Carnina
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Meine Mozartreise ging gestern zu Ende (vorläufig) und das lustigerweise ausgerechnet in der „Via Mozart“ — und es war wirklich eine wilde Fahrt.
Nach allem, was ich letztes Jahr gespielt hatte, solo und mit Orchester, war Mozart ehrlich gesagt so ziemlich das Letzte, worauf ich Lust hatte. Nicht, weil ich Mozart nicht mag. Im Gegenteil: Ich liebe seine Klavierkonzerte und vergöttere seine Opern. Aber irgendetwas daran war für mich unangenehm besetzt, ohne dass ich am Anfang genau hätte sagen können, was es eigentlich war.
Im November habe ich angefangen, den ersten Satz dieses Konzerts zu lernen. Ich hatte ihn schnell auswendig im Kopf, aber spielen konnte ich ihn deshalb natürlich noch lange nicht, schon garnicht im Tempo. Und genau da wurde mir ein grundsätzliches Problem klar: Ich hatte keine wirkliche Strategie für Musik, die im Kopf viel schneller da ist als in den Fingern.
Ich habe damals den schönen Satz gehört, dass man sich bei Mozart erst einmal eine „Schallmauer“ bauen muss, damit das Stück auch unter Druck hält. Und ich merkte: Genau dafür fehlten mir die Mittel. Ich hatte nie systematisch Läufe geübt, Tonleitern, dieses ganze Handwerkszeug, das man für so etwas braucht. Und noch weniger wusste ich, ab wann ein Zwischenstand eigentlich okay ist oder woran ich merke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das war wahrscheinlich das unangenehmste Gefühl an der ganzen Sache.
Dazu kam, dass ich mit einem eher destruktiven Bild von Mozart aufgewachsen bin: Mozart als das, was man spielt, wenn es für „Grösseres“ nicht reicht. Natürlich völliger Unsinn (!) — aber solche Sätze sitzen dann trotzdem irgendwo im System. Also habe ich Mozart anfangs nicht einfach gelernt, sondern mich ziemlich zuverlässig täglich daran abgearbeitet. Er war mein Watsch’nbaum an dem ich beinahe täglich gerüttelt habe. Und je mehr man sich ärgert und versuche etwas zu erzwingen um so mehr schlägt dieser zurück…. (Letztere nicht meine Worte… aber wahre)
Nach etwa fünf Wochen war ich kurz davor, das Konzert aufzugeben. Ich hatte schon angefangen, alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um doch noch zu wechseln. Dann kam aber der nächste Gedanke: Jetzt ist Januar. Was, wenn ich mit einem anderen Konzert am Ende noch mehr kämpfe? Was, wenn die Zeit, die so ein Stück braucht, bis es wirklich in den Körper sinkt, bei Mozart eigentlich besser investiert ist?
Also blieb ich dabei. Nicht aus grosser innerer Überzeugung, sondern eher, weil mir der Mut fehlte, komplett neu anzufangen.
Das Tempo war für mich lange völlig undenkbar. In meinem Kopf hörte ich mich schon träge und vertikal spielen, und ich war auf dem besten Weg, in ein altes Muster zu rutschen: mir selbst zu beweisen, dass ich es nicht kann. Ein Teil von mir wollte sich dem Stück wirklich widmen. Ein anderer Teil hat innerlich komplett blockiert und mir verboten, mich ernsthaft darauf einzulassen.
Im März ist das dann ziemlich eskaliert. Nach einem ordentlichen Streit und einem langen Gespräch ging plötzlich ein Knoten auf. Mir wurde klar: Das hatte eigentlich gar nicht so viel mit Mozart zu tun. Auch nicht damit, ob ich die Voraussetzungen für dieses Stück habe oder nicht. Es war ein altes Muster.
Das Schwierige war nicht, dass das Stück völlig ausser Reichweite war. Das Schwierige war eher, dass es vielleicht tatsächlich in Reichweite lag (was ich absolut nicht wahr haben wollte). Bei Stücken, die mehrere Nummern zu gross sind, kann man sich innerlich leichter retten: Man probiert halt mal, wie weit man kommt. Niemand erwartet etwas. Aber sobald etwas theoretisch machbar ist, ist das anders. Und genau da kann’s bei mir kippen. Absichtliches Dummstellen, inneres Verweigern, sogar bei Dingen, die ich eigentlich will — lang nicht mehr gefühlt aber hier kam es hoch und zwar massiv. Aber genau da hab ich es geschafft dieses Muster was mir vieles so schwer gemacht hat erstmals zu verstehen. Und ich glaube wirklich dass ich davor jetzt sicher bin.
