Meisterwerke der Klaviermusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Super guter Beitrag @alibiphysiker !!

Man kann es (wie so oft) auch mit dem Essen vergleichen. Würde ein Mensch jemals eine Olive (/ Schimmelkäse / Rotwein / Kaffee / ...) ein zweites Mal anrühren, ohne dass ihm vorgelegt wird, welche Genüsse sich hier verbergen - sobald man sich an die Geschmackswelt gewohnt hat! - ?
 
Man kann es (wie so oft) auch mit dem Essen vergleichen. Würde ein Mensch jemals eine Olive (/ Schimmelkäse / Rotwein / Kaffee / ...) ein zweites Mal anrühren, ohne dass ihm vorgelegt wird, welche Genüsse sich hier verbergen - sobald man sich an die Geschmackswelt gewohnt hat! - ?

Toller Vergleich!:super:

Welcher Komponist ist denn der Schimmelkäse?
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P.S. Ein Beispiel, welches ich gerne verwende um Menschen die Musik von Stockhausen nahezubringen ist Mozarts Klaviersonate KV332. Stellen wir uns vor wir wären im Spätbarock aufgewachsen und hören anschließend die erste Seite dieser Sonate. Was hören wir? Ein paar Takte Lied, dann plötzlich einen Kanon, anschließend plötzlich Hornquinten, dann ein paar Takte opernhafte Dramatik... Für Ohren, welche an den kontinuierlichen Fluss barocker Musik gewöhnt sind klingt das hochgradig bizarr. Auch Stockhausens Klavierstücke klingen für unsere Ohren erstmal hochgradig bizzar...

Sehr guter Beitrag. Das, was du sehr gut mit "Bewertung innerhalb eines Systems" ausführst, habe ich damit, dass man eben Messiaen und Stockhausen schlechter miteinander vergleichen kann als Bach und Händel, angerissen.

Allerdings ist die Frage, ob sich das bei Stockhausen jemals ändern wird.
Beethovens Große Fuge war für die Zeitgenossen auch zu dissonant und bizarr.
Allerdings hat 25 Jahre später wohl kaum noch jemand gedacht, dass dem so ist.
Zugegebenermaßen hat es sicherlich länger gedauert, bis die Kunst der Fuge eine größere Anhängerschaft bekam.

Stockhausen hat aber die elektronische Musik (passt eigtl. nicht ganz zum Thema) und diverse andere Sachen schon in den 60ern gemacht und ich glaube, dass die auch in Fachkreisen seitdem kaum populärer geworden ist.
Wäre interessant, ob das in 50 Jahren anders aussieht, ich glaube eigentlich eher nicht.
Dass manche Gewohnheiten so sind, wie sie sind, ist ja nicht nur kulturell begründet, sondern durch bestimmte physikalische Phänomene (Resonanzen, Obertöne. etc).
 
Stockhausen hat aber die elektronische Musik (passt eigtl. nicht ganz zum Thema) und diverse andere Sachen schon in den 60ern gemacht und ich glaube, dass die auch in Fachkreisen seitdem kaum populärer geworden ist.

Lieber St. Francois de Paola,

ich meine, dass man Stockhausen nicht auf elektronische Musik reduzieren kann. Seine Klavierstücke sind z.B. sehr berühmt und seine Oper "Licht" finde ich sensationell! Weiteres siehe hier.

Liebe Grüße

chiarina
 
Ich persönlich mag aus dieser "Epoche" abgesehen von diversen genannten Sachen (Ligeti, Messiaen) auch noch "The people united will never be defeated" von Rzewski sehr gerne. Vermutlich liegt das aber auch mit daran, dass dieses Werk sich einem durch die klare Form und das klare Thema verhältnismäßig leicht erschließt.

Das Stück scheint trotz der Länge auch relativ bekannt und nicht ganz selten gespielt zu sein.
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber St. Francois de Paola,

ich meine, dass man Stockhausen nicht auf elektronische Musik reduzieren kann.

Habe ich auch nicht, habe "diverse andere Sachen" auch noch erwähnt, die elektronische Musik nur als besonders extremes Beispiel für fremden Klang hervorgehoben.


Wenn man fünf Minuten reinhört, kommt man zum Schluss, dass man sich mal eine ruhige Stunde gönnen sollte, um es mal komplett zu hören.
 
Ich persönlich mag aus dieser "Epoche" abgesehen von diversen genannten Sachen (Ligeti, Messiaen) auch noch "The people united will never be defeated" von Rzewski sehr gerne.

Diese Variationen halte ich persönlich für etwas überschätzt. Aber sie sind in der Tat auch einem Publikum zugänglich, dass kaum Erfahrung mit Atonalität hat und deshalb ein toller "Dosenöffner" für die Neue Musik.

Ein solcher "Dosenöffner" sind auch Messiaens "Ving regards sur l'enfant-Jesus". Die kann man allerdings gar nicht hoch genug einschätzen - für mich ist das einer der besten Klavierzyklen nicht nur des 20. Jahrhunderts, sondern überhaupt und ein bahnbrechendes Werk für die Musik der 2. Hälfte dieses Jahrhunderts - auch wenn es schon gegen Ende des 2. Weltkriegs komponiert wurde.
 
