Geschichte der DDR

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Henry, 30. Apr. 2018.

  1. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Liebe Freunde,
    da ich 28 Jahre in der DDR lebte und aufgewachsen bin, möchte ich mich mit euch auch geschichtlich diesbezüglich austauschen. Ich muß an dieser Stelle allerdings darum bitten, keine politischen Streitigkeiten hier loszutreten, sondern möglichst sachlich über diese Geschichte zu diskutieren. Hier habe ich zu vor ein kleines Filmchen rausgesucht:


    View: https://www.youtube.com/watch?v=9CuTax5qxAg


    LG
    Henry
     
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  2. dilettant
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    Och nö!
    :angst::angst::angst:
     
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  3. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Bist Du auch in der DDR großgeworden? Naja, also gegen die Allgemeinbildung und berufliche Ausbildung dort, kann ich jetzt nichts negatives berichten ;-)

    LG
    Henry
     
  4. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Im übrigem hat dies auch durchaus mit Musik zu tun....aber da zu komme ich später.

    LG
    Henry
     
  5. dilettant
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    dilettant

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    Ja klar, und ich prahl doch ständig damit!?
    Boah ey, willste Dich jetzt einschleimen bei mir?
    :angst:

    Brauchste nicht!
    :kuscheln::coolguy::heilig:
     
  6. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Naja, zu prahlen gibt es da ja wirklich nichts - ich höre oft junge Menschen "ja, wenn ich damals in der DDR gelebt hätte...." hätten die sich aber gewaltig umgeschaut. Der Zwang in der Pionierorganisation und in der FDJ zu sein, war schon nicht ohne. Und eine eigene Meinung.....um Himmels Willen. Hätte es zu DDR Zeiten schon ein solches Forum wie dieses hier gegeben - glaub mir, wir hätten im "gelben Elend" weiter kommunuzieren können. Die Meinungsfreiheit galt nur für die vorgegebene Meinung.

    In der Musik und in der Kunst hatte man da mehr Möglichkeiten, dies wurd ja auch in der DDR sehr großzügig gefördert - der Ring des Nibelungen in der deutschen Staatsoper, ja, das war ein Erlebnis....gesetzt den Fall man hatte Möglichkeiten an Opernkarten zu kommen.

    Ich selbst war ja nebenher im Kabarett tätig, und verkaufte unter der Hand Karten an Westdeutsche und Westberliner - war gegenüber meinen eigenen Landsleuten (die auch gern Kabarettkarten gehabt hätten) ziemlich mies, aber die Westkohle war einfach mal zu verlockend.

    LG
    Henry
     
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  7. Klafina
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    Klafina

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    Zur Geschichte der DDR kann ich eher oberflächliche Kenntnisse beitragen, aber ich gehöre zu den vermutlich nicht so häufig vorhandenen Outsidern (=Wessis), die (im Herbst 1986) auf die verrückte Idee kamen, eine Touristenreise in die DDR zu unternehmen - ohne jegliche familiäre Kontakte. Und ohne den geringsten Verdacht, dass drei Jahre später alles anders sein würde.

    Grund war: Mein bildungsbeflissener jüngerer Bruder, der die große Schwester und die Mama zu diesem Abenteuer animierte.

    Es war eine Kurzreise, reich an tiefen Eindrücken.

    1. In die DDR reiste man nicht einfach ein. Man hatte einen Antrag zu stellen, und zwar beim ABR (Allgemeinen Bayrischen Reisebüro), wenn ich mich recht erinnere. Man hatte einen Tourenvorschlag vorzulegen, der geprüft wurde. Unserer wurde tatsächlich akzeptiert! Die Unterkünfte wurden selbstverständlich zugeteilt.

