das Pedal offentsichtlich allzu schematisch notiert. Man halte die 3 Achtel des Basses mit den Fingern bis zum Taktende aus und nehme Pedal erst vom 4. Achtel an bis zum Anschlag des 1. Achtels des jeweils folgenden Takts.


Was haltet ihr davon?

der Vorwurf, Schumann habe zu schematisch notiert, ist Quatsch - Schumann verließ sich darauf, dass der Pedalgebrauch sinnvoll und gekonnt geschieht (Ped. und * sind abgekürzte Zeichen)

der Ausführungsvorschlag für speziell dieses flotte Stück, das fast überall Pedal benötigt, ist völlig richtig (je höher das Tempo, umso größer muss die trennende Pedallücke sein! - und beim verbinden der Harmonien hilft beim nachgetretenen Pedal das halten der Finger)
 
Gernot
Gernot
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Lieber Rolf

der Ausführungsvorschlag für speziell dieses flotte Stück, das fast überall Pedal benötigt, ist völlig richtig (je höher das Tempo, umso größer muss die trennende Pedallücke sein! - und beim verbinden der Harmonien hilft beim nachgetretenen Pedal das halten der Finger)

Viele spielen dieses Stück in eher raschem Tempo. Mir gefällt es - jedenfalls derzeit - in einem mäßigeren Tempo besser. Schumann selbst macht keine Angaben zum Tempo, wohl aber zur Dynamik und Agogik des Vortrags. "Leise und sehr egal zu spielen". "Egal" verstehe ich als gleichmäßig, also ohne Temporückungen.

Ergeben sich aus dem Notentext Argumente betreffend das zu wählende Tempo?

Liebe Grüße
Gernot
 
Gernot
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Danke. Wieder was gelernt :-)

Liebe Grüße
Gernot
 
 

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