Neapolitaner bei vorausgehendem Klang in Quintlage

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weber18

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Hallo!

Ich bastle gerade an ein paar Kadenzen und bin über eine ganz einfache I – IV – V – I-Kadenz in Moll mit einem Neapolitaner gestolpert. Wollte in a-Moll Quintlage beginnen. Bei meiner ersten Lösung (siehe Lösung 1 in dem angehängten Bild) ist mir eine Quintparallele zwischen Tonika und Subdominante zwischen Tenor und Sopran aufgefallen (a-e zu b-f).

Als Alternativlösung ohne Quintparallelen habe ich bei der Subdominante die Terz verdoppelt und bin auf weite Lage ausgewichen, dann gab es aber einen übermäßigen Schritt (f-gis im Tenor) zwischen Subdominante und Dominante.

Könnt ihr mir sagen, was der gängige Weg ist, einen Neapolitaner in einer Moll-Kadenz, die in Quintlage beginnt, zu behandeln?

Liebe Grüße und vielen Dank im Voraus!
 

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mick

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Könnt ihr mir sagen, was der gängige Weg ist, einen Neapolitaner in einer Moll-Kadenz, die in Quintlage beginnt, zu behandeln?

Da gibt es keinen "gängigen" Weg. In dieser Form ist der Neapolitaner klanglich immer unbefriedigend und kommt so in der Literatur praktisch nicht vor. Eine übermäßige oder verminderte Fortschreitung lässt sich übrigens nicht vermeiden, wenn man den Neapolitaner direkt zur Dominante führt. Den übermäßigen Schritt kann man durch einen chromatischen Durchgang "entschärfen", der verminderte bleibt immer unschön und wird nach Möglichkeit vermieden.

LG, Mick
 
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Lisztomanie

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@ mick: Bezüglich der allgemeinen Problematik des sn in der Quintlage bin ich natürlich ganz einer Meinung mit Dir.

Jedoch verstehe ich das Bestreben, den "unschönen" Neapolitaner zu entschärfen nicht ganz: Gerade der Querstand und Hiatus - in melodischer Hinsicht - sowie die enorme "Rückung" von fünf Zirkelgrade hin und sechs Zirkelgrade zurück (anders als die Subdominante, die ja das relative "Gegenstück" zur Dominante, gespiegelt an der Tonika ist, handelt es sich beim Neapolitaner um den absoluten diametralen Gegensatz der Dominante, die einen Tritonus entfernt ihr im Quintenzirkel gegenüber liegt!) - in harmonischer Hinsicht - sind doch essentiell und intentional wichtig für die besondere Affektbetontheit des Neapolitanischen Sextakkordes, der ja gerade deswegen von der Neapolitanischen Schule als Ausdruck tiefsten seelischen Schmerzes besonders geschätzt und nur sehr selten verwandt worden ist. Natürlich gibt es Gründe, ihn ein wenig abzumildern, die da wären:

1. Abmilderung des Affekts, z. B. um später noch eine Steigerung zu ermöglichen.

2. Verwendung des sn/sN als MM in der diatonischen Modulation ohne intentional-affektierte Wirkung.

Aber eine allgemeine Abschwächung der Klangschärfe des Neapolitaners entspricht zum einen nicht seinen Charakter und ist in der Musikgeschichte auch nie das Ziel gewesen. Der Neapolitaner war und ist eine selten verwendetes Ausdrucksmittel tiefsten schmerzhaften Affektes!

Herzliche Grüße

Dein Lisztomanie
 
LMG

LMG

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Na Ihr Wissenschaftler ?

hab grad zufällig n Text gesehen, aber wahrscheinlich ist das schon alles gesagt worden. Textzitat:

neap_zitat_ok.jpg



http://file2.npage.de/012658/44/bilder/neap_zitat_ok.jpg

LG, Olli
 
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rolf

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dann gab es aber einen übermäßigen Schritt (f-gis im Tenor) zwischen Subdominante und Dominante.
ein solcher übermäßiger Schritt hat Beethoven glaich zu Beginn des ersten Satzes der Mondscheinsonate nicht gestört, und uns Hörer oder Spieler stört er auch nicht :) (überhaupt ist der erste Satz op.27,2 ein Lehrbuch bzgl. der Verwendung des Neapolitaners)
erstaunlich auch die mit Stimmführungs"regeln" nicht besonders konforme Lösung, die Chopin in der Coda (presto con fuoco) seiner ersten Ballade bzgl. t-sN-D7-t präsentiert :)
...zu schweigen von "Wotans Abschied" aus Wagners Walküre... (ok, bissel komplexer als t-sN-D7-t, aber dennoch lehrreich)

möglicherweise ist das eher bloß theoretische Konstrukt einer Moll-Kadenz mit Neapolitaner für die musikalische Realität nicht allzu bindend - deswegen mein Vorschlag, einfach mal nachschauen und sammeln, was die großen Komponisten für Kapriolen damit angestellt hatten :)
 
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Lisztomanie

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Aber eine Sache ist mir noch eingefallen:

Wer da unbedingt etwas "Abmildern" möchte, der darf gerne mal folgende Kadenz "versuchen":

T-sn-DDv- (DD7)-D7-T

bzw. in Moll

t-sn-DDv-(DD7)-D7-t

Anmerkungen:

1. Der in der Klammer stehende Doppeldominantseptakkord ist ein optionaler Zwischenschritt

2. Der Dominantseptakkord kann auch durch eine normale Dominante (mit Vorhalt) ersetzt werden.

Herzliche Grüße

Euer Lisztomanie

@ rolf:

Bezüglich Neapolitanern in der Literatur:

Kennst Du das "dritte Thema" (quasi ein Choral, Takt 175-189) aus dem Finale von A. Bruckners Symphonie Nr. 5 in B-Dur? Das ist eine musikalische Himmelfahrt um neun Zirkelgrade von Ges-Dur nach As-Dur mittels des Neapolitaners (in 15 Takten sechs Neapolitaner!) und daher überhaupt nicht regelkonform! :D
 
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