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Geschichte der Klaviermusik

Anfänge bis 1700

Die Geschichte der Klaviermusik ist eng verbunden mit der Geschichte der Tasteninstrumente allgemein. Die Bezeichnung “Klavier“ kommt vom lateinischen Wort „clavis“ und bedeutet Taste. Bis in die Zeit der Klassik hinein wurden deshalb alle Tasteninstrumente als „Clavier“ bezeichnet. Und die Klaviermusik dieser Zeit konnte daher sowohl auf dem Cembalo als auch auf der Orgel und zum Teil auch auf der Laute gespielt werden.

Die älteste Musik für Tasteninstrumente waren italienische Tänze, die im 14. Jahrhundert komponiert wurden und die im sogenannten Robertsbridge-Codex überliefert sind. Eine weitere heute noch bekannte Sammlung früher Klaviermusik ist das Buxheimer Orgelbuch aus dem 15. Jahrhundert, das Lieder, Choräle und Präludien enthält.

Erfindung des Klavierchords

Mit der Erfindung des Klavichords im 15. Jh. kam es zu einer ersten Blüte der häuslichen Klaviermusik. Das Klavichord war nicht so groß wie das Cembalo und sein Klang war sehr viel weicher und zarter, so dass es sich schnell als Hausmusikinstrument in ganz Europa verbreitete.

Dementsprechend entstanden auch zahlreiche Kompositionen, die sich besonders auf diesem Instrument spielen ließen.

Viele Gattungen aus der Orgelmusik wurden für das Klavichord übernommen, so z. B. Präludium, Fuge, Passacaglia und Toccata. Das Klavichord behielt seine Stellung als Hausmusikinstrument bis zum Ende des 18. Jh. Zahlreiche Komponisten bis hin zu Wolfgang Amadeus Mozart komponierten für das Klavichord.

Spinett und Virginal

Während auf dem europäischen Festland das Klavichord weit verbreitet war, gab es in England eine Sonderform des Spinetts, das Virginal, das ebenfalls als Hausmusikinstrument verbreitet war. Da auch die englischen Könige dieses Instrument besonders schätzten, entstanden im 16. bis 18. Jh. sehr viele Kompositionen für das Virginal. Komponisten wie William Byrd, Thomas Tallis und John Bull schrieben Virginalmusik, die zum Teil schon sehr virtuos war.

Die Klaviermusik aus Frankreich ging von der mittelalterlichen Lautenmusik aus und war vor allem für das Cembalo gedacht. Aus Frankreich stammt eine der wichtigsten Gattungen der Klaviermusik - die Suite. Auch in Italien gab es zahlreiche Komponisten, die für Tasteninstrumente schrieben. Allen voran Girolamo Frescobaldi, dessen Kompositionsstil zum Vorbild für die nachfolgenden Komponistengenerationen wurde. Johann Kaspar Kerll, Johann Pachelbel und der Niederländer Jan Pieterszoon Sweelinck waren von Frescobaldis Klaviermusik beeinflusst.

Größere Bedeutung für die Geschichte der Klaviermusik hat der Leipziger Komponist Johann Kuhnau, der Vorgänger von Johann Sebastian Bach an der Thomaskirche war. Er schrieb als erster Sonaten für Klavier. Er gilt auch als Begründer der Programmmusik für Klavier, da er eine Sonatenfolge über biblische Geschichten für Klavier komponierte.

Weitere Klavierkomponisten des 17. Jh. waren Matthias Weckmann, Johann Adam Reincken und Dietrich Buxtehude. Diese waren, wie alle anderen Komponisten aus der Frühzeit der Klaviermusik, in erster Linie Organisten und häufig auch virtuose Cembalospieler.

Die frühe Klaviermusik wird heute meist nur von Spezialisten auf historischen Instrumenten gespielt. Dabei wäre diese Musik auch durchaus eine Entdeckung für viele Pianisten und Klavierfreunde.

