Methodik: Beide Hände von Anfang an?

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U.R.

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Guten Abend,
ich suche gerade einen Ort im Clavio Forum, wo meine Frage am besten reinpasst. Man kann mich auch gern weiter verweisen zu einem anderen Beitrag oder Thema. Ich hatte die Frage gerade gestellt unter einem vorhandenem Thema, aber man hat mir dort empfohlen, einen neuen Thread anzufangen.
Nun zu meiner Frage:
Ausgangspunkt: Ich übe gerade ein Stück (Rachmaninov Prelude 23.5), und komme in der 2. Hälfte, also in dem langsamen Teil, einfach nicht weiter bzw. mache nur wenig Fortschritte.
Frage: Auf welchem Weg ist man schneller?
1. Linke und rechte Hand einzeln spielen und beide Hände irgendwann zusammen führen.
2. Von Anfang an beide Hände gleichzeitig. Das ist natürlich erst mal deutlich langsamer. Könnte das aber am Ende doch früher zum Erfolg führen?
Sicher ist das auch etwas individuell abhängig, aber was sind eure Vorlieben? Vielleicht kommt auch von allen die gleiche Antwort, das möchte ich mal gern wissen.
 

Immer so früh wie möglich beide Hände zusammen, meiner Meinung nach.

Gehen lernt man mit beiden Beinen gleichzeitig, Paartanz und Partnering/Pas de deux auch immer als Paar zusammen.

Das Zusammenspiel hat einfach noch andere Aspekte, die du beim isolierten Üben nicht übst, die dann aber für den Misserfolg beim Zusammenführen sorgen, weil sie fehlen.
 
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Immer so früh wie möglich beide Hände zusammen
Meist! Nicht immer.
Beim genannten Stück (Mittelteil Rac 23,5) sind die Aufgaben der Hände recht unterschiedlich, daher macht es Sinn, die Hände einzeln, ja sogar sowohl die Linke, wie auch die Rechte mit beiden Händen zu üben.
Wenn man die ursprünglich Rechte so verteilt, dass die Rechte nun die Oberstimme im piano cantabile spielt und die Linke die restlichen Töne im ppp dazu, so erhält man ein schönes Modell, dem man dann mit Rechts allein nacheifern kann.
Ebenso kann man die Linke so verteilen, dass keine abrupten Positionswechsel mehr auftreten!
 
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Danke. Ich werde es mal versuchen.
 
Ruhig erst einzeln.
Du kannst evtl. an den Stellen wo die Mittelstimme auf beide Hände aufgeilt ist die wenigen Töne der jeweils anderen Hand ja ergänzen
 
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Die Einen sagen "zusammen!", die Anderen - erwartungsgemäß - "getrennt!". Was soll der arme Kerl denn jetzt machen?

CW
 
Wenn man das, was @Alter Tastendrücker vorschlägt, ohne Üben einzeln kann, kann man die Hände auch sofort und überwiegend zusammen üben. Das scheint hier aber nicht der Fall zu sein, also empfiehlt sich das vorherige und parallele einzelne Üben.
 
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Wenn man die ursprünglich Rechte so verteilt, dass die Rechte nun die Oberstimme im piano cantabile spielt und die Linke die restlichen Töne im ppp dazu, so erhält man ein schönes Modell, dem man dann mit Rechts allein nacheifern kann.
Ich würde empfehlen, das auch mal umgekehrt zu machen: die Linke spielt die Unterstimme cantabile und die Rechte so leise wie möglich die oberen Akkordtöne. Das verleiht der Stelle ein dunkles, geheimnisvolles Timbre. Mit dem Crescendo kann man nach und nach das Gewicht mehr in Richtung der Oberstimme verlagern, so, als ob anfangs ein Horn die Melodie spielt und nach und nach die Holzbläser die Führung übernehmen. Das ist ein schöner Effekt, den beispielsweise Tschaikowskys in seinen Sinfonien öfter verwendet hat.
 
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  • #10
[…] Das verleiht der Stelle ein dunkles, geheimnisvolles Timbre. Mit dem Crescendo kann man nach und nach das Gewicht mehr in Richtung der Oberstimme verlagern, so, als ob anfangs ein Horn die Melodie spielt und nach und nach die Holzbläser die Führung übernehmen. Das ist ein schöner Effekt, den beispielsweise Tschaikowskys in seinen Sinfonien öfter verwendet hat.
Immer wieder schön zu lesen, wenn einer über den pianistischen Tellerrand der 88 Tasten zu blicken vermag.
 
