Auf der Suche nach einem Flügel

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Horsti

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Auf der Suche nach einem Flügel* habe ich in den letzten 3 Monaten viel Zeit investiert und habe mich dabei verloren.

Meine (ursprünglichen) Vorstellungen:

Eine bekannte Marke sollte es sein und die Flügellänge 200 bis 225 cm betragen.

Neue Flügel:

Meine Frau ist eine ausgezeichnete Pianistin. Sie hat die Gabe, einen Flügel* zum Singen zu bringen. Wir haben alle bekannten Marken, die so angeboten werden, durchgespielt. Ist es so, dass sich der Klang der Flügel* der unterschiedlichsten Hersteller kaum noch unterscheidet oder ist das nur unser persönlicher Eindruck? Wo sollen die Unterschiede auch herkommen? Alle haben sie eine Renner-Mechanik eingebaut und Hammerköpfe von Abel. Alle verwenden sie Gebirgsfichte für den Resonanzboden.
Die Preisgestaltung ist zudem nicht sehr verbraucherfreundlich und scheidet für uns aus.

Gebrauchte Flügel:

Da wird es richtig kompliziert. Bei den älteren Instrumenten hört man schon deutliche Klangunterschiede, geht aber auch ein erhebliches finanzielles Risiko ein. Einen Flügel* zu kaufen, um ihn hinterher restaurieren zu lassen, ist bei den sehr hohen Restaurierungskosten, die sicherlich gerechtfertigt sind, ein erhebliches finanzielles Risiko. Im Falle eines Verkaufes bekommt man die Kosten nicht mehr herein.

Restaurierte Flügel:

Es bleibt der Erwerb eines restaurierten Flügels. Das ist aber nicht weniger kompliziert, es sei denn, man kauft einen aus dem Fachhandel für 50.000 €. Die Ansichten darüber, was eine Restauration ist, gehen zudem weit auseinander. Man muss bei der Besichtigung unbedingt einen erfahrenen Klavierbaumeister dabei haben, damit der Kauf nicht zum Problem wird.

Fazit:

Wir haben uns nach den vielen Informationen in Limit von 20.000 € gesetzt. Dafür kann man ein tolles Instrument erhalten. Es müssen nicht immer die großen Namen sein. Sehr überrascht haben uns die Flügel* von Petrof, die immer irgendwie „unter dem Radarsegeln“ – nach unserer Meinung zu Unrecht.
 
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Schaut Euch doch mal den Feurich 218 an. Ja, aus China, aber sehr sehr gut konstruiert. Liegt neu innerhalb Eures Budgets und ist das Geld wert.
 
Ohh, das ist natürlich der Hammer. Den hatten wir nicht auf dem Plan. Wir werden auf Händlersuche gehen und ihn anspielen.
 

Ähnliche Kriterien wie bei mir damals, es wurde ein im Osten restaurierter 230er Blüthner von 1907, in den ich nochmal ca. 1k für die Intonation und kleine Anpassungen investiert habe. Seitdem erfüllt er meine Wünsche und Träume. Blüthner ist aber nicht jedermanns Sache.

Flügel sind Individuen, auch neue. Du wirst nicht drum herumkommen, genau das richtige Instrument durch Anspielen und Ausprobieren zu finden und dabei eventuell auch einen Kompromiss einzugehen, zum Beispiel hinsichtlich Marke oder Farbe. In dieser Größe findest Du für 20k nur neue Instrumente aus Fernost oder ältere aus Vorbesitz. Und Du brauchst auf jeden Fall jemanden, der das Instrument bei Dir vor Ort betreuen wird. Sprich doch mal mit einem örtlichen Klavierbauer - diese haben oft auch Instrumente im Blick, die noch gar nicht zum Verkauf stehen, weil sie noch im Vorbesitz sind.
 
Meine Frau ist eine ausgezeichnete Pianistin. Sie hat die Gabe, einen Flügel zum Singen zu bringen. Wir haben alle bekannten Marken, die so angeboten werden, durchgespielt. Ist es so, dass sich der Klang der Flügel der unterschiedlichsten Hersteller kaum noch unterscheidet oder ist das nur unser persönlicher Eindruck? Wo sollen die Unterschiede auch herkommen? Alle haben sie eine Renner-Mechanik eingebaut und Hammerköpfe von Abel. Alle verwenden sie Gebirgsfichte für den Resonanzboden.
Die Preisgestaltung ist zudem nicht sehr verbraucherfreundlich und scheidet für uns aus.
Seltsam ... ich habe hier 50 neue Flügel stehen und alle klingen und spielen unterschiedlich.
 
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Seltsam ist nur, dass da jemand kaum einen Unterschied hört oder spürt.
 
  • #11
Also wir haben das gemacht wie bei einer Blindverkostung: ohne dass ich den Hersteller oder jeweiligen Preis wusste, einfach mal drauflosgespielt auf allen ausgestellten Flügeln des jeweiligen Händlers. Entsprechende Schilder oder Schriftzüge wurden währenddessen abgedeckt. Es zeigte sich sehr schnell, dass tatsächlich immer die selben zwei Hersteller in die engere Auswahl kamen. Nach diesen haben wir dann ausdrücklich Ausschau gehalten und dann auch einen Treffer gelandet.
 
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  • #12
Da scheint käuferseitig noch etwas Nachreifung notwendig. ...

Was er nicht sagte, wenn seine Frau ...die exzellente Pianistin sei, ob auch sie keine Unterschiede höre.
Hören ist - wie jedweder qualifizierte Umgang mit seinen Sinnen - eine Trainings- und Erfahrungssache.

