Schlechte Schüler: woran liegt das eigentlich genau?

Ich checke nicht, wie man etwas studieren kann, ohne sich zu überlegen, wie man denn dann konkret Geld zu verdienen beabsichtigt.
Wenn man für etwas Interesse hat verstehe ich das sofort - sonst gäbe es keine Philosophiestudenten. Was ich nicht verstehe sind die, die sich dann anscheinend nicht einmal für ihr Fach wirklich interessieren.
 
- Gehalts-Aussichten können sich auch schnell ändern.
- I.d.R. möchte man auch etwas studieren, dass einem liegt und das man mag
- Im Zweifelsfall ist man im Nachhinein immer schlauer
 
Wieso? Ich wusste damals: Mein Berufsplan ist, möglichst viel aufzutreten (was ich ja schon vor Studienbeginn tat) und parallel zu unterrichten (was ich auch schon vor Studienbeginn tat und wozu ich aufgrund meines natürlichen Besserwissertums ohnehin eine Neigung hatte). Das war realistisch, und weil ich ja erfahrene Musiker und Musiklehrer kannte, wusste ich um die Aussichten. Hat ja auch geklappt. Und wenn es nichts geworden wäre, wäre ich in die Schule gegangen. Alles kein Problem.
 
Wenn man für etwas Interesse hat verstehe ich das sofort - sonst gäbe es keine Philosophiestudenten. Was ich nicht verstehe sind die, die sich dann anscheinend nicht einmal für ihr Fach wirklich interessieren.

Das ist Quatsch. Geisteswissenschaftler können sehr gut verdienen. Die Absolventen beinahe aller Studiengänge, die nicht irgendein erfundener Quatsch sind, den man besser als Ausbildung machen würde, haben ganz hervorragende Berufschancen, wenn sie denn wirklich gut sind. Wer gerade so durchs Studium kommt und nicht anpassungsfähig ist, ist genau die Kategorie, die nicht studieren sollte.

Sonst wären Mathematiker übrigens arbeitslos. Das, was Mathematiker so in der Arbeitswelt machen, ist in fachlicher Hinsicht eigentlich fast ausnahmslos ein Witz. Man interessiert sich nur für die Kompetenz, Probleme lösen zu können.


Und natürlich: Ein guter Handwerker kann den schlechten Akademiker problemlos übertreffen. Mit beinahe allem kann man reichlich verdienen, wenn man nur gut darin ist. Die meisten Menschen neigen nur dazu, sich auf ein ein zu konzentrieren, welches ihnen niemals liegen wird. Wir bringen es ihnen in der Schule ja auch bei. Es komme nicht darauf an, dass sie sehr gut seien, nur darauf, dass es klappt, das Abitur. Mit dieser Einstellung wird man auch mit einem Studium kein Vermögen verdienen. So viel ich weiß, ist das aber auch gar nicht das Ziel der aktuellen Generation. Solange viermal im Jahr Urlaub drin ist und man ein wenig für Umweltschutz plärren kann, scheinen die meisten recht zufrieden, haha. (Etwas überspitzt ;) )
 
Nein.
Dass eine Elite (möglicherweise vor allem mit Vitamin B) gute Chancen hat, ist doch kein Gegenargument, dass viele Studenten nach dem Studium weiterhin eine prekäre Lebenssituation haben, ist doch auch kein Geheimnis. Da kommt man dann mit Projekten und Stipendien noch über ein paar Jahre und darf sich dann beruflich neu orientieren.
Ich habe auf der Philosophie auch kaum jemand mit konkretem (und realistischem) Berufswunsch getroffen.
 
Das ist keine Elite, das sind die, die tatsächlich für ein Studium geeignet sind!

Die vielen Studenten sind eben genau die, die man eigentlich nie hätte studieren lassen sollen. Eine prekäre Lebenssituation haben die guten Studenten heutzutage auf keinen Fall. Aufgrund der hohen Zahl an Studierenden gibt es für die guten Studenten so unglaublich viele überbezahlte Studentenjobs an den Hochschulen, die sie sogar im Studium weiterbringen, und so leicht zu erlangende Stipendien, dass denen das Leben einfach gemacht wird.

Klar, gibt es nur, weil es so viele schlechte Studenten gibt... Da ist man auch mit wenig Leuchtkraft bereits ein verhältnismäßig heller Stern.

Jeder, der sich im Studium nicht blöd anstellt, hat gute Chancen. Dass das eine Minderheit ist, liegt lediglich daran, dass jeder studieren will ;-)
 
Und die soziale Anerkennung für den profanen Handwerker ist halt nicht mehr da, obwohl die Jobsicherheit und Gehaltsaussichten gut sind.

Mein Eindruck ist eher der, dass man sich heutzutage nicht mehr so gern die Hände schmutzig macht oder bei jedem Wetter raus will. Wer die Grundrechenarten halbwegs beherrscht und eine Hypotaxe mit vergleichsweise wenigen Fehlern bilden kann, hat heutzutage Abitur. Wer Abitur hat "studiert". Man ist fasziniert, was man heutzutage alles "studieren" kann. Gern ein Fach, unter dem man sich auch mit viel Phantasie nichts vorstellen kann und einem Abschluss, der vor allem englisch klingt.
Das hat oft ganz pragmatische Gründe. Man muss sich nicht überlegen, wo und worin man sich für eine Ausbildung bewirbt (es könnte anstrengend sein, und der Chef könnte Anweisungen geben, pfui). Die Eltern bezahlen selbstverständlich das Studium und sind (oft) klammheimlich froh, dass der Abkömmling sich noch nicht aus der elterlichen Fuchtel emanzipiert. "Studium" kann für Unentschlossene zunächst ein Prokrastinationssymptom sein.

Zudem kommt das mediale und politische Postulat, man sei eine Wissensgesellschaft und das Glück und die Prosperität von jedem Einzelnen bemesse sich daran, wie viel Prozent eines Jahrgangs "Abitur" machen und "studieren". So wird die Vorstellung künstlich geschürt, mit seinem Bätscheler of International Business, commercial Law and any Siences of the whole World frisch von der "Hochschule" auf Abteilungsleiterebene mit Bruttogehalt > 5.000 € einzusteigen und von der Firma beim berufsbegleitenden Master über irgendein firmenspezifisches Alltagsphänomen unterstützt zu werden. :021:

Zu dem Zeitpunkt hat der Handwerker seinen Gesellenbrief, einige Jahre Berufserfahrung und den Meister samt Firmengründung schon in der Tasche und zig Kunden balzen um einen Platz in seinem brechend vollen Terminkalender. :super:


Ich habe auf der Philosophie auch kaum jemand mit konkretem (und realistischem) Berufswunsch getroffen.

Warum bringst Du ausgerechnet diesen Studiengang so nachdrücklich ins Spiel?
Welcher Verlegenheitsstudi wäre darauf erpicht, sich durch die Phänomenologie des Geistes, die Kritik der reinen Vernunft oder Aristoteles´ Metaphysik zu boxen? Wer als Erstsemester vielleicht noch glaubte, in diesem Studiengang gehe es ums freischwebende Schwadronieren, der ist aber ganz fix wieder raus aus der Nummer und geht zu den Pädagogen. :007: (kleiner böser Seitenhieb)

Das Studium der Philosophie befähigt dazu, komplexe, teilweise abwegige Gedankengebäude in einer Sprache zu verstehen, die in Inhalt, Lexik, Semantik und Form weit über die Alltagssprache hinausgeht, und kritisch zu reflektieren. Sie ist die Königin der Geisteswissenschaften, in mancher Hinsicht ähnlich der reinen Mathematik. Gleichzeitig hat sie eine Ancilla-Funktion für alles, was mit Definitionen, Texten, Stringenz und Logik zu tun hat. Diese Ancilla-Funktion befähigt die Absolventen der Philosophie, auch solche Texte blitzschnell zu verstehen und "einzuordnen", die länger als ein Spiegel-Artikel oder ein Artikel der Zeit sind. Absolventen der Philosophie kann man (verbal) kein X für ein U vormachen.

