Euer liebstes Weihnachtslied

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von raffaello, 17. Dez. 2014.

  1. LMG
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    LMG

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    "Hohe Nacht der klaren Sterne" ist ein wunderschönes Lied, das sich in meinem Weihnachtsliederbuch

    Heilige Nacht.- Weihnachtslieder-Album mit 49 der beliebtesten Weihnachts-, Silvester- und Neujahrslieder.- Für Klavier, mit vollständigen Texten. / Einger. für das Zusammenspiel nach den Ausgaben [...] von Adalbert Schalin.- Berlin: Apollo-Verl., [c 1955], Plattennummer: A. V. 5666 Kl.- 32 S.

    , also einem jederzeit und für jedermann und jedes Kind käuflichen WEIHNACHTSLIEDERBUCH, Jörg, auf Seite 18 befindet, und zwar mit folgendem absolut unverfänglichen und schönen Text:

    1. Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie weite Brücken stehn
    über einer tiefen Ferne, drüber uns're Herzen gehn!

    2. Hohe Nacht mit großen Feuern, die auf allen Bergen sind.
    Heut' muss sich die Erd' erneuern wie ein jung geboren Kind!

    3. Mütter, Euch sind alle Feuer, alle Sterne aufgestellt;
    Mütter tief in Euren Herzen schlägt das Herz der weiten Welt!

    Und wenn Du mir jetzt noch verrätst, JÖRG, was an diesem Text UND AM LIED "nazi"haft ist, dann bekomme ich wahrscheinlich den Lachanfall meines Lebens.

    ( Und fang ja nicht an mit "Müttergenesungswerk", "Lebensborn", "Gebirgsjäger lassen's in den Alpen krachen" usw.: mit solchen Phantasieprodukten lockst Du keinen Hund hinterm Ofen vor. Lachhaft!!!!!)

    Ich mag das Lied sehr, und singe es wann, wo, und wie ich will.

    LG, Olli
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Dez. 2014
  2. jk82
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    jk82 Guest

    Das Lied verzichtet bewusst auf jegliche christliche Symbolik und ist eigentlich gar kein Weihnachtslied. Anstelle der Weihnachtsgeschichte werden die von den Nazis geliebten Mythen (Nacht, Sonnwendfeuer, Mütterkult) in den Vordergrund gestellt. Das mag erst mal unverdächtig klingen, aber dadurch, dass dieses Lied von den Nazis sehr verbreitet und forciert wurde, löst es bei manchen Mitmenschen sicher noch heute großes Befremden aus. Man kann das Lied nicht von seiner historischen Rezeption trennen.

    Man kann sich natürlich auch doof stellen und all das ignorieren. Am besten singt man dann anschließend noch alle drei Strophen des Deutschlandliedes. Denn auch darin ist ja nichts "nazi"-haft, nicht wahr?

    Grüße, jörg
     
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  3. LeckerKlavierSpielen
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    LeckerKlavierSpielen

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    Man kann auch im vollen Bewusstsein dieser Tatsachen das Lied singen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Denn: Du schreibst, man kann das Lied nicht von seiner historischen Rezeption trennen. Eben so wenig aber kann man eine Darbietung von der Intention des Interpreten trennen. Reflexartig Leute als Nazi zu beschimpfen, die irgendetwas tun, was die Nazis damals ebenfalls getan haben, passt zwar gut zum vorherrschenden Zeitgeist, aber ganz so einfach darf man es sich dann doch nicht machen. Um es mit der Sprache der Logik zu sagen:

    A: Nazis haben regelmäßig gegessen
    B: Person X isst regelmäßig
    C: Person X ist ein Nazi

    (A und B) impliziert im Allgemeinen NICHT C


    Ist es pauschal auch nicht.
     
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  4. LMG
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    LMG

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    Ums Dir mal deutlich zu sagen, Jörg: Hirnrissiger Quatsch.

    Die Nacht ist also Deiner Meinung nach ein Nazisymbol, und muss daher verachtet werden, verstehe ich das richtig ??

    Mütter abenfalls ?

    Irgendwelche Feuer ? Wo steht, dass es Sonnenwendfeuer sind ? "Erneuerungsmythen" und -denkweisen sind nicht nur altgermanisch. Und selbst wenn: Na und ? Waren die Druiden Nazis ? Als sie in Stonehenge herumgekraucht sind und beim Sonnenwendfest die Sonne genau durch die..ähh egal, denn an JEDEM sonnigen Tag kann man BELIEBIGE STRUKTUREN draußen entdecken, wo die Sonne "genau durchscheint "....

    Jörg, so ein Unsinn.. mein Gott. So langsam denke ich, Du bist irgendwie manisch vorbelastet.
     