Nach dieser Eskalation und Erkenntnis konnte ich mich dem Konzert erstmals wirklich nähern. Ich fing an, darin das zu finden, was ich an Musik liebe und dachte hier nicht finden zu können. Bei der ersten kurzen Probe vor ein paar Wochen hat man mir meine Vorbehalte noch ziemlich angesehen aber die Probe und das Zusammenspiel hat mich um 180 Grad gedreht. Ich wollte ein Teil davon sein bin heimgefahren und hatte einen ganz anderen Blick auf das Stück. Bei der letzten Probe kam jemand grinsend auf mich zu und sagte: „Du liiiebst es! Ich kann es sehen.“ Und ja. Ertappt
Ich liebe dieses Konzert inzwischen wirklich. Ich liebe Mozart. Und mittlerweile sogar Haydn — wobei ich bei den Sonaten noch nicht ganz so weit bin. Aber die Trios, das Konzert, die Symphonien und Streichquartette (mochte ich eigentlich schon vorher).
Natürlich gibt es noch genug, was ich anders machen würde oder noch lernen will. Ein grosses Thema bleibt das Tempo. Beim Spielen fühle ich mich oft entsetzlich langsam. In der grossen Probe letzte Woche war plötzlich dieser Flow da, aber innerlich hatte ich trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich wollte, dass es mehr nach vorne geht, dass Phrasen zusammengefasst werden, dass es nicht in lauter Einzelteilen hängen bleibt. Hör ich mir die Aufnahme an dann denke ich „aber ist doch alles da..!“
Einer der grössten Lerneffekte in diesem Stück war für mich die Bedeutung von Mikro-Rhythmik. Genau die geht bei mir leicht verloren, und ich merke jetzt viel besser, wie wichtig sie ist, auch wenn wissen leider nicht reicht.
In der Generalprobe meinte der Dirigent dann: „Jetzt gebe ich dir schon ein wesentlich höheres Tempo als letzte Woche, und immer noch treibst du an.“ Danach war ich kurz etwas gestresst (ich wollte ja im Konzert nicht in einem Tempo landen wo es mich dann zerlegt) und nahm mir fest vor, im Konzert besonders ruhig und besonnen zu spielen. Der Konzertmeister meinte dass wenn ich ihn begrüße er keine festen energischen Händedruck will sondern einen ruhigen entspannten und das tat ich dann. Ich fühlte mich auch so - völlig ruhig und in der Überzeugung ein besonnenes Tempo anzuschlagen.
Ich war auch felsenfest überzeugt, viel langsamer gespielt zu haben.
Bis nachher die Bratschistin sagte: „Kann es sein, dass wir heute noch schneller gespielt haben als sonst?
Als ich später die Aufnahme hörte, war ich völlig platt. Mein Gefühl beim Spielen und das tatsächliche Tempo passen offenbar überhaupt nicht zusammen. Das Thema Tempokontrolle wird mich also wohl noch eine Weile begleiten.
Trotzdem bin ich unglaublich froh, dass es gestern so gut lief ich hab es sehr genossen. Ich hatte wirklich grossen Respekt vor Mozart und habe ein halbes Jahr lang allen erklärt, warum es die idiotischste Idee überhaupt ist, ausgerechnet Mozart im Konzert zu spielen — vor allem, wenn man vorher nie Mozart-Sonaten gespielt hat und keine Erfahrung mit seitenweisen Sechzehntelläufen hat.
Jetzt kann ich sagen: Dieses Konzert hat mir auf allen Ebenen unendlich viel gegeben. Ich will keine Minute eintauschen. Ich habe es wirklich wirklich genossen es zu spielen und wahnsinnig viel dabei gelernt.
Ich liebe es inzwischen wirklich sehr und möchte es irgendwann unbedingt einmal ganz spielen.
Aber vorher freue ich mich jetzt erst einmal auf Haydn im Oktober.
Fazit: bisher habe ich immer die Erfahrung macht dass sich durchbeißen hinterher auszahlt. Ich bin sooooo froh dass ich nicht auf ein anders Konzert gewechselt habe. Und dankbar für die ganze Unterstützung all der lieben Menschen die mich rotierend ertragen haben und auf Kurs hielten. Es könnte sich für mich nicht mehr gelohnt haben auch wenn ich mich schlecht fühle wieviel Nerven (nicht nur meine) das gekostet hat.
Konzert:
Probe:
Nach allem, was ich letztes Jahr gespielt hatte, solo und mit Orchester, war Mozart ehrlich gesagt so ziemlich das Letzte, worauf ich Lust hatte. Nicht, weil ich Mozart nicht mag. Im Gegenteil: Ich liebe seine Klavierkonzerte und vergöttere seine Opern. Aber irgendetwas daran war für mich unangenehm besetzt, ohne dass ich am Anfang genau hätte sagen können, was es eigentlich war.
