Gender-Studies: Versuch einer Bilanz

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Demian

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Vor ca. 20 Jahren etablierte sich an den deutschen Musikhochschulen im Rahmen der Musikwissenschaft die Disziplin „Gender-Studies“. Die meist weiblichen Professoren verfolgten das Ziel, Komponistinnen und Musikerinnen ins Zentrum der Betrachtung zu setzen, um einem von manchen damals empfundenen Ungleichgewicht zugunsten der männlichen Seite entgegenzuwirken. Und tatsächlich wurde durch Vorlesungen und Seminare ein Bewusstsein geschaffen für z.B. Fanny Hensel, Clara Schumann oder Lilly Boulanger. Dies war sicherlich ein wichtiger Beitrag der Gender-Studies.

Eine Begleiterscheinung war, dass die VertreterInnen dieser Forschungsrichtung die Musikgeschichtsschreibung verändern wollten: weg von einer angeblichen Heroen-Geschichte hin zu einer Musikgeschichtsschreibung, die auch Randerscheinungen der Musikgeschichte (z.B. Hummel) auf eine gleiche qualitative Ebene wie die großen Protagonisten (z.B. Beethoven) stellte.

Ein eher kurioser Auswuchs zeigte sich bei einer Studienkollegin, die ihren Klavierschülern immer erst Fanny Hensel vorstellte und irgendwann später erwähnte, dass sie auch noch einen musikalischen Bruder hatte.

Wie ist die aktuelle Lage der Gender-Studies? Was hat sich in den letzten 20 Jahren bewegt und verändert?

Ich würde mich freuen, wenn diese Diskussion nicht ideologisch geführt wird, sondern ganz sachlich die Fakten betrachtet werden.
 
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Hekse

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Musik habe ich nicht studiert, aber Ende der 90er gab es bei uns an der TU noch die offizielle Bezeichnung: "Behinderte, Ausländer, Frauen & Soziales" für einen Asta-Bereich. Nachdem interimsweise noch Homosexuelle in die o.g. Aufzählung aufgenommen wurden, kam es dann zu einer Umbenennung in: Soziales& Gleichstellung.
Aber das irgendwelche Marie Curies oder so verstärkt herhalten musste, habe ich nicht festgestellt.
 
hasenbein

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Da ja an der Vergangenheit (in der es unwiderruflich fast nur männliche Komponisten und fast keine weiblichen gab) nun mal nicht mehr geändert werden kann, muss die Gender-"Wissenschaft" ja, soll sie überhaupt einen Sinn haben, diesen in bezug auf das Heutige bzw. die Zukunft sehen.

Es geht ja, wenn ich das richtig sehe, primär um zweierlei:

1) Anerkennung der Leistungen von Komponistinnen vergangener Zeiten.
Neben wirklich exzellenten Leistungen (wie z.B. von den Boulangers) gab es da aber viel Mittelmaß, das nicht mit den wirklich Großen mithalten konnte.
Hier wird von den Genderleuten oft versucht, auf unseriöse Weise es so darzustellen, als seien die mittelmäßigen Werke gar nicht mittelmäßig, oder, falls das nicht klappt, als sei die phantastisch begabte Komponistin von ihrer bösen männlichen Umwelt davon abgehalten worden, ihr ganzes gewaltiges Potential auszuleben (Paradebeispiel hierfür ist die bekloppte und wenig talentierte, dafür offenbar sehr attraktive und im Bett granatenmäßige Alma Mahler).

2) "Förderung" von Frauen, damit sie sich (dadurch, dass sie sehen, dass auch Frauen tolle Kompositionen geschaffen haben) mehr fürs Komponieren interessieren bzw. für einen entsprechenden Beruf entscheiden.
Dies ist Schwachsinn. In einem Gesamtumfeld, das sehr kompetitiv ist, in dem es zu viele Musiker und zu wenige Auftrittsmöglichkeiten gibt, können nur diejenigen bestehen, die wirklich aus sich heraus sehr stark motiviert sind, die Musik bzw. das Komponieren einfach sehr lieben und von sich aus starken Arbeitseinsatz zeigen. Jemanden, den man erst "zum Jagen tragen" muss, kann man da wirklich nicht gebrauchen - allenfalls dazu, dass die Kompositionslehrer weiter genug Studenten haben, so dass sie ihren Lehrauftrag nicht verlieren.
Und es ist nun mal so: Männer neigen eher dazu, sich mit Dingen zu beschäftigen und sind auch eher "nerdig", Frauen machen eher was "mit Menschen". Da Komposition etwas Nerdiges ist, das man zudem alleine im stillen Kämmerlein tut, ist es völlig natürlich, dass Frauen sich weniger häufig dafür interessieren.
Unsere Gleichmacher-Ideologen aus der Feminismus- und Gender-Ecke sehen das natürlich anders.
 
