Entkalken

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Henry, 6. Jan. 2017.

  1. Andre73
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    Andre73

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    Solche Stories hört jeder in seinem Umfeld.
    XYZ hat gelebt wie eine Wildsau und ist trotzdem erst mit 90 gestorben - oder ZYX hat gelebt wie ein Asket und ist trotzdem mit 50 umgekippt. Mitunter hört man sowas sogar mit einem gehässigen Beiklang.

    Dabei ist es völlig klar, dass es sich letztlich um Statistiken handelt...gemittelte Erfahrungswerte über die Gesundheits-Lebensläufe vieler Menschen und deren Lebensweisen.

    Die genetische Geburts-Würfelei ist immens wichtig, nicht nur ob man überhaupt ohne ersthafte genetisch bedingte Krankheiten auf die Welt kommt, sondern auch wie resistent man gegen Umwelteinflüsse ist, wie gut das Immunsystem ist etc. pp.

    Manche haben halt gute Gene, und werden trotz heftiger Raucherei und Völlerei 90 Jahre. Die sind aber nun wirklich statistische Ausreißer und eben nicht die Regel.

    Wer weiß ob die Frau aus dem Beispiel 76 geworden wäre (was bei weitem weniger schaffen als viele meinen), wenn sie nicht gesund gelebt hätte. Sie hatte halt keine guten Karten, Resistenz gegen Umwelteinflüsse oder Immunsystem haben sie halt im Stich gelassen und mit viel Raucherei und ohne Sport wäre sie evtl. schon mit 50 gestorben oder chronisch erkrankt. Keiner weiß es im konkreten Fall. Was man jedoch weiß ist, dass Rauchen Gefäße verängt und dass Raucher mit bezifferbar und nicht unwesentlichen Prozentzahlen öfter an gewissen Krankheiten erkranken als Nicht-Raucher. (Rauchen nur als Beispiel).

    Die Frage ist doch, ob man Nicht-Rauchen, Nicht-Fressen und Sport-Treiben als Einschränkung der Lebensqualität wahrnimmt.

    Wenn man permanent sich selbst ermahnen muss und fast wie ein Asket lebt, dann übertreibt man es sicher. Gesund und ohne Einschränkung leben - ab einem gewissen Mittelmaß bringt einem das kaum weitere statistische Vorteile und es kostet in der Tat Lebensqualität, dann mag man sich später Vorwürfe machen wenn man vorzeitig erkrankt.

    Wenn man jedoch meint, man sei in seiner Lebensqualität eingeschränkt, wenn man nicht jeden Tag mindestens eine Schachtel Zigaretten raucht, 3 Bier wegzieht und 3 Stunden vor der Glotze hängt, dann hat man in seinem Leben irgendetwas sehr falsch gemacht.


    Ich würde mir das gut überlegen. Man ist doch schnell Berufsunfähig oder an Rollstuhl gefesselt, wenn man die Warnungen und Empfehlungen nicht erst nimmt. Ob das dann noch irgendwas mit Lebensqualität zu tun hat - ich vermute mal nicht.
    Man muss glaub ich gar nicht alles ändern und plötzlich perfekt gesund leben. Ein gewisses Maß würde aber schon viel Zeitgewinn bringen.
     
  2. Häretiker
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    Häretiker

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    Lieber Henry!

    ----------

    Kurzversion:

    Nutze das 'sapiens' in 'homo sapiens'. Du bist ein Mensch, Du kannst Entscheidungen treffen.

    ----------

    Zulangversion:

    Vorab erst einmal: Ja, ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man was ändert in seinem Leben. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, derzeit versuche ich die Süßigkeiten nicht mehr zu essen.


    Das Problem:
    Menschen haben - als Individuum und als Gruppe - immer ein Problem mit schwachem Feedback.

    Wenn man 50% der Onlinebetrüger erwischen und bestrafen würde, so dass es sich nicht lohnt ist das ein starkes Feedback. Ist das Feedback schwach, man erwischt nur jeden zehntausendsten, wäre selnst die Todesstrafe ein schwaches Feedback. 'Trifft ja nur die anderen!'

    So ist das auch mit dem Rauchen. Ich kenne alleine in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis drei Leute, die an Lungekrebs erkrankt sind. Einer hat es mit 40% Restlunge überlebt. Das Problem auch hier: triufft ja nur die anderen.

    Kollektiv gesehen ist der Mensch auch nicht schlauer, siehe Klimaerwärmung. Die Folgen sind klar ersichtlich, aber es gibt genügend, die das abstreiten. Man müsste ja sein Leben ändern, Konsequenzen ziehen.

    Von Rentenpolitik ('Unsere Renten sins sischa!') oder Atompolitik (wenn ein Supergau statistisch alle 10.000 Jahre auftritt und wir haben 400 Atromkraftwerke weltweit, dann gibt es im Mittel alle 25 Jahre irgendwo einen Supergau. Kommt ja fast hin: Kyschtym (1957), Tschernobyl (1986), Fukushima (2011), wir liegen gut im Zeitplan!), aber es passiert irgendwann später, nicht hier, bei den anderen ...