Barock

Genau genommen umfasst der musikalische Barock die Zeit zwischen 1650 und 1750. Deshalb können auch Komponisten wie Pachelbel, Sweelinck und Buxtehude schon zum Barock gezählt werden. Seine Blütezeit hatte der Barock allerdings zwischen 1700 und 1750 - also vor allem während der Zeit J.S. Bachs, dem wichtigsten barocken Komponisten auf dem Gebiet der Klaviermusik.

Im Laufe des 17. Jh. hatte sich die Funktion der Tasteninstrumente und damit auch der Klaviermusik stark gewandelt. Zum einen wurden die Klavierinstumente nach wie vor als Soloinstrumente genutzt - ob zum häuslichen Musizieren oder in Kirchen und Palästen.

Nach und nach wurden Orgel und Cembalo jedoch auch als Generalbassinstrumente verwendet, d.h. als Begleitinstrumente für eine Singstimme oder andere Soloinstrumente. Dabei spielte das Klavier die Bassstimme und stützende Akkorde mit.

Daraus ergaben sich ganz neue Möglichkeiten für die Musik. So ist zum Beispiel die Erfindung der Oper im 17. Jh. eng mit der Entwicklung der Generalbassbegleitung verbunden.

Der Klavier-Boom beginnt

1716 erschien in Paris die erste Klavierschule „L árt de toucher le clavecin“ von Francois Couperin, der selbst sehr viel Klaviermusik komponiert hat. Eigentlich handelte es sich dabei noch um ein Lehrbuch für das Cembalospiel, aber mit dieser ersten Anweisung wie man auf einem Tasteninstrument richtig spielt, war der Grundstein für den Boom des Klavierspielens und der Klaviermusik der folgenden Jahrhunderte gelegt.

J.S. Bach war zweifellos eine Schlüsselfigur für die Klaviermusik im 18. Jh. Erstaunlicherweise waren es seine unzähligen Werke für Cembalo und Orgel, die auch nach seinem Tod nicht in Vergessenheit gerieten (anders als die Vokalwerke, die erst im 19. Jh. wieder entdeckt wurden).

Bach gilt als Begründer der Gattung Klavierkonzert, die später von seinen Söhnen weiterentwickelt wurde und in den Kompositionen von Mozart, Beethoven und den Romantikern ihren Höhepunkt fand.

Das wohltemperierte Klavier

Besondere Bedeutung hat das Satzpaar Präludium und Fuge in der Klaviermusik Bachs. Er vervollkommnete diese Formen und zeigte an Ihnen sein kompositorisches Können. Viele Klavierwerke komponierte Bach als Unterrichtswerke für seine Schüler. Besondere Bedeutung haben bis heute seine beiden Bände des „Wohltemperierten Klaviers“. Er führt darin die zwei mal 24 Präludien und Fugen durch alle Tonarten des Quintenzirkels.

Dabei nutzte er die Möglichkeiten eines damals neuen Stimmungsverfahrens für Cembali. Durch die neue Stimmung konnte man nun in allen Tonarten spielen, ohne dass die Stücke in Tonarten mit mehr als drei Vorzeichen verstimmt klangen. Diese Neuerung war ein Meilenstein in der Geschichte des Klaviers und der Klaviermusik. Die Zusammenstellung von 24 Präludien und Fugen wurde im 19. Jh. von vielen Komponisten nachgeahmt.

Telemann, Händel & Co

Weitere Klavierkomponisten neben Bach waren z.B. Georg Philipp Telemann, der einige Fantasien für Klavier komponierte. Auch Georg Friedrich Händel schrieb zahlreiche Cembalowerke. Des Weiteren sind in Deutschland noch Johann Mattheson und Gottlieb Muffat zu nennen.

In Italien wurde besonders die Sonate gepflegt; Domenico Scarlatti komponierte hier über 500 Sonaten für Klavier. In Frankreich steht Jean-Philippe Rameau für die barocke Klaviermusik.

Bereits zu Beginn des 18. Jh. entwickelte der italienische Klavierbauer Bartolomeo Cristofori eine neue Form des Klaviers - den Hammerflügel. Dieser wurde später von Gottfried Silbermann weiterentwickelt, konnte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 18. Jh. gegen das Cembalo durchsetzen. Selbst Bach war noch sehr skeptisch gegenüber diesem neuen Instrument. Erst seine Söhne machten es mit ihren Klavierkompositionen in der Zeit der Vorklassik zum wichtigsten Tasteninstrument.

