Kann man Stücke besser spielen, wenn man in der passenden Stimmung ist?

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Wirkt sich die eigene Stimmung auf das Stück aus, wenn sie zu dessen Charakter passt?

  • Ja, auf jeden Fall!

    Stimmen: 44 89,8%
  • Ich glaube nicht, dass das einen Unterschied macht.

    Stimmen: 3 6,1%
  • Denke ich nicht. Ich interpretiere die Stücke immer gleich, egal in welcher Stmmung ich bin.

    Stimmen: 2 4,1%

  • Umfrageteilnehmer
    49
Die Pianistin

Die Pianistin

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24. Juni 2006
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Hallo!

Nachdem wir uns im chat gerade angeregt über den "Blues" unterhalten haben, habe ich mir die Frage gestellt, ob man z.B.traurige Stücke in einer melancholischen Stimmung besser spielen kann, als in einer "normalen" Gemütsverfassung( ich hoffe, man versteht was ich meine;-))
Also meine Frage:

Denkt ihr, dass sich die eigene Stimmung positiv auf das Stück auswirkt, wenn sie zu dessen Charakter passt?

Ja, auf jeden Fall!
Ich glaube nicht, dass das einen Unterschied macht.
Denke ich nicht. Ich interpretiere die Stücke immer gleich, egal in welcher Stmmung ich bin.
 
Hi Pianistin,

ich bin zwar noch absolute Anfängerin, aber z. B. "Der kleine Gernegroß" macht mir nur Spaß (und gelingt mir auch nur) wenn ich "gut drauf" bin. Andere - eher "traurige" Stücke - will ich dann auch gar nicht spielen. Wenn es mir allerdings gerade nicht so gut geht, dann klappt "Der kleine Gernegroß" auch nicht so gut, dafür aber die etwas "Traurigeren"...

Doch, ich bin absolut der Meinung, dass das von der eigenen Stimmung abhängig ist.

Liebe Grüße
Moonlight
 
ich auch, ich spiele ganz extrem nach Stimmung. manche sachen klappen in manchen Stimmungen sogar gar nicht, nicht mal ansatzweise. es geht einfach nicht. das ist zwar dann schon extrem, aber sogar meine Umgebung hört teilweise an meinem Spiel, wies mir geht und kommt dann besorgt ins Zimmer...witzig war, dass mich mal ne Freundin, die zwei Häuser weiter wohnt, bei offenem Fenster spielen gehört hat und daraufhin angerufen hat. Auf der Klarinette ist so deutlichweil ich die spiele, aber auf dem Klavier scheint man es auch manchmal schon zu merken.
 
Ok, ich oute mich ;)
ich bin die einzige, die glaubt, dass die Antwort "auf jeden Fall" nicht zutrifft.
Habe nun geschwankt zwischen der zweiten und dritten Antwort.
Irgendwie verstehe ich nicht so ganz den Unterschied.
Denn wenn es keinen Unterschied macht, interpretiert man ja immer gleich, oder?:p
Also mal eine kleine Erklärung für meine scheinbar so gefühllose Antwort...
Wenn man es mal aus der Sicht eines Pianisten betrachtet, müsste er sicherlich die dritte Möglichkeit ankreuzen. Hatten wir ja schonmal irgendwo diskutiert- egal, ob er heute Geburtstag hat oder er sich mit seiner Frau gestritten hat (oder sie mit dem Mann...), das Stück muss immer gleich (gut) klingen.
Ich bin ja nun keine Pianistin ;) denke aber nicht, dass mein Spiel so extrem von meiner Stimmung abhängig ist. Ich würde es eher andersrum sehen: Natürlich spüre ich es beim Spielen, ob ich gut oder schlecht ist, aber die Stücke können die Stimmung auch verändern. Ich kann ein lustiges Stück spielen, dass mich aufheitert, oder ein melancholisches, dass mich in eine wehmütige Stimmung versetzt (klappt auch manchmal beim hören!)
Wenn man total mies drauf ist, klappt manchmal gar nichts, und wenn man gute Laune hat, spielt man automatisch besser- aber ich würde nicht sagen, dass es für meine Interpretation hilfreich ist, wenn ich zb. traurig bin. Falls ich das so einfließen lassen würde, wäre alles whrscheinlich ziemlich übertrieben...

liebe Grüße

Stilblüte
 
Hallo!