    Kurz:
    - Der Mensch will seine angestammte Lebensweise nicht ändern.
    - Die subjektive Risikoeinschätzung **) beugt sich dem ('Mir wird schon nix passieren!') oder wird ignoriert ('Ja, eigentliuch ist es nicht gut, aber ...')

    Wir sollen als Menschen in der Lage sein, das verspricht das 'sapiens' in 'homo sapiens' *), die Lage zu erkennen und unsere Handlungen anzupassen. Das ist nicht leicht, aber es geht. Der Antrieb muss aber 'von innen' kommen, so habe ich auch mit dem Rauchen aufgehört. Der externe Druck (Kosten, Gesundheitsrisiko, ...) hilft nicht, den biegt man sich zurecht.

    Aber die meisten Leute, vor die Wahl gestellt,
    - entweder ihre Lebensweise umnzustellen
    - oder ejden Tag eine Pille, die seltene Nebenwirkungen hat (in 1 von 1000 Fällten wachsen einem Hühner auf dem Kopf)
    nehmen die Pille.


    Also:
    Mach Deinem 'sapiens' alle Ehre! Triff eine Entscheidung! ***) Sei schlauer als die anderen!
    Aber:
    Genieße das Leben!
    Und:
    Wenn der Zen-Meister eine Tür öffnet, dann ist er mit den Gedanken und dem Herzen dabei, eine Tür zu öffnen.


    Sorry für die lange Abschweifung, im Kopf rattern gerade so viele Tasks, die um diesen ganzen Lebenskomplex kreisen.

    ----------

    Viel Glück und viel Kraft und liebe Grüße
    Häretiker


    *)
    Jaja, ich weiß, einfach mal 1h Autobahn tagsüber, dann denkt man über den Aspekt 'sapiens' anders. :-)

    **)
    Subjektive Einschätzungen sind immer ... hm, subektiiv. Fast alle halten sich für einen überdurchnittlich guten Liebhaber oder Autofahrer. :-)

    ***)
    Das ist die Aussage von 'Clockwork Orange': Menschlich ist, Entscheidungen treffen zu können. Deswegen war die konditionierung des Protagonisten unmenschlich.
     
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  3. Destenay
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    Destenay

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    und das Ergebnis sollte man als Treibstoff benutzen können:idee::lol:
     
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  4. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Vielen Dank erst einmal für die vielen Antworten und auch die gutgemeinten Ratschläge "gesünder zu leben" - letzteres höre ich allerdings von etlichen Seiten und ist mir auch selbst klar. Daher frug ich ja nach Alternativen.

    Wenn mich jetzt jemand fragt "ich spiele gern laut und brutal auf meinem Klavier, aber es hält die Stimmung nicht?" könnte ich ihn natürlich empfehlen seinen Anschlag zu überdenken und zu ändern. Wenn er aber nun seinen Anschlag nicht ändern mag müssen Alternativen her, wie zum beispiel das eben so brutale stimmen wie der Anschlag des Pianisten ist.....gut, ist vielleicht ein blödes Bespiel, da Klaviere oft trotz argen Mißhandlungen weit über 100 Jahre alt werden. ;-)

    LG
    Henry
     
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  5. Bassplayer
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    Bassplayer

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    Lieber Henry,

    meiner Meinung nach gibt es auch nur die Möglichkeit, dass du Gefallen an Veränderungen in der Lebensführung (Ernährung, Bewegung, Stress, soziales Umfeld) findest, die die Erkrankung lindern oder nicht weiter verstärken oder veränderst nichts, akzeptierst die Erkrankung und nimmst ihren Verlauf hin. Fettgedruckt deshalb, weil wenn man mit Veränderungen nicht glücklich ist, sind sie auch für den Arsch!

    Ich wünsche dir alles Gute,
    LG
    BP
     
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  6. jauchzerle
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    jauchzerle

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    Die Alternative wäre vermutlich ein neuer Körper.
    Selbst wenn man an Reinkarnation glaubt ist das mit dem Ableben verbunden - und genau das versuchst Du hoffentlich zu vermeiden.
    Du kochst gern ... koch doch einfach mal was anders gern ;-)
    Das ist ne Challenge ;-) Nimm sie an.
     
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  7. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Irgendwie ned so recht ;-)

    Das höllische an den heutigen Untersuchungsmethoden ist ja daß man ohne diese garned gewußt hätt, was man so alles hat - man merkts ja ned :dizzy:

    @jauchzerle , danke übrigens für den Tip mit dem Knoblauch, des werd ich mal nächste Woche in Angriff nehmen und kochen.....ja, das mach ich schon gern, nur irgendjemand muß es ja dann auch essen :lol:

    LG
    Henry
     
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  8. FünfTon
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    FünfTon

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    Das glückliche Los des Kassenpatienten: Er weiß 2017 noch gar nicht, woran er schon 2016 verstorben ist. ;-)
     
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  9. Pianojayjay
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    Pianojayjay

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    Es müssen ja nicht die radikalen Veränderungen von heute auf morgen sein. Schränk das Rauchen und den Alkohol etwas ein, beweg dich etwas mehr, nimm die Treppen statt Aufzug, geh zu Fuß einkaufen (nein, nicht zur Tanke und Bier
    Holen), lass das Fast Food weg bzw
    Reduzier es. Schon dies kann zur Stabilisierung beitragen
     
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  10. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Des gefällt mir jetzt - wer mich kennt (so dachte ich jedenfalls) weiß daß ich weder Auto noch Aufzug habe :lol:

    LG
    Henry
     
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  11. Pianojayjay
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    Pianojayjay

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    Wie wäre es mit einem Heimtrainer?
     
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  12. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Falls es Dir entgangen ist - ich bin im Außendiesnt tätig, bei einigermaßen schönen Wetter (das momentane kann ich ned als solches bezeichnen) bin ich mit dem Radl unterwegs, ansonsten mit "Öffentlichen" und zu Fuß - ob es mir da an Bewegung mangelt, kann ich da so jetzt nicht einschätzen :-D

    LG
    Henry
     
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  13. Shigeru
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    Shigeru

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    Ich glaube nicht, dass man das nicht merkt. Man will es wahrscheinlich nicht merken. Es soll Leute geben, die schaffen mit 50 Jahren keine 100, 50 oder auch nur 20 km am Stück mit dem Fahrrad. Egal, ob sie rauchen oder nicht.

    Wenn man im Monat immer 100, 200 oder 300€ mehr ausgibt, als man einnimmt, kann man sich leicht ausrechnen, wie es in 30 Jahren ausschauen wird. Trotzdem gibt es Leute, die das machen. Ich kenne so einen Fall: Der Schwiegervater hat dann das Haus wieder von der Bank zurück gekauft, bevor er gestorben ist. (Das werden in diesem Fall dann eher so 2000-3000€/Monat mehr gewesen sein) Der Schwiegersohn musste nicht mal selbst für seine Dummheit bezahlen. Daraufhin hat er anschließend gleich noch einige Kunden um zigtausende €s betrogen und wurde zur Zurückzahlung in 50€ Monatsraten verurteilt.

    Beim eigenen Körper weiß man es auch, wenn man zB täglich 1-2 Schachteln raucht und dazu noch div. Sachen trinkt. Da hilft aber dann kein Schwiegervater mehr. Entweder man ändert etwas rigoros, hat Glück, oder eben nicht.

    Beispiele gibt es genug, sogar hier.
     
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  14. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Moanst?? Naja, wenn ich so nachdenke....gelegendlich leichte Rückenschmerzen kommen schon mal vor, die gehen aber wieder weg wenn mein Kloaner mir kräftig in den Rücken tritt....schon möglich daß beim treten dann der Kalk runterfallt :konfus:

    LG
    Henry
     
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  15. Pianojayjay
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    Pianojayjay

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    Es muss halt jeder für sich selber wissen. Es muss zum Beispiel auch jeder für sich selber entscheiden ob er zur Vorsorge geht. Mein Großvater wird jetzt 89, er hat wohl noch nie eine Praxis von innen gesehen und wird es auch nicht. Seit Jahrzehnten trinkt er jeden Abend ein oder zwei Bierchen... und wieviel Prozent der Männer gehen denn zur Vorsorge oder zum Check up?
     
  16. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Ich geh zur Nachsorge (upps, ist auch mal wieder überfällig) aber ned allzu gern. Die Sono macht mir nix aus, nur wo vor ich mich fürchterlich grause, ist Labor - ich weiß, man kann sich an alles gewöhnen, aber an die Nadel in meinen Adern hab ich mich nie so recht gewöhnen können :dizzy:

    LG
    Henry
     
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  17. raffaello
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    raffaello

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    Zwei Kollegen von mir sind vor zwei Jahren aus ähnlichen Gründen auf diese E-Zigaretten umgestiegen und fühlen sich angeblich seitdem deutlich besser. Vielleicht wäre das ja auch für dich ein denkbarer Kompromiss aus Risikominimierung und Lebensqualität.
     
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  18. Henry
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    Henry ehemals Alb/Styx

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    Die habe ich ja sogar, und verwende sie auch auf längeren Bus oder Bahnfahrten - aber es ist ned des selbe wie a guade Zigarette - es ist im Grunde genommen nur ein Notnagel ;-)

    LG
    Henry
     
  19. Moderato
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    Moderato

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    Wenn grundsätzliche Änderungen in den Gewohnheiten ratsam sind, verstehe ich die Schwierigkeit. Aber eine Einnahme von sonst verträglichen Medikamenten zur Blutverdünnung und gegen Bluthochdruck sollte man nicht mit "nicht mein Ding" abtun. Zumindes verringert das die Wahrscheinlichkeit eines Infarktes mit nachfolgender Pflegebedürftigkeit, was dann für alle "kein Ding" ist.
    Kann ja auch sein, daß die einfach zu befolgenden Ratschläge (Medikamente) der Ärzte die wirkungsvollsten sind.

    Gruß
    Manfred
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Jan. 2017
  20. Destenay
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    Destenay

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    die sollen ja auch gefährlich sein!:angst:
     
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