Ad nauseam SteinWAS ... - Robert Estrin, Inhaber von LivingPianos ...

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  • #41
Von Steinway* offiziell autorisiert, nehme ich an.

Bei Weschenfelder ist zu lesen:

"Als traditioneller Meisterbetrieb mit mehr als 40 Jahren Erfahrung haben wir uns ausschließlich auf Steinway & Sons Flügel aus der Hamburger Produktion spezialisiert.

Alle Instrumente werden von uns in meisterlicher Handarbeit aufgearbeitet oder, je nach Bedarf, von Grund auf restauriert.

Selbstverständlich verwenden wir dabei nur original Steinway-Bauteile aus dem Hamburger Werk.

Mit Sicherheit und Perfektion im Handwerk bewahren wir das authentische Klangerlebnis eines Steinway & Sons Flügels – oder holen es zurück."
Das steht so ähnlich bei jedem polnischen Klavierreparaturbetrieb auch auf deren Homepage.
 

  • #42
Dort steht nicht, dass dieser Betrieb von Steinway* HH "zertifiziert" sei.

Es sind "so" also einseitige Behauptungen der ausschließlichen Verwendung von Originalteilen, deren Stichhaltigkeit z,B. den eine Restaurierung finanzierenden Banken uU. nicht reichen könnte, wenn sie z.B. zur Besicherung des Wertes auf einem Herstellerzertifikat der hundertprozentigen Originalität bestehen möchten.

Wäre ich ... Organisator solchen Teileverkaufs, dann würde ich in HH vor Ausstellung solch eines Zertifikates außer auf dem Wissen um den Auftrag für den Ersatz des Reso-Bodens und Stimmstocks auch den Hammersatz auf "original" inspizieren wollen. Und die Auswiegung kontrollieren wollen. Und es fiele mir UU noch viel mehr ein, was man alles auf Originalität testen könnte. Funktion der Verschiebung, des Sostenuto ... u.v.a.

Oder aber es für Restaurierung durch Dritte gar nicht zu bescheinigen - es sei denn, der Kunde hätte direkt einen Auftrag an Steinway* HH über die Vollsanierung erteilt.

Womit dann herausgerissene Original-Mechaniken (z.B. des 1871er Max-Matthias-Semikonzerters, dokumentiert in A.Beurmanns grandiosem Buch) dennoch das Zertifikat bekämen, weil - in völliger Ignoranz des technischen Firmenerbes - bei der Vollsanierung obligat zu sein scheint, dass man den Inhalt der Technikschublade als Allererstes vertonnifiziert - oder OK, vielleicht erst bei geringsten Zweifeln an seinem Weiter-Funktionieren-Können.

Womit - nebenbei - dem Technik-Historiker beinahe verunmöglicht ist, noch die Entwicklungsphasen der Spielmechaniken ab dem allerersten Steinway*-Patent (verbesserte Herz-Repetition von Henry jr. von 1856, im Ersten Jahr des New Yorker Flügelbaues) nachvollziehen zu können - weil der Originalhersteller alle Originale aufgrund "Disfunktionalität" / plus mangelndem Bemühen um eine echte Originalsanierung / zu vernichten vorzieht..?... Nö, man packt das neueste Zeugs in den uralten Flügel* ... ist aber der Hersteller, und deklariert simplel, dass das "so" hersteller-werks-original sei, nach einem sehr eigenartigen Verständnis von Originalität ...

Mich kommt das ähnlich an wie die Manie, VW-Käfer der Brezelfenster-Ära bis 1953 bei der Restaurierung unbedingt immer komplett neu zu lackieren ... unbeachtlich des Wertes einer Patina aus >>70 Jahren guten Gebrauchs. Man hat damit historisches Material unwiederbringlich vernichtet, denn das EINZIGE, was man nicht per "alles-komplett-neu" machen kann, ist der werksoriginale Lack von 1952, oder eben die originale Spielmechanik von 1871 - falls sie das uU. vielleicht noch getan hätte. Oder man sie mit ein wenig Mühe hätte es wieder tun machen können. Wie bei meinem Flügel von 1877, mit den ungemein leichten Repetitionen von 1877, ohne die Stößel-Anschlagschraube.
 