Ich halte es für eine naive, jedoch sehr weit verbreitete Meinung, Musik (generell) sei Ausdruck(!) der Gefühle. Viele benutzen ihr Instrument aber tatsächlich als eine Art Spiegel des eigenen Gefühlslebens, vielleicht sogar als Sprachrohr. Hm.
Was nützt mir (als Zuhörer) die "musikalische" Information, dass es dem Interpreten schlecht geht? Oder anders gefragt: Warum macht jemand Musik, wenn (oder weil) es ihm schlecht geht? Solche Fragen hinterlassen bei mir einen bitteren Nachgeschmack, weil es oft einfach so offensichtlich ist.
Ich persönlich mache Musik für die anderen - und natürlich für ein dankbares Feedback. Platt gesagt ist Musik sogar eine (mal mehr, mal weniger anspruchsvolle) Dienstleistung. Meine eigenen Gefühle haben im Moment des Vortrags aber keinen Platz, weil sie nur ein zusätzlicher Störfaktor wären und Betrug am Zuhörer, der (in der Regel) nicht wissen will wie's mir gerade so geht, sondern was ich musikalisch zu sagen habe.
Ich höre ungern jemanden auf seinem Instrument jammern. Genauso ungern wie ich sonst jemanden jammern höre.
Wenn es mir schlecht geht, mache ich nicht "Musik draus", sondern tu etwas dagegen.
 
ich möchte stücke immer gleich interpretieren.
allerdings gibt es schon Phasen in denen ich so schlecht drauf bin, dass ich es gleich lasse mozart zu spielen (oder fröhliche stücke)
es will dann einfach nicth klappen
 
keyla, das verstehe ich voll und ganz und stimme dir zu ;)
das ist bei mir auch so.
Ich glaube, sich völlig von den Stücken zu distanzieren ist sehr schwierig (dazu hatten wir erst vor kurzem einen Thread).
Man kann sich auch durch Stücke richtig "in Fahrt" spielen und ist danach noch trauriger oder besser drauf als vorher.
Wenn man aber wirklich konzentriert übt und nicht gerade am Boden zerstört ist, meine ich, dass man doch recht ähnliche Interpretationen hinbekommen kann.
Seine Gefühle "in die Stücke hineinspielen" sollte man nur, wenn man ausschließlich für sich selbst spielt...


liebe Grüße

Blütchen
 
Also bei mir wirkt sich die Stimmung schon darauf aus, wie ich spiele. Wobei aber auch glaube, dass - falls ich mal eher melancholisch gestimmt wäre (was sehr selten vorkommt) - mich ein fröhliches Stück auch aufheitern könnte. Auf der anderen Seite, macht mich ein eher trauriges Stück nicht automatisch auch traurig. Es ist eher so, dass es mich freut, wenn ich es besonders gut hinkriege.
 
traurige stücke kann ich auch fast immer gut spielen
aber fröhliche nicht ;)
 
Ich kann sowieso nicht so gut spielen, dass Zuhörer die vom Komponisten beabsichtigte Stimmung eines Stückes erkennen könnten :oops:

Aber im Ernst: um überhaupt spielen zu können, brauche ich einen klaren Kopf: nicht zu müde, nicht zu sehr mit irgendwas anderem beschäftigt. Optimal ist so eine Art Klavier-Trance, die bei mir eine ganz eigene Stimmungskategorie ist und mich die Außenwelt komplett vergessen läßt.

Daja
 
Hallo Daja,
was du meinst, ist sicher der Flow. (Interessant auch hier.) Einer der schönsten Zustände überhaupt, die man kennt. Neurobiologen haben da in letzter Zeit verblüffende Ähnlichkeiten zu den Hirnaktivitätsmustern tief in Meditation versunkener Menschen gemacht.
 