    2. Einmal in der DDR angekommen, hatte man sich täglich auf irgendeinem Kommissariat oder so zu melden. Ich meine mich erinnern zu können, dass das manchmal etwas großzügiger gehandhabt wurde und man einen Stempel für 2 Tage erhielt. Für die wenigen Tage weist mein alter Reisepass immerhin insgesamt 5 Stempel auf (Visa, Aufenthaltsberechtigungen). Das wurde durch kein anderes Land getoppt.

    3. Die Farbeindrücke sind heute noch sehr präsent: Grau und braun. In der Provinz sehr dunkel, so dunkel, dass beim Überqueren von Bahnlinien nachts leichte Angstgefühle aufkamen.

    4. Interessant waren die Unterkünfte und die Verpflegung. Irgendwo in der Provinz gab es in der Pension Bratkartoffeln mit Eiern für 45 Pfennige - durchaus schmackhaft! Den Zustand der Matratze und vor allem der Toilette möchte ich freilich lieber nicht beschreiben.
    Im "Luxus-Hotel" (Interhotel) in Dresden erinnerte die Duschzelle eher an Duschen auf französischen Einfach-Campingplätzen. Dagegen punktete das Hotel mit einem unübertroffenen Aschenbecher-Service! Kaum hatte ich eine Zigarette zu Ende geraucht (ich war damals noch Raucherin), wutsch, wurde mir der Aschenbecher entführt und ein neuer, sauberer hingestellt.

    5. Im Goethe-Haus in Weimar wurden wir zufällig Zeuge davon, wie der damalige Direktor einigen Besuchern erklärte, wie die lieben, guten Sowjets das kulturelle Erbe vor den bösen, kulturlosen Amerikanern gerettet hatten.
    Wenige Jahre später erzählte dieselbe Person in einem Interview im Fernsehen gaaanz andere Dinge - komisch ...

    6. Am eindrücklichsten war die Erkenntnis, dass die Menschen dort meine Sprache sprechen - man aber in einigen Situation nichts versteht!
    Die Jokes auf der Wartburg (z.B.: Weine und Sekte aus Freiburg - an der Unstrut/im Breisgau) waren noch einigermaßen verständlich.
    So richtig geärgert habe ich mich bei einer Kirchenführung (war es in Naumburg? Oder Quedlinburg? Egal.), wo für uns ganz klar war, dass die Person, die führte, einen Witz nach dem anderen riss, natürlich auf Kosten der staatlichen Obrigkeit. Ich hätte das sooo gerne verstanden - um uns herum lachten alle, aber wir waren außen vor.

    14 Jahre später habe ich einige der Orte wieder gesehen - und nicht wieder erkannt, z.B Weimar. Gut, die Wartburg bildete eine Ausnahme, die stand und steht noch immer oben.

    Was bleibt, ist die Zufriedenheit, diese Reise unternommen zu haben. Ich war in ein Land gereist, das neben dem meinen lag, mir aber eine komplett andere Welt präsentierte.

    MIttlerweile haben wir uns Dresden wieder angeschaut, Leipzig und manch anderes. Das eine oder andere steht noch auf unserer Wunschliste. Es berührt mich immer wieder auf ganz seltsame Weise, Orte zu besichtigen, die in meinen Kinderbüchern erwähnt wurden, dann quasi wie ein verbotenes Zimmer waren und heute wieder so ganz selbstverständlich besucht werden können.
     
  8. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Einmal im Jahr bin ich ja in Dresden, und genieße den neu/alt gestalteten Neumarkt rund um die wiedererbaute Frauenkirche. Ich war zu DDR Zeiten sehr oft in Dresden, mein Vater hat immer vor den traurigen Überresten der Frauenkirche geparkt - ja, des war drumherum ein riesiger Parkplatz, gerad daß das Verkehrsmuseum noch gestanden ist.

