Das Gehirn hat evolutionsgeschichtlich mehrere Abteilungen, Abschnitte, "Blasen".
Das am höchsten entwickelte Gehirnteil (und evolutionsgeschichtlich der neueste Teil) ist der Frontallappen. Auch ist der am weitesten vom Rückgrat entfernt ... Den du beim Klavierspielen brauchst, um die Noten zu decodieren. Die Augen, die Verarbeitung vorn im Frontallappen - und dann? Dann wandert mit zunehmender Übung ein Bewegungs-Automatismus tiefer rein ins Hirn ....
Zu der am tiefsten im Hirnstamm dirket über dem Rückgrat verankerten Blase gehört der älteste Teil - das Bewegungsgedächtnis, das für die Koordination der Muskeln zuständig ist.
Essentiell für alle Wirbeltiere, um überhaupt zu überleben. Wie man Beute schnappt ... Wie man kaut und verdaut ... Was die Krokodilsmama einem gar nicht mal zeigen muss ... weil Krokodile nix für ihren Nachwuchs tun, sondern der Krokodilspapa die Kleenen oft auch gern noch verspeist ...
Ich nenne es für mich auch "das Krokodlshirn".
Übrigens, so nebenbei, sind in Bezug auf Bewegungsabläufe Katzen in einem unglaublichen Vorteil. Deren Reaktionszeit ist unter allen Säugetieren minim. Vielelicht ist es den Evolutionären Katzen gelungen, irgendeine Direktverschaltung und Verarbeitung der Augensignale ins Stammhirn zu legen ...
Klavierspielen trainiert das Bewegungsgedächtnis - daher kommt die Erfahrung, dass man teils sehr lange nicht spielen braucht, um dennoch einen überraschend guten Wiedereinstieg hinlegen zu können. Das Krokodil weiß es noch - seit vielleicht 300 Millionen Jahren ...
Es ist dasselbe wie mit Schwimmen, oder Schlittschuhlaufen, Fahrrad- oder Motorradfahren. Einmal gelernt, das verlernst du auch nicht. Oder das Programm ist genetisch schon drin ... Also gar kein Lernbedarf.
Übel ist nur, wenn du 25 Jahre nicht Motorrad fährst, und dir dann eine uralte Norton oder BSA oder englische Triumph sanierst - die hat Fußschaltung und Bremse vertauscht ggü. den neueren Bikes ... , das erfordert neues mentales Training und einen sehr bewussten Beginn - und zudem ist der nunmehr rechts sitzende Schalthebel auch noch "andersherum" zu bedienen, entgegen dem Bremspedal, das getreten wird und bremst... Ersten Gang nach oben ziehen, dann die anderen drei heruntertreten ... ... muchas complicaciones ...
Da versagt dann das Krokodilshirn mangels initialem Trainiertsein - , und Fehlbedienung wird allerheftigst teuer, wenn es nicht gerade eine effe 16 H , der 12-PS-Seitenvetiler aus den Army- Wehrmachtsbeständen ist, deren Teile noch zu hunderttausenden billig beschaffbar herumliegen ...
Der Frontallappen muss also - mit Mühe ... - verhindern, dass das Krokodilshirn aus eintrainiertem "alten" Verhalten das mühsam sanierte Nortongetriebe schrottet. Mitunter geht das schief ...
Brauche man sonst mal Ersatz für ein per Fehlbedienung entzahntes Zahnrad ... ui juijui, saftig vierstellig ... also, bisschen Pflege fürs Krokodilshirn. Ab und zu doch mal ran an die Tasten.
Eine Parallele am Klavier zur Norton wäre, hätte man in der Jugend auf der Janko-Klaviatur trainiert bis zur Konzertreife ... Da nutzt dir dann auch das Krokodilshirn nix mehr, ganz im Gegenteil ...
Bei mehreren Fahrzeugen ist es so (ist bei mir so ...), dass, getriggert von der Geräuschkulisse, jedes Fahrzeug sein eigenes Krokodilsprogramm hat und abruft. Wie man Gas gibt, einkuppelt, auskuppelt, wie man bremst und lenkt. Das muss in heutigen Verkehrssitus alles automatico laufen - all das immer zu memorieren und im Frontallappen zu verarbeiten ist vermutlich der Grund dafür, dass heute so viele Youngster durch die Fahrprüfung fallen.
Mangels Training im Krokodilshirn.