Hallo Daja,
was du meinst, ist sicher der Flow. (Interessant auch hier.) Einer der schönsten Zustände überhaupt, die man kennt. Neurobiologen haben da in letzter Zeit verblüffende Ähnlichkeiten zu den Hirnaktivitätsmustern tief in Meditation versunkener Menschen gemacht.

Ich bin ja ganz erstaunt, dass es für diesen Zustand ein Wort gibt!
Hätte ich gar nicht erwartet... Aber ich würde sagen, das trifft es ganz genau. In Wikip. steht, dass so ein "Zustand" nur Augenblicke oder Minuten dauert, doch beim Klavierspielen (und allg. Musizieren) kann das sich schon über eine längere Zeitspanne hinziehen ;) Allerdings würde ich nicht unbedingt sagen, dass die Zeit immer schneller vergeht als man denkt- manchmal auch langsamer.

Andere Momente, bei denen dieses Flow-Gefühl erreicht werden kann, so wie es fast jedem möglich ist, ist denke ich das Lesen (oder schreiben). Es ist wohl jedem schon einmal passiert, dass er in einem Buch "versunken" ist.
Oder beim Fernsehn...

Auch das mit den Sportarten finde ich interessant.
Jetzt weiß ich, warum Kanufahren, Höhlen und ähnliche Dinge so eine anziehende Kraft auf mich ausüben :D

liebe Grüße

Stilblüte
 
Hallo,

ich denke, dass der perfekte Pianist es schafft, sich in die Stimmung jedes Stückes hineinzuversetzen. ("Der Pianist als Medium").
Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ich, wenn ich schlecht gelaunt bin einige Stücke recht aggressiv interpretiere, was sich dann im Anschlag und im Tempo äußert. Ich versuche mich dennoch dazu zu "zwingen" - es ist kein wirklicher Zwang in dem Sinne - das Stück ordentlich zu interpretieren, bzw. nehme mir ein bisschen Zeit zum durchatmen, und stelle mir vor, dass ich die Stimmung, die ich für das Stück benötige, mit der Luft einatme. Meistens klappt es. Andererseits wirkt ein Stück authentischer, bei dem nicht gefühlsmäßig geschauspielert wird =)
 
Andererseits wirkt ein Stück authentischer, bei dem nicht gefühlsmäßig geschauspielert wird =)

Da stimme ich vollkommen zu. Man muss schon Selbstbewusstsein aufbringen, um ein Stück überzeugend zu spielen. Ich glaube nicht, dass man unbedingt traurig sein sollte, wenn man ein trauriges Stück spielt. Aber folgendes:

Wenn man einfach denkt, man sei traurig, müde, fröhlich oder sonst was, klappt es schon viel besser. Das ist gerade das entscheidende: Wenn man sich dem Stück hingibt und an nichts anderes denkt, dann ist der Vortrag gelungen.
 
Man stelle sich einen nüchternen Schauspieler vor, der einen Betrunkenen spielt, der versucht nüchtern zu wirken... ;)

Gruß
Tosca
 
Man merkt as ja auch an den komponisten, rachmaninovs musik ist meist in Moll, weil seine schwermut ausgedrückt werden soll. Und so denke ich ist das auch bei dem Stücken, die man spielt.

es äußerte sich
pp
 
Da bin ich aber anderer Meinung.
Ein Künstler muss ein Stück unabhängig von seiner gegenwärtigen Stimmung spielen können. Auch wenn gerade seine Mutter gestorben ist.

"Lache Bajazzo"

Gruß Chief
 
Chief, ich bin deiner Meinung.

Gilt natürlich nur für Profis.

Die anderen leben ja nicht davon.

Ein Nachrichtensprecher fängt auch nicht an zu heulen, wenn er über einen Krieg berichtet, in dem ständig Menschen umkommen.

Stilblüte
 

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