Medizin und Gesundheit

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von thinman, 25. Mai 2016.

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  1. thinman
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    thinman

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    da immer wieder Themen mit medizinischem Bezug auftreten, bietet es sich an, einen eigenen Faden dafür zu eröffnen. Es tummeln sich ja doch einige Mitglieder mit medizinischem Hintergrund hier und deshalb wäre es schön, wenn hier medizinisches Fachwissen und Fragen / Sorgen der clavio-Mitglieder aufeinander treffen könnten. Aber auch allgemeines zur Gesundheit kann hier besprochen werden.
    Was dieser Faden nicht leisten kann und soll: Ärztliche Untersuchungen / Diagnosen etc. ersetzen! Hier ist selbstverständlich der Gang zum Arzt das allein anzuratende Handeln.


    Angeregt durch eine Sendung gestern im TV würde ich gerne das Thema
    multiresistente Keime ansprechen. Ich kopiere Auszüge der gestrigen Sendung (www.daserste.de/beckmann) hierher und hoffe auf rege Diskussionsbeteiligung. Falls dieses Kopieren eine Urheberverletzung oder sonstiges strafbares Handeln darstellen sollte, möchte ich betonen, dass dies keinesfalls meine Intention ist. Ich bitte diesbezüglich um Aufklärung und entsprechendes Vorgehen, z.B. Löschen.


    Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland eine Million Menschen mit Krankenhauskeimen, bis zu 40.000 von ihnen sterben daran, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Eine große Zahl dieser gefährlichen Keime ist multiresistent - und kaum ein Antibiotikum kann etwas gegen sie ausrichten. Für viele Überlebende endet ihr Leidensweg nie, sie werden chronisch krank, sind berufsunfähig oder leiden an dauerhaften Schmerzen. Und die Bedrohung wächst: Bald könnte es mehr Tote durch Keime als durch Krebs geben.

    Nicht nur Patienten sind Träger von Krankenhauskeimen - Gefahr droht oft auch von denen, die eigentlich helfen sollen. Exklusiv berichtet ein ehemaliger Pfleger bei #BECKMANN, dass er trotz seiner Infektion mit Krankenhauskeimen weiterhin Patienten behandelte. Sein Fall sei keine Ausnahme: "Mein Betriebsarzt spielte den Befund sogar herunter, so etwas habe jeder mal, sagte er. Und die meisten Kollegen haben sich gar nicht testen lassen, die möchten es gar nicht wissen."

    Ein Drittel des Pflegepersonals in deutschen Krankenhäusern wurde in den vergangenen zehn Jahren abgebaut. Viele Mitarbeiter klagen über chronische Überlastung, eigentlich unerlässliche Hygienemaßnahmen werden aus Zeitmangel nicht eingehalten. Angesichts der steigenden Infektionsgefahr schlagen Experten Alarm: Noch immer gibt es keine verpflichtenden Vorschriften, Ärzte und Pflegepersonal regelmäßig auf gefährliche Keime untersuchen zu lassen.

    Obwohl sich die Lage auf den Stationen immer weiter zuspitzt, ist im Kampf gegen Keime bislang zu wenig geschehen. Vor sieben Jahren starb Wilhelm Beckmann, der ältere Bruder von Reinhold Beckmann, an einer Infektion mit multiresistenten Krankenhauskeimen. Seitdem beschäftigt den TV-Journalisten die Frage, warum manche dringend notwendigen Maßnahmen nicht durchgesetzt werden. Denn weitere Gefahren drohen durch neue "Superkeime", die jetzt erstmals in Europa nachgewiesen wurden und gegen die derzeit kein Antibiotikum hilft. Bakterien, gegen die kaum ein Antibiotikum mehr hilft, sind ein größer werdendes Problem für die Medizin. Die Entwicklung neuer Medikamente geht nur schleppend voran. Experten befürchten einen Rückfall ins Zeitalter vor der Erfindung des Penicillins, mit dramatischen Folgen: Banale Infektionen wie Blasenentzündungen könnten dann zum Tod führen

    Doch es gibt auch Hoffnung: eine hierzulande kaum bekannte, doch anscheinend effektive Behandlungsmethode gegen bakterielle Infektionen, bei denen Antibiotika nicht mehr wirken: die sogenannte Phagentherapie. Mit gezielt eingesetzten Viren sollen multiresistente Bakterien im Körper des Erkrankten zerstört werden. Zwar ist diese Methode in Deutschland, anders als in einigen osteuropäischen Staaten, nicht zugelassen, doch auch in West-Europa stößt sie auf zunehmendes Interesse.

    Dabei machen spezielle Viren den Erregern den Garaus. Diese Behandlungsmethode besitzt eine lange Tradition. Aber durch den Siegeszug der "moderneren" Antibiotika ist sie in Westeuropa weitgehend in Vergessenheit geraten. Vor allem in einigen Ländern des früheren Ostblocks wird die Phagentherapie hingegen seit Jahrzehnten erfolgreich gegen bakterielle Infektionen angewandt, auch weil dort Antibiotika Mangelware waren. In Deutschland ist die Therapie bisher nicht zugelassen, doch auch hierzulande wächst das Forschungsinteresse an den Phagen.

    Wie wirken Phagen?

    Bei der Phagentherapie werden Viren auf Bakterien angesetzt. Diese Viren heißen Bakteriophagen, weil sie nur spezielle Bakterien als ihre natürlichen Feinde erkennen, den Rest aber in Ruhe lassen. Das Wort Phage kommt vom griechischen Wort "phagos" und bedeutet "fressen". Das Prinzip ist immer dasselbe: Die Phagen docken auf der Oberfläche der Bakterien an und "schießen" ihr Erbgut in die Bakterienzelle hinein. Diese wird quasi zur "Phagenfabrik", bis sie stirbt, platzt und Hunderte neuer Viren entlässt, die sich dann die nächste Bakterie als Wirt suchen. Wenn alle Bakterien gefressen sind, sterben auch die Phagen ab und verschwinden. Es gibt nicht den einen generellen Phagen, der gegen alle Keime wirkt. Da jede Phagenart nur Bakterien mit passender Zelloberfläche angreifen kann, muss für jeden Erreger der entsprechende Bakteriophage gefunden werden. Dadurch können Erreger ganz gezielt bekämpft werden. Phagen werden geschluckt, gespritzt, inhaliert oder, bei Wunden, auf der Hautoberfläche verschmiert.

    In der EU ist die Phagentherapie nicht offiziell anerkannt, aber auch nicht verboten. Es fehlen klinische Studien, die von den Gesundheitsbehörden akzeptiert werden. Außerdem ist das Interesse der Pharmaunternehmen eher gering ausgeprägt.

    Phagen werden individuell für spezifische Bakterien gefunden und aufbereitet. In solchen Fällen trägt der Arzt das Risiko und der Patient muss selbst für die Kosten aufkommen.

    Die 18-jährige Shannon hat keinen Arzt in Deutschland gefunden, der sie mit Phagen behandelt. Doch sie wollte nicht warten, bis auch das letzte Antibiotikum nicht mehr anschlägt. Deshalb ist sie mit ihrer Mutter nach Georgien gereist, um sich im Eliava-Institut in Tiflis untersuchen und mit Phagen behandeln zu lassen. Dort zählt die Phagentherapie zu den medizinischen Standards. Inzwischen nehmen viele Betroffene die Reise nach Osteuropa auf sich: Außer in Georgien ist die Therapie mit Phagen auch in Russland und Polen weit verbreitet, während Ärzte und Pharmaunternehmen in Westeuropa bei bakteriellen Infektionen auf Antibotika setzen.

    Dass sich das ändert, darauf hoffen viele Betroffene. Das Interesse der westlichen Nationen an der Behandlungsmethode wächst. Gerade läuft eine Studie in Belgien, die mit EU-Mitteln bezuschusst wird, sie soll die Wirksamkeit von Phagen an Verbrennungsopfern auf Intensivstationen testen. Ende des Jahres wird mit Ergebnissen gerechnet, die Zwischenbilanz ist positiv. Auch in den USA wird vermehrt auf die neue Behandlungsform geschaut. So hat das amerikanische "National Institute of Allergy and Infectious Disease" die Phagentherapie 2014 auf die Liste der aussichtsreichsten Strategien gegen die wachsende Zahl resistenter Keime gesetzt.