"Gebirgsfichte" fiel mir noch auf. Auch ein wenig unspezifisch. Denn da gibt es mehrere Sorten. In Europa wird stets die Legende von den Fichtenhölzern aus dem Fleimstal oder Val di Fiemme herumerzählt. Aus denen angeblich schon die Cremonenser Geigenbauer ihre Violinen verfertigt hätten - was ich weiß, dass das zu Teilen anders war. Aber es gibt auch andere Hölzer. Wenn man sich mal einen alten US-Flügel anhört, der lange Jahrzehnte in Europa war und dieserhalb noch sein originales Klangholz behalten hat, dann wird man auch da unterschiede hören, egal ob das ein Steinway sei, ein Weber, ein Chickering oder ein Mason & Hamlin. Die haben dann - wenn vor ca. 1915 gefertigt - einen Klangboden aus der hellen Appalachen-Fichte. Ein nicht mehr wiederbeschaffbares Material, da die klanglich brauchbaren Bestände damals abgeholzt waren.

Der 217er Feurich / Hailun ist ein interessanter Geselle. Gleiches Format, vielleicht mit noch etwas breiterer Ausführung, ist bei Pianova unter dem Namen "Fenner" aus EU-Fertigung zu haben. Bau in Polen, Feintuning in Norddeutschland. Ggfs. schöne Grüße an Meister Michael Sund in Großefehn. Wo man auf seinem Klavierhaltigen Reiterhof "in the middle of Nowhere" auch prima einen Kurzurlaub machen kann, mit guten Ausflügen drumherum.

Vielleicht auch ist aus den Beständen "Grotrian" (m.W. in Abwicklung) etwas Interessantes dabei - ich habe bei meinem Besuch vor ca. 8 Jahren gerade die Semikonzerter als sehr schön befunden. Da könnte lohnen, in der Händlerschaft ein wenig herumzufragen, obschon ich mir zu "Grotrian" & neu noch nicht so recht vorstellen kann, dass da ein Budget von 20 ausreiche.
 
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  • #13
Ich habe einmal auf einem Steingräber mit Kohlefaserboden gespielt, der klang auch sehr gut und war eindeutig als Steingräber identifizierbar.
 
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  • #14
Grundsätzlich kann ich deiner Analyse ein Stück weit folgen.

Als Selbst-nicht-Klavierspieler ist es schwieriger, die Unterschiede festzumachen. Aber es gibt sie definitiv. Und ja, nicht alle Instrumente unterscheiden sich deutlich.

Also rate ich als ebensolcher Selbst-nicht-Klavierspieler sich weiter mit dem Angebot auseinandersetzen und die Eindrücke der Pianistin abfragen, die Reaktion auf das Instrument beobachten, am besten mit Notizen ein wenig dokumentieren.

Wie so oft ist die Vorfreude die schönste, ungetrübteste Freude. Insofern kann man die Suche nach dem Instrument auch als spannende Reise und nicht zwingend als verunsichernde Abenteuer erleben.

Wichtig ist am Ende ausschließlich die Freude der Klavierspielerin — nur dann wirst du das Instrument auch langfristig selber oft klingen hören!
 
  • #15
Zum Antworten gehört auch, dass man den Text liest. An keiner Stelle habe ich geschrieben, dass es keine Unterschiede mehr gibt. Geschrieben steht: Kaum noch unterschiede bei den neuen vergleichbaren Flügeln. Wenn man sich von großen Namen leiten lässt, mag das subjektiv anders sein.
 
  • #16
Naja, bis 20.000,- Neupreis dürften die Unterschiede tatsächlich überschaubar sein.
 
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  • #18
Wenn ihr auch gebrauchte Flügel in Erwägung zieht, werdet ihr in dem Budgetrahmen auf jeden Fall was finden.gerade bei den älteren Instrumenten sind die Unterschiede im Klangcharakter immens. Ich selbst bin mit ähnlichen Vorstellungen 2025 auf die Suche gegangen. Bin dann auf einen in den 80ern generalüberholten Schiedmayer A-Flügel aus ca 1910 gestossen, der seitdem kaum benutzt wurde, da er mit den klimatischen Bedingungen in der Konzerthalle nicht zurecht kam. Klang bei der Besichtigung wie ein Kneipenklavier. Deshalb gümstig. Aber: Stimmstock OK (in 80ern erneuert), Resoreparatur noch rissfrei. Ich hab das Teil auf Risiko gekauft.
Der KBM meines Vertrauens hat gestimmt und ein bisserl an der Dämpfung gearbeitet, Stimmung steht seit September auf 441 einwandfrei - aber auch bei stabiler Luftfeuchte. Dieses Jahr wird noch die Mechanik nachreguliert.
Ich liebe den Klang, sitze wieder fast jeden Tag an dem Tasten und bin total happy. Wünsch euch, dass ihr auch so einen Glücksgriff macht.
 

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  • #19
Zum Antworten gehört auch, dass man den Text liest. An keiner Stelle habe ich geschrieben, dass es keine Unterschiede mehr gibt. Geschrieben steht: Kaum noch unterschiede bei den neuen vergleichbaren Flügeln.
Auch das finde ich erstaunlich bzw. nicht nachvollziehbar.
 
  • #20
Kaum noch unterschiede bei den neuen vergleichbaren Flügeln.

Nichtmal jedes baugleiche Instrument eines Herstellers ist von Klang und Spielgefühl her identisch. Ich habe es in Wien erlebt, als ich bei Bösendorfer vier neue Flügel der gleichen Modellreihe angespielt habe. Jeder dieser Flügel war ein Individuum, jeder hat sich anders gespielt. Einen habe ich als widerbostig wahrgenommen, als wollte er mich von den Tasten vertreiben.
 
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