ED. Seiler Glockenflügel von 1926

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Mephisztoe

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Hallo ihr Lieben!

Heute hatte ich richtig Glück! Nachdem mein alter Ritmüller sich inzwischen in Richtung Möbelstück weiterentwickelt hat und Klavierstimmer und -bauer nicht einmal mehr bereit sind, sich gegen Geld das Instrument anzuschauen, hatte ich einen Suchfilter auf bekannten Plattformen eingerichtet und neulich sprang er an.

Wenige Infos.

Bis auf: ED. Seiler. "Ganz in Ordnung". Zwei Bilder. That's it. Und: Zu verschenken.

Ich bin heute aber direkt nach Absprache hin und es stellte sich heraus: Soweit ich es sagen kann, müsste es ein Seiler Glockenflügel von 1926 sein. Stimmstock in Ordnung, Stimmwirbel in Ordnung, Resonanzboden schaut gut aus, sogar die Hammerköpfe sind nur wenig abgenutzt. Drei Tasten hängen - der Kopf kommt nicht ganz hoch, aber diesem mechanischen Problem werde ich mich wohl noch annehmen können.

Optisch für das Alter ganz gut in Schuss und klanglich vollkommen okay. Warmer und zugleich klarer Klang.
Ich war überrascht, was für eine Power der Kurze mit seinen über-kreuz gespannten Saiten auf 145cm Länge hat.

Ich war kurz davor, die Klaviatur vor Ort herauszunehmen und mir das Innenleben noch genauer anzuschauen, habe mich aber dagegen entschieden.

Innerhalb der nächsten zwei Wochen darf der Flügel bei mir einziehen. <3

Der Ritmüller wird dafür allerdings weichen müssen und ich bin noch am Überlegen, was ich damit anstelle.
Als Instrument taugt er leider gar nicht mehr.

Was für Erfahrungen habt ihr mit solchen Fällen?

Ich neige dazu, die Klaviatur und Mechanik auszubauen und den Rest einem Recyclinghof zu überantworten... bitte nicht hauen... ich bin für Alternativvorschläge offen.
Ich hatte auch mal gesehen, dass jemand den Korpus eines Flügels in ein Regal umgewandelt hat. :)

Erst einmal freue ich mich auf den Seiler und darauf, ihn grundzureinigen... ;-)

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Ersteinmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Flügel. Glück muß man haben.👍Die Idee mit dem Regal finde ich richtig gut. Versuch es doch selbst, falls Dir das nichts ist oder der Platz fehlt, stell nur den Korpus auf eBay, erwähne die Idee mit dem Regal und Du bekommst vielleicht sogar noch Geld dafür.
 
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Weiterverschenken ist keine Option? Natürlich mit ehrlicher Beschreibung des Zustands.
 
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Es stellt sich übrigens heraus, dass, wenn man einen Flügel "zu verschenken" bei Kleinanzeigen reinstellt und dabei ausführlich erklärt, dass die Dämpfer nicht mehr optimal dämpfen, einige Saiten fehlen, die Stimmwirbel keinen vertrauenserweckenden Eindruck hinterlassen, der Flügel relativ schnell die Stimmung verliert und zudem sich noch eine der Rollen auflöst... ihn keiner haben will.

Die einzigen Anfragen, die ich bekomme, sind solche, die das alles nicht gelesen haben und auf nochmaligen Hinweis auf die Probleme sich nicht mehr melden. Komisch...

ABER:
Ich bin mit einer Schule hier in der Gegend im Gespräch. Die konnte ich davon überzeugen, dass die Klaviatur ein tolles Anschauungsobjekt für den Fachbereich Musik sein kann. :)

Bis dahin gilt: Der Trend geht zum Zweitflügel...

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Bei einer genauen Inspektion habe ich tatsächlich im Inneren einen passenden Klavierschlüssel mit Anhänger, auf dem extra steht: "Klavierschlüssel" zwischen den Tasten entdeckt und sogar ein digitales DOQAUS Hygrometer. Einem der Vorbesitzer muss der Flügel wichtig gewesen sein.

Die Mechanik muss auch irgendwann einmal aufbereitet worden sein. Das, was ich darin vorgefunden habe, ist definitiv keine 100 Jahre alt. Auch die Dämpferfilze nicht.

Leider ist ein Hammerkopf gebrochen und bei drei weiteren Tasten wirkt es auf mich als Laien so, als wäre die Repetierfeder falsch eingestellt: Sie zieht die Stoßzunge unter der Hammerrolle nicht wieder richtig zurück in die Ausgangsposition. Deshalb hängt der Hammerkopf und spielt die Saite nicht an.

Heißt für mich:
Ein Klavierbauer darf den einen Hammerstiel mit Kopf ersetzen, die Federn justieren und dann den Flügel stimmen...
Kommende Woche kommt jemand vorbei. ;-)
 
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Die Flügelform hab ich ja noch nie gesehen :D
 
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Und da ihn geschenkt niemand haben will lässt Du ihn jetzt nochmal stimmen ?
 
  • #11
Und da ihn geschenkt niemand haben will lässt Du ihn jetzt nochmal stimmen ?
Der Ritmüller kommt ja weg (der hintere) und nein, daher wird der auch nicht mehr gestimmt. Landet ja leider auf dem Recyclinghof. :( Immerhin geht die Klaviatur vermutlich an die Schule meiner Tochter... und wenn _die_ sie wider Erwarten doch nicht haben wollen, behalte ich sie. Aber ich kann hier auf Dauer keine zwei Flügel stehen lassen. 😅
 
  • #12
:idee: ich tippe eher auf feste Achsen
Das meinte der Klavierbauer, mit dem ich heute telefoniert habe, auch.
Auf dem Bild (so) leider nicht so gut zu erkennen: Bei der vorderen Taste federt halt die Stoßzunge nicht zurück in die Ausgangsposition. Und genau so verhalten sich insgesamt vier Tasten.

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  • #14
Der Klavierbauer, von dem ich sprach, war heute bei mir und hat sich den Patienten angeschaut. Ich dachte eigentlich, er würde sich mit mir gemeinsam nur einen Überblick verschaffen und dann besprechen, was getan werden könnte... tatsächlich hatte er aber direkt zwei große Koffer mit Werkzeug und Teilen dabei und hat sich direkt am Instrument zu schaffen gemacht. ;-)

Er hat sich dabei auch viel Zeit genommen und sich die Mühe gemacht, meine (vielen) Fragen (umfänglich) zu beantworten. Das und die Tatsache, dass ich mich halbwegs in seinem Vokabular auskannte und aufgrund dessen, dass ich mich viel mit der Thematik aus Neugier auseinandersetze, nicht so dramatisch weit weg von Augenhöhe mit ihm sprechen konnte, schien ihm Spaß gemacht zu haben.

Er hat mir auch diverse Tipps mitgegeben, was ich auch alles selbst umsetzen kann... und während dessen direkt den gebrochenen Hammerstiel ausgetauscht und den bestehenden Kopf draufgeleimt + alles eingestellt. Auch die Tasten, deren Hammer nicht richtig ausgelöst haben, hat er gleich mit bearbeitet. Es waren tatsächlich die Achsen im Hebeglied. Er hat sie einfach ausgetauscht... allein das ganze Spezialwerkzeug fand ich ehrlich gesagt beeindruckend...

Und was ich krass fand:
Ich hab natürlich auch gefragt, mit was für einem Aufwand (und damit verbunden: welchem Kostenrahmen) ich hinsichtlich einer Stimmung rechnen müsse. Daraufhin erklärte er mir, dass er den Flügel (so) erst einmal nicht stimmen könne - und zeigte mir auch warum. Bis vor kurzem dachte _ich_ bspw. dass es wichtig wäre, bei z.B. drei Saiten auf einer Taste dafür zu sorgen, dass diese "gleich schwingen". Tun sie das nicht, ergeben sich Verschiebungen, die sich wie ein wellenartiges Wummern anhören. Sobald ich eine der drei Saiten abdämpfe und dann eine der anderen auf die richtige Frequenz ziehe, kann ich hören und spüren, wie diese Wellen verschwinden. Mache ich das auch mit der dritten Saite, klingt der Ton im Anschluss "rein". Schön. Inzwischen habe ich auch etwas über Obertöne gelernt und wie diese sich auswirken, etc.... was ich aber nicht wusste: MANCHMAL bringt das alles nix, weil eine einzelne Saite bereits irgendwie falsch vor sich hinschwingt. Hat mir der Kollege heute demonstriert. Da war schon ein wellenartiges Schwingen klar zu hören, obwohl er zwei Saiten abgedämpft hat; nur eine Saite wurde angespielt. Und warum? Weil die Saite nicht fest auf dem Graphit vom Stegdoppel auflag. Er hat das dann mit einem Werkzeug und zwei beherzten Schlägen korrigiert und der Unterschied im Klag war überraschend deutlich wahrzunehmen.

In dem Kontext hatte er mir auch die Problematik mit Rissen im Resonanzboden erläutert - was mir (so) bis dato auch noch nicht ganz klar war. Der Termin hat wirklich Spaß gemacht und mir mal wieder gezeigt, wie viel Wissen Klavierbauer in sich tragen und in der Lage sind, auch bei sehr individuellen Problemstellungen individuelle Lösungen zu finden.

Ich habe wirklich Respekt vor diesem Beruf!
 
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  • #16
. Und warum? Weil die Saite nicht fest auf dem Graphit vom Stegdoppel auflag.
Das kann EIN Grund sein. Ein anderer, dass der Stegstift etwas locker ist. Und dann gibt's noch andere Gründe, die ich aber leider nicht kenne. Ein Mysterium.

Warum z.b sind solche Eigenschwebungen (so heißen die offiziell) hauptsächlich bei der linken Saite im Diskant bei Klavieren zu finden? Konnte mir noch keiner überzeugend erklären, so dass ich es verstanden hätte
 
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  • #17
Von der Dreiergruppe eines Chors jeweils die linke Saite, oder wie meinst du das?
 
  • #19
Ein reines Raten und Blaue: Könnten das die Saiten sein, bei denen ein Draht an zwei Tönen beteiligt ist und dann die Probleme jeweils am höher klingenden Teil entstehen? Bei Instrumenten mit Einzelaufhängung würde diese Ursache wegfallen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #20
Ein reines Raten und Blaue: Könnten das die Saiten sein, bei denen ein Draht an zwei Tönen beteiligt ist und dann die Probleme jeweils am höher klingenden Teil entstehen? Bei Instrumenten mit Einzelaufhängung würde diese Ursache wegfallen.
Das Problem dürfte es bei Bösendorfer dann nicht geben. Wäre eine Untersuchung wert.
 

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