    Aber ich finde es auch sehr spannend wie ihr Westdeutschen die DDR erlebt habt, da danke ich Dir recht schön für Deine Ausführungen :super:

    LG
    Henry
     
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  9. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Schwierig.....ich meine, ich hab in der DDR aus meinem Leben gemacht was möglich war - zum einen war ich verpflichtet für den Rat des Stadtbezirkes Klaviere zu stimmen und zwas nach Preisanordnung 35 Mark pro Klavier, zum anderen wurde ich von der Konzert und Gastspieldirektion zur "Beschallung von Gasträumen" eingesetzt.....letzteres wurd garnicht mal so schlecht bezahlt. Aber es war wichtig, sich mit dem Regime irgendwie zu arrangieren, ansonsten hatte man verdammt schlechte Karten.

    LG
    Henry
     
  10. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Dazu kann ich nur sagen: Mit mir kam die Wende :lol:
     
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  11. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Dann kannst Du natürlich nicht viel da zu beitragen - ist aber echt süß Dein Kommentar :-D

    LG
    Henry
     
  12. Stilblüte
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    Stilblüte

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    Ich kann dazu beitragen, dass ich den Gedanken, dass Menschen, die sich damals gegenseitig abgehört haben, heute noch unter uns leben, gleichzeitig grotesk, gruselig und ironisch-komisch finde. Und ich frage mich oft, wie ich in bestimmten Situationen handeln würde. Vorstellen kann man sich das vermutlich nicht, nur erleben (hoffentlich nicht) und dann reagieren.

    Ansonsten habe ich hellseherische Fähigkeiten und prophezeihe, dass dieser Faden innerhalb weniger Stunden und Tage mehrere Seiten haben und über kurz oder lang geschlossen werden wird.
    Sowie ein großes Stöhnen von @Peter und @Barratt morgen beim ersten Reingucken.
     
  13. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Ich hoffe nicht daß der Faden geschlossen wird, aber des liegt auch bei den Nutzern selbst. Ich finde gerade Geschichtliche Dinge wie die DDR Vergangenheit, gehören absolut auch zur Musik. Mich hat seiunerzeit Professor Siegfried Stöckigt ausgebildet....es war ein überaus strenger und zugleich fairer Lehrer - was ich von dem lernte.....Wahnsinn. Da ging es nicht um Prima Vista, da ging es um das freie spielen.

    LG
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  14. Klein wild Vögelein
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    Klein wild Vögelein

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    Ich finde dieses Fadenthema interessan! Geschichtliches aus Sicht und Erfahrung von Zeitzeugen zu lesen ist hochspannend für mich.

    Unsere Schulklasse hat 1975 ihre Abschlussfahrt nach Berlin gemacht. Ein Besuch in Ost-Berlin stand selbstverständlich auf dem Programm.
    Unsere Klasse fuhr im ganzen per Bahn über die Grenze.

    Die Grenzkontrollen werde ich nie vergessen. Die Mienen der Kontrolleure waren unglaublich distanziert, unfreundlich, fast misstrauisch.
    Die Gesichtskontrollen fand ich äußerst unbehaglich, die Blicke gingen bei jeder hin und her zwischen Passfoto und Gesicht.

    Eine Klassenkameradin hatte blöderweise ein Buch mit dem Titel “Die geheimen Entführer “ in der Handtasche.
    Das verlängerte unseren Aufenthalt auf dem Bahnhof Friedrichstraße erheblich.

    Wir sind nach dem Grenzübertritt in kleinen Grüppchen losgezogen. Wir waren zu viert. Die Lehrer hatte uns vorher ausdrücklich gewarnt Westmark gegen Ostmark auf dem Schwarzmarkt (hieß das so, Henry?) zu
    tauschen, daran haben wir uns natürlich gehalten.

    Unbehaglich fanden wir die zahlreiche Präsenz von Vopos.

    Gut erinnern kann ich mich an die Bestecke beim Essen erinnern, die unserem Campingbestecken ähnlich waren. Das ist keine Bewertung, sie erfüllten ihren Zweck und transportierten die einfachen, aber leckeren Mahlzeiten vom Teller in den Mund.
    Das Klopapier war allerdings ’ne andere Hausnummer, es war so hart wie Zeitungspapier.

