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Analyse-Workshop: Beethovens Waldsteinsonate Op.53
Nach längerer Pause will ich mich jetzt noch der Reprise und der Coda widmen. Zitat: Zitat von Kleines Cis Von hier bis Takt 155 findet ein stetes Crescendo von pp bis ff statt, während dessen sich die Oberstimme in einem Miniaturmotiv, das man als dem Motiv 2 oder ...
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Nach längerer Pause will ich mich jetzt noch der Reprise und der Coda widmen.
Zitat:
Das Laufwerk und der abschließende Abgang in Akkordbrechung führen vollkommen unerwartet und ohne jede Vorwarnung nach As. (Grafik 1) Darauf folgt eine fragende Transposition dieser 2 Takte um einen Ganzton nach oben. Wir stehen auf einer B-Fermate und hängen in der Luft. Beethoven führt uns weiter über Es-Dur, Dv und landet schließlich über G7 wieder in C-Dur, wo sogleich die analogen Takte zu Takt 14 wieder einsetzen. (Grafik 2) Der Takt 183 ist eigentlich überzählig bzw. die chromatische Rückung, die in 183 stattfindet, hätte schon in Takt 182 auftreten sollen. Beethoven nutzt den Einschub, um nach E-Dur zu gelangen. Das folgende Seitenthema steht in A-Dur. Als wollte uns Beethoven auf die Unaufgelöstheit der harmonischen Verhältnisse an dieser Stelle aufmerksam machen, vermollt er das Thema bei der Wiederholung. (Grafik 3) Obwohl also das Seitenthema