Kommunikation im Klavierunterricht

Dss liegt daran, dass die Motivationen zum Instrumentlernen oft nicht so sehr intrinsisch sind (d.h. man findet Musik und wie sie funktioniert AN SICH spannend und will dahintersteigen), sondern narzisstisch motiviert sind.

Man möchte sich beweisen, dass man noch nicht total alt und verrostet ist. Man möchte was vorspielen können und dafür dann Anerkennung einheimsen. So was in der Art.

Und weil man eigentlich das Selbstbild hat "eigentlich bin ich doch schon zu alt, zu blöd oder zu unmusikalisch" (das dadurch verstärkt wird, dass man ja oft genau weiß, dass man es schon wieder nicht geschissen gekriegt hat und schon wieder zu wenig geübt hat oder wider besseres Wissen FALSCH und schlampig geübt hat!), empfindet man Kritik oder eben auch schon Nicht-Lob als "Ah, siehste, der KL sieht es genauso, ich bin ein wertloses piece of shit, hat alles keinen Zweck". Immer wieder gelobt zu werden wird gebraucht, um sozusagen wie in einem lecken Boot das Wasser in Eimern rauszuschippen, damit man nicht sinkt - damit man immer wieder das verzweifelte, deprimierte Selbstbild mit kurzzeitigen Appellen an den narzisstischen Gegenpol der Grandiosität "übertünchen" kann. Durchaus ein bisschen so wie die Social-Media-Nutzerin, die dauernd Selfies hochlädt, um sich aufgrund der Likes und Kommentare kurzzeitig nicht mehr ganz so entleert und beschissen zu fühlen.

So ein Quark. So langsam frage ich mich, mit welcher Art von Menschen Du zu tun hast. :blöd:
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ich frage mich, warum ich Familie, Freunden oder Partnern noch sagen soll, dass ich sie liebe, Ist doch eh klar.

Wer Unterricht nimmt, um auf diesem Gebiet Input zu bekommen, macht meines Erachtens etwas verkehrt.

Wir wurden beim Ballett gestern von der Trainerin großzügig beschenkt:

Weil wir bei einer Übung besonders hart und ausdauernd gearbeitet hatten, sollten wir als Belohnung zum Dehnen statt der üblichen zwei Minuten drei Minuten für uns bekommen.
Nachdem die Musik dazu durchgelaufen war meinte sie: "Oh, das waren jetzt 1:52; Jetzt alle in die Mitte!"

Das ist Liebe ;-)
 
Für mich kommt es beim Lob sehr darauf an, ob es im Verhältnis zur tatsächlichen - oder auch selbst empfundenen - Leistung steht. Meine ehemalige KL hat z.B. vor ein paar Jahren allen Ernstes mal zu mir gesagt, als ich ein Stück (einen der leichteren Chopinwalzer) abgeschlossen hatte: "Damit können Sie jetzt bei einem Amateurwettbewerb auftreten!" Das war dermaßen absurd, dass ich mich gefragt habe, ob sie entweder tatsächlich nicht weiß, auf welchem Niveau sich solche Wettbewerbe bewegen oder ob sie dachte, ich wüsste das nicht. Ich habe mich jedenfalls irgendwie verarscht gefühlt. Vermutlich hatte sie es nett gemeint, aber diverse Äußerungen von ihr (in Kombination mit dem Unterrichtsstil) haben dann letztlich dazu beigetragen, dass ich die KL gewechselt habe...

Wenn allerdings eine KL (wie neulich erst geschehen) zu mir etwas sagt wie: "Ich freue mich sehr an deinen Fortschritten in der letzten Zeit", dann freu ich mir nen Ast. ;-)
 
Wenn allerdings eine KL (wie neulich erst geschehen) zu mir etwas sagt wie: "Ich freue mich sehr an deinen Fortschritten in der letzten Zeit", dann freu ich mir nen Ast. ;-)
Ich verstehe dich und es ist ganz klar wenn das Lob ernst und seriös rüber kommt und zu der Person durchdringt, kann das sehr motivierend sein.
Vor ein paar Jahren hat ein KL zu mir mal gesagt, dass ich jetzt kein Anfänger mehr bin und das hat mich gefreut und motiviert weiter zu machen.

Den Schüler zu motivieren ist meiner Meinung nach eines der wichtigsten Fähigkeiten (mit anderen) eines KL.
Hat noch nicht jeder KL hier erstanden.
 
Äh @lexel DU willst doch Klavier spielen.
Warum soll dich jemand dazu motivieren?