  5. jk82
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    jk82 Guest

    Kannst Du nicht lesen? Ich habe doch geschrieben, dass die Symbolik des Liedes erst mal unverdächtig daherkommt. Der Versuch, die christliche Bedeutung des Weihnachtsfestes durch nordische Mythologie zu ersetzen, ist zwar plump, aber in einer säkularen Gesellschaft zu tolerieren. Das große Problem ist die Rezeptionsgeschichte des Liedes. Ob Du es nun glaubst oder oder nicht – dieses Lied weckt bei den Opfern des Nazi-Regimes sehr schlechte Erinnerungen. Und wenn Du es wider besseren Wissens öffentlich singst, wirst Du Dir gefallen lassen müssen, dass man Deine Gesinnung hinterfragt.

    Grüße, Jörg
     
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  6. LMG
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    LMG

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    Dann wird man sich allerdings auch gefallen lassen müssen, dass ich darauf antworte. Hast Du doch gesehen, min Jong.

    LG, Olli :):):)
     
  7. Rheinkultur
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    Rheinkultur

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    Nun ja, auch "Tochter Zion" und "O du fröhliche" waren eigentlich mal keine Weihnachtslieder und "Alle Jahre wieder" war auf die Melodie von "Abend wird es wieder" einst populärer als in der heutigen Fassung. "Hohe Nacht der klaren Sterne" ist ebenso wie "Es geht eine helle Flöte" kein ausdrücklich "verbotenes" Lied - ich erinnere mich daran, es vor knapp vier Jahrzehnten im Kinderchor gesungen zu haben. Allerdings ist richtig, dass aus der Feder des Komponisten Hans Baumann (der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre) Liedgut stammt, das von den braunen Machthabern intensiv gepflegt wurde, darunter das berüchtigte "Es zittern die morschen Knochen", das allerdings wie viele Wandervogel-Gesänge ("Jenseits des Tales") vor 1933 entstand. Vor diesem Hintergrund ist natürlich Sensibilität geboten - aber will man zum Beispiel die Liszt'sche Tondichtung "Les Préludes" deshalb konsequent von den Spielplänen eliminieren, weil das Stück als "Sondermeldungs-Fanfare" im Deutschen Reichsrundfunk instrumentalisiert worden ist?

    Der erste Bundespräsident der noch jungen Bundesrepublik Deutschland hatte sich schon im Vorfeld seines Erlasses plausible Gedanken gemacht, wonach bei offiziellen Anlässen lediglich der Text der dritten Strophe zum Vortrag gelangen sollte. Verboten sind die vorausgehenden beiden Strophen nicht - und das besungene Deutschland des Hoffmann von Fallersleben war territorial, ideologisch und historisch ein anderes als im 20./21. Jahrhundert. Bis 1945 galt die Kopplung der ersten Strophe in Verbindung mit dem (verbotenen) Horst-Wessel-Lied als wichtige propagandistische Konstellation, von der man sich mit den Überlegungen des Bundespräsidenten Theodor Heuss abgrenzen wollte:
    http://www.bundesarchiv.de/cocoon/barch/k/k/k1952k/kap1_1/para2_6.html

    Aus dieser Quelle geht zugleich hervor, dass der Versuch als gescheitert angesehen wurde, eine neue Nationalhymne von Hermann Reutter (Musik) und Rudolf Alexander Schröder (Text) an die bisherige Stelle zu setzen.

    LG von Rheinkultur
     
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  8. jk82
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    jk82 Guest

    Les Préludes taugt als Vergleich nicht so recht, ebenso wie Wagners Opern. Ich denke, es ist ein Unterschied, ob eine Musik von den Nazis instrumentalisiert wurde (dagegen kann sich die Musik ja nicht wehren) oder ob sie von einem glühenden Nazi (und das war Hans Baumann) verfasst wurde.

    Das Lied ist nicht verboten, ein Vortrag hat damit keine rechtlichen Konsequenzen. Aber in heutige Liederbücher wird es – wenn überhaupt – nur mit kritischem Kommentar aufgenommen. Und wer das Lied trotzdem aufführt, der tut es entweder in Unkenntnis seiner Geschichte – oder aber in deren vollem Bewusstsein. Und in letzterem Fall darf man schon die Frage stellen, was für eine Gesinnung dahinter steht.

    Dass das Lied in rechten Kreisen inzwischen wieder sehr populär ist, sieht man an den Kommentaren bei Youtube – die dort reichlich zu findende Blut- und Boden-Ideologie ist einfach unerträglich. Auch deshalb ist meiner Meinung nach ein "unschuldiger" Vortrag des Liedes heute nicht mehr möglich.

    Grüße, Jörg
     
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  9. Peter
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    Peter Bechsteinfan

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    Gerade das sollte man aber ganz sicher nicht als Anlass dafür nehmen, ein Lied zu indexieren. Was machst Du, wenn die rechten Kreise auf einmal Mozart für sich entdecken?
    Politisch harmlose Musik in rechte oder linke Ecken zu drängen (und auf Grund dessen zu meiden), halte ich für genau so frevelhaft wie sie links oder rechts zu missbrauchen. In beiden Fällen wird sie politisch instrumentalisiert.
     
  10. jk82
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    jk82 Guest

    Das ist im Grunde richtig. Nur war "Hohe Nacht der klaren Sterne" eben noch nie politisch harmlos. Es wurde von einem bekennenden Nazi geschrieben und die Absicht des Liedes war von Anfang an, christliche Symbolik durch die von den Nazis verherrlichten Mythen zu substituieren.

    Es ist definitiv etwas anderes als beispielsweise die Musik zu "Pink Panther", die von den Neonazis gerne missbraucht wird. Die lasse auch ich mir von denen nicht wegnehmen. Aber wenn Rechtsextreme "Hohe Nacht der klaren Sterne" singen, dann wächst nur zusammen, was schon immer zusammen gehörte.

    Grüße, Jörg
     
  11. Styx
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    Styx Guest

    Also bittschön...muß immer gleich die Nazikeule ausgepackt werden? :denken::denken::denken:

    Viele Grüße

    Styx
     
  12. Styx
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    Styx Guest

    Übrigens... wenn ich alle Komponisten nach ihrer politischen Einstellung beurteile - ja, was kann ich denn da noch hören? Keiner von denen allen hat die meinige :-D

    Viele Grüße

    Styx, der Liberalextremist
     
  13. LMG
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    LMG

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    Nein. :-D:-D Mich nicht. Denn meine Gesinnung ist sehr vielschichtig, Jörg. Ich beurteile Lieder nur dahingehend, ob sie mir a ) gefallen, oder b ) nicht gefallen.

    Und "Hohe Nacht der klaren Sterne" gefällt mir sehr, und außerdem gefällt mir sehr, das Bild, das evoziert wird. Man kann es selbst erleben, wenn man um Weihnachten oder Silvester in den eisigen klaren Sternenhimmel schaut, wissend, dass es Mächte gibt, die ...vorhanden sind...mich umfangen...zwischen jedem Gegenstand..selbst zwischen Dir und dem Schiff, LUUUUKE :-D:-D:-D:-D

    Es ist dieses "Geborgene", "Machtvolle", "Heimelige"..es ist faszinierend! Und dann die Feuer und die Mütter! Sie, die für das Fortbestehen der häuslichen Gemeinschaft sorgen, am Herdfeuer, für mich und meine Freunde...ähh..wo war ich ? achso, ja:

    Mit anderen Worten: Ich glaube nicht, dass Dir jemand Rechenschaft ablegen muss, was für Lieder er oder sie gern hört. Auch die Deutsche Hymne höre ich zum Beispiel gern. Und habe ein Klavierbuch ( frei käuflich für jeden, es ist ein riesiges Volksliederbuch, z.B. auch "Sabinchen war ein Frauenzimmer" ist darin ) , wo alle drei Strophen drin sind. Die mir übrigens alle gefallen.

    Dass die "eher Linken" sich so viel Zeit nehmen, harmlose Texte zu kürzen, halte ich für politischen Witzzz :-D
     
  14. Styx
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    Styx Guest

    Lmg, Linke? Wohl eher die Gutmenschlein. ..
    bzw.was sich dafür haelt.

    Viele Grüße

    Styx
     
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  15. Ambros_Langleb
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    Ambros_Langleb

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    "Ich steh an Deiner Krippen hier" , gesungen vom Windsbacher Knabenchor:

    (ab 1:20).

    Bachs Melodie gefällt mir wegen ihres chromatischen Schlußteils aber noch besser.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Dez. 2014
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  16. rolf
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    rolf

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    http://de.wikipedia.org/wiki/Hohe_Nacht_der_klaren_Sterne

    @Styx nix Nazikeule, ganz schlicht-banale Tante Wiki ;-)
     
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  17. 40er
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    40er

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  18. Styx
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  19. Ambros_Langleb
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    Ambros_Langleb

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    Beliebt zu meiner Schulzeit war es, auf die Melodie den Ulk-Text "Es ist ein Ross entsprungen, aus einem Pferdestall ...". Ein Klasskamerad von mir bekam deswegen einen "Direktoratsarrest", weil er nicht merkte, daß der Direktor während der Weihnachtsfeier hinter den letzten Bänken herumschlich. O tempora, o mores.
     
  20. lavendel
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    lavendel

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    Jaaaa, das ist auch mein absoluter Favorit. Witzigerweise war das früher auch der Favorit meiner Mutter, es wurde also unweigerlich unterm Weihnachtsbaum gespielt. Als Kind fand ich das ziemlich doof und hab garnicht verstanden, warum meine Mutter wiederum "Ihr Kinderlein kommet" belanglos fand, was ich sooooooo schön fand.

    Anscheinend kommt man irgendwann in das Alter, wo man seine Eltern versteht - und ihnen immer ähnlicher wird :denken::-D:blöd:.

    lavendel
     
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