Im November habe ich angefangen, den ersten Satz dieses Konzerts zu lernen. Ich hatte ihn schnell auswendig im Kopf, aber spielen konnte ich ihn deshalb natürlich noch lange nicht, schon garnicht im Tempo. Und genau da wurde mir ein grundsätzliches Problem klar: Ich hatte keine wirkliche Strategie für Musik, die im Kopf viel schneller da ist als in den Fingern.
Ich habe damals den schönen Satz gehört, dass man sich bei Mozart erst einmal eine „Schallmauer“ bauen muss, damit das Stück auch unter Druck hält. Und ich merkte: Genau dafür fehlten mir die Mittel. Ich hatte nie systematisch Läufe geübt, Tonleitern, dieses ganze Handwerkszeug, das man für so etwas braucht. Und noch weniger wusste ich, ab wann ein Zwischenstand eigentlich okay ist oder woran ich merke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das war wahrscheinlich das unangenehmste Gefühl an der ganzen Sache.
Dazu kam, dass ich mit einem eher destruktiven Bild von Mozart aufgewachsen bin: Mozart als das, was man spielt, wenn es für „Grösseres“ nicht reicht. Natürlich völliger Unsinn (!) — aber solche Sätze sitzen dann trotzdem irgendwo im System. Also habe ich Mozart anfangs nicht einfach gelernt, sondern mich ziemlich zuverlässig täglich daran abgearbeitet. Er war mein Watsch’nbaum an dem ich beinahe täglich gerüttelt habe. Und je mehr man sich ärgert und versuche etwas zu erzwingen um so mehr schlägt dieser zurück…. (Letztere nicht meine Worte… aber wahre)
Nach etwa fünf Wochen war ich kurz davor, das Konzert aufzugeben. Ich hatte schon angefangen, alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um doch noch zu wechseln. Dann kam aber der nächste Gedanke: Jetzt ist Januar. Was, wenn ich mit einem anderen Konzert am Ende noch mehr kämpfe? Was, wenn die Zeit, die so ein Stück braucht, bis es wirklich in den Körper sinkt, bei Mozart eigentlich besser investiert ist?
Also blieb ich dabei. Nicht aus grosser innerer Überzeugung, sondern eher, weil mir der Mut fehlte, komplett neu anzufangen.
Das Tempo war für mich lange völlig undenkbar. In meinem Kopf hörte ich mich schon träge und vertikal spielen, und ich war auf dem besten Weg, in ein altes Muster zu rutschen: mir selbst zu beweisen, dass ich es nicht kann. Ein Teil von mir wollte sich dem Stück wirklich widmen. Ein anderer Teil hat innerlich komplett blockiert und mir verboten, mich ernsthaft darauf einzulassen.
Im März ist das dann ziemlich eskaliert. Nach einem ordentlichen Streit und einem langen Gespräch ging plötzlich ein Knoten auf. Mir wurde klar: Das hatte eigentlich gar nicht so viel mit Mozart zu tun. Auch nicht damit, ob ich die Voraussetzungen für dieses Stück habe oder nicht. Es war ein altes Muster.
Das Schwierige war nicht, dass das Stück völlig ausser Reichweite war. Das Schwierige war eher, dass es vielleicht tatsächlich in Reichweite lag (was ich absolut nicht wahr haben wollte). Bei Stücken, die mehrere Nummern zu gross sind, kann man sich innerlich leichter retten: Man probiert halt mal, wie weit man kommt. Niemand erwartet etwas. Aber sobald etwas theoretisch machbar ist, ist das anders. Und genau da kann’s bei mir kippen. Absichtliches Dummstellen, inneres Verweigern, sogar bei Dingen, die ich eigentlich will — lang nicht mehr gefühlt aber hier kam es hoch und zwar massiv. Aber genau da hab ich es geschafft dieses Muster was mir vieles so schwer gemacht hat erstmals zu verstehen. Und ich glaube wirklich dass ich davor jetzt sicher bin.
Nach dieser Eskalation und Erkenntnis konnte ich mich dem Konzert erstmals wirklich nähern. Ich fing an, darin das zu finden, was ich an Musik liebe und dachte hier nicht finden zu können. Bei der ersten kurzen Probe vor ein paar Wochen hat man mir meine Vorbehalte noch ziemlich angesehen aber die Probe und das Zusammenspiel hat mich um 180 Grad gedreht. Ich wollte ein Teil davon sein bin heimgefahren und hatte einen ganz anderen Blick auf das Stück. Bei der letzten Probe kam jemand grinsend auf mich zu und sagte: „Du liiiebst es! Ich kann es sehen.“ Und ja. Ertappt
Ich liebe dieses Konzert inzwischen wirklich. Ich liebe Mozart. Und mittlerweile sogar Haydn — wobei ich bei den Sonaten noch nicht ganz so weit bin. Aber die Trios, das Konzert, die Symphonien und Streichquartette (mochte ich eigentlich schon vorher).