pianovirus

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Vor ca. 20 Jahren etablierte sich an den deutschen Musikhochschulen im Rahmen der Musikwissenschaft die Disziplin „Gender-Studies“. Die meist weiblichen Professoren verfolgten das Ziel, Komponistinnen und Musikerinnen ins Zentrum der Betrachtung zu setzen, um einem von manchen damals empfundenen Ungleichgewicht zugunsten der männlichen Seite entgegenzuwirken. Und tatsächlich wurde durch Vorlesungen und Seminare ein Bewusstsein geschaffen für z.B. Fanny Hensel, Clara Schumann oder Lilly Boulanger. Dies war sicherlich ein wichtiger Beitrag der Gender-Studies.

Eine Begleiterscheinung war, dass die VertreterInnen dieser Forschungsrichtung die Musikgeschichtsschreibung verändern wollten: weg von einer angeblichen Heroen-Geschichte hin zu einer Musikgeschichtsschreibung, die auch Randerscheinungen der Musikgeschichte (z.B. Hummel) auf eine gleiche qualitative Ebene wie die großen Protagonisten (z.B. Beethoven) stellte.
Der von Dir hier ganz treffend beschriebene Trend durchzieht die ganzen Geisteswissenschaften, aber auch z.B. die Informatik. Man sieht ihn auch an Lehrbüchern, die nun oft den Zusatz "in context" haben, wie etwa "Western Music in Context", "English Literature in Context" usw.

Aus meiner Sicht könnte eine Erweiterung des Blickwinkels sehr interessant sein, ich habe jedoch den Eindruck, dass es sich oft nicht um eine Erweiterung, sondern um eine Verschiebung handelt, in welcher der neue Blickwinkel einhergeht mit geringerem Interesse und einer leider auch oberflächlicheren Beschäftigung mit einstmaligen Kernthemen.

Ein Beispiel: In der Norton-Reihe Western Music in Context gibt es ein sehr gelungenes Buch zum Mittelalter und ein sehr wirres und oberflächliches zum Barock. Die Autorin des letzteren interessiert sich für "Feminist Theory", "Women's History", "Gender Studies" – und daneben auch für "Music". Das Buch ist nicht etwa nach musikhistorischen Gesichtspunkten, sondern primär nach gesellschaftlichen angeordnet. Von "seconda prattica" – einem der entscheidenden Begriffe für die Epochenwende zum Barock – wird zum ersten Mal auf Seite 30 gesprochen, während die Rolle der Frau im ersten Absatz des Buches thematisiert wird und auf Seite 8 ein zweiseitiger Abriss über "Biology and Sexuality" folgt (kein Witz!).

Das ist natürlich ein Extrembeispiel und ich möchte noch einmal betonen, dass ich eine stärkere Einbettung in gesellschaftliche Kontexte erhellend fände. Aber wenn das Interesse an gesellschaftlichen Fragen im Vordergrund steht und die Musik fast schon eine Nebenrolle bekommt, zentrale musikhistorische Themen nur gestreift werden und die "Neubewertung" historischer Ereignisse offenkundig nicht mehr nach innermusikalischen Kriterien vorgenommen, sondern historische Randerscheinungen auf verzerrende Weise ins Rampenlicht gerückt werden, muss die Frage nach einem ernsthaften Interesse an ergebnisoffener wissenschaftlicher Beschäftigung mit der geschichtlichen Epoche in Frage gestellt werden. Das Interesse scheint dann eher die Nutzung (und damit einhergehende Degradierung) historischen "Materials" für politische Absichten der Gegenwart zu sein.

Leider habe ich mehrfach gehört, dass die Beschäftigung mit diesem Blickwinkel auch ein immer wichtigeres Kriterium für Berufungen darstellt, so dass jemand, der sich etwa mit Paläographie mittelalterlicher Handschriften beschäftigt schon vorab viel schlechtere Chancen hat, als jemand, der sich z.B. mit der Rolle der Frau oder dem "kolonialen Erbe" in der Musik beschäftigt. Ebenso signalisieren zahlreiche Fachzeitschriften thematische Verschiebungen und gar Quotenregelungen, die über eine wünschenswerte Erweiterung der Perspektive auf mitunter groteske Weise hinausschießen.

So wird dann die Forschung über Jahrzehnte auf leider recht einseitige Weise beeinflusst. Ich frage mich: Muss das Pendel immer erst ins andere Extrem ausschlagen, bevor sich ein gutes und sinnvolles Mittel etabliert?

Vielleicht kann jemand meinen etwas pessimistischen anekdotischen Eindrücken eine positivere Sichtweise entgegenstellen; das würde mich freuen.
 
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Häretiker

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Ich frage mich: Muss das Pendel immer erst ins andere Extrem ausschlagen, bevor sich ein gutes und sinnvolles Mittel etabliert?
Meine Vermutung: Ja. Der Mensch scheint Änderungen sonst nicht etablieren zu können. Ob die Französische Revolution oder die Fundis bei den Grünen, ohne extreme Standpunkte kann man sich nicht bei dem treffen, was wir im Nachgang als "Mitte" bezeichnen.

Grüße
Häretiker
 
hasenbein

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Das Pendel ist in den letzten Jahrzehnten nun wirklich HINREICHEND zum anderen Extrem hin ausgeschlagen. Diejenigen, die dies befeuern, sind jedoch mitnichten willig, nun "Mitte" einkehren zu lassen, sondern legen immer noch eine Schippe drauf.

Der Feminismus BRAUCHT es nämlich, immer neue angebliche "Diskriminierungen" zu finden. Nur so kann er existieren. Daher wird er niemals sagen "Alles klar, Gleichberechtigung ist erreicht", sondern immer neue angebliche Probleme aus dem Hut ziehen. (Da ist er quasi wie die Pharmabranche, die es ja auch überhaupt nicht gebrauchen kann, wenn die Leute gesünder werden, oder die Rüstungsindustrie, deren größter Feind Frieden ist.) Die Stufe der Lächerlichkeit ist ja bereits länger erreicht - z.B. mit den Auswüchsen der "Gendersprache".
 
Rheinkultur

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Da ist er quasi wie die Pharmabranche, die es ja auch überhaupt nicht gebrauchen kann, wenn die Leute gesünder werden
Die Gemeinsamkeit mit dem Entwickeln und Vertreiben von Medikamenten besteht tatsächlich darin, die Existenzberechtigung ständig aufs Neue definieren zu müssen: Zu gesund dürfen die Patienten (die ja zahlende Kunden sind) nicht werden, weil sie dann das Konsumieren einstellen könnten aufgrund fehlenden Bedarfs. Gleichzeitig muss immer eine Verbesserung der gesundheitlichen Verfassung dokumentiert werden, die nur auf die Anwendung des zu kaufenden Präparats zurückzuführen ist. Der Patient soll zwar krank und behandlungsbedürftig sein, aber auf keinen Fall als austherapiert oder gar tot durchs Raster fallen, weil mit ihm dann kein Geld mehr verdient werden kann. Oder besser gesagt: das Geld landet dann bei Bestattern oder Friedhofsämtern und nicht mehr bei der Pharmaindustrie... .

Die Stufe der Lächerlichkeit ist ja bereits länger erreicht - z.B. mit den Auswüchsen der "Gendersprache".
Die Stufe der Lächerlichkeit wird erreicht, wenn das Erfinden von Legitimationsgründen für das eigene Wirken allmählich übermenschlich schwierig wird, weil alles, was halbwegs plausibel klingt, irgendwann schon mal da war und bereits genannt wurde. Möglicherweise ist so auch der Berufsstand des Abmahnanwalts entstanden: Alle Grauzonen des Rechtswesens sind akribisch zu durchforsten, ob man nicht irgendwo eine Betätigungsmöglichkeit für juristische Eingriffe konstruieren und Nichtsahnende mit Forderungen konfrontieren kann.