Dem KL kann's doch scheißegal sein.
Wenn du aufhörst, kommt hoffentlich jemand, der Klavier spielen muss und nicht nur möchte.
 
Eben da trennt sich die Streu (80-90% der KL schlecht bis mittelmäßig) vom Weizen (Rest).
Am Anfang ist noch jeder motiviert und das kann sich in die eine oder andere Richtung verändern.
Gebe dir ein Bsp.: Du startest in einer Firma als neuer Mitarbeiter bist hoch motiviert neuer Job super. Du fängst an und jeden Tag demotiviert dich dein Vorgesetzter durch verschiedenste Gründe. Das Arbeitsumfeld ist mies. Du kannst das auf einen schlecht KL bzw. KL Unterricht analog umsetzen.
 
Das stimmt ca. zur Hälfte. Auch bei guten KL gibt es unmotivierte Schüler. Zaubern können wir auch nicht.
 

@lexel
Aber Du kannst doch nicht erwarten, dass die Motivation von außen (KL) an Dich herangetragen wird. Die muss doch von innen kommen. Dann ist natürlich auch der Lehrer/die Lehrerin motiviert! So motiviert man sich gegenseitig immer weiter empor. :super:

Wollen will immer jeder vieles.
Aber nur wenige können nicht anders, als ein bestimmtes Ziel zu verfolgen.

Wir meinen mit hoher Wahrscheinlichkeit dasselbe. Meine Terminologie ist etwas anders, wir stammen wohl aus unterschiedlichen philosophischen Traditionen. Mein Willensbegriff bedeutet: apodiktisch nötigendes Motiv. Also, populär ausgedrückt, ein inneres "Müssen".
 
Das stimmt ca. zur Hälfte. Auch bei guten KL gibt es unmotivierte Schüler. Zaubern können wir auch nicht.
Ja stimmt eh, sehe auf der Musikschule gefühlt sicher 50% Eltern mit Kindern die hingeschleppt werden , obwohl die Kinder (gefühlt) nicht wollen. Am besten erkennt man das dann, wenn das Elternteil das Musikinstrument trägt ;-) fast ein todsicheres Indiz ... herrlich

Ein Erwachsener will das ja ursprünglich, das ist eben ein Unterschied.

Boah da musste ich jetzt googeln was apodiktisch bedeutet :super:
Sehr ähnlich ja, nur externe Trigger braucht man ab und an glaube ich (der eine mehr der andere weniger). Weiß grob von der Biographie von Lang-Lang und dem Geiger David Garret, die wurden von ihren Eltern dazu immer angetrieben ... Was wäre gewesen ohne sie?
Aus Beiden wäre vielleicht nichts geworden ...Ob das für die Personen gut war, steht auf einem ganz anderen Blatt ...
 
Ich frage mich, warum ich Familie, Freunden oder Partnern noch sagen soll, dass ich sie liebe, Ist doch eh klar.

Ich bin mir nicht sicher, ob das auf das Loben bezogen ist, aber wenn ja:

stellen wir uns mal vor, dass wir unseren Partner, Ehefrau, Ehemann o.ä. loben würden. "Das hast du aber gut gemacht", "Sehr schön, wie du das alles auf die Reihe gekriegt hast", ...... Sofort wird klar, wie verrückt das wäre. Ich hoffe, nicht nur aus meiner Sicht. Es käme plötzlich eine sehr merkwürdige, unauthentische Hierarchie und Unklarheit in die Beziehung. Der Gelobte würde hoffentlich sofort sagen"Spinnst du? Wie redest du eigentlich mit mir?"

Eine Partnerschaft wird nicht durch Lob, sondern durch Wertschätzung getragen. Liebe zeigt sich durch Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Taten. Worte sind das Sahnehäubchen. Interesse, Empathie, Mitfühlen, Zuhören, Akzeptanz schaffen eine Tiefe, die ein lächerliches Lob niemals erreicht. Ein "Danke" aus vollstem Herzen, ein Blick, eine Geste ist tausendmal mehr wert als ein oberflächliches Lob.

Bei Freunden und der Familie ist es genauso. Es gibt jede Menge Liebe, Zärtlichkeit und Verbindung. Lob steht dem entgegen.

Liebe Grüße

chiarina
 
Ich glaube, mir ist nicht klar, wie man zwischen Lob, Wertschätzung, Anerkennung etc. differenziert. Kann ich denn überhaupt loben, ohne gleichzeitig irgendeine andere Absicht zu verfolgen? Kann ich Anerkennung für eine Leistung aussprechen, ohne zu loben?
 