Natürlich gibt es noch genug, was ich anders machen würde oder noch lernen will. Ein grosses Thema bleibt das Tempo. Beim Spielen fühle ich mich oft entsetzlich langsam. In der grossen Probe letzte Woche war plötzlich dieser Flow da, aber innerlich hatte ich trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich wollte, dass es mehr nach vorne geht, dass Phrasen zusammengefasst werden, dass es nicht in lauter Einzelteilen hängen bleibt. Hör ich mir die Aufnahme an dann denke ich „aber ist doch alles da..!“
Einer der grössten Lerneffekte in diesem Stück war für mich die Bedeutung von Mikro-Rhythmik. Genau die geht bei mir leicht verloren, und ich merke jetzt viel besser, wie wichtig sie ist, auch wenn wissen leider nicht reicht.
In der Generalprobe meinte der Dirigent dann: „Jetzt gebe ich dir schon ein wesentlich höheres Tempo als letzte Woche, und immer noch treibst du an.“ Danach war ich kurz etwas gestresst (ich wollte ja im Konzert nicht in einem Tempo landen wo es mich dann zerlegt) und nahm mir fest vor, im Konzert besonders ruhig und besonnen zu spielen. Der Konzertmeister meinte dass wenn ich ihn begrüße er keine festen energischen Händedruck will sondern einen ruhigen entspannten und das tat ich dann. Ich fühlte mich auch so - völlig ruhig und in der Überzeugung ein besonnenes Tempo anzuschlagen.
Ich war auch felsenfest überzeugt, viel langsamer gespielt zu haben.
Bis nachher die Bratschistin sagte: „Kann es sein, dass wir heute noch schneller gespielt haben als sonst?
Als ich später die Aufnahme hörte, war ich völlig platt. Mein Gefühl beim Spielen und das tatsächliche Tempo passen offenbar überhaupt nicht zusammen. Das Thema Tempokontrolle wird mich also wohl noch eine Weile begleiten.
Trotzdem bin ich unglaublich froh, dass es gestern so gut lief ich hab es sehr genossen. Ich hatte wirklich grossen Respekt vor Mozart und habe ein halbes Jahr lang allen erklärt, warum es die idiotischste Idee überhaupt ist, ausgerechnet Mozart im Konzert zu spielen — vor allem, wenn man vorher nie Mozart-Sonaten gespielt hat und keine Erfahrung mit seitenweisen Sechzehntelläufen hat.
Jetzt kann ich sagen: Dieses Konzert hat mir auf allen Ebenen unendlich viel gegeben. Ich will keine Minute eintauschen. Ich habe es wirklich wirklich genossen es zu spielen und wahnsinnig viel dabei gelernt.
Ich liebe es inzwischen wirklich sehr und möchte es irgendwann unbedingt einmal ganz spielen.
Aber vorher freue ich mich jetzt erst einmal auf Haydn im Oktober.
Fazit: bisher habe ich immer die Erfahrung macht dass sich durchbeißen hinterher auszahlt. Ich bin sooooo froh dass ich nicht auf ein anders Konzert gewechselt habe. Und dankbar für die ganze Unterstützung all der lieben Menschen die mich rotierend ertragen haben und auf Kurs hielten. Es könnte sich für mich nicht mehr gelohnt haben auch wenn ich mich schlecht fühle wieviel Nerven (nicht nur meine) das gekostet hat.
Konzert:
Probe:
Zuletzt bearbeitet:
und mit ein bisschen Abstand muss ich feststellen, dass der Mozart vermutlich sogar das ist, was ich bisher am besten gespielt habe. Auch wenn ich vor ein paar Monaten Stein und Bein geschworen hätte dass es das Gegenteil davon sein wird.

ich glaub ich muss mich mal in der Kammermusikanteilung umtun.
der 2. Satz vielleicht der schönste überhaupt … ich denke ich werd’s fertig lernen auch wenn ich den Rest vermutlich so schnell nicht spielen werde. Es lohnt sich wirklich….
ich bezog mich nur auf die "Übung" an sich. Edit: so wie du es beschreibst, mach ich es ja auch ab und zu, anders bekäme ich die Prestostellen wahrscheinlich nicht ins Tempo.