    In Deutschland hat das Leibniz-Institut DSMZ in Braunschweig angefangen, ein breiteres Sortiment an Phagen aufzubauen. Auch hier hoffen die Forscher auf eine künftige Zulassung der Therapie. Bislang können sie Patienten wie Shannon nur indirekt helfen: Die Phagen, mit denen die junge Frau im georgischen Eliava-Institut behandelt wird, stammen aus dem Labor in Braunschweig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2016
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  2. Fiffine
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    Fiffine

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    Vor ein paar Jahren hatte die GEO mal darüber berichtet. Auch damals reiste eine Frau, um ihr Bein behalten zu können nach Georgien.
    Interessant an dem Bericht waren auch die Bilder:
    In Deutschland alles steril und "keimfrei", im georgischen Krankenhaus sah es eher antik-rustikal aus.
    Und dennoch hat die Frau heute noch beide Beine!
     
  3. thinman
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    thinman

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    ja, ich schätze mal, dass in Georgien nicht so schnell Antibiotika verschrieben werden wie in Deutschland und sich deshalb auch nicht so schnell und umfangreich multiresistente Keime bilden können. Wenn man aber wie bei uns wegen jedem kleinen Schnupfen gleich Antibiotika verschreibt, dann muss man sich auch nicht wundern, dass es immer mehr MR-Keime gibt.

    Das Grundproblem liegt wie so oft im eigenen System: der immer größer werdende Zeitmangel im Klinikbetrieb macht z.B. ein wirksames Händedesinfizieren einfach unmöglich. Da werden höchstens ein paar Sekunden lang ein paar Spritzer Desinfektionslösung verrieben. Das ist Gewissensberuhigung, aber keine Desinfektion. Auch das Reinigungspersonal putzt z.B. im OP-Bereich mehrmals mit denselben Tüchern, mit viel zu wenig Desinf. Lösung und viel zu kurzer Wirkdauer.
    Aber was sollen die armen Reinigungskräfte denn machen? Sie werden zu immer mehr Schnelligkeit und Sparsamkeit angetrieben, der OP muss möglichst ganztags belegt sein. Es werden Fallpauschalen bezahlt und da heißt es: Je mehr Fälle, umso mehr Geld gibt es.

    Das ist imho eben das Schlimmste: Die Krankenhausträger erwarten, dass Kliniken Profit abwerfen. Ich kenne keine Polizeistation, die Gewinne machen muss, kein Gericht, das Gewinne machen muss, keine Schule, die Gewinn machen muss. Aber ausgerechnet das Gesundheitswesen muss Gewinne abwerfen. Dabei wird wie so oft am falschen Ende gespart. Schau mal die Verwaltungsgebäude und die personelle Ausstattung der Krankenkassen an, dann weißt Du, wo Deine Beitragsgelder hin fließen. Vor vielen Jahren gabs mal eine Untersuchung, die beleuchten sollte, wieviel von (damals noch zu DM-Zeiten) 100 Mark Beitrag letztendlich für die Patientenbehandlung- und Pflege ankam. Ich glaube, mich erinnern zu können, dass mehr als die Hälfte für Verwaltung und Bürokratie verbraten wurde.
     
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  4. Chopinne
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    Chopinne Guest

    Mein Opa ist vor einigen Jahren an einer solchen Krankenhausinfektion gestorben, ich muss ungefähr 10 oder 11 gewesen sein. Er kam ursprünglich wegen einer simplen Hämorrhoiden - OP (unter Medizinern und auch mitlesenden Laien sollte das nun keine Witzeleien auslösen; danke), die ohne Komplikationen verlief.
    Daraufhin fuhr er abends mit meiner Oma nach Hause und fühlte sich etwas schwach. Er schob es auf die Belastung durch die OP und die beiden gingen schlafen; mitten in der Nacht bzw am frühen Morgen wachte mein Opa auf, fiebrig und kurzatmig, und sagte zu meiner Oma nur, er glaube zu ersticken und es ginge zu Ende mit ihm. Sie rief den Notarzt und er wurde ins Krankenhaus gebracht, doch man konnte nichts mehr für ihn tun. Innerhalb von nur 2-3 Tagen ist er dort an einer schweren, multiresistenten Lungenentzündung dahingesiecht.