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  • #43
Gibt es eigentlich überhaupt von Steinway zertifizierte Restaurierungsbetriebe außerhalb des eigenen Hauses? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich hatte bisher eher den Eindruck, dass Steinway den Standpunkt vertritt, eine vollständige Restaurierung im eigentlichen Sinn könne nur bei Steinway selbst erfolgen. Vielleicht kann das hier jemand aufklären.

Eine authentische und auch markenrechtlich vertretbare Überholung hängt meines Erachtens aber ohnehin nicht an einem Steinway-Zertifikat. Entscheidend ist vielmehr, ob das Instrument trotz der vorgenommenen Arbeiten in seiner Identität noch so weit erhalten bleibt, dass die Marke Steinway weiterhin eine zutreffende Bezeichnung dafür ist.

Natürlich könnte man dabei neben Resonanzboden und Stimmstock noch viele weitere Kriterien heranziehen, etwa Hammersatz, Auswiegung oder andere Details. Andererseits sind Hammerköpfe klassische Verschleißteile und werden im Laufe eines Klavierlebens ohnehin ersetzt oder bearbeitet. Selbst Vladimir Horowitz ließ nach den Schilderungen von Franz Mohr seine Hammerköpfe an seine persönlichen Vorlieben anpassen, ohne dass deshalb jemand die Identität des Instruments infrage gestellt hätte.

Gerade beim Hammersatz finde ich die Abgrenzung interessant. Abel-Hämmer genießen unter Klavierbauern einen hervorragenden Ruf und können meines Wissens sogar nach historischen Vorgaben maßgefertigt werden. Für einen Steinway aus den 1920er-Jahren lässt sich damit unter Umständen ein Hammersatz herstellen, der den damals verwendeten Spezifikationen näher kommt als ein heutiger Steinway-Hammersatz.

Falls Steinway heute nur noch Hammersätze nach aktuellen Spezifikationen liefert, wäre das aus Sicht einer möglichst originalgetreuen Restaurierung sogar ein interessanter Zielkonflikt: Verwende ich den heutigen Originalteil des Herstellers oder einen maßgefertigten Fremdteil, der dem historischen Original möglicherweise näher kommt? Für die Authentizität des Instruments erscheint mir diese Frage jedenfalls spannender, als allein darauf abzustellen, ob auf dem Ersatzteil Steinway oder Abel steht.
 
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  • #44
Insoweit ich das richtig einschätze..., würde sich Steinway vorbehalten, das, was sie wollen, also die neue Ware, zu liefern - unbeträchtlich der Frage, ob diese Hämmer den fraglichen Flügel in den damaligen (!) werksneuen Zustand versetzen würden.

Deren Approach war vergangenheitlich wohl immer so, dass sie das aktuelle Material liefern, und da sie selber einst der Hersteller waren, das alles als "100% original" zu apostrophieren - da es ja schließlich von Steinway ausgewählt und geliefert sei ...

Ich habe übrigens die einst in Hannover bei der Sanierung installierten Abelhämmer dann rausgeworfen, einen noch ziemlich nagelneuen, wenig gespielten Satz, weil klar wurde, dass das Abel-Hämmer nach NEUEN Spiezifikationen D - und mir damit zu schwer - seien.

Womit ich nicht !! behaupte, die Abels taugten nichts, sondern nur ansage, dass sie mir für einen Flügel von 1877 nicht so wirklich konform waren.

Jetzt sind Hämmerchen aus den USA drin, deren Filz mir aus ca. den 1920er Jahren zu stammen scheint. "Unoriginal" sind sicherlich die Edelstahl-Achsen, weil damals schlauerweise Stahldrähtchen drinne waren, die man gegen Korrosion mit einer galvanischen Kupferauflage wappnen wollte - woraufhin im Laufe der Jahrzehnte das Kupfer dann grünspanig rostete, Vertigris. Und Edelstahl nun eine funktional einwandfreie Lösung darstellt.

Aber wer mir ans Leder wollte, der könnte auch anhand dieses Umstandes behaupten, das sei nun ja unoriginal ... , weil unauthentischer Edelstahl, so, wie in einen Schmuck-Centennial auch innen kein Vogelaugen-Ahorn a la Hamburger Schmuckflügel rein gehört ... wie es Obidiah Manteuffel aus Seattle an einem 1876er Fancy Centennial hinein "restaurierte", oder an einen Flügel vor ca. 1960 auch kein Polyester aufs Gehäuse gebracht gehöre.

Wer also will, der kann z.B. gerne mit mir in Verhandlungen einsteigen, einen "gehängten" Satz Abel-Hämmer für Steinway-D mit Steinway-Gestell-kompatiblen Nüssen zu beziehen - Provisio, für einen aktuellen D wird er drei derer einstig hiesigen Tenorhämmer anders auswinkeln, um sie für den 20er Bass rechtssaitig einsetzen zu können. Also 3x herausnehmen, ausdübeln, anderswinklig neu bohren, wieder verleimen.

Da sich das Layout des Centennials mit 17 Basstönen unterscheidet vom aktuellen D, dessen Bass 20 Töne hat - und die kleinen Marken divergenter Zahlen Saiten pro Ton mal beiseite. Wer das hundertpro machen will, schleift sich auch noch winzige Mengen leicht gerillten Filzes beiseite. Der Hammersatz eines Centennial hat 247 Rillchen - der heutige D macht 243 Rillchen. Der Satz passt auch in den C-Flügel, da er sich die Aufteilung auf fünf Saitenfelder mit dem D teilt und ihre Klaviaturen im Neuzustand austauschbar waren, bevor sie am Klaviaturrahmen die Anpassung an das Gefach bekamen.
Ich kann versprechen, dass der Satz auch keine 5.000 EUR kosten werde. In der Gegend der guten Hälfte könnte man Einigung finden.
Nicht, dass man mich misst verstünde. Ich "muss" hier garnichts verkaufen.

Außer auf Abel oder Renner schwören manche jenseits des Teiches auch auf Ronsen. Eine Marke, die mir in Europa gar nicht vertreten scheint.

Also, kurzum, WAS im Detail an einem alten Flügel orginalgetreu, authentisch restauriert werde, was an Materialien herein gehöre, darüber lässt sich in einer geradezu extremen Bandbreite trefflich disputieren. Und wer da hörig sein wolle auf das Hersteller-Votum, der beziehe bitte mit ein, dass solche Ratschläge allerseltenst frei sein werden von wirtschaftlichem Eigeninteresse.

Nebenbei, ich bin und bleibe ein Freund der Marke, nicht nur weil ich ein hoch zu friedener Eigner bin.

Sollte aber es hier brennen, wird der Ersatz ggfs. vermutlich aus einem Bösen Dorfe kommen ..., weil auch bei neueren Produkten eher und näher am "Guten Alten" Klange (TM).
 
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  • #45
Insoweit ich das richtig einschätze..., würde sich Steinway vorbehalten, das, was sie wollen, also die neue Ware, zu liefern - unbeträchtlich der Frage, ob diese Hämmer den fraglichen Flügel in den damaligen (!) werksneuen Zustand versetzen würden.

Deren Approach war vergangenheitlich wohl immer so, dass sie das aktuelle Material liefern, und da sie selber einst der Hersteller waren, das alles als "100% original" zu apostrophieren - da es ja schließlich von Steinway ausgewählt und geliefert sei ...

Ich habe übrigens die einst in Hannover bei der Sanierung installierten Abelhämmer dann rausgeworfen, einen noch ziemlich nagelneuen, wenig gespielten Satz, weil klar wurde, dass das Abel-Hämmer nach NEUEN Spiezifikationen D - und mir damit zu schwer - seien.

Womit ich nicht !! behaupte, die Abels taugten nichts, sondern nur ansage, dass sie mir für einen Flügel von 1877 nicht so wirklich konform waren.

Jetzt sind Hämmerchen aus den USA drin, deren Filz mir aus ca. den 1920er Jahren zu stammen scheint. "Unoriginal" sind sicherlich die Edelstahl-Achsen, weil damals schlauerweise Stahldrähtchen drinne waren, die man gegen Korrosion mit einer galvanischen Kupferauflage wappnen wollte - woraufhin im Laufe der Jahrzehnte das Kupfer dann grünspanig rostete, Vertigris. Und Edelstahl nun eine funktional einwandfreie Lösung darstellt.

Aber wer mir ans Leder wollte, der könnte auch anhand dieses Umstandes behaupten, das sei nun ja unoriginal ... , weil unauthentischer Edelstahl, so, wie in einen Schmuck-Centennial auch innen kein Vogelaugen-Ahorn a la Hamburger Schmuckflügel rein gehört ... wie es Obidiah Manteuffel aus Seattle an einem 1876er Fancy Centennial hinein "restaurierte", oder an einen Flügel vor ca. 1960 auch kein Polyester aufs Gehäuse gebracht gehöre.

Wer also will, der kann z.B. gerne mit mir in Verhandlungen einsteigen, einen "gehängten" Satz Abel-Hämmer für Steinway-D mit Steinway-Gestell-kompatiblen Nüssen zu beziehen - Provisio, für einen aktuellen D wird er drei derer einstig hiesigen Tenorhämmer anders auswinkeln, um sie für den 20er Bass rechtssaitig einsetzen zu können. Also 3x herausnehmen, ausdübeln, anderswinklig neu bohren, wieder verleimen.

Da sich das Layout des Centennials mit 17 Basstönen unterscheidet vom aktuellen D, dessen Bass 20 Töne hat - und die kleinen Marken divergenter Zahlen Saiten pro Ton mal beiseite. Wer das hundertpro machen will, schleift sich auch noch winzige Mengen leicht gerillten Filzes beiseite. Der Hammersatz eines Centennial hat 247 Rillchen - der heutige D macht 243 Rillchen. Der Satz passt auch in den C-Flügel, da er sich die Aufteilung auf fünf Saitenfelder mit dem D teilt und ihre Klaviaturen im Neuzustand austauschbar waren, bevor sie am Klaviaturrahmen die Anpassung an das Gefach bekamen.
Ich kann versprechen, dass der Satz auch keine 5.000 EUR kosten werde. In der Gegend der guten Hälfte könnte man Einigung finden.
Nicht, dass man mich misst verstünde. Ich "muss" hier garnichts verkaufen.

Außer auf Abel oder Renner schwören manche jenseits des Teiches auch auf Ronsen. Eine Marke, die mir in Europa gar nicht vertreten scheint.

Also, kurzum, WAS im Detail an einem alten Flügel orginalgetreu, authentisch restauriert werde, was an Materialien herein gehöre, darüber lässt sich in einer geradezu extremen Bandbreite trefflich disputieren. Und wer da hörig sein wolle auf das Hersteller-Votum, der beziehe bitte mit ein, dass solche Ratschläge allerseltenst frei sein werden von wirtschaftlichem Eigeninteresse.

Nebenbei, ich bin und bleibe ein Freund der Marke, nicht nur weil ich ein hoch zu friedener Eigner bin.

Sollte aber es hier brennen, wird der Ersatz ggfs. vermutlich aus einem Bösen Dorfe kommen ..., weil auch bei neueren Produkten eher und näher am "Guten Alten" Klange (TM).
Aus einem Bösen Dorfe? *schmunzel*
Anekdote: In Nürnberg waren auf der Akustika ja die wesentlichen Konzertflügel versammelt. Ein Musikstudent spielte alle einmal auf. jeweils ca. 7-8 Minuten.
Er machte klar, dass er keinerlei Wertung abgeben würde, in den Hintergrund zu treten gedächte, und uns einfach unseren Sinneseindrücken überlassen wolle.
Jetzt der witzige Teil: Eine anwesende Steinway-Persönlichkeit (nein, ich nenne keinen Namen) versuchte ihn dahinzulocken beim anschließenden Fragenteil, das der gebrauchte/fremdrestaurierte Steinway D (1960? 1950?) viel schlechter sei als der aktuelle Steinway D. Der arme Musikstudent wich der Frage elegant aus. Das war alles eine ganz friedliche Konkurrenzsituation wie die ganzen Flügel da standen. eigentlich.
Mein Eindruck: Die "böse" Konkurrenz aus dem Feld zu drängen war hier unnötig. Der Steinway Salon ein paar Meter erstrahlte sowieso, sonnte sich in Aufmerksamkeit aller Besucher, die Marke konnte strahlen und tat das auch. Und der neue Steinway D-- war, nun ja, fantastisch, was soll ich sagen. Aber an der Konkurrenz zu kritteln, kann auch manchmal unsouverän wirken. Ich finde, das haben sie nicht nötig. Die neuen Produkte sprechen doch für sich.