Weiß grob von der Biographie von Lang-Lang und dem Geiger David Garret, die wurden von ihren Eltern dazu immer angetrieben ... Was wäre gewesen ohne sie?
Aus Beiden wäre vielleicht nichts geworden ...

Andere Liga. Irrelevant.

Kann ich denn überhaupt loben, ohne gleichzeitig irgendeine andere Absicht zu verfolgen? Kann ich Anerkennung für eine Leistung aussprechen, ohne zu loben?

Der Klassiker:

"Allmählich wird´s!"

:-D

Habe den Eindruck, es wird gerade etwas scholastisch. Eine tatsächlich erbrachte Leistung angemessen zu würdigen, dürfte keinem Lehrer schwerfallen.
 
Ich glaube, mir ist nicht klar, wie man zwischen Lob, Wertschätzung, Anerkennung etc. differenziert.

Muss man in der Regel ja auch nicht. Lehrer und Schüler sollten einander immer Wertschätzen und wenn die Wertschätzung da ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer, in der Form, unangemessene Leistungsrückmeldung sehr gering. Egal welcher der Beteiligten wie zwischen Lob und Anerkennung differenziert.
 
Ich glaube, mir ist nicht klar, wie man zwischen Lob, Wertschätzung, Anerkennung etc. differenziert. Kann ich denn überhaupt loben, ohne gleichzeitig irgendeine andere Absicht zu verfolgen? Kann ich Anerkennung für eine Leistung aussprechen, ohne zu loben?
Nein, natürlich nicht.

Wozwischen man differenzieren kann, ist, wie aber auch schon gesagt wurde, zwischen Lob dessen, was der Schüler gerade gemacht hat bzw. des Klangergebnisses oder manchmal z.B. auch der Bewegungsausführung etc., und positiver Bewertung des Spielers.

Also im einen Fall ein letztlich unpersönliches Lob: "So klang es doch jetzt schon richtig prima! Oder was ist Dein Empfinden?". Es bleibt dem Schüler gänzlich selber überlassen, ob und wie er daraus eine Bewertung seiner selbst (als Mensch oder Musizierender) ableitet. Optimalerweise gucken sozusagen Lehrer und Schüler gemeinsam auf das vom Schüler Gespielte als etwas "Drittes" - sozusagen wie wenn eine gerade im Entstehen befindliche Skulptur betrachtet wird, und beide fragen sich: Wo könnte / müsste da noch was weggehauen werden? Leider ist dies in nicht wenigen Fällen nur schwer möglich, weil Schüler zu "narzisstisch verletzbar" sind und generell mit so einer "quasi-wissenschaftlichen" Herangehensweise nicht vertraut sind bzw. das im Zusammenhang mit Musikmachen (das oft ZU STARK mit "Gefühle rauslassen" aussoziiert wird) unpassend und irritierend finden.

Im anderen Falle Lob aus der Abteilung "Mensch, du spielst schon viel besser als vor ein paar Monaten!", "Toll gespielt - Du bist sehr musikalisch!", "Dein Rhythmusgefühl hat sich mittlerweile verbessert!" etc. Hier geht es nicht darum, das gerade konkret vorliegende Klangergebnis gemeinsam zu betrachten, sondern der Schüler wird in allgemeiner Form als Person bewertet und - implizit oder explizit - wird ihm mitgeteilt, ob er ein "guter Spieler" oder "schlechter Spieler", faul/fleißig, intelligent/unintelligent etc. ist.

Ich bin nicht der Meinung, dass man Lob aus der 2. Kategorie nicht verwenden sollte - aber es dürfte klar sein, dass die 1. Kategorie in den allermeisten Fällen angebracht ist und die Standard-Gewohnheit sein sollte.

Ach so, fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Natürlich sollte man wo immer es geht erstmal gar keine Beurteilung abgeben, sondern den Schüler fragen, was er denn meint! Denn der Schüler muss ja lernen, beim häuslichen Üben zu beurteilen, was an dem eben gespielten "Take" des Stücks oder der Übung noch nicht so gut war, und sich zu überlegen, was er beim nächsten "Take" anders machen könnte, damit das Ergebnis mehr in seinem Sinne ausfällt.
Gibt aber der KL immer sofort Rückmeldung und sagt, was der Schüler richtig oder falsch oder gut oder schlecht gemacht hat, lernt der Schüler das nicht und bleibt völlig in Abhängigkeit vom KL! Ganz schlecht!
 

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