Vorklassik

„Dieser Neuankömmling wird niemals das majestätische Cembalo entthronen“ (Harenberg Musikführer, S. 17) sagte der französische Philosoph Voltaire einst über den gerade neu erfundenen Hammerflügel. Er sollte sich irren, denn der sächsische Orgelbauer Gottfried Silbermann hatte die von Cristofori erfundene Hammermechanik perfektioniert und das neue Instrument, dessen Seiten nun nicht mehr angezupft sondern mit Hämmern angeschlagen wurden, verbreitete sich rasch in der zweiten Hälfte des 18. Jh.

Mit dem neuen Klavier war durch einen Dämpfer erstmals ein dynamisches Spielen möglich - daher auch der Name Pianoforte. Viele Komponisten ließen sich davon inspirieren und es entstand ein ganz neuer musikalischer Stil - der so genannte empfindsame Stil. Dieser war viel freier als der strenge mehrstimmige Barockstil. Die Klänge waren jetzt zarter, spielten mit laut und leise und die Komponisten legten mehr Gewicht auf die Melodie.

Wichtigster Komponist dieser Zeit, die man als Vorklassik bezeichnen kann (ca. von 1740 bis 1780) war der Bachsohn Carl Philipp Emanuel. Er komponierte Klavierkonzerte, Sonaten und Fantasien. Außerdem schrieb er eine bedeutende Klavierschule den „Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen“.

Weitere Klavierkomponisten waren Johann Schobert, Georg Christian Wagenseil und der jüngste Bachsohn Johann Christian.

In Italien gab es keinen Bruch zwischen dem barocken und dem klassischen Stil, denn hier legten die Komponisten schon immer viel wert auf die Melodie. Domenico Albert ist hier der wichtigste Komponist für Klaviermusik in der Vorklassik. Er komponierte zahlreiche Sonaten.

Klassik

Der in der Vorklassik entstandene neue Stil führte in der Klassik (ca. 1780 bis 1825) dann schließlich zur Trennung von Orgel- und Klaviermusik. Während die Orgel an Bedeutung verliert - kaum ein klassischer Komponist hat Orgelmusik geschrieben -, erleben das Klavier und damit auch die Klaviermusik einen rasanten Aufschwung. Die Zeit der Klassik wird vor allem durch die drei Wiener Komponisten Haydn, Mozart und Beethoven geprägt. Diese haben die Entwicklung der Klaviermusik wesentlich beeinflusst.

Joseph Haydn

Joseph Haydn ist das Bindeglied zwischen Barock und Klassik. Seine frühen Klavierwerke orientieren sich noch am Barockstil. Später komponierte er im empfindsamen Stil und seine Spätwerke erinnern schon an Mozart. Er schrieb über 50 Klaviersonaten und zahlreiche weitere Klavierstücke.

W.A. Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart war ein hervorragender Pianist und schrieb seine Klavierwerke vor allem für sich selbst. Er bevorzugte als erster Komponist eindeutig das Klavier vor dem Cembalo. Er war auch der erste, der vierhändige Klaviermusik komponierte und diese als gleichberechtigt neben der zweihändigen Literatur ansah. Mozart schrieb Klavierkonzerte, aber natürlich auch Werke für Klavier solo: Rondos, Fantasien, Variationen und insgesamt 18 Sonaten.

L.v. Beethoven

Die Klaviermusik Ludwig van Beethovens, dem jüngsten der Wiener Klassiker, ist zum Teil sehr sinfonisch und weist damit schon in Richtung Romantik, auch wenn Beethoven noch sehr im klassischen Stil komponierte. Neben seinen Klavierkonzerten sind es vor allem die 32 Sonaten, die besondere Bedeutung für die Klaviermusik haben. Beethoven vollendete die Form der Sonate, indem er die klassische Sonate um den vierten Satz, das Menuett oder Scherzo, erweiterte. An seiner Klaviermusik orientierten sich nach ihm alle Komponisten des 19. Jh.

Aber nicht nur in Wien bestand Bedarf an neuer Klaviermusik. Andere Komponisten der Zeit waren Muzio Clementi, der mehr als 100 Sonaten und Sonatinen schrieb und außerdem eine bedeutende Klavierschule verfasste.

Die Etüden und Lehrwerke Carl Czernys wurden zu Standardwerken der Klavierpädagogik. Seine „Schule der Geläufigkeit“ ist heute noch bekannt. Und auch die Sonatinen des österreichischen Musikverlegers und Komponisten Anton Diabelli werden bis heute gespielt.

Mit Beethoven begann das Zeitalter der Berufs- und Konzertpianisten. Das Konzertleben hatte sich stark verändert. Es gab, nicht nur in Wien, viele öffentliche Konzerte vor allem in bürgerlichen und adligen Salons. Neben den genannten Komponisten gab es tausende heute weniger bekannte Komponisten und Kleinmeister, die in dieser Zeit Klaviermusik schrieben. Es entstand die Salonmusik - Klaviermusik zur Unterhaltung.

Sehr beliebt waren außerdem Arrangements, z.B. von beliebten Opernmelodien, für das Klavier. Der Klavierauszug begann seinen Siegeszug durch die bürgerlichen Wohnzimmer. Das Klavier wurde zum Modeinstrument, das zum bürgerlichen Leben einfach dazugehörte.

Die Produktion von Klaviermusik nahm im 19. Jh. immer mehr zu. Der gut entwickelte Notendruck, viele neu entstehende Musikverlage, zahlreiche Musikzeitschriften für die bürgerliche Gesellschaft führten zu einer wahren Flut von Klaviermusik.

Romantik

Das 19. Jh. ist das Jahrhundert des Klaviers. Im Klavierbau entwickelte sich in dieser Zeit das moderne Klavier, so wie es auch heute noch gebaut wird. Der amerikanische Klavierbauer Babcock baute als erster in den 1820er Jahren den gusseisernen Rahmen, der dem Instrument mehr Stabilität und größeres Klangvolumen verlieh. Bedeutende Klavierbaufirmen wurden gegründet und erlebten eine Blütezeit, wie z.B. Steinway in Hamburg, Bechstein in Berlin, Blüthner in Leipzig.

Der Franzose Sébastian Érard entwickelte 1821 eine Repetitionsmechanik, die schnelle Tonwiederholungen und somit ein schnelleres und virtuoseres Spiel möglich machte. Ab 1820 verbreitete sich neben dem klassischen Flügel das aufrechte Pianino, das bis heute in den meisten Wohnzimmern klavierbegeisterter Zeitgenossen steht. Der Tastenumfang der Klaviere erweiterte sich auf die noch heute üblichen mehr als sieben Oktaven.

Alle bisher bekannten Gattungen der Klaviermusik wurden auch von den Romantikern komponiert. Daneben entstanden aber auch neue Formen wie das lyrisches Klavierstück, das Charakterstück oder das Lied ohne Worte. Besonders diese Formen entsprachen dem romantischen Musikempfinden, das sehr gefühlsbetont war. Die Musik der Romantik ist sehr lyrisch mit großen Melodiebögen und großem Gewicht auf gesanglichen Melodien. Charakteristisch für die romantische Klaviermusik sind starke Kontraste in Dynamik und Harmonik.

Klaviermusik als Popmusik

Klaviermusik gab es im 19. Jh. überall in Konzertsälen und in bürgerlichen und adligen Salons. Wer etwas auf sich hielt, spielte Klavier oder besuchte zumindest Klavierkonzerte. So entstand auch eine große Palette unterschiedlicher Kompositionen für Klavier. Die Spanne reicht von höchster Virtuosität bis zu leichter, oft trivialer, Unterhaltungsmusik.

Weniger bekannte Komponisten, die sowohl Konzert- als auch Unterhaltungsmusik schrieben, waren: Felix Dreaseke, Hans von Bülow, Eugen D´Albert, Carl Reinecke, Woldemar Bargiel. Auch gab es im 19. Jh. erstmals bekannte Komponistinnen und Pianistinnen. Clara Schumann, gefeierte Pianistin und Ehefrau von Robert Schumann, und Fanny Hensel, die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, komponierten auch Klaviermusik.

Weber & Schubert

Ein Vorreiter in Sachen romantischer Klaviermusik war Carl Maria von Weber. Er komponierte zahlreiche Sonaten, Variationen und Tänze.

Auch Franz Schubert war ein Frühromantiker. Er komponierte alle für die Zeit typischen Gattungen der Klaviermusik: Albumblätter, Phantasien, Divertissements, Impromptus, mehr als 20 Sonaten, Tänze. Seine Musik verlangt zum Teil eine sehr anspruchsvolle Spieltechnik und weist damit schon auf das neue Virtuosentum des 19. Jh. hin.

Mendelssohn Bartholdy & Schumann

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte zwar nur eine vergleichsweise geringe Zahl an Klavierwerken, aber er war der Erfinder der romantischsten Klaviergattung - der „Lieder ohne Worte“, von denen er insgesamt 48 komponierte.

Robert Schumann war einer der produktivsten romantischen Klavierkomponisten. Es spielte selbst virtuos Klavier und strebte eine Zeit lang eine Laufbahn als Pianist an. Von ihm stammen unzählige Klavierwerke, wie die „Abegg-Variationen“, die „Davidsbündlertänze“, die „Kreisleriana“, Sonaten, Fantasiestücke, das „Album für die Jugend“ und die Paganini-Etüden. In diesen Etüden versuchte er, die Virtuosität des „Teufelsgeigers“ Paganini auf das Klavier zu übertragen. Schumann beschäftige sich auch mit der Musik Johann Sebastian Bachs und komponierte 6 Fugen über BACH für Pedalflügel oder Orgel.

Chopin

Der neue virtuose Klavierstil wird vor allem in den Werken von Frédéric Chopin deutlich. Chopin war selbst ein gefeierter Virtuose auf dem Klavier. In seiner Musik finden sich romantische Harmonik, liedhafte Melodien, virtuose Läufe und teilweise folkloristische Melodik, die seine polnische Herkunft hörbar machen. Er komponierte Polonaisen, Mazurken, Nocturnes, Sonaten, Impromptus und Klavierkonzerte.

Liszt & Brahms

Auch Franz Liszt war ein gefeierter Klaviervirtuose. Und so verlangen seine Klavierkompositionen einen sehr versierten Spieler. Liszt komponierte Etüden, Fantasien und Variationen. Den größten Teil seiner Klavierwerke bilden jedoch die mehr als 400 Transkriptionen von Orchesterwerken für Klavier. Er eröffnete damit dem Klavier eine neue Dimension; das Klavier als universales Instrument, auf dem auch Orchesterklänge dargestellt werden können. Liszt nutzte als erster konsequent den modernen Konzertflügel mit gusseisernem Rahmen.

Johannes Brahms orientierte sich mehr an den strengen Formen des Barock und der Wiener Klassik. Seine „Händel-Variationen“ und die Sonaten haben klassische Form. Melodik und Harmonik sind aber dennoch sehr romantisch.

Grieg, Tschaikowsky, Reger ...

Auch in anderen europäischen Ländern entstand im 19. Jh. romantische Klaviermusik, wobei der romantische Stil in den einzelnen Ländern unterschiedlich ausgeprägt war. In Frankreich entwickelte sich eine eigene Klavierkultur. Komponisten waren hier César Franck, Camille Saint-Saëns und Alexis Emanuel Chabrier. In Spanien entstand eine stark folkloristische Klaviermusik, vor allem mit Isaac Albéniz. In Osteuropa komponierten Anton Dvorák und Bedrich Smetana romantische Klaviermusik. In Nordeuropa wurden die Werke von Edward Grieg und Nils W. Gade bekannt und in Russland stehen Peter Tschaikowsky, Michail Glinka und Modest Mussorgskij für die romantische Klaviermusik.