Liebe Grüße,
Tastenschnurri,
Christian
 
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  • #46
Wenn aber wesentliche Teile der akustischen Anlage – insbesondere Resonanzboden oder Stimmstock – durch Fremdprodukte ersetzt werden, kann das Instrument nicht ohne Weiteres weiterhin unter der Marke Steinway oder mit Bezeichnungen wie „based on Steinway“ vertrieben werden.
Resonanzboden kann ich ja noch nachvollziehen, aber was gibt es so Außergewöhnliches an einem Stimmstock? Für mich ist das ein Block Hartholz (aus mehreren Schichten), der stabil sein soll.
 
  • #47
  • #48
Trotz allen Feinheiten ist es viel einfacher, einen guten Stimmstock zu bauen als einen guten Resonanzboden.
 
  • #49
Im Vergleich zu historischen Massivholzstimmstöcken sind die modernen Mehrschichtkonstruktionen heute generell so gut, dass ihre genaue Bauweise in Sachen Aufbau und Struktur für die Funktion eigentlich keine entscheidende Rolle mehr spielt. In Sachen Stimmhaltung, Langlebigkeit und Wirbelgang zeigen sich bei entsprechend sorgfältiger Verarbeitung im Ergebnis so gut wie keine Unterschiede, vorausgesetzt die Verarbeitung beim Bohren und Einpassen wird an die unterschiedliche Bauweise entsprechend angepasst.

Während beim Einpassen eines Hexagrip sehr hohe Anforderungen an die Passgenauigkeit zum Gehäuse und zur Platte bestehen, (weshalb das S&S nur im Werk selber macht) ist der etwas härtere und verzugsstabilere Delignit hier aufgrund dieser seiner Eigenschaften deutlich weniger anspruchsvoll.

Umgekehrt ist es beim Bohren. Während dickschichtige Konstruktionen wie der Hexagrip etwas gutmütiger in Sachen Bohrung sind und daher schneller und auch mit höherer Drehzahl und sogar mit weniger scharfen Bohrern noch gut und genau genug gebohrt werden können, und dennoch einen über alle Löcher gleichmäßigen Wirbelgang erhalten, müssen feinschichtige Konstruktionen deutlich sorgfältiger gebohrt werden, um das ebenso zu erreichen. Dazu muß dort wegen des höheren Leimanteils erstens mit schärferen Bohrern (d.h. häufigerer Wechsel gegen neue) und zweitens bei niedrigerer Drehzahl (geringerer Temperatur) gearbeitet werden. (Am besten sogar in zwei Durchgängen, wobei im ersten mit etwas kleinerem Durchmesser nur vorgebohrt wird).

Leider geschieht das alles aus Kostengründen oft aber nicht. Stattdessen wird der aus zu schneller Barbeitung resutlierende schlechtere und losere Wirbelsitz (weil der Bohrer im Prozeß immer weniger scharf und/oder zu heiß wurde) am Ende einfach mit dem Einsetzen dickerer Wirbel kompensiert. Der strammere Sitz danach führt dann aber gerne zu ungleichmäßigen Drehmomenten, sowohl beim "ruckeligen, springenden" Gang ein und desselben Wirbellochs, als auch verschiedener Wirbellöcher untereinander, was das Stimmen damit insgesamt etwas schwieriger und gewöhnungsbedürftig macht.

Für Instrumente in Privatbesitz, die nur einmal pro Jahr oder noch seltener gestimmt werden, spielt das keine so große Rolle (abgesehen davon dass der Stimmer abhängig von seiner Erfahrung und seinem Geschick vielleicht etwas länger brauchen wird). Eher im Gegenteil, weil die Stimmhaltung selbst eines schlechter gebohrten Feinschichtstocks gerade bei Wohnungen mit eher wechselhaften klimatischen Bedingungen langfristig meist noch etwas besser ist.

Für Instrumente im professionellen Einsatz, die manchmal im Wochentakt oder noch öfter neu präpariert werden müssen, oder oft den Standort wechseln, ist lange Stimmhaltung dagegen gar nicht so gefragt, hier kommt es für den Konzertstimmer eher auf einen möglichst guten Wirbelgang an, um schnell und zügig das ohnehin häufige Nachstimmen bewältigen zu können - zwischen Aufnahme-Takes, oder manchmal ja sogar in einer kurzen Konzertpause.

Dass gerade Steinway aus diesen Verhältnissen auch beim Thema Stimmstock gerne eine Grundsatzfrage zwischen Original und angeblich minderwertigem Umbau machen möchte, (obwohl so ein Umbau für einen Privateinsatz ganz im Gegenteil eigentlich sogar eine eher wünschenswerte Eigenschaft mitbringt) ist m.E. bezeichnend für ihre leider (schon immer) aggressive Markenpolitik. Wäre eine etwas großzügigere Einstellung zu fachgerecht durchgeführten Umbauten ohne Originalteile wirklich so schädlich für ihre Reputation? Für mich bleibt ein Steinway ein Steinway, wenn er weiter (oder wieder) so aussieht, so klingt, und sich so spielt wie ein Steinway - egal mit welchen Teilen ein guter Klavierbauer das erreicht.
 
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  • #50
Für mich bleibt ein Steinway ein Steinway, wenn er weiter (oder wieder) so aussieht, so klingt, und sich so spielt wie ein Steinway - egal mit welchen Teilen ein guter Klavierbauer das erreicht.

Aussehen – ok, das ist klar bestimmbar, aber lässt sich das mit dem Klang überhaupt objektivieren? Weiss man vorab, wenn man einen neuen Reso bei Strunz bestellt oder fertigen lässt, dass der dann nach Steinway klingt? Gibt es noch das gleiche Holz wie aus der goldenen Ära? Hat ein Steinway eine Klangsignatur oder einen bestimmten Frequenzstempel? Würde man ein Steinway blind erkennen, wenn daneben noch ein Bösendorfer und ein Fazioli angespielt werden? Das hängt dann ja auch immer von den konkreten Instrumenten ab..
 
  • #52
Gerade dann wäre doch die Herkunft des Resos egal, oder?

Nein, ich sehe das eher umgekehrt – gerade dann ist ein intakter oder restaurierbarer originaler Reso die einzige Möglichkeit, die Identität zu wahren..
 
  • #53
gerade dann ist ein intakter oder restaurierbarer originaler Reso die einzige Möglichkeit

Naja, darum geht es doch aber nicht. Es geht doch darum, wer einen Reso (oder Stimmstock) ersetzen darf und wer nicht.

Also entweder ist der Klang halbwegs objektivierbar, dann muss ein gewisser Klang/Sound erreicht werden, oder er ist nicht objektivierbar, dann muss es "nur" im Rahmen einer gewissen Streuung sein.
Meine Meinung: So oder so, das Ergebnis ist wichtig, nicht, wer die Fichte zusammengeleimt hat.
Alles andere ist für mich irgendwelche Markt-Taktik.
 
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  • #54
Ist es denn überhaupt das Ziel, die Originalität des historischen Instruments zu erreichen? Ich habe bislang unterstellt, dass restaurierte Steinways die Alternative zum hochpreisigen fabrikneuen sein sollen, weshalb es potenziellen Käufern eher darum gehen wird, dass der Flügel den heutigen Vorstellungen von Klang und Spielgefühl entspricht und nicht etwa einem historischen Vorbild. Liege ich da falsch?
 
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  • #55
Wenn es um Reparatur oder Restauration geht sollte man m.E. mit Begriffen wie Identität oder Originalität vorsichtig sein, weil man darunter ganz verschiedenes verstehen kann und die Verhältnisse nicht so einfach und eindeutig sind, wie diese Worte nahelegen. Was soll Identität bedeuten, wenn Dinge sich ändern, z.B. altern und irreversibel verschleißen? Was soll Originaliät sein, wenn Materialien nicht mehr verfügbar sind oder Herstellungstechniken und Prozesse sich verändert haben?

Ab wann führt ein Substanzverlust oder die Veränderung einer Eigenschaft zum Identitätsverlust, und inwiefern bewahre ich Originalität, wenn ich die Verluste mit modernem Material ausgleiche oder komplett neuen Teilen ersetze? Inwiefern gewinne ich eine neue Originalität, wenn ich ein altes Erscheinungsbild in ein neues, modernes umarbeite, oder ist das eine Fälschung? Welche Teile darf ich überhaupt verändern oder tauschen, und wenn ja wie viele? Darf ich überhaupt moderne Arbeitstechniken und Werkzeuge einsetzen, oder muß ich auch da auf Althergebrachtem bestehen?