    Natürlich gingen wir 4 in eine Kneipe, suchten und fanden Kontakt zu jungen DDR-Bürgern. Alle waren natürlich enorm neugierig aufeinander und was das unterschiedliche Leben in Ost- und Westdeutschland betraf.
    Die lebhaften Diskussionen unter dem Genuss einiger Biere führten nach mehreren Stunden zum Rausschmiss im "Namen der deutschen demokratischen Partei."

    So hatten wir wenig von Ost-Berlin gesehen, aber einen höchst aufschlussreichen Nachmittag erlebt.

    Ich fände es schade, wenn der Thread geschlossen wird, vielleicht können die Moderatoren damit warten und erst intervenieren, wenn der Ton hier zu unfreundlich wird und sich Eskalation ankündigt.
     
  15. 40er
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    Ich war nie in der DDR. Irgendwann kam das Thema im Geschichtsunterricht dran. War in den frühen 80er Jahren. Der Geschichtslehrer war todernst bei dem Thema. Die Grenzsicherung wurde ausführlichst erklärt, vor allem diese trichterförmigen Selbstschussanlagen und die Minen, soweit noch vorhanden.
    Geblieben ist vor allem die Aussage des Lehrers, dass eine Wiedervereinigung in den nächsten 50 Jahren absolut unvorstellbar ist.

    Zum Wandertag haben wir irgendwo bei Hof die Grenze besucht. Grenzsoldaten haben unsere Gruppe mit ihren Ferngläsern ständig beobachtet. Man durfte keinesfalls hinter diesen Betonsäulen stehen, die farblich markiert waren, die eigentliche Grenze darstellen und weit vor dem Zaun gestanden haben. DDR Leute würden innerhalb dieses Streifens sich verstecken und jeden sofort festnehmen, der hinter so einer Betonsäule steht, wurde uns gesagt.
    Ein Schüler hat das trotzdem gemacht - der Lehrer ist schier ausgeflippt.

    Die DDR war so nah, aber eigentlich so weit weg wie der Mond.
    Ans komische DDR Fernsehen will ich gar nicht denken - das kam ja einer Folterung gleich.

    [​IMG]
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2018
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  16. Barratt
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    Nein, gar nicht. :-) Ich wollte im "Rigorosum" gern über Geschichte der DDR geprüft werden, aber das wollte mein Betreuender nicht, obwohl ER als Frühneuzeitler mich sowieso nicht darin geprüft hätte, sondern einer der Kokorrektoren. :lol:



    Meine persönlich erlebten Eindrücke gleichen denen von @Klafina bzw. sind womöglich noch eingeschränkter.

    In der 10. Klasse gab es die obligatorische "Grenzlandfahrt" (Rhön) und im Zuge dessen durften wir als Schulklasse nach einigem einschüchternden Brimborium dieses abgeschottete, mysteriöse Land betreten, vorsichtig und behutsam wie Forschungsreisende den Siedlungsraum eines bislang unkontaktiertes Dschungelvolks.

    Zuvor hatten wir rigoros eingeschärft bekommen, nichts Persönliches mitzunehmen, bloß nix falsch zu machen, keine kritischen Fragen zu stellen, keine kritischen Anmerkungen zu machen, niemanden anzusprechen, am besten überhaupt nichts zu äußern und uns religiös an die Anweisungen der Offiziellen zu halten.

    Die von Klafina genannte Farblosigkeit (graubraun in allen Schattierungen) und ein sonderbarer Geruch überraschten wohl jeden "Wessi". Die einzigen Farbtupfer waren rote Transparente, die überall herumhingen und auf denen Slogans standen. Die Art, wie Offizielle agierten, erinnerte mich an Filme übers Dritte Reich. Also nicht inhaltlich, bitte bloß nicht missverstehen, sondern formal. Dieser schnarrende, bellende Tonfall, diese anlasslose Unfreundlichkeit, die komische "altvorderne" Art sich auszudrücken (z. B. steif klingender Nominalstil) und irgendwie so eine Art subkutaner Führerkult übertragen halt auf eine Partei und deren Boss.

    Die oberflächlichen Eindrücke, die man als Teilnehmer einer solchen "Bildungsfahrt" sammelte, konnten negativer kaum sein. Die Menschen sprachen Deutsch, ja, aber waren irgendwie völlig fremd und abweisend, und was die Offiziellen uns erzählten, klang absurd. In jedem zweiten Satz wurde erwähnt, wie toll die Errungenschaften des Sozialismus seien. Dabei sah es abseits der modernen Bauten aus, als sei seit "vor´m Krieg" nicht mehr renoviert worden, braungrau, marode, teilweise sogar in Verfall begriffen, teilweise abenteuerlich geflickt. Auf dem Gehweg lag ein zarter brauner Schleier. Die kleinen süßen, aber ebenso farblosen und völlig uniformen Autos waren knatterig laut wie Mopeds und stießen auch wie Mopeds sichtbare Abgase aus. Das "Restaurant", in dem wir einkehren mussten, hatte den Charme einer Kantine. Das Undefinierbare, säuerlich Riechende, was man uns vorsetzte (aussuchen war nicht), nannte sich Soljanka. Habe ich nicht angerührt, als Vegetarier sowieso nicht, aber die anderen brachten das auch nicht runter. Die Löffel waren aus Blech.

    Wir bekamen 1 Stunde, während der wir uns in Eisenach ausdrücklich "frei bewegen" durften (unter Beachtung einer langen Liste dessen, was man nicht durfte, vor allem nicht zu spät zurückkommen, sonst würde der Bus einfach abfahren). :lol: Die anderen Mädels waren so eingeschüchtert, dass sie mehr oder weniger ratlos herumstanden und nur im Flüsterton miteinander sprachen, um ja nix falsch zu machen.

    Glücklicherweise hatte ich meinen Klassenkameradinnen voraus, dass ich zwei Jahre zuvor Teil einer Delegation unserer Kirchengemeinde bei der "Partnergemeinde" war. Privat organisiert. Ohne lückenlose Beaufsichtigung. Die Privatleute waren normal, das wusste ich. Somit hatte ich auch den Mut, eine Buchhandlung zu betreten, wurde dort auch normal behandelt und kam schwerbeladen wieder raus. Die Bücher waren sensationell günstig. :super:

    Feindselig waren die Offiziellen, aber wirklich allesamt ohne Ausnahme. Von den Grenzern bis zu Angestellten des Restaurants. Vielleicht hatten sie Anweisung, Leute aus Westdeutschland grundsätzlich besonders unfreundlich zu behandeln?

    In der Tschechoslowakei habe ich das anders erlebt. Die Studienreise unseres Latein-Stammkurses ging nach Prag (nicht wie üblich nach Rom, weil ein Mädel aus unserem Kurs aus einer kinderreichen Familie stammte und etwas weniger Teures gefunden werden sollte). Kein Vergleich zu der feindseligen Atmosphäre in der DDR. Dort haben sich alle normalmenschlich verhalten, auch an der Grenze – wie man sich eben verhält, wenn freundliche Ausländer aufkreuzen, die die Landessprache nicht sprechen, sich aber ordentlich verhalten.
     