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  • #11
Disclaimer: Im Folgenden eine Beschreibung, wie ICH vorgehe. Das hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Und wie der Rheinländer @cwtoons jetzt sagen würde: "Jeder Jeck ist anders" ...

Die Frage "zuerst einzeln üben oder direkt zusammen" möchte ich differenzierter angehen. Der Profi, der die musikalische Stuktur auf Anhieb durchschaut und der die technischen Anforderungen aufgrund seiner Übung "aus dem Stand" abrufen kann, ist wahrscheinlich nur in wenigenen intrikaten Fällen darauf angewiesen, sich mit jeder Hand alleine zu beschäftigen. Für die meisten von uns sieht die Sache aber wohl anders aus: Da heißt es Noten und Akkorde dechiffrieren, Versetzungszeichen beachten, sich über die Bewegungsabläufe jeder Hand im Klaren werden (und dies auch trainieren).

Aber die Choreographie!!! Eine Clementi-Sonatine oder Schumanns "Stückchen" kann man prinzipiell mit jeder Hand alleine üben - ob das Spaß macht, steht auf einem anderen Blatt. Aber selbst "langweilige" Alberti-Bässe sollte man zunächst einmal separat im pp beherrschen können, damit die linke Hand im Zusaammenspiel nicht alles niederknüppelt. Auch im Orchester ist man darauf angewiesen, daß jeder einzelne Spieler seinen Part beherrscht.

Im Falle des c-moll-Arpeggios von CPE Bach oder auch bei Schumanns "fremden Ländern und Menschen" sieht die Sache anders aus. Im ersten Falle ist es offensichtlich Blödsinn, die Hände getrennt zu üben. Bei Schumann ist schon eine differenziertere Vorgehensweise angebracht. Ober- und Unterstimme separat zu spielen, sollte keine Schwierigkeiten bereiten. Die Mittelstimme, auf beide Hände verteilt: Man darf keine klanglichen Brüche zwischen linker und rechten Hand hören. Dann jede Stimme mit der anderen kombinieren. Ab diesem Stadium wird dann auch die "Choreographie" der Hände bedeutsam: Sind die Bewegungsabläufe auch im Zusammenspiel ergonomisch und geschmeidig?

Bleibt die Frage nach der Dauer: Wochenlang jede Hand getrennt üben (wie ich es noch als Kind praktizieren mußte) ist Schwachsinn und eine Form von Folter! Sinnvoll ist es, einzelne "Stellen" und kurze Abschnitte mit jeder Hand soweit zu beherrschen, daß man den Versuch des Zusammenspielens wagen kann. Dann bekommt man auch schon einen ersten Eindruck, ob es mit der Choreographie stimmt, und kann dies auch wiederum beim einzeln Üben berücksichtigen. Diese "Übeschleife" sollte man immer wieder durchlaufen und sich nicht darauf verlassen: Was gestern funktioniert hat, klappt garantiert auch heute!

Mein "Lieblingsfehler": Wenn das Zusammenspiel erst einmal funktioniert, dann immer weiter munter zusammenspielen! Dabei weiß ich doch, daß sich meine Hände wie Schneekönigin freuen (und dankbar sind), wenn ich mich mal wieder ausgiebig (und durchaus stundenlang) mit ihnen alleine beschäftige.

Was ich nicht erwähnt habe: WIE ich bei schwierigen Stellen die Hände separat übe. Aber das ist ein weites Feld ...
 
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  • #12
oder auch bei Schumanns "fremden Ländern und Menschen"
Das ist bei mir so ein Stück, was ich getrennt gar nicht üben könnte. Irgendwie fällt da für mich die musikalische Struktur des Stückes zusammen. Wie du sagst ist die Mittelstimme ja auf beide Hände verteilt. Solche Stimmen, die mit beiden Händen gespielt werden könnte ich niemals getrennt üben, das ist mit meiner Neurodivergenz nicht machbar xD
 
  • #13
Es ist durchaus sinnvoll, die Melodie und auch die Basslinie isoliert schön zu spielen. Ebenso die auf zwei Hände aufgeteilte Mittelstimme. Das dient der besseren Klangvorstellung.
 
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