Das wird jeder anders sehen, und deshalb finde ich, sollte auch jeder das Recht haben es mit seinem Eigentum, bzw. Eigentum in spe, so zu halten, wie er möchte. Warum sollte nicht jeder seine ganz persönlichen Ziele verfolgen dürfen, die nunmal sehr verschieden ausfallen können, so verschieden wie die Lebensverhältnisse, oder die akustische Umgebung, für die ein Instrument bestimmt ist.

Schwierig wird es mit der Individualität nur, wenn bei einem Wiederverkauf keine Transparenz besteht, was wie gemacht wurde, und wenn falsche Erwartungen an eine so genannte "Originalität" bestehen oder geschürt werden sollen, und mit Vertrauen gespielt wird, weil geschäftliche Interessen im Spiel sind.

Wenn Steinway oder seine Vertretungen z.B. behaupten wollen, amerikanische Instrumente wären in Europa wertlos und im Grunde unverkäuflich, oder für die Mechanik eines solchen hundert Jahre alten Instruments kämen als "originaler" Ersatz und zur Aufrechterhaltung der Identität nur ihre zertifizierten modernen Rennerteile in Frage, ist das m.E. an Absurdität kaum zu überbieten:

Wenn mir ein kundiger Klavierbauer rät, für so ein historisches Instrument einen individuell angepassten Hammersatz von Abel zu wählen, dessen Gewicht und Geometrie auf die damals leicht anderen Mechaniken und ihre Klaviaturen bestens abgestimmt ist, und dessen weicherer Filz für einen Privatraum ohne großen Intonieraufwand sehr gut klingen dürfte - dann hält Steinway drohend dagegen, die Originalität bliebe nur erhalten, wenn ich einen modernen schwerern Hammersatz von Renner wähle?

Dessen härtere Filze müssen dann natürlich noch aufwendig weichgestochen werden, dessen Geometrie muß natürlich noch aufwenig für jedes Hebeglied neu angepasst werden, und dessen höheres Gewicht erfordert auch "nur" ein komplettes Neuauswiegen der Klaviatur - wobei die Spielweise auch noch etwas weniger agil ausfallen wird als zuvor... Wenn es sich also am Ende unerwünscht anders spielen dürfte und auch noch unerwünscht anders klingt als zuvor, noch dazu bei wesentlich größerem Aufwand an Arbeit und Geld - was versteht man dann bei Steinway bitte unter "original"? Richtig, original ist nur, was gegen möglichst viel Geld so verkauft wird.

Als Interessent muß man sich m. E. immer klar machen, was man kann und will und dann den Mut haben, den eigenen Händen, Ohren und Augen zu vertrauen, wenn man Instrument und Betreuer auswählt, statt irgendwem auf den Leim zu gehen und an Märchen zu glauben. Der Rest wird dann zur Nebensache.

Ich kann nichts verwerfliches daran erkennen, auch einen mehr als hundert Jahre alten Flügel so zu restaurieren und zu bearbeiten, dass er einem modernen Instrument vergleichbar aussieht, aber so spielt und klingt, we ich es mir wünsche, völlig egal mit welchen Mitteln das passiert, solange die Qualität am Ende stimmt. Wer mag, kann den umgekehrten Weg gehen und sich auf die Suche nach historischen Ersatzteilen begeben, oder sich am unveränderten Zustand erfreuen, mit zwangsläufig allerdings sehr veränderten Klangbild. Wer das für historischen Originalklang halten will , dürfte sich einigermaßen täuschen, und spätestens wenn die Spielbarkeit leidet, muß er ohnehin handeln...

Insofern sind die Diskussionen um Identität und Originalität müßig. Wäre da nicht mal wieder das leidige Geld und der Wiederverkaufswert...
 
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  • #56
Bahnsteige des (...) neuen Hauptbahnhofs Berlin zu kurz waren für die ICE, und die Dächer der Bahnsteige verlängert werden sollten, musste die Bahn den Architekten um Erlaubnis bitten.