    Diese durchaus sehr persönliche Geschichte hat auch mich geprägt. Ich selbst habe es 2 oder 3 Mal vermieden, ins Krankenhaus zu gehen, weil ich mich dort als Patientin nicht sicher gefühlt hätte bzw. ich generell ein Mensch bin, der sehr auf Hygiene achtet und der Gedanke an einen Krankenhausaufenthalt daher großes Unbehagen in mir auslöst. Ich hasse es, im Bus Haltestangen anzufassen, selbiges trifft auf Türgriffe an öffentlichen WCs zu usw; und das erste, was ich tue, wenn ich nach Hause komme, ist: Hände gründlich waschen!
    Ich nutze bei meinen Tätigkeiten im Krankenhaus im Rahmen meines Medizinstudiums folglich auch ständig das bereitgestellte Desinfektionsmittel und reinige mein Handy und andere Gegenstände damit, bevor ich nach Hause fahre.
    Da ich allerdings selbst mal in der Krankenpflege war (wir müssen ja als Studenten 3 Monate dort ohne Vergütung helfen!!!), weiß ich aus eigener Erfahrung, wie nachlässig das oft betrieben wird. Und ich habe ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken, selbst hilflos im Krankenhaus zu liegen und damit komplett abhängig von der Sorgfalt fremder Personen, denen ich nicht besonders wichtig bin, zu sein.

    Falls hier Pflegekräfte vorhanden sein sollten, bitte nicht auf den Schlips getreten fühlen. Ich bin mir sicher, dass auch die Medizinstudenten im Rahmen ihres Pflegepraktikums nicht gründlicher waren und es als Ärzte ebenso wenig wären - trotz des Wissens um die Risiken.

    Ein Bekannter von mir arbeitet gerade an einem Dissertationsprojekt, das sich um den Umgang der Medien mit diesem Thema dreht. Er studiert Literaturwissenschaften und legt den Fokus daher auf verschiedene Formen der Berichterstattung, die er mit Fachartikeln sowie persönlichen Befragungen von Betroffenen vergleicht und hernach bewertet.
    Ich bin geneigt, ihn zu einer Literaturkonferenz mit der Studienstiftung im November einzuladen, um dieser kritischen Behandlung des Themas ein Rednerpult zur Verfügung zu stellen.

    Danke für diesen Faden. Ich halte ihn für eine hervorragende Idee und denke, dass ich regelmäßig hier reinschauen und evtl. auch etwas beitragen werde.
     
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  5. thinman
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    thinman

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    wo ich ebenfalls einen dicken Hals bekomme: Das Gesundheitsministerium kann mit vielen Worten nichtssagend erklären, dass der Erfolg der Phagentherapie nicht ausreichend gesichert ist und man erst mal abwarten muss, ob es auch längerfristig wirksam bleibt.
    Hallo?! Wie kräftig muss da wohl die Pharma-Lobby diesen Aussagen "hilfreich" zur Seite gestanden haben. Klar, man kann Phagen nicht patentrechtlich vermarkten, also lohnt ein Engagement nicht. Andererseits werden viele Pharma-Unternehmen nicht müde, das 60 000ste Medikament gegen Bluthochdruck auf den Markt zu werfen.

    Ich möchte jedoch auch hier betonen, dass ich nicht alle Medizin-Firmen über einen Kamm scheren möchte. Ich ziehe den Hut vor Firmen, die Milliarden in die Forschung stecken. Gerade in meinem Fachbereich sehe ich Unternehmen, die permanent forschen und z.B. neue Implantate (zweiteilig, vollkeramisch) auf den Markt bringen und andere Firmen, die nichts anderes zu tun haben, als erfolgreich und Geld schonend zu kopieren.
     
