Der "Puls" in Musik und Klavierspiel

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Dreiklang

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Hallo liebe Foris,

neulich fiel in einem Faden der Begriff "Puls in der Musik". "Puls" hat etwas mit dem Tempo zu tun, in dem man musiziert - ist aber sehr viel mehr als das.

Unter anderem kann ihn keine Maschine, sondern nur der Mensch selbst in seiner Musikalität erzeugen.

Spielt man ein "Adagio"-notiertes Stück, dann ist dieser Puls eher langsam, bei einem "Vivace"-notierten Stück, ist er entsprechend schneller.

Ich wollte einmal eine Diskussion über diesen nicht uninteressanten Begriff starten. Was ist für euch der "Puls"?

Wie entsteht er, wie fühlt man ihn? "Fühlt" oder spürt ihr ihn, beim Musizieren? Fühlt oder spürt man ihn aus gespielter Musik heraus?

Viele Grüße
Dreiklang
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Fühlt oder spürt man ihn aus gespielter Musik heraus?
So geht es zumindest mir. Beim Improvisieren suche ich oft den Puls. Ich fange bewusst völlig unmetrisch an und warte einfach auf den Puls. Und es stellt sich jedesmal ein anderer ein. Wenn ich in einem bestimmten Tempo anfangen will, höre ich gedanklich vor, um den Puls zu spüren.

Sehr schwer tue ich mich mit langsamen Sachen wie z.B. 1. Satz Mondschein. Da wird der gefühlte Puls immer schneller und ich muss eigentlich entgegen meinem Gefühl ständig auf die Bremse treten. Gleiches gilt für schnelle kurze schwierige Phrasen ... da bekomme ich immer einen Impuls, der mich schneller werden lässt.

Kürzlich habe ich einen Meisterkurs auf YT gesehen (wenn ich mich richtig erinnere, ging es um Jazz), da lehrte der Lehrer das Timing an Hand der Schwebungen (bei genauem Hinhören konnte man das sogar mit dem miesen Klang eines YT-Videos nachvollziehen). Er spielt Stücke auf unterschiedlichen Flügeln/Stimmungen auch unterschiedlich schnell. Diesen Ansatz fand ich auch sehr interessant.
 
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rolf

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merkwürdige Noten: einerseits Drei-Achtel-Takt, andererseits durchnummerierte Takte... nicht dass sich beim anschauen von sowas der Puls erhöht...
:D:D:D
 

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cwtoons

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Unter "Puls der Musik" kann man sich alles und jedes, auf jeden Fall aber nix Genaues vorstellen, genauso wenig wie unter dem "Puls der Zeit", auch wenn der oft benutzt wird. Ich ziehe die Begriffe "Takt" und "Rhythmus" und noch "Beat, Groove, Swing" vor.

Den Puls fühlt mein Arzt.

CW
 
Tastenjunkie

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Von "Puls" spricht man, wenn in einem Musikstück der Rhythmus bzw. der "Fluss" beim Spielen oder beim Hören als stimmig, homogen, rund und natürlich empfunden wird. Genau so sollte der Herzschlag eines gesunden Herzens sich auch anfühlen, egal bei welchem Tempo (vorausgesetzt man hat keine Rhythmusstörungen).

"Puls" ist das was die Rhythmik oder der "Takt" idealerweise sein sollte, also ein Qualitätsmerkmal. Schlechten Puls gibt es nicht, er ist entweder da oder nicht und wenn er da ist, dann ist das gut.

Irgendjemand hat mal über den Jazz-Schlagzeuger Tony Williams gesagt: "Tony doesn't play time, he plays pulse." Für eine Schlagzeuger wohl das größtmögliche Kompliment...
 
N

nils1

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Ich habe ja lange in Bands Gitarre gespielt. Da gibts nen drummer, der gibt den Puls an.

Was ich nun beim Klavier spielen liebe, ist, eben keinen Puls zu haben. Ich weiß nicht, ob ich mich richtig ausdrücke. Natürlich spiele ich ein gewisses Tempo nach einem gewissen Beat/bpm.., ihr wisst schon.

Dennoch bleibe ich nicht zwingend einem Puls treu. Ich wechsele je nach Stimmung, Takt, Gefühl das Tempo, wie es mir behagt. Sogar innerhalb eines Taktes oder eines Fragments, spiele ich mit dem Tempo rum.

Keine Ahnung..., ich spiele immer so, wie ich es mag. Ich pfeif auf Tempo, Puls, Kontinuität. :-)
 
Tastenjunkie

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Natürlich spiele ich ein gewisses Tempo nach einem gewissen Beat/bpm.., ihr wisst schon.

Dennoch bleibe ich nicht zwingend einem Puls treu. Ich wechsele je nach Stimmung, Takt, Gefühl das Tempo...
Das muss sich nicht ausschließen, im Gegenteil. Das ist ja gerade das Besondere beim "Puls", dass er sich den Rahmenbedingungen flexibel und geschmeidig anpasst so dass keine "Brüche" entstehen. Dass Dein Herz beim Laufen schneller schlägt als im Schlaf "merkst" Du nicht, aber Du weißt es eben, wenn du mal nachfühlst hast.
 
Dreiklang

Dreiklang

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Hi Peter,

mir ebenfalls. Es ist keineswegs verkehrt, dem "Puls" in gespielter Musik nachzuspüren. Das, was Musiker "hineinlegen", kann man als Hörer auch "herausspüren". In der Klassik, im Jazz...

Sehr schwer tue ich mich mit langsamen Sachen wie z.B. 1. Satz Mondschein. Da wird der gefühlte Puls immer schneller und ich muss eigentlich entgegen meinem Gefühl ständig auf die Bremse treten.
Da "langsam" und "schnell" sehr relative Begriffe sind, könnte man allenfalls durch Hören Deines Spiels sagen, ob Geschwindigkeit bzw. Puls (in Verbindung mit der sonstigen Phrasierung) passend sind, oder eher nicht. Die Mondscheinsonate liebe ich auch - durch einen schön gespielten ersten Satz kann man sich bei mir Lorbeeren verdienen :);)

Gleiches gilt für schnelle kurze schwierige Phrasen ... da bekomme ich immer einen Impuls, der mich schneller werden lässt.
Möglicherweise ist das die "Angst" vor der schweren Passage. Aus "Angst" will man besonders schnell durchspielen, und diese Angst könnte auch aus einer technisch noch unzureichenden Bewältigung der Passage kommen (genau wissen tue ich es natürlich nicht), die es durch sorgfältige Arbeit daran zu beheben gilt.

Ich wechsele je nach Stimmung, Takt, Gefühl das Tempo, wie es mir behagt. Sogar innerhalb eines Taktes oder eines Fragments, spiele ich mit dem Tempo rum.
Das ist prinzipiell gut und richtig ;) Der Puls kann stark schwanken im Verlauf eines Stückes, er kann sogar fast zum Stillstand kommen, um dann wieder neu aufzuleben. Bereiche und Passagen eines Stückes können, müssen das aber nicht zwangsläufig, "lebendig" gedehnt und gestaucht, beschleunigt und verlangsamt werden. Ein solches "gekonntes" Spiel macht mit schöne Musik aus.

Echte

sind mit das schlimmste in gespielter Musik. Ein echter "Bruch", und ich höre mir ein Musikstück nicht weiter an. Es geht nicht um kunstvoll gesetzte Kontraste (z.B. eine langsame Passage, und plötzlich "explodiert" die Musik im Tempo), sondern darum, daß ein Musiker im Verlauf eines Stückes etwas macht, das "nicht dazu paßt", das sich nicht harmonisch in die Gestaltung der Musik einfügt, die voranging. Leider versagen da Worte, um das viel besser zu erklären.

Viele Grüße.
 
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