LG von Rheinkultur
 
FünfTon

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Vor ca. 20 Jahren etablierte sich an den deutschen Musikhochschulen im Rahmen der Musikwissenschaft die Disziplin „Gender-Studies“. Die meist weiblichen Professoren verfolgten das Ziel, Komponistinnen und Musikerinnen ins Zentrum der Betrachtung zu setzen, um einem von manchen damals empfundenen Ungleichgewicht zugunsten der männlichen Seite entgegenzuwirken. Und tatsächlich wurde durch Vorlesungen und Seminare ein Bewusstsein geschaffen für z.B. Fanny Hensel, Clara Schumann oder Lilly Boulanger. Dies war sicherlich ein wichtiger Beitrag der Gender-Studies.
Hast du diese Behauptungen von irgendwelchen Webseiten runtergelesen oder tatsächlich mal diese angeblichen Vorlesungen und Seminare besucht? Denn wenn jemand mal ausnahmsweise nachbohrt, stellt man fest, daß es keinerlei Vorlesungen und Seminare mit nennenswerten Inhalten oder überhaupt irgendeinen Forschungsbetrieb gibt (denn der macht ja Arbeit) und sich das Ganze hauptsächlich um Kaderbildung, Titelhandel und das Abgreifen von Steuermitteln für gutdotierte Beamtenstellen dreht.
 

Demian

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Hast du diese Behauptungen von irgendwelchen Webseiten runtergelesen oder tatsächlich mal diese angeblichen Vorlesungen und Seminare besucht?
Ich habe solche Veranstaltungen selbst miterlebt und teilweise auch musikalisch mitgestaltet. Aber das liegt bereits ca. 15-20 Jahre zurück. Deswegen interessieren mich hier ja gerade aktuelle Entwicklungen und die Bilanz.

wenn jemand mal ausnahmsweise nachbohrt, stellt man fest, daß es keinerlei Vorlesungen und Seminare mit nennenswerten Inhalten oder überhaupt irgendeinen Forschungsbetrieb gibt (denn der macht ja Arbeit) und sich das Ganze hauptsächlich um Kaderbildung, Titelhandel und das Abgreifen von Steuermitteln für gutdotierte Beamtenstellen dreht.
Dieser Satz erscheint mir als Behauptung ohne Belege.
 
hasenbein

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Das scheint mir in der Tat so zu sein: Die sogenannte "Forschungsarbeit" im "Gender"-Bereich hat meist das Niveau von Bachelor-Abschlussarbeiten und entspricht nicht wissenschaftlichen Kriterien, insbesondere im Hinblick auf Ergebnisoffenheit, Neutralität von Fragestellungen, Vermeidung von "confirmation bias" und Belegung von Behauptungen durch harte Zahlen und Fakten.

Wer konkrete Gegenbeispiele nennen kann, in denen doch wissenschaftlich gearbeitet wurde, immer her damit. Dürfte allerdings sehr schwierig werden.
 
Sven

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Dieser Satz erscheint mir als Behauptung ohne Belege.
Ich habe innerhalb der letzten 12 Monate einen Artikel gelesen, in dem eine Journalistin ihre Erfahrungen aus einem Gender-Studies-Seminar geschildert hat, in dem sie sich under cover zur Recherche angemeldet hat. Leider habe ich den nicht gefunden, sonst hätte ich ihn verlinkt. Fazit war leider genau das: Ideologie ist alles, wirkliche Wissenschaft, wirkliches Fragen nach Objektivität setzt einemnschon den Veracht aus, Maskulinist zu sein.

Andere Quelle für diesen Eindruck: https://www.pro-medienmagazin.de/ko...undesex-gender-studies-entlarven-sich-selbst/
 
.marcus.

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Das ist, wie man so schön sagt, ein weites Feld. Ich habe mich nie so intensiv mit der Gender-Forschung auseinandergesetzt, dass ich diesen ganzen Forschungszweig beurteilen könnte. Deshalb bloß ein paar Eindrücke:

Zunächst ist die Gender-Forschung natürlich keine genuin musikwissenschaftliche Disziplin, sondern kommt aus der Soziologie und hat zu tun mit Fragen von (Un-)gleichheit, Macht etc. Das ist in den Geisteswissenschaften natürlich leicht anschlußfähig, denn die vorherige stiefmütterliche Behandlung von allen Fragen, die mit Frauen zu tun haben oder mit der Kategorie "Geschlecht", provoziert natürlich allerhand Nachträge, Korrekturen, Perspektivneuausrichtungen. Auch solche Dinge wie die klavierspielende höhere Tochter (Ruth Solie hat z.B. einen sehr lesenswerten Artikel "Girling at the Parlor Piano" geschrieben), die angebliche Unfähigkeit von Frauen zur Komposition oder Frauenfiguren in der Oper verlangen nach gesellschaftlicher Kontextualisierung. Auch die klassische Musiktheorie arbeitet ja (siehe Themendualismus) mit den Bezeichnungen männlich/weiblich für musikalische Phänomene. Also muss es ja erlaubt sein, einmal darüber nachzudenken, wie tragfähig so ein Konzept eigentlich ist.

So wie bei allen Forschungszweigen gibt es auch hier Beispiele für relativ hanebüchene Forschung. Aber man sollte die Gender-Forschung eher an ihren besten Vertretern messen und nicht an ihren schlechtesten. Wahr ist leider auch, dass man gerade den frühen Publikationen anmerkt, wie sie sich – um im Lande Academia zu überleben und Respekt zu erzwingen – mit einem Drahtverhau von kompliziertester Technokratensprache umgeben. Oder vielleicht wirkt das nur so... (Ich denke konkret an Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter).
In meinen Augen kann die Gender-Forschung eine wichtige Ergänzung zu bisheriger Forschung leisten. Sie gibt zu bedenken, dass zusätzlich zu den stets mitbedachten Kategorien wie Nationalität, Religion, Weltanschauung etc. Menschen auch durch ihr Geschlecht (und auch ihre sexuelle Orientierung, siehe Queer Studies) mitgeprägt werden und in manchen Fragestellungen ist das relevant, in anderen nicht. Es kommt dazu, dass die Reflektion dieser Fragen oft sehr komplex ist.

Es wäre noch vieles zu sagen.

Bloß noch in puncto Realität an der Universität. Auf der Website der Gesellschaft für Musikforschung kann man nachschauen, welche Lehrveranstaltungen z.B. im WS 2019/20 in D angeboten wurden. Es gibt also keinen Grund zu spekulieren, man kann einfach nachlesen: https://www.musikforschung.de/index...veranstaltungen/1823-wintersemester-2019-2020

lg marcus
 
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Rotbaer

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Ich sehe in den Gender Studies alten Wein in neuen Schläuchen.

Früher gab es mal die Kontroverse ob Bildungserfolg mehr auf genetische Disposition oder mehr auf Umwelteinfluß zurückzuführen sei. Es gab im linken Meinungsspektrum Leite die vehement behaupteten es sei lediglich eine Frage der äußeren Rahmenbedingungen und dann klappe es auch mit dem Abitur. Dem gegenüber standen die "Biologen" die alles für angeboren hielten. Inzwischen gibt es wohl einen Konsens darüber das beides eine Rolle spielt.
Warum ich das erzähle? Für mich ist der Kernsatz bei "Gender-Studies" der das Geschlecht ein soziales Konstrukt sei.(Bei allen Menschen die ich so kenne gibt es aber zuerst mal ein biologisches Geschlecht (ja, ich weiß, es gibt Transmenschen, die nehme ich mal aufgrund ihrer relativ geringen Häaufigkeit hier mal raus) Nach meiner subjektiven Erfahrung gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern die biologisch bedingt sind. Fast alle Frauen die ich kenne haben deutlich bessere Kommunikationsfähigkeiten als Männer mit vergleichbarer Bildung. Männer scheinen eher Stärken in räumlichen Sehen und in grafischer Darstellung zu haben.(Die Beispiele fallen mir jetzt auf Anhieb ein) Ob die zahlenmäßige Ungleichverteilung in Ingenieurberufen mit genetischer Disposition oder mit sozialem Umfeld zu tun hat weiß ich nicht. Die Ingenieurinnen die ich kenne sind jedenfalls durch die Bank sehr gut in ihrem Job. Vermutlich kommen hier auch beide Faktoren ins Spiel. Gender Studies sind sicher interessant, z.B mit der Frage wie man mehr Frauen für MINT Fäccher begeistern kann. Was mich aber halt oft nervt ist das dort scheinbar nicht ergebnisoffen geforscht wird sondern aus einer ideologischen Sicht heraus Thesen verbreitet werden. Und da schließt sich für mich der Kreis zu der Eingangs erwähnten Diskussion. Es geht wieder um Biologie vs. Gesellschaft, nur diesmal mit einem anderen Fokus.
 
hasenbein

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Ich möchte hier betonen: Frauen sind NICHT "weniger befähigt" zum Komponieren als Männer! Mit Sicherheit gibt es vergleichbar viele Frauen, die von der "Hardware" her bestens in der Lage wären, gute Komponistinnen zu werden.

Es GIBT jedoch Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und die bestehen u.a. in den typischen Neigungen und Interessen. Und nein, "typisch" bedeutet lediglich "die meisten", nicht "alle". Es interessiert also nicht, ob Du, liebe Leserin, anders bist oder 2 Freundinnen hast, die anders sind. "Anecdotal evidence" ist als Argument gegen eine behauptete Regel gänzlich ungeeignet.
 
Hekse

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Ich habe innerhalb der letzten 12 Monate einen Artikel gelesen, in dem eine Journalistin ihre Erfahrungen aus einem Gender-Studies-Seminar geschildert hat, in dem sie sich under cover zur Recherche angemeldet hat. Leider habe ich den nicht gefunden, sonst hätte ich ihn verlinkt. Fazit war leider genau das: Ideologie ist alles, wirkliche Wissenschaft, wirkliches Fragen nach Objektivität setzt einemnschon den Veracht aus, Maskulinist zu sein.

Andere Quelle für diesen Eindruck: https://www.pro-medienmagazin.de/ko...undesex-gender-studies-entlarven-sich-selbst/
Das meiste Gender Study Zeugs und die dazugehörigen Damen sind Murks- was mich ärgert ist, dass es auf die Bewertung von Frauen allgemein abfärbt.

Ich hab einige wirklich gute Fortbildungen zu Teamführung/ Effizienzsteigerung von Teams besucht. Dort geht es zwar nicht um das elendige Mann/ Frau Thema, sondern darum, was man tun kann, um erfolgversprechende Teams zusammenzustellen. Im Endeffekt werden sowohl Eigenschaften benötigt, die verstärkt bei Frauen zu finden sind, als auch Eigenschaften, die öfter bei Männern anzutreffen sind. Und darum, dass Reibung zwischen diesen Polen positiv und erwünscht ist.
Ich fände es schöner wenn man das Gender Thema ruhen lassen könnte und statt dessen Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Risikobetrachtung, Gewissenhaftigkeit, Kommunikationsvermögen etc. genauso zu schätzen wüsste wie Durchsetzungsvermögen, Entschlussfähigkeit etc.. Für erfolgreiche Teams sind so viele Eigenschaften notwendig, die bei Frauen öfter zu finden sind (und ich behaupte nicht, dass es keine Männer gibt, die genau diese Rolle auch erfüllen können), dass es eigentlich überhaupt keinen Grund gibt, für dieses ganze Gender Zeugs.

Ach ja, ich liebe es ja "Beweise" zu erbringen, anhand eines Beispiels- aber trotzdem- das Buch ist gar nicht so schlecht:

https://www.amazon.de/Teamarbeit-Teampsychologie-Teamentwicklung-führen-Teams/dp/3662494264
 
Sven

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Das meiste Gender Study Zeugs und die dazugehörigen Damen sind Murks- was mich ärgert ist, dass es auf die Bewertung von Frauen allgemein abfärbt.

Ich hab einige wirklich gute Fortbildungen zu Teamführung/ Effizienzsteigerung von Teams besucht. Dort geht es zwar nicht um das elendige Mann/ Frau Thema, sondern darum, was man tun kann, um erfolgversprechende Teams zusammenzustellen. Im Endeffekt werden sowohl Eigenschaften benötigt, die verstärkt bei Frauen zu finden sind, als auch Eigenschaften, die öfter bei Männern anzutreffen sind. Und darum, dass Reibung zwischen diesen Polen positiv und erwünscht ist.
Ich fände es schöner wenn man das Gender Thema ruhen lassen könnte und statt dessen Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Risikobetrachtung, Gewissenhaftigkeit, Kommunikationsvermögen etc. genauso zu schätzen wüsste wie Durchsetzungsvermögen, Entschlussfähigkeit etc.. Für erfolgreiche Teams sind so viele Eigenschaften notwendig, die bei Frauen öfter zu finden sind (und ich behaupte nicht, dass es keine Männer gibt, die genau diese Rolle auch erfüllen können), dass es eigentlich überhaupt keinen Grund gibt, für dieses ganze Gender Zeugs.

Ach ja, ich liebe es ja "Beweise" zu erbringen, anhand eines Beispiels- aber trotzdem- das Buch ist gar nicht so schlecht:

https://www.amazon.de/Teamarbeit-Teampsychologie-Teamentwicklung-führen-Teams/dp/3662494264
Der ursprüngliche Feminismus, dem es um Gleichberechtigung (nicht Gleichstellung!) ging, ist auf jeden Fall zu unterstützen und hatte wichtige Ziele.

Die Sache fing halt an schief zu gehen, als Lesben angefangen haben, Cis-Hetero-Frauen ihr männerfreies Leben als Ideal aufzudrücken.
 
 

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