Die Asservatenkammer des Kollateralschadens

Dieses Thema im Forum "Vorstellungsrunde" wurde erstellt von kollateralschaden, 16. Feb. 2018.

  1. kollateralschaden
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    kollateralschaden

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    Ahoi der werte Leser,

    im Normalfall stürze ich mich blindlings in die "Fluten" und erwecke dadurch die Botschaft fortan auch im Bächlein (Forum) herumzuplantschen. Da Musik und Klavier bis vor dem Jahre 2017 an mir aber nahezu gänzlich peripher vorbeigingen - quasi zwischen Wirbelsäule und Unterschenkel - nutze ich nun im Geiste und Wissen meiner mangelnden Fachkenntnis und reichlich vorhandener Wahrnehmungs- und Verarbeitungslücken, die Gunst der Möglichkeit, dem Leser mit eben jenen nicht vorhandenen Lücken kundzutun, dass er mich gefälligst und bitte belehren soll, mir aber doch bitte auch mit der nötigen Milde begegne. Also nein, ja.. Letztlich bin ich einfach nur unsicher und um meine Unsicherheit zu kaschieren löse ich meine Zunge und gebe folgendes preis:

    "Clair de Lune" von Debussy war wohl meine zweite bewusste Erfahrung mit Musik, die zuvor immer nur beiläufig resp. mit Fokus auf die textliche Ebene Bedeutung hatte. Zeitlich gesehen haben sich wohl meine zunehmende Gleichgültigkeit bezüglich der Texte und meine tiefe Erfahrung mit Debussy sinnbildlich getroffen wie die Atome im Cern-Teilchenbeschleuniger und brachten in ihrer Reaktion die Kerze Musik zum Leuchten.

    Nun ja, jedenfalls ergab es sich dann Anfang 2017, dass mir eine Freundin ihr Keyboard lieh. Ein Jahr später - also Januar 2018 - wurde es jetzt mein erstes Digitalpiano. Seit Anfang 2017 habe ich einen Onlineklavierlehrer, den ich zwar bislang als wirkliche Stütze und gute Einführung begriffen habe, der selbst aber eben wenig bis gar kein Feedback gibt. Was ein Grund war/ist, mich hier anzumelden.

    Neben dem dringend benötigten Feedback - wenn das Piano abgezahlt ist, will ich auch in die örtliche Musikschule gehen (was aber noch mind. 6 Monate dauert und €...) ist es vorallem auch der Drang über Musik und meine Erfahrungen zu reüssieren. Ja, reüssieren! Da ich in meinem Umfeld nicht das Glück habe Gleichgesinnte zu haben und die aufkommenden Wahrnehmungen und Gedanken unausgesprochen in mir versickern spüre resp. schizophren, nur im Selbstgespräch wertkosten kann. Desweiteren spüre ich wie fremd mir der Umgang mit dem Duktus der Musikliebhaber ist - im Grunde so, als würde man den Dialekt seiner (neuen) Heimatstadt nicht verstehen. Ich habe wenig bis keine Begriffe. Mein Niveau ist diesbezüglich also in jedem Falle der Kategorie Anfänger zuzuordnen. Interessiert bin ich quasi an 3 Bereichen: Boogie Woogie, ggf. irgendwann Jazz, sowie Klassisch und Improvisation, mit dem Wunsch irgendwann selbst komponieren zu können. Da das Klassische und das Improvisieren das Spielen meines Erachtens vollständig abdecken und Boogie Woogie mehr oder minder nur Schnittmengen mit dem Einen oder Anderen aufweist, konzentriere ich mich derzeit noch, nur auf diese beiden.

    Das erste Jahr habe ich Übungsstücke vom Onlinelehrer gespielt, Kinderlieder, Weihnachtslieder, Volkslieder, vereinfachte Formen von klassischen Stücken und improvisationstechnisch/melodisch viel mit Arpeggios gearbeitet:1-5-8, sämtliche Umkehrungen von C,F,G, zusammen mit Rhythmusschulung bis Achtel.
    Seit Anfang des Jahres nun mit "River flows in you" von Yiruma und "Comptine d'un autre été" von Yann Tiersen. Ersteres versuche ich bald Online zu stellen. Rhythmisch gesehen sind die beiden Titel für mich sehr interessant, da sie hauptsächlich/nur aus einfachen 16tel bestehen und so m.E. als Übungsstücke zum Übergang von 8tel zu 16tel angesehen/benutzt werden können - an den ich mich nun wagen will. Spielerisch fühle ich mich mit 8tel bis zu 100bpm sicher, bei 120bpm arbeite ich gerade (Improvisieren mit halben Noten links und rechts frei) - was vmtl. auch geeignet für die Erlernung der 16tel ist, mit 60bpm.

    Ja, rhythmisch spüre ich bislang die größte Veränderung. Ich spüre die einzelnen Rhythmen und höre/spüre zumindest in meinen eigenen Aufnahmen die rhythmischen Muster heraus, für mich etwas Neues. Gehörbildungstechnisch arbeite ich gerade daran die einzelnen Felder wie Rhythmik, Harmonie und Melodie für das Ohr zu trennen und ihr Zusammenspiel zu entdecken, insbesondere konzentriere ich mich darauf die linke und rechte Hand klar unterscheiden und dadurch dann auch die rhythmischen Feinheiten ableiten zu können, also z.B. verzögerte Startzeitpunkte der Melodie. Was mir leider extreme Probleme bereitet sind die Tonhöhen rauszuhören und melodische Strukturen ins Gedächtnis zu rufen - was (vielleicht auch grade nicht) äußert paradox ist, da ich (visuell) ein ausgesprochen gutes Gedächtnis habe. Im Grunde eine Bestätigung dessen, was ich lange schon unbetitelt in mir wahrnehmen konnte; Vokabellernen ging immer nur über das Visuelle, marginal über gleichklingende, bereits bekannte Worte. Mir gefällt diese gesamte Art der Wahrnehmungserfahrung, die ich so isoliert und zentral noch nie erfahren habe - das Zerteilen der Dinge, um bewusst das Wirken der Dinge aufeinander wahrnehmen zu können. Ähnliches findet im Grunde ja auch in der Malerei statt, Stichwort Perspektive.. etc.. Und dann ist da noch die eigentliche Schönheit, die ich im Fachbereich Musik zum ersten Mal eben bei besagtem Debussy und "Clair de Lune" vernahm: In meinem Fall das Umwandeln der Musik in Bilder und abstrakte Formen, vergleichbar wie auf einer DVD der Film mit dem Laser Bilder hervorbringt, so sind in der Zeitlinie der Klänge die Bilder gespeichert und haben ihre eigene Bedeutung, ihre Eigenheit Sprache, ihre Verwurzelung in Analogie, Besonderheit, Geistigkeit.

    Nun ja, im Grunde sind in dieser Vorstellung nun alle irgendwie vorhandenen Gedanken zumindest abstrakt und als Überschrift enthalten, wodurch sie eigentlich eine Speicherung des Ist-Zustands darstellt. Mein Bedürfnis Musik als Sprache und Wahrnehmungsfeld zu erforschen ist gleichermaßen vorhanden als die praktische Seite Klavier und Musik zu lernen - insofern, da ich aus dem Off schon wieder die Länge meines Textes mit einem verächtlichen Schnauben konnotiert sehe...

    Ahoi
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Feb. 2018
  2. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Zu Recht. Schreiben von schönen langen Texten ist auch nicht jedermanns Sache.

    Nichtsdestotrotz: Willkommen. :-)
     
  3. Barratt
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    Barratt Lernend Mod

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    [​IMG] Beeindruckende Visitenkarte. Willkommen an Bord!
     
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  4. reymund
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    reymund

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    Nach dem zweiten Absatz hab ich aufgehört zu lesen. Zu lang für ein Forum.
     
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  5. ann
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    ann

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    Ich finde es wunderbar .Wenn du nur halb so leidenhaftlich spielst , so ,wie du mit Worten umgehst ...mache ich mir keine Sorgen ;-)
    Willkommen !
    Ann
     
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  6. fisherman
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    fisherman

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    Nicht zu lang für ein Forum. Zu lang für @reymund :super:

    Willkommen.
     
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  7. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Auch für mich. :zunge:

    Es gibt nur ne Hand voll (wenn überhaupt) in diesem Forum, die es drauf haben, lange wortgewandte Texte so zu schreiben, dass man sie flüssig und mit Spaß lesen kann.

    Das da oben (sorry!!!!!!!!!) ist einfach nur Geschwurbsel.
     
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  8. ann
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    ann

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    Mensch Peter !
    Man merkt dass du schon lange hier bist ,wurde auch die Leidenschaft schon durchgewurstelt.


    Der Text ist voller Witz und Erstaunen über eine neue Entdeckung ,voll Liebe ,Elan und Leidenschaft ,er hat Puls , ist wunderbar lebendig ,so klingt MUSIK ...darum geht es doch hier
    Ann
     
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  9. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Gut möglich. :-D

    Evtl. habe ich heute aber auch nur meinen Meckertag. Mal sehen wie es morgen ist. :-)

    Ich hätte ja auch gar nix gesagt wenn der Autor nicht so klar meine Gedanken gelesen hätte.
     
  10. thomas 1966
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    thomas 1966

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    Aha.
    Willkommen, hier.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Feb. 2018
  11. Klavirus
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    Klavirus

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    Liegt evtl. nur an der Überdosis. So geht's mir mit Abschwebs Bildern auch.
     
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  12. alibiphysiker
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    alibiphysiker

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    *kleinlaut* Ja, ich hab mich beim Lesen dieses Textes auch unwillkuerlich an einen winzigen und von oben bis unten vollgestopften, etwas ramschigen Antiquitaetenladen erinnert gefuehlt.

    Dennoch: Mir ist klar was du ausdruecken willst, und dieser Kern ist wunderbar. Darum: Herzlich willkommen!
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Feb. 2018
  13. fisherman
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    fisherman

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    Nun, Peter, auch ich finde ihn nicht gerade amüsant und knackig lesbar, aber Du bist sonst schon höflicher...


    Ne, liegt am der spürbaren Bemühung und der Absenz von Rhythmus. Man darf, soll, kann durchaus lange Sätze schreiben, wenn danach auch wieder knackig-kurze kommen. Text ist wie Musik: " Ta ta ta taaaaaaaah, ta taaaaaaaaah!"
     
  14. Klavirus
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    Klavirus

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    Alles tataaa nützt Dir aber nichts, wenn's am Inhalt mangelt....

    Ich fand es amüsant, willkommen noch!!
     
  15. fisherman
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    fisherman

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  16. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Stimmt. Wie war das? "nett ist die kleine Schwester von scheisse"? :lol:

    Ich habe ja bereits beim Schreiben um Entschuldigung gebeten, mit extra vielen Ausrufezeichen, wollte aber auch ehrlich bleiben. Klar, hätte auch einfach gar nix schreiben brauchen. Aber Ignoranz finde ich noch schlimmer, denn es wurde sich ja auf jeden Fall Mühe gegeben und zumindest die wollte ich anerkennen (wenn auch in Form von "unhöflicher Ehrlichkeit").
     
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  17. fisherman
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    fisherman

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    Hättest ja sagen können: "Nette Vorstellung" :-D:teufel:
     
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  18. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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  19. Klavirus
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    Klavirus

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  20. reymund
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    reymund

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    Das ist also " Lyrik" ? wieder was gelernt :teufel: