aus meinem Leben - in mehreren Kapiteln

Dieses Thema im Forum "Vorstellungsrunde" wurde erstellt von abschweb, 3. Apr. 2013.

  1. abschweb
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    abschweb

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    Kapitel 1
    1951 - 1969

    Angeblich soll ich früher gesungen als gesprochen haben.
    In meinem Elternhaus wurde viel Klassik gehört. Mit neun hab ich mich fürs Klaverspielen interessiert. Mein Vater fand Akkordeon billiger, damit konnte ich aber geschmacklich nichts anfangen. Mit neun durfte ich Geige beginnen, das war okay für mich, hatte ich doch so die Perspektive, im Schulorchester mitzuspielen. Mit 10 begann ich zu komponieren, meine Eltern schickten was von mir einem Musikprofessor. Der wolle mich sehen. Spielte seinen Studenten was aus meiner ersten (und einzigen!) Orchesterkomposition vor. Er überzeugte meine Eltern, ich müsse Klavierspielen lernen.
    Und das ist dann mein Hauptinstrument geworden. Später ging ich aufs musische Gymnasium, Internat (Lauingen / Donau). Klaviere gab es dort viele, aber fast durchweg in erbärmlichen Zustand. Ich hab mir einen Nachschlüssel für den Musiksaal und den dortigen Flügel besorgt und öfters heimlich Nachts gespielt, das hat keiner gemerkt.
    Das Komponieren ging über winzige Entwürfe nicht mehr hinaus. Die Schule habe ich vorzeitig abgebrochen. Damit war erstmal auch Chorsingen und Orchesterspiel vorbei.
    Ich begeisterte mich zunehmend für Rockmusik. Die Geige passte da für mich nicht rein, das Klavier schon. Mein Interesse für Klassik habe ich ohnehin nie verloren.
    Schwierigste Stücke bis dahin:
    Bach, Italienisches Konzert.
    Schubert, Impromptu Es-dur
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. Apr. 2013
  2. Wespennest 100
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    Wespennest 100 Guest

    Hallo abschweb,

    schön das Du hierher gefunden hast und nun bitte das nächste Kapitel............

    Gruß Ute
     
  3. abschweb
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    abschweb

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    Kapitel 2
    1970 - 1980

    Ich wollte weg von meinen Eltern, eigene Wege gehen.
    Ich war auch mitgerissen von der 68-er Aufbruchstimmung.
    Ich ging nach Berlin und tauchte dort unter. Meine Eltern erfuhren erst von meinem neuen Aufenthaltsort, als ich eine feste Wohnung und einen schlecht bezahlen Job hatte. Immerhin hab ich mich wieder so weit mit ihnen vertragen, dass sie mir ein Klavier besorgt haben. Ich habe wenig gespielt. Ich habe mich ein vielfaches mehr in der linken Szene engagiert, zwischenzeitlich eine Mechanikerausbildung, dann wieder viele Knochenjobs gemacht. Nebenbei habe ich ein bisschen an eigenen Fugen gebastelt. Ich hab relativ viel ohne Noten rumprobiert. Um 1980 herum hab ich mich mit Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger zu einer Rockband mit deutschen Texten zusammengetan, mein erstes Bühneninstrument war ein Fender Rhodes, dazu dann bald ein 2-stimmiger Synthesizer von Yamaha (CS 40M). Unser größter Auftritt war damals im Rahmen der Kampagne "Rock gegen rechts" im "Quartier Latin" vor etwa 600 Zuhörern. Da ich nun wieder mehr komponierte, hatte ich plötzlich Lust, mich an der Musikakademie im Fach Komposition zu bewerben. Das war eine Schnapsidee. Nie werde ich vergessen, wie mich 3 Professoren nach der schriftlchen Prüfung zwar mein Talent lobten, aber sich über mich ausschütteten vor Lachen, bis ich tränenüberströmt da stand. Sie hatten eine Komposition von mir sehen wollen. Das ist Popmusik, schrien sie.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 3. Apr. 2013
  4. fisherman
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    fisherman

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    es bleibt spannend ... mehr, bitte!
     
  5. cwtoons
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    cwtoons

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    In Köln?

    CW
     
  6. Pianeer137
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    Pianeer137

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    Liest sich spannend. Vor allem, dass du dich als Malocher an das Komponieren von Fugen herangewagt hast - Respekt!
    Popmusik - haben namhafte Komponisten wie Mozart, Haydn, Ravel (Bolero) - um nur einige zu kennen, sowas nicht auch komponiert?
    Was hast du mit der Band so für Musik gemacht? Wie hast du dich da einbringen können - viele Gitarristen gehen ja gerne auf Klangteppichen wandern :-)
    Ich freue mich darauf, bald mehr von dir zu lesen.
     
  7. abschweb
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    abschweb

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    Nein, in Berlin. Gibts glaub ich nicht mehr. War damals in der Potsdamer Str. südlich vom Landwehrkanal, gegenüber vom Tagesspiegel.

    Grüße
    Manfred
     
  8. Rudl
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    Rudl

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    70/80er, da war in Berlin Ton, Steine, Scherben und keine Macht für Niemand angesagt, und man lebte in riesigen Industrielofts. Wie geil war das. War damals auch gelegentlich dort.

    Rudl
     
  9. solartron
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    solartron

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  10. abschweb
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    Kapitel 3
    1981 - 1982

    Diese erste Band war ziemlich heterogen besetzt.
    Der Gitarrist und Sänger hatte einen Folk-Einschlag, der Bassist stand mehr auf erdigem Rock, war aber auch Freund ausgiebiger psychodelischer Sessions.
    Der Schlagzeuger liebte vertrackte Rhythmen, wie auch ich, uns beide hatten es die frühen Genesis angetan.
    Der Schlagzeuger hatte allerdings auch krause Ideen in Bezug auf die Bühnenshow, er dachte auch an Feuerwerkskörper, zum Glück haben wir das nicht gemacht.
    Die Band zerfiel sehr bald. Übrig blieben der Bassist und ich, wir hatten dann einen Übungsraum in einem großen Komplex von Übungsräumen unter einem Industriegebäude. Die Bands hatten untereinander einigen Kontakt, man hat sogar gelegentlich miteinander Musik gemacht, natürlich auch gesoffen und gekifft etc.,
    Sich auch gegenseitig über das Equipment beraten oder auch mal was geborgt. Es gab durchaus bekanntere Leute nebenan, Spliff, Nina Hagen, Annette Humpe (Ideal) und viele mehr sind mir persönlich begegnet. Ich hatte auch mein Klavier im Übungskeller und hab dort halbwegs gehaust, nachdem eine Beziehung in die Brüche gegangen ist. Der Bassist war regelmäßig da, eine ziemlich ausgeflippte Querflötistin, die auch durchaus Ian-Anderson-mäßig rocken konnte, ein Gitarrist, der es liebte, stundenlang zu improvisieren. Feste Stücke haben wir nicht entwickelt, aber viel dabei gelernt. Ich habe keyboardmäßig aufgerüstet. Bei mehreren Nachbarbands habe ich das Yamaha CP 70 kennengelernt, entschlossen, mich dafür von meinem Klavier zu trennen, was einfach nicht bühnentauglich ist.
    Als weiteren Synthesizer hatte ich bald einen Prophet 5 (5-stimmig, sehr fetter Sound). Dann hatte ich eine kleine Dachwohnung in einem verkommenen und fast leerstehendem Haus. Dorthin hab ich mich mit meiner Musik zurückgezogen, weil ich eigentlich doch lieber feste Stücke machen wollte. Und plötzlich bekomme ich einen Anruf von einer Band, die genau das macht und wo ich mich einbringen kann.
     
  11. solartron
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    solartron

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    Respekt! - Davon hat unsereins damals - als Schüler wohlgemerkt - nur träumen können. (~ 10 kDM ?)
     
  12. abschweb
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    Ja, hab mich geirrt, der war nur zweistimmig, Yamaha CS40M. Habs korrigiert.

    Grüße
    Manfred
     
  13. Peter
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    Peter Bechsteinfan Mod

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    Verdammt, warum schreibst Du in Kapiteln? Wird ja immer spannender. :)
     
  14. abschweb
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    Genau deswegen.
    Und natürlich auch, weil es mir so leichter fällt, mich in die jeweilige Zeit zu versenken, ohne den Druck, in einem Zug bis in die Gegenwart vorstoßen zu müssen.

    Grüße
    Manfred
     
  15. abschweb
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    Kapitel 4
    1983 - 1984

    Es begann eine sehr kreative Zeit. Der Vater des Gitarristen war Swing-Fan (er lud uns mal zu Benny Goodman ein), hatte eine kleine Fabrik im selben Häuserblock im hinteren Kreuzberg (SO 36), wo sie auch wohnten. Im Keller war der Übungsraum. Es war ein bisschen wie Großfamilie bzw. Hippie-Kommune. Wir waren ziemlich gleichmäßig an der Komposition der Stücke beteiligt. Es ist meine einzige Band, von der es noch Aufnahmen im Netz gibt (Symbiose | BeSonic), weil der Sänger sich später im Internetzeitalter darum gekümmert hat, die Sachen für die Nachwelt zu dokumentieren. Nach kleinen Auftritten in Berlin und Clausthal-Zellerfeld (wohin persönliche Kontakte bestanden), wagten wir uns an eine selbst organisierte Deutschland-Tour. Es waren alles kleine Häuser, Musikkneipen in der Größenordnung 100 Personen. Unterwegs waren wir in einem klapprigen Kleinbus mit Pferdeanhänger. Wir hatten viele Leerläufe zu überbrücken, verbrachten viel Zeit in freier Natur. Die Konzerte waren vor Ort großenteil schauderhaft organisiert, es kam teilweise frustrierend wenig Publikum. Bezahlung war üblicherweise 70/30, also keine garantierte Gage. Zurück in Berlin gab es bald einen Einbruch in den Übungskeller, dabei verschwanden unter anderem meine beiden Synthesizer. Zum Glück waren wir gut versichert, so konnte ich was Neues kaufen. Meine Wahl fiel auf den Rhodes Chroma (bis 16-stimmig), ich liebte besonders die schwere Holztastatur, die ausgeklügelte Dynamik und die guten Programmiermöglichkeiten. Technisch war es noch ein konventioneller Synthy mit Oszillator und Filter, er ließ sich extern mit einem Computer ansteuern, das war aber noch kurz vor der MIDI-Norm. Als der Bassist wegen Familienplanung aus Berlin wegzog, zerfiel die Band. Ich zog mch mit meinem Instrumentarium wieder nach Hause zurück.
     
  16. abschweb
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    Kapitel 5
    1985 -1986

    Die Freundschaft mit dem Bassisten aus Kapitel 3 hat ein Leben lang gehalten (er starb 2008 ). Wenn ich dringend Geld brauchte, hat er mir Computerjobs besorgt, er hatte die entsprechende Ausbildung, ich nicht, aber im damaligen Berlin fragten die Auftraggeber nur danach, ob du was hinkriegst oder nicht. Als er in Kalifornien war, besorgte er mir dort den Computer-Adapter für den Rhodes-Chroma, der benötigte einen Apple II, einen Nachbau davon lötete ich mir selbst zusammen. Und entwickelte auch einige Software darauf, um in Sekunden die gesamten Soundspeicher umzuprogrammieren. So hatte ich für jedes Stück alle 50 Soundspeicher zur Verfügung und konnte aus dem Vollen schöpfen.
    Mit ihm zusammen habe ich ein ganz neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen: Wir haben Drachenfliegen gelernt. Das hat uns voll begeistert. Ich hab sehr viel mehr Zeit darin investieren können als mein Freund. Ich habe kurz darauf auch mit Gleitschirmfliegen angefangen. Das hatte für mich auch die Konsequenz, dass ich endlich den Führerschein machen musste - den ich bisher in Westberlin gar nicht vermisst hatte. Aber nun nervte es, immer auf andere Leute angewiesen zu sein, um zum Fliegen zu fahren - das hieß damals ja immer 300 km durch die DDR.
    Auch Bandmäßig tat sich was. Mich rief unverhofft ein mir unbekannter Saxophonist an. Er hatte Aufnahmen mit mir und der Flötistin aus Kapitel 3 gehört - und beschlossen: den Mann brauche ich! Ich hörte mir die Sache an. Hier war klar: Hier komponiert nur einer, der Saxophonist. Aber mir gefielen die Sachen und so war ich dabei. Die Stücke waren gradliniger als die aus Kapitel 4, sehr tanzbar, aber das war inzwischen durchaus mein Geschmack. Spezialität war eine starke Bläsergruppe, die zwar stark fluktuierte, aber die Beziehungen des Saxophonisten in die Szene waren so gut, dass diese immer stand. Es gab eine starke Sängerin, die sich allerdings vom Saxophonisten stark bevormundet fühlte und mit Ausstieg drohte. Die Band hatte sogar einen Produzenten, der sie groß rausbringen wollte. Ein Studiotermin war schon gebucht. Wir gingen ins Studio und nahmen die Rhythmustracks auf. Dass am selben Tag die Sängerin ausgestiegen war, wurde vom Gruppenchef heruntergespielt, aber die Studioleute bekamen Panik. Die nächsten Tage wurden in hektischer Folge diverse Sängerinnen durchprobiert. Es war ein Desaster. Mit ein bisschen Blues-Singsang waren die Stücke nicht zu meistern. Es schaffte keine einen halbwegs akzeptablen Einstieg. Bis wir dann auf eine besondere Sängerin stießen - die war in jungen Jahren Schlagersängerin ("Tanja Berg") - inzwischen eher Jazz-Sängerin mit einer extrem wandelbaren Stimme. Die schaffte die Stücke auf Anhieb mit Bravour. Aber ihre Stimmlage war ein tiefer Alt - wir hätten die Stücke transponieren müssen. Das Studio und der Produzent waren nicht bereit, die Rhythmusgruppe neu aufzunehmen - das Projekt war gestorben. In der Folge auch recht bald die Band.
     
  17. klaviermacher
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    klaviermacher

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    Wie das Leben so spielt...

    Tragisch und zugleich sehr plastisch erzählst Du alles!

    LG
    Michael
     
  18. abschweb
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    abschweb

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    Kapitel 6
    1987 - 1994

    Nun war ich also wieder Heim-Tasten-Werker.
    Meine eigenen Stücke gingen nun so in Richtung Elektopop. Aus dem Chroma rausholen was geht.
    Das Teil ist so exotisch exklusiv, dass mich die Elektronikband "Tangerine Dream" anruft, um das Gerät kennenzulernen.
    Wir verbringen einen Nachmittag miteinander und experimentieren.

    Einschneidend für meinen musikalischen Werdegang war nun die Entdeckung der Musik des 20. Jahrhunderts.
    In meinen jungen Jahren bin ich nur bis Ravel gekommen, neuere Musik hat mir keiner nahegebracht.
    Aber nun entdecke ich die rhythmischen Exzesse des Sacre du Printemps.
    Und komme plötzlich auch mit Berg und Schönberg klar. Da ist so viel zu entdecken.
    Ligeti höre ich erstmals in "2001 - Odysee im Weltraum".

    Meine Fliegerei lässt mich an Berlin verzweifeln. Ich fahre oft zu meinen Eltern nach Bayern. Und plötzlich habe ich eine neue Berufsperspektive: Fluglehrer. Ich bekomme ein Jobangebot am Tegelberg bei Füssen und mache die entsprechende Ausbildung beim Hängegleiterverband. Ich kann zunächst beim Chef der Flugschule im Keller wohnen, da steht dann auch mein CP 70.

    Nach einem Jahr lerne ich eine Frau in Heidelberg kennen und ziehe mit ihr dort zusammen. Ein weiteres Jahr darauf versuche ich mich dort als Fluglehrer selbstständig zu machen. Ich kann mich nur mit miesesten Nebenjobs über Wasser halten. Klavier spiele ich regelmäßig, Synthesizer auch, aber der bekommt immer mehr Macken, bis er dann ganz den Geist aufgibt. Reparieren kann den keiner. Schade drum! Gerade als die Beziehung zerbrochen ist, meine Flugschule noch schlechter läuft, bekomme ich ein Fluglehrerangebot im Allgäu, wieder am Tegelberg - ich schlage zu!
     
  19. rolf
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    rolf

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    da musst du unbedingt Skrjabin hören, denn der liebte die Charakterbezeichnung volando (fliegend)
     
  20. abschweb
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    Kapitel 7
    1995 - 2001

    Ich war mit Leib und Seele Fluglehrer, Flieger sowieso, aber zum Ausgleich war mir die Musik lebenswichtig.
    Ich hatte Lust, eigene Klaviermusik zu schreiben. Ein Stück habe ich aus Kapitel 3 reaktiviert, hieß damals "Lied vom Leben", der Sänger hatte einen Text drauf gemacht. Ursprünglich entstand das Stück aus Freude uber den Einzug der "Alternativen Liste" (Vorläufer der Grünen) ins Berliner Landesparlament 1981.
    Jetzt bekam das Stück den Titel "Aufbruch". Ich schrieb weitere kleine Stücke, teilweise aus Improvisationen entwickelt. Nach einem Flugunfall hatte ich viel Zeit. Schon im Krankenhaus begann ich mit der Komposition einer 2-stimmigen, 12-tönigen Fuge ("kleine Fuge"), was mir riesen Spaß gemacht hat. Ich glaube aber nicht, dass es eine weitere Komposition in diese Richtung von mir geben wird. Entstanden ist damit letztlich der Zyklus "6 kleine Stücke" (Manfred Laudahn - Noten zum Herunterladen).
    Ich hatte Lust auf Größeres. Immer schon war ich fasziniert von der klassischen Sonatenform. Die braucht tonale Bezüge, sonst funktioniert sie nicht.
    Meine Tonalität ist sehr stark modal geprägt. Leittöne kommen fast nicht vor. Ich liebe schräge Jazz-Akkorde. Die Durchführung enthält eine Doppelfuge auf beide Themen der Exposition. Durchführung und Reprise sind wie bei Bruckner ineinander verschränkt. So, nun hatte ich auch eine Sonatenform geschrieben und damit abgehakt ("molto alato" = sehr beflügelt). Eine weitere von mir wird es wohl nicht geben.
    Meine Klaviersonate schrie nach weiteren Sätzen. Ein Scherzo ("presto esatto") war schnell geschrieben. Ein paar Fugatos, dazwischen eine Passage, die von Minimal Music inspiriert ist. Ein tänzerisches Trio, das nur mit wenigen Farbtupfern harmonisiert ist.
    Viel Zeit hab ich mir für das "lento sospeso" gelassen. Die inspirierende Idee zog ich aus dem Beginn des Horntrios von Ligeti. Es ist eine große Bogenform, zum Schluss hin werden die Themen rückwärts abgewickelt. Tonalität kommt hier nur am Rande vor.
    Auf das nun üblicherweise folgende schnelle Finale hatte ich dann keine Lust mehr. Es fehlt ja auch nichts. Und alle mich reizenden klassischen Formen habe ich erledigt - also reichts! (Manfred Laudahn - Noten zum Herunterladen).
    In dieser Zeit habe ich eigentlich nur meine eigenen Sachen gespielt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Apr. 2013