Neubesaitung - potenziell schädlich für alte Instrumente?

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Ich habe letztens eine Meinung gehört, zu der ich gerne eine zweite (und dritte,...) hören würde.

Letztens hat mir jemand gesagt, dass eine Neubesaitung für alte Instrumente (aber schon mit vollwertigem Gußrahmen, also rund 80-120 Jahre alte) problematisch sein kann. Der Grund dafür: Wenn die Spannung der Saiten weg ist, verbiegt sich das Gehäuse mit dem Resonanzboden. Bei einer Neubesaitung wird die Spannung wieder aufgebaut und das Instrument wieder "zurückgebogen". Nun kann es aber sein, dass es nachher nicht wie vorher ist. Evtl. sind durch das Verbiegen ein paar winzige Risse oder andere Schäden entstanden, die den Klang verschlechtern.

Ist da was dran? Wie hoch ist das Risiko? Nachdem viele alte Instrumente aufgearbeitet und neu besaitet werden, ist das vermutlich eher selten.
Könnte man dem entgehen, indem man immer eine Saite tauscht (oder meinetwegen auch 10, aber nicht alle über 200 gleichzeitig)? Klar ist das aufwändiger / fummeliger und Reparaturen am Stegdoppel, etc. sind so natürlich nicht möglich.
 

Klingt für mich als Techniker zumindest nicht völlig unlogisch. Die Frage ist nur, wie es ganz allgemein schon um ein Instrument bestellt ist, das diese Prozedur nicht mehr schadensfrei erträgt …
 
Ich halte es für ein Mythos.
Klar gibt es Bewegung, aber dafür sind die gebaut.
Bei meinem Bastelklavier hat sich der Rahmen (1870!) um mehr als 2 cm bewegt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Die können schon einiges ab und sind elastischer, als man denkt.
 

eine Neubesaitung für alte Instrumente
Es könnte sein, dass das damals verwendete Saitenmaterial eine andere Festigkeit aufwies und durch einen modernen Röslau-Bezug
mehr Spannung aufgebaut wird.
Ein mir bekannter Klavierbauer hat in so einen Fall meist jeweils eine Nummer schwächer genommen.
 
durch einen modernen Röslau-Bezug mehr Spannung aufgebaut wird.
Ja, eine insgesamt zu hohe Spannung könnte natürlich Schäden verursachen und dann könnte jemand diese Schäden einer falschen Ursache zuordnen.

Die können schon einiges ab und sind elastischer, als man denkt.
Denke ich mir auch, und sie wurden ja ohne Saiten gebaut und dann bezogen. Ich glaube auch nicht, dass das Holz mit der Zeit so viel spröder wird. Auch Leim härtet zwar erst mal aus, aber nach einiger Zeit hat er den Endzustand erreicht. Zwischen 10 und 100 Jahren sollte da nicht so viel Unterschied sein.
 
Müssen beim Klavier erst alle Saiten runter, bevor man eine neue aufspannen kann?
Bei Klavieren ohne kompletten Gussrahmen könnte man mir erzählen, dass das vielleicht ein Problem wäre.
Aber sonst?

Auch bei (neuen) Gitarren wechsle ich die Saiten immer einzeln, dann bleibt praktisch alles die ganze Zeit in Stimmung.
Warum erst das ganze System komplett entspannen? Ist doch völlig nervig, auch ohne Floyd Rose.
 
Es könnte sein, dass das damals verwendete Saitenmaterial eine andere Festigkeit aufwies und durch einen modernen Röslau-Bezug
mehr Spannung aufgebaut wird.
Ein mir bekannter Klavierbauer hat in so einen Fall meist jeweils eine Nummer schwächer genommen.

Das ist ja interessant.
Bei E-Gitarren haben moderne Saiten eine geringere Spannung.
 
Warum erst das ganze System komplett entspannen?
Wie oben schon steht: Wenn Reparaturen wie Stegdoppelerneuerung oder Ausspänen anstehen. Außerdem ist es bei der Kreuzbesaitung lästig, die unteren Saiten zu erneuern, während die Basssaiten noch (oder schon) drauf sind.
 
