Andere Zeiten, andere Preise

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Heute habe ich ein Roth & Junius Klavier von 1926 gestimmt. Das wurde 1942 von Schutt und Kalk gereinigt. Nachdem es durch Fremdeinwirkung verschmutzt wurde. Das klingt so, als hätte es 1942 einen Bombenangriff überlebt. An der Mechanik wurde auch noch was gemacht und die wurde reguliert und nach zweimaligem Vorstimmen auf 440 Hz gestimmt. Das Ganze für nur 70 Reichsmark!

1988 dann hat der Kollege Haverkamp die Hämmer neu befilzt und ebenfalls Achsen getauscht und Mechanik reguliert. Dann aber schon für 1.373 DM. Ein Stundenlohn von 45 Mark. Tja, andere Zeiten. Und dann auch nur 14 % MWST.

Piano Schmitz in Essen wurde übrigens 1928 eröffnet und hat dieses Jahr leider dauerhaft geschlossen. Die wurden ebenso wie viele andere in der Branche Opfer der momentanen wirtschaftlichen Schwäche. Traurig, wenn man überlegt welch andere Krisen die bisher überlebt haben.

Horst Haverkamp gibt es ebenfalls nicht mehr. Der ist leider 2017 im Alter von nur 57 Jahren verstorben

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Haverkamp.webp
 
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Ich lese Feindeinwirkung auf der Rechnung. Aber gut, dass das Klavier das überhaupt überstanden hat!

1982 kostete übrigens die Generalüberholung meines Klaviers inkl. neuer Stimmwirbel und Saiten und div. Kleinigkeiten 3.350 DM netto.

1988 haben wir für neue Hammerfilze und Intonation und weitere kleine Arbeiten 1.800 DM bezahlt.
 
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Das Ruhrgebiet und insbesondere Essen wurde ab 1942 massiv von der Royal Air Force angegriffen und man gehörte sicherlich zu den Glücklichen, wenn das Klavier Ende 1942 wenigstens noch repariert werden konnte. Tolles Dokument als Zeuge dieser schrecklichen Zeit.
 
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In dem Klavier meiner Mutter in Hamburg, auf dem ich mit dem Spielen angefangen habe, waren auch noch Bombensplitter. Das Klavier wurde aber nie irgendwie bearbeitet. Fall es mal gestimmt wurde, war es wohl während ich in der Schule war. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Die Mechanik hätte auch mal eine Wartung gebraucht. Aber es war Mitte der 50er, als meine Eltern vielleicht andere Dinge für wichtiger hielten. Ich bin heute dankbar, daß sie mich jede Woche für eine Stunde mit 20 DM/Monat zum Klavierunterricht schickten.
 
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Das Ruhrgebiet und insbesondere Essen wurde ab 1942 massiv von der Royal Air Force angegriffen und man gehörte sicherlich zu den Glücklichen, wenn das Klavier Ende 1942 wenigstens noch repariert werden konnte. Tolles Dokument als Zeuge dieser schrecklichen Zeit.
OT: Mein Vater und meine Oma sind 2-mal in Essen ausgebombt worden, davon einmal viele Stunden verschüttet. Mit diesem Wissen verstehe ich einige Dinge und Verhaltensweisen meines Vaters heutzutage viel besser als noch zu seinen Lebzeiten. Ich muss da oft dran denken, wenn ich die Bilder aus den aktuellen Kriegsgebieten sehe und sehe die "Aufreger" bei uns deutlich gelassener.
 
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Aber wieso ist die Rechnung vom 7. 12. 42 am 7. 12. 49 quittiert? :konfus: ?
 
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