  6. Hummeline
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    Hummeline

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    Wow, Antibiotikaresistenzen und multiresistente Keime sind ein weites Feld, das viele, viel Ursachen hat. Zum einen stehen die niedergelassenen Ärzte unter einem hohen Erwartungsdruck. Die Patienten fordern häufig, dass ihnen etwas verschrieben wird. Dass Antibiotika nur bei Bakterien wirken und nicht bei Pilzen oder Viren, hat sich immer noch nicht überall herumgesprochen. Daher wird das Zeug zu schnell und zu häufig verschrieben. Dann kommt hinzu, dass ein Teil der Patienten das Medikament nicht bis zu Ende nimmt, sondern absetzt, sobald die Symptome verschwunden sind. Dadurch entstehen viele Resistenzen. Außerdem landen sowohl die Keime als auch die Antibiotikarückstände, die der Mensch so ausscheidet, über die Kanalistation in den Klärwerken, können dort weiterverbreitet werden und sind dementsprechend in unserem Trinkwasser zu finden. Hinzu kommt, dass Antibiotika in der Viehzucht dem Futter zugesetzt werden, nicht nur zur Behanldung von Krankheiten, sondern auch zur Vorbeugung. Daher befinden sich teilweise hohe Antibiotikawerte in Fleisch und Eiern. Aber auch wenn Bauern die Felder mit Gülle düngen, landen resistente Bakterien auf Gemüse und Salat.

    Und so entsteht durch viele, viele Protagonisten das Problem in den Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Hier sind die Niederlande Vorbild, dort kommen Infektionen mit multiresistenten Keimen kaum vor. Allerdings sind die Vorsorgemaßnahmen, die in den niederländischen Kliniken getroffen werden, nicht gerade günstig. Es gibt also Hoffnung. Ich meine auch, mich zu erinnern, dass laut Robert Koch Institut die Zahl der MRSA-Erreger abgenommen hätte. Und natürlich arbeitet die Pharmaindustrie mit Hochdruck daran, Medikamente zu entwickeln, die dagegen wirken. Damit kann man (zum Glück) viel Geld verdienen...
     
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  7. ag2410
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    ag2410 Guest

    Das ist mein Horrorthema. Ich habe letztes Jahr im KH eine Packung Sagrotantücher dabei gehabt und diese auch fleißig verwendet.
    Die Ärzte und Schwestern haben sich jedes Mal, wenn sie das Zimmer betreten haben, die Hände an einem entsprechenden Spender desinfiziert. Und ich finde gut, dass allmählich dieses Händegeschüttle zwischen Ärzten und Patienten im KH abgeschafft wird.
    Man sollte nicht außen vorlassen, dass die Keime multiresistent sind, weil eben lange Zeit Antibiotika für jedes Wehwehchen eingesetzt wurden. Zum Glück findet da allmählich ein Umdenken statt, aber trotz allem: So lange in der Massentierhaltung Antibiotika massenweise eingesetzt werden, können diese Keime weiterhin immensen Schaden anrichten.
    @thinman - die Pharmalobby verdient nicht schlecht mit diesen Keimen. Die mögliche effektive Problemlösung mit den Phagen lässt natürlich keine Dollarzeichen in den Augen aufblitzen, insofern wird das natürlich nicht unterstützt. Es ist beängstigend, wieviel Macht die Pharmalobby hat. Und wie sehr die Krankenhäuser in zu optimierende und Gewinn abwerfende Behandlungs-Fabriken umgewandelt werden. Die drei Grundpfeiler des Hospitalwesens waren (nach einer Historikerin, Namen vergessen) Gesundheitsfürsorge, Frömmigkeit und Wohltätigkeitssinn. Viel ist davon nicht übriggeblieben.
    LG Antje
     
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  8. thinman
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    thinman

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    Die Zahl der MRSA-Erreger hat zwar abgenommen, aber nur in der Humanmedizin. Nicht in der Landwirtschaft / Tiermedizin. Was auch noch dazu kommt: MRSA ist nur ein Keim von mehreren, gegen die immer weniger Antibiotika wirken.
    ESBL-bildende, VRE und C.difficile nehmen seit 2010 kontinuierlich zu und was der Hammer ist: Für diese weitaus gefährlicheren Keime gibt es nicht einmal eine zentrale Erfassungsstelle. Nur MRSA wird ans RKI gemeldet. ESBL-Bildenden und VRE verbreiten sich deutlich schneller und es gibt nur ein oder zwei Reserve-Antibiotika dagegen.