Ein mir bekannter Klavierbauer hat in so einen Fall meist jeweils eine Nummer schwächer genommen.
Heller hatte für meinen Bezug "historischen Saitendraht" verwendet. Die sollten doch dann ähnliche Festigkeiten aufweisen und ist das nicht Standard bei älteren Instrumenten?
 
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  • #10
Henry würde schreiben, irgendwann sterbselt jede Platte final. :017:
 
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  • #11
Was sind denn die Einflussfaktoren für die nötige Spannung einer Saite, um einen bestimmten Ton zu erzielen? Die Masse des Drahtes und schwingende Länge, oder? Wenn man also die Spannung am Rahmen des Instruments reduzieren will muss man die Saiten dünner machen.
 
  • #12
Bei E-Gitarren haben moderne Saiten eine geringere Spannung.
Bei gleicher Stärke/Dicke?
Mir wäre jetzt nicht aufgefallen, dass ich meine Saiten heute leichter benden kann, als vor 20 Jahren. Ich kaufe immer den selben Satz ... D'Addario .10-.52.
 
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  • #13
Bei gleicher Stärke/Dicke?
Mir wäre jetzt nicht aufgefallen, dass ich meine Saiten heute leichter benden kann, als vor 20 Jahren. Ich kaufe immer den selben Satz ... D'Addario .10-.52.
Vor 20 Jahren waren es schon moderne Saiten. Vermutlich EXL140 Nickel Wound / Nickel Plated.
Die gab es vor 40 Jahren auch schon so.
In den 50er Jahren gab es die aber noch nicht.
Da gab es Pure Nickel. Die brauchen bei gleicher Stärke mehr Spannung für die gleiche Stimmung.
Bei D'Addario ist der Unterschied nicht soo groß.
Bei ghs Nickel Rocker allerdings sehr heftig.
 
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  • #14
Die Masse des Drahtes und schwingende Länge, oder?
Dazu kommt noch der Zug.
Du kannst theoretisch auch eine kurze und Dünne Saite auf einen tiefen Ton stimmen ... aber das hat Folgen (für den Klang).
Genauso kannst du eine dicke lange Saite auf einen hohen Ton Stimmen ... brauchst dann aber einen Rahmen, der das auch verträgt.
Für beides ein Beispiel von meinem Bass.
Meine tiefste Saite ist ein C (die dritte Weiße Taste von links auf meiner Klaviatur). Stimme ich eine Standard E-Sate (.95-.105) auf diesen Ton, dann fehlt dem Ton Kraft (wenig Attack und Sustain).
Stimme ich die Aktuelle Saite (.126) auf E hoch, verzieht sich der Hals und mein Bass ist nicht mehr bundrein ... dafür hat dieser Ton dann ordentlich Attack und Sustain.
 
  • #15
@Sven
OK ... ganz so lange mache ich das noch nicht.
 
  • #19
Ich bin aber nicht sicher, was das für die nötige Spannung bedeutet.
Wenn steiferes Material schneller schwingt, dann braucht es weniger Spannung, um eine gewisse Tonhöhe (geünschte Anzahl an Schwingungen pro Sekunde) zu erreichen.

Als Gitarrist ist das ein alter Hut. Stahlsaiten einen Halb- oder Ganzton zu verstimmen geht deutlich schneller, als bei Nylonsaiten. Dafür verändert die Stahlsaite bei unsauberem Griff ihre Tonhöhe (unfreiwilliges Microbending). Die Konzertgitarre mit Nylonsaiten verzeiht da deutlich mehr, als die Stromgitarre mit Stahlsaiten.
 
  • #20
Der E-Modul oder Elastizitäts-Modul ist die Basis dieses Verhaltens, ein wesentlicher beschreibender Parameter eines Stoffs. Er beschreibt, wie sehr sich ein Stoff bei einer bestimmten Zugspannung dehnt, was sich meist über einen weiten Bereich annähernd linear verhält. Das Verhalten unter Druck ist übrigens sehr ähnlich.

Aus dieser Eigenschaft ergibt sich auch das Verhalten bei Biegung, wo eine Seite des Materials gedehnt, die andere gestaucht wird, was man als Steifigkeit erlebt.
 
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