Diese Variationen halte ich persönlich für etwas überschätzt. Aber sie sind in der Tat auch einem Publikum zugänglich, dass kaum Erfahrung mit Atonalität hat und deshalb ein toller "Dosenöffner" für die Neue Musik.

Atonalität in "The people united will never be defeated"? Vielleicht muss ich mir mal wieder die Ohren putzen...?

...ich habe das Werk schon lange nicht mehr gehört. Und ob ich überhaupt tonale von atonaler Musik sicher unterscheiden kann, wäre dann auch noch die Frage. Eigentlich ist es mir total Wurscht, ob ein Werk tonal, atonal, mikrotonal oder sonstwas ist...
 
Zwei weitere Dosenöffner für Pianisten:
Gubaidulina Chaconne
Barber Sonate (1949 also knapp zu früh)
 

Auch wenn sie nun nicht in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört, empfinde ich die Klaviersonate von Dutilleux auch als einen guten Dosenöffner. Darüberhinaus ist sie wirklich ein geniales und grandioses Stück. In die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören dann seine drei Preludes für Klavier, die mir auch wirklich außergewöhnlich gut gefallen...

P.S. Diese Sonate wird für mich übrigens immer besser, je länger ich sie übe. Hier lohnt sich die Beschäftigung wirklich!
 
Ich weiß nicht, ob man hier von "Meisterstücken" sprechen kann, um dies zu beurteilen ist seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts vielleicht noch zu wenig Zeit vergangen. Aber die folgenden Stücke / Komponisten mag ich sehr gern. Sie sind auch sehr gute "Dosenöffner" nach obiger Definition:
Bei der Arbeit höre ich ganz gern Musik von Simeon ten Holt (sozusagen als Hintergrundbeschallung). Sein "Canto Ostinato" ist in den Niederlanden eine Art Gassenhauer - vielleicht eine Vorstufe zum Meisterwerk? :denken:
 
Die 24 Präludien und Fugen op. 87 (nicht zu verwechseln mit den 24 Präludien op. 34) von Dmitri Schostakowitsch sind auch zu beachten. Schostakowitsch fuhr 1950 nach Leipzig um u.a. als Juror des dort stattfinden Bachfestivals zu fungieren. Die am Wettbewerb teilnehmende Pianistin Tatjana Nikolajewa bot an, dass sie jedes der 48 Präludien und Fugen von Bachs Wohltemperierten Klavier spielen könne, da sie alle vorbereitet hatte. Sie gewann die Goldmedaille und Schostakowitsch schrieb darauf in den Jahren 1950 und 1951 sein Opus 87, welches er ihr widmete.

In den vergangenen Jahren konnte ich zwei Mal eine komplette und eindrucksvolle Aufführung des Zyklus live von Alexander Melnikov und Igor Levit hören, beides Pianistin, die ich sehr mag. Ersterer hat sie auch eingespielt.

Die Schwierigkeiten liegen meines Erachtens in den Fugen, oft mit raschem Tempo (besonders brutal Nr. 15) und länger als die Bachschen. Als Einstieg scheint mir Nummer 1 gut geeignet zu seinn, welche ich zur Zeit mit großem Vergnügen übe. Das Präludium sehr ruhig im Rhythmus angelehnt an eine Sarabande. Es lebt von den ungewöhnlichen und sehr schönen Farben der Akkorde. Die Fuge kommt komplett ohne Vorzeichen aus, hat dabei aber Einsätze des Themas auf allen Tönen der C-Dur Tonleiter, was eine faszinierend sakrale und mysteriöse Stimmung schafft.


Von der Edition Sikorski habe ich den 1. Band, von Edition Peters den 2. Band. Beide sind zu empfehlen, was die Lesbarkeit des Notentextes betrifft, wobei mir Sikorski etwas besser gefällt. Auf Fingersätze verzichten beide, da kann man ja immer über das für und wider diskutieren, zumindest bei den Fugen finde ich einen guten sehr hilfreich und habe ihn hier vermisst.
 
Zwei Komponisten welche ich noch erwähnen möchte (die auch noch immer tätig sind) und beide interessante Werke für Klavier geschrieben haben sind George Benjamin und Marco Stroppa. Auf beide stieß ich über Pierre-Laurent Aimard, der Werke von ihnen eingespielt hat.

Von George Benjamin - ein Schüler von Olivier Messiaen - sind vor allem seine Präludiensammlung "Shadowlines" und der Klavierzyklus "Pianofigures" bestehend aus 10 kurzen Charakterstücken erwähnenswert. Darüberhinaus schrieb er eine Klaviersonate (sein erstes veröffentlichtes Werk), drei Etüden für Klavier und das Stück "Sortilèges".


View: https://www.youtube.com/watch?v=RFvpo9ZBjJE


Marco Stroppa habe ich erst gestern entdeckt und bin teilweise ziemlich begeistert. Sein (reines, also ohne Tape/Live-Elektronik) Klavierwerk besteht hauptsächlich aus dem Zyklus "Miniature Estrose". Der Zusatz "Heft 1" legt nahe, das noch ein zweites Heft geplant ist.


View: https://www.youtube.com/watch?v=IWtRJCCJ9xQ
 

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