Die Bahnsteige waren lang genug, aber das Glasdach war zu kurz. Der Architekt wurde nicht um Erlaubnis gefragt, das Dach wurde einfach verlängert. Daraufhin verklagte Meinhard von Gerkan die Deutsche Bahn wegen Entstellung seines Bauwerks. Er gewann den Urheberrechtsstreit.
 
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  • #57
Übrigens finde ich es wohltuend, wenn du "geradeaus" schreibst und auf infantil-skurrile Wortschöpfungen verzichtest. Über solche Beiträge scrolle ich hinweg, aber hier lese ich deine Beiträge gerne. Ich denke, dass es anderen auch so ergeht.
 
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  • #58
Wieviele unterschiedliche Versionen und Erzählungen es über den Berliner Hauptbahnhof doch gibt. Hier ist meine: Das Glasdach sollte nach Wunsch des Architekten die Bahnsteige in ihrer gesamten Länge überspannen. Als aber die Kosten mal wieder aus dem Ruder liefen, entschied der damalige Bahnchef (Mehdorn?) kurzerhand, die noch nicht verbauten Dachteile einzulagern. Die Lagerkosten dürften mittlerweile höher sein als die ursprünglichen Montagekosten. Aber jetzt am Bahnhof basteln bei laufendem Betrieb? So stehen denn die Fahrgäste 1. Klasse nun in Berlin im Regen …
 
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  • #59
Im Spiegel Interview von 2006 sagt der Architekt dass die Bahn das Glasdach eigenständig verkürzt hat.
 
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  • #60
Vielleicht noch ein letzter Gedanke zum eigentlichen Ausgangspunkt des Threads.

Auslöser der ganzen Diskussion war ja das Video von Robert Estrin, in dem er sich über ein Abmahnschreiben von Steinway beklagt. Für mich wirft das aber gerade eine andere Frage auf: Wenn die Marke Steinway für die Qualität des restaurierten Instruments letztlich gar nicht erforderlich ist, warum besteht man dann überhaupt darauf, sie weiterzuverwenden?

Die naheliegende Antwort ist doch, dass die Wertschöpfung der Marke wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung ist. Gerade deshalb erscheint es mir aber auch konsequent, dass man sich dann an die markenrechtlichen Grenzen halten muss.

In diesem Zusammenhang finde ich auch den Hinweis Matizios wichtig, dass die Identität eines historischen Instruments kein unveränderlicher Zustand ist. Natürliche Materialien altern, Holz arbeitet, Verschleißteile werden ersetzt, und über Jahrzehnte kommen Reparaturen und Anpassungen hinzu. Gerade deshalb wird es aus meiner Sicht nie möglich sein, eine absolut „reine“ oder unveränderte Identität zu definieren. Das Markenrecht ist daher letztlich gezwungen, mit praktikablen und objektivierbaren Kriterien zu arbeiten – nicht weil diese philosophisch die einzig richtigen wären, sondern weil sich die Frage sonst überhaupt nicht verlässlich beantworten ließe.

Das bedeutet aus meiner Sicht allerdings nicht, dass man jede darüber hinausgehende Restaurierungsvorgabe Steinways übernehmen muss. Im Gegenteil: Wie hier im Thread überzeugend dargestellt wurde, kann (oder sollte?) eine historisch möglichst authentische und hochwertige Restaurierung durchaus von den heutigen Steinway-Vorgaben abweichen – etwa bei Hammerköpfen oder anderen Verschleißteilen, und möglicherweise auch beim Stimmstock, wenn man es darauf ankommen lassen will, dass ein Richter die entsprechenden hier dargelegten technischen Ansichten teilt.

Zwischen der Frage, wie restauriert man einen historischen Flügel möglichst authentisch und qualitativ hochwertig?, und der Frage, unter welchen Voraussetzungen darf anschließend noch mit der Marke Steinway geworben werden?, würde ich deshalb klar unterscheiden. Das sind für mich zwei unterschiedliche Themen. Wenn die markenrechtlichen Voraussetzungen nicht mehr vorliegen, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, das Instrument ohne die Marke anzubieten. Wenn seine Qualität tatsächlich für sich spricht, sollte sie schließlich auch ohne den Namen überzeugen.
 
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