    Thema Niederlande:
    Dort wurde eine unabhängige Überwachungsbehörde geschaffen, die den Antibiotika-Verbrauch bei Tierärzten und Bauern ständig vergleicht. Wer schlecht abschneidet, bekommt eine rote Ampel angezeigt, muss sofort etwas ändern und Strafe zahlen. Die Vorsorgemaßnahmen finde ich deshalb eher besser als bei uns.
    Gleichzeitig haben Kliniken dort ein komplexes System aus Keimüberwachung, Hygiene und gezieltem Antibiotika-Einsatz entwickelt. Damit konnten sie die Zahl der mit multiresistenten Keimen befallenen Patienten senken. Vor allem aber halten sie so die Waffe Antibiotika scharf.

    Dass die Pharmaindustrie Medikamente entwickelt, die gegen MRE wirken, ist zwar löblich, das kostet aber Zeit und Geld, das die Unternehmen ja wieder verdienen wollen. Wer wird wohl die Zeche bezahlen? ;-)
    Einfacher und effektiver wäre es, die Phagen-Therapie erst mal zuzulassen und dann großflächig zu etablieren. Aber da steht ja in Deutschland der heilige Bürokratius vor und der will immer ein Opfer haben.
     
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  9. Chopinne
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    Chopinne Guest

    Was mir eben noch dazu einfiel: Wir haben bei uns in der Uniklinik eine Medizinerbibliothek, die 24h an 365 Tagen im Jahr offen hat, weil alles (Registrierung nur per Medizinerausweis, Aufzeichnungen per Kamera etc) elektronisch gut überwacht ist und man kein Personal braucht.
    Es gib sogar im Seminarraum Patientenliegen, die die Studenten zT zum Schlafen nutzen, sowie Wasserkocher. :-D
    Da ich gern abends - nachts lerne, habe ich das dort eine zeitlang getan (jedoch ohne Übernachtung...). Als ich letztens mal wieder dort war und ein Buch suchte, hatten sie alle Bücher mit großen Aufklebern versehen. Schriftzug lautete sinngemäß:
    "Für die Viren- und Keimfreiheit der Bücher wird keine Garantie übernommen und die Studenten tragen das Infektionsrisiko selbst"
    Klar ist einem das bewusst, wenn man dort hingeht und lernt; aber das aufeinmal so fett aufgedruckt zu sehen, war schon irgendwie komisch....:konfus:
     
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  10. Destenay
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    Destenay

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    ich glaube jetzt hats mich aber trotz Landleben Pferdemist und sonstigem Dreck erwischt!

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  11. Peter
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    Gute Besserung.
     
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  12. thinman
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    thinman

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    bestimmt ein ganz fieser multiresistenter Keim namens "Staphylococcus destenaylyticus" ;-).
    Scherz beiseite: Auch von mir gute Besserung! Und denk daran: Unkraut vergeht nicht.
     
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  13. Destenay
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    Destenay

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    geht mir schon wieder gut!:super::lol:
     
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  14. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mitarbeiter Mod

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    Das ging ja schnell. 49 Minuten. Was hast Du geschluckt?
     
  15. Destenay
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    Destenay

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    ne Flasche Nozinan, das hat mich wieder auf den Boden gebracht:super::angst::lol::lol::lol:
     
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  16. Rudl
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    Rudl

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    Seh gerade, geht dir schon wieder gut.
     
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    :super::lol::lol::lol:
     
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  18. agraffentoni
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    Hast Dich so sehr aufgeregt?:teufel::bomb:
     
  19. Destenay
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    ja! bin dabei ein Festspiel in Freiburg zu organisieren, dieser Papierkram!!! bin dauernd im Gespräch mit der Behörde, alles sehr nett und begeistert aber keine weiss Bescheid, bei der Steuer wurde ich mit 7 Personen verbunden, der Letzte meinte alles kein Problem ist viel einfacher als es aussieht :puh::lol::lol:
     
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  20. Ludwig
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    Ludwig

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    Ich hab keine Angst vor Mikroorganismen - die gehören halt zu dem Wahnsinn, den wir Leben nennen, dazu :-):lol:

    Erschreckend finde ich eher die von euch beschriebenen Zustände in den Krankenhäusern - gerade an einem Ort, wo sich Krankheiten und Infektionen zentral tummeln...
     
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