Selbstverständlich ist die Philosophie keine Ingenieurswissenschaft und bildet nicht für einen konkreten Beruf aus. Welche Geisteswissenschaft tut das schon. Berufsbilder sind alle, die IRGENDWAS mit Texten, Textverständnis und -kritik zu tun haben. Und natürlich im Lehramt das Fach "Ethik".

Wer auf eine akademische Laufbahn hofft, muss ganz dicke Bretter bohren, aber das ist überall so. Man sollte sich die philosophische Ehrlichkeit gestatten, dass Ingenieure und Naturwissenschaftler ökonomisch relevanter sind als Geisteswissenschaftler. Kein Mensch mit klarem Verstand studiert eine Geisteswissenschaft, weil er auf ein Spitzengehalt spekuliert. :blöd: Was nota bene nicht bedeutet, dass er nicht trotzdem irgendwann zu Spitzenverdienern gehören kann. Es kommt halt drauf an was man draus macht.
 
Mein Eindruck ist eher der, dass man sich heutzutage nicht mehr so gern die Hände schmutzig macht oder bei jedem Wetter raus will. Wer die Grundrechenarten halbwegs beherrscht und eine Hypotaxe mit vergleichsweise wenigen Fehlern bilden kann, hat heutzutage Abitur. Wer Abitur hat "studiert".

Das mag auch ein Grund sein mit dem Hände-schmutzig-machen etc.

Ich glaub aber auch, dass viele Leute Angst haben, dass man im Berufsleben sehr viel austauschbarer/abhängiger ist, wenn man keinen höheren Abschluss anstrebt.

Nicht jede denkt bei Handwerker sofort an den "goldenen Boden" - sondern man sieht auch ungleich viel mehr Handwerker, bei denen eben relativ wenig von den 100 Euro ankommt, die für die Handwerker-Stunde abgerechnet werden.
Erfolgreicher Handwerker zu sein hat ja auch was von Unternehmertum - und dazu ist bei weitem nicht jeder geeignet (eher eine Typfrage als eine Intelligenzfrage). Wenn schon Angestellter, dann heutzutage lieber als studierter Angestellter.
Will man z.B. als Nicht-Unternehmer im Baubereich wirklich mit Arbeitern aus Ost-EU-Ländern konkurieren, aus ganz anderen Gehalts- und Kostenstrukturen? So toll ist das ggf. dann doch nicht...

Ich sag ja nicht, dass das so richtig ist...aber nicht wenige denken so.
Studiert man (das Richtige), so ist man gefühlt geschützter vor prekären Arbeitsverhältnissen und cholerischen Chef-Abhängigkeiten - und hat als Angestellter auch mehr Aufstiegs-Chancen in größeren Firmen.
 

Ich checke nicht, wie man etwas studieren kann, ohne sich zu überlegen, wie man denn dann konkret Geld zu verdienen beabsichtigt.
Das primäre Ziel solcher Studiengänge, ist Frauen (möglichst lange) von der Reproduktion abzuhalten. Wenn die damit erst (zu) spät weit jenseits der 30 beginnen, fehlen auf ein Jahrhundert gerechnet zwei komplette Generationen.

Aber vermutlich spekuliert Deine Bekannte darauf, dass sie sich einen gut verdienenden Mann an Land zieht.
Damit sind Krankenschwestern und Erzieherinnen aber deutlich erfolgreich als Germanistikmaster. ;-)
 
Nicht jede denkt bei Handwerker sofort an den "goldenen Boden" - sondern man sieht auch ungleich vüHandwerker, bei denen eben relativ wenig von den 100 Euro ankommt, die für die Handwerker-Stunde abgerechnet werden.
Erfolgreicher Handwerker zu sein hat ja auch was von Unternehmertum - und dazu ist bei weitem nicht jeder geeignet (eher eine Typfrage als eine Intelligenzfrage). Wenn schon Angestellter, dann heutzutage lieber als studierter Angestellter.
Will man z.B. als Nicht-Unternehmer im Baubereich wirklich mit Arbeitern aus Ost-EU-Ländern konkurieren, aus ganz anderen Gehalts- und Kostenstrukturen? So toll ist das ggf. dann doch nicht...
klar, nicht jeder, der ein Studium beginnt, ist auch tatsächlich dafür geeignet und ist würde mit einer Ausbildung vermutlich besser fahren.
Was mir bei diesen Diskussionen aber so ein bißchen sauer aufstößt, sind die Äußerungen, dass Handwerker sich schon längst ihre goldenen Nasen verdient haben, während die "doofen Studis" noch auf Mamis und Papis Kosten studieren, weil sie sich später nicht die "Hände schmutzig machen" wollten.
(Ich würde dazu noch ergänzen wollen, dass sich der eine oder andere vielleicht auch nicht den "Rücken bucklig" schaffen möchte, was nicht unbedingt etwas mit "Hände nicht schmutzig machen wollen" zu tun hat)
Meistens kommen solche Kommentare von Leuten, die selber nicht den Weg des "Hände schmutzig machens" gewählt haben". Hat für mich immer so einen leichten Geschmack von "Wasser predigen...".
Abgesehen davon: die große Mehrzahl der Handwerker verdient sich eben keine goldene Nase mit ihrem eigenen Betrieb, sondern ist ganz normal angestellt in Betrieben unterschiedlicher Größen.
Das hat natürlich und unbestreitbar auch Vorteile, wie übrigens jedes Angestelltenverhältnis, egal ob "Händeschmutzigmacher" oder "studierter Sesselfurzer".
Man muss sich bspw. keinen Kopp um das unternehmerische Risiko machen, bekommt bei Krankheit etc. sein Gehalt weiterbezahlt, bezahlter Urlaub..."
Aber wie gesagt: diese Mehrheit der angestellten Handwerker verdient sich mit Sicherheit keine goldene Nase.
Und ich wage zu sagen, dass im Schnitt der angestellte Akademiker ein höheres Lebenseinkommen erzielt, als der angestellte Handwerker.
Sowie, dass auch nicht jeder Handwerker mit eigenem Betrieb sich innerhalb weniger Jahre eine Goldene Nase verdient. Wenn überhaupt.
 
Zuletzt bearbeitet:
@chiarina

Einverstanden. Aber wo ist denn diese Welt, wo ein Unterricht an einer Musikschule billlig ist?
 
Vielleicht sollte man mal darüber reden, dass die Frage auch ist, wofür wie viel Geld ausgegeben wird...

Ein Gehalt, was dem einen ein sehr angenehmes Leben ermöglicht, reicht dem anderen gerade so, der nicht mit Geld umgehen kann. Lustigerweise beobachte ich immer wieder bei jenen mit weniger Einkommen, dass die Ausgaben für gleiche Anschaffungen höher ausfallen.

Schaut eben mal im Supermarkt, wer die wegen Haltbarkeit reduzierten Artikel kauft und wer nur die teuersten Produkte kauft... Im Regelfall spiegelt sich das auch woanders wieder.

Auch angestellte Handwerker verdienen keineswegs schlecht. Ob sie mit dem Geld umgehen können, ist eine andere Frage. Die meisten Studenten können es wohl auch nicht, wenn sie mit den Bafög-Sätzen und einem kleinen Minijob noch Geldprobleme haben.
 
Damit sind Krankenschwestern und Erzieherinnen aber deutlich erfolgreich als Germanistikmaster. ;-)
Das war früher mal so, dass der Chefarzt die Krankenschwester nahm. Heute gibt es genügend junge hübsche Ärztinnen.
Und wer eine Erzieherin haben möchte ... schlecht bezahlt, und mit allerdringensdem Kinderwunsch. Rette sich, wer kann!
 

Zurück
Top Bottom