  17. reymund
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    reymund

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    Ein Kollege hatte eine Stempel im Paß " Ausgewiesen aus der DDR" Er hatte bei einem Lehrgang bei MZ eine Witz über Ulbricht gemacht :) ich bin dann gar nicht erst hingefahren .
    Aber nicht alles war schlecht, die MZ z.B. super Moped, hatte auch eine, dann das Unverständnis plötzlich hatte dis MZ nur noch braune Kabel , auf die Frage beim Lehrgang wieso nur braune Kabel bekamen wir die Antwort das es zur Zeit in der DDR nur noch braune Kabel gibt ( ungläubiges Staunen und Lachen unsererseits . Frage , warum hat die neue MZ keine Leerlauf Antwort : in der BRD wurde das Gesetz geändert man müsse jetzt den Vergaser ändern, das geschieht beim nächsten Fünfjahresplan !!!!! Man vermisste als Westdeutscher das Flexibel der Wirtschaft.
    Aber man konnte gute Fachbücher aus der DDR kaufen z.B. ABC der Astronomie .
    Mich hat immer dieser Ausverkauf nach der Wende geärgert, dabei hätte der Westen einiges von der DDR lernen können z.B. Kinderbetreuung in der Betrieben.
     
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  18. Klafina
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    Klafina

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    Vielleicht die Absenz des Bedürfnisses, ständig zu protzen? "Mein Haus, mein Boot, mein Auto"? Aber ob das wirklich so war, können eher die Insider beurteilen.

    @Stilblüte

    Du bist zur Wendezeit geboren?
    Wir bekamen kurz nach Fall der Mauer unser erstes Kind. Positiver Effekt: Man konnte die letzten Tage vor der Geburt (wo man nicht mehr vor Aktivität strotzt) vor dem Fernseher verbringen und das war tatsächlich mal interessant. Danke, Ossies, Ihr habt mir das Warten verkürzt.

    @Klein wild Vögelein

    Ich fand auch alle Grenzkontrollen abartig. In Berlin die Spiegel überall, die jeden Winkel des Körpers erfassten. Und an den Autobahn-Grenzen immer das beklemmende Gefühl, wenn man durch die Sperren fuhr, in die die Betonklötze eingebaut waren, die man losschießen konnte.

    Mein Schwager erlebte unangenehme Stunden, als sein Freund an irgendeiner Grenzkontrolle stundenlang verhört wurde. Er stand vor dem Haus und wartete, ohne jegliche Ahnung, was da vor sich ging.
    Es stellte sich dann heraus: Beide sind aus einem Ort, in welchen ein DDR-Skispringer geflohen war (nach einem Sportevent im Westen). Und es zeigte sich, dass die DDR-Behörden nahezu jedes Haus von der Lage her und jede Familie namentlich kannten. Ganz ohne Internet, Handys und Google Earth.

    Um den Bogen zur Musik zu schlagen:

    Im Leipziger Stasimuseum kann man so manch Verrücktes besichtigen. Auch: beschlagnahmte Musik-Kassetten, darunter Volksmusik à la Oberkrainer. Definitiv staatsgefährdend, sowas.
     
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  19. Steinbock44
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    Steinbock44

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    Ich war mehrmals als Student in der DDR. Es war zur Zeit des kalten Krieges … und die DDR war noch hinter dem eisernen Vorhang. In der Schweiz habe ich mir deswegen einen dicken Eintrag bei Verfassungsschutz Behörde eingefangen (also wurde fichiert). Tja, auch wir wurden hier strengt beobachtet und unsere Reisen in Ostblockländer sorgfältig registriert. Eine Staatsstelle (als Beamte, Lehrer etc.) wurde deswegen für mich nicht möglich …. Ja, nu was solls … die Zeiten sind zum Glück vorbei.

    Auch heute besuche ich sehr gerne meine Freunde in Dresden und Prag …. meistens verbinde ich die Reise mit Prag. Ich liebe die zwei Städte Prag und Dresden!
     
  20. 40er
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    40er

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    Um noch eine Erinnerung aus früher Kindheit anzumerken, die im Gedächtnis hängegeblieben ist:

    Es wurde erzählt, dass die Menschen, die im Krieg böses getan haben in der DDR leben und die guten Menschen aus Kriegszeiten die BRD gegründet haben. :angst:
     
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