Vor allem die Werke der deutschen Romantiker sind bis heute in fast jedem Klaviernotenschrank zu finden. Diese deutsche Tradition kam am Ende des 19. Jh. vorläufig zum Stillstand. Max Reger steht als letzter Komponist am Ende dieser langen Klaviertradition. Zu dieser Zeit übernahmen dann russische und französische Klavierkomponisten das Feld.

20. Jahrhundert

In der Klaviermusik des 20. Jh. gibt es keinen einheitlichen Stil mehr. In verschiedenen Ländern entstehen unterschiedliche Stile. Die Abkehr von der Tonalität und den klassischen Formen und die Suche nach neuen Klängen führen zu einer veränderten Nutzung des Klaviers in der Musik.

Die Klaviermusik des frühen 20. Jh. kam vor allem aus Russland und Frankreich, wobei die Komponisten dort noch sehr stark von der deutschen Klavierromantik beeinflusst waren.

Klaviermusik in Frankreich

In Frankreich entstand der musikalische Impressionismus. Ein aus der Malerei kommender Stil, bei dem nicht mehr Melodien und bestimmte Formen im Vordergrund standen. Mit der Musik sollten vielmehr Stimmungen und atmosphärische Klänge erzeugt werden.

Vertreter des Impressionismus waren Claude Debussy, Maurice Ravel und Eric Satie. Weitere französische Klavierkomponisten waren Gabriel Fauré, Arthur Honegger und Francis Poulenc.

Klaviermusik in Ost- und Nordeuropa

Russland war das zweite Zentrum der europäischen Klaviermusik zu Beginn des 19. Jh. Dimitrij Schostakowitsch, Sergej Prokofiew, Alexandr Skrjabin und Igor Strawinsky waren hier die produktivsten Komponisten. Von ihnen gibt es Klavierlieder, Sonaten, Fantasien, Préludes und Klavierkonzerte. Auch der ungarische Komponist Béla Bartók muss erwähnt werden. Er komponierte unter anderem Bagatellen, Sonaten, Tänze und weitere Klavierstücke. In seiner Musik geht er bereits an die Grenzen der Tonalität und verbindet diese neuen Klänge mit folkloristischen Elementen.

In Nordeuropa komponierte der Finne Jean Sibelius über 100 Klavierstücke.

Klaviermusik in Deutschland

In Deutschland entstand im 20.Jh. nur sehr wenig Klaviermusik. Die Komponisten die dennoch für Klavier schrieben waren z. B. Arnold Schönberg und Anton Webern. Sie experimentierten mit neunen Klängen. Schönberg ging mit der Musik des Expressionismus ganz neue Wege. Er suchte neue Ausdrucksmöglichkeiten jenseits der klassischen Formen und Klänge und komponierte bewusst gegen die Hörerwartungen des bürgerlichen Publikums. Seine Klavierstücke sind geprägt von starken Kontrasten und Atonalität. Viele seiner Klavierwerke sind später auch im Stil der von ihm entwickelten Zwölftonmusik geschrieben.

Klaviermusik nach 1950

In der zweiten Hälfte des 20. Jh. kam es dann zu einer Neuentdeckung des Klaviers. Komponisten wie Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen oder Helmut Lachenmann erweiterten die klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes, nutzten es in vorher nicht gekannter Weise und kombinierten ihre Klaviermusik z.B. mit elektronischen Klängen.

György Ligeti entdeckte dann die traditionellen Klavierklänge wieder neu. In seinen Etüden finden sich traditionelle Klänge und Formen.

Die stark experimentelle und oft atonale Klaviermusik des 20. Jh. findet nur schwer Anklang beim Publikum, das sich eher der Klaviermusik der früheren Jahrhunderte - besonders des 19. Jh. - verbunden fühlt.

Jenseits der klassischen Musik spielt das Klavier im Jazz und der Popularmusik eine große Rolle - zum einen in seiner klassischen Form, zum anderen aber auch als elektronisches Instrument.

geschichte_der_klaviermusik.txt · Zuletzt geändert: 2011/04/12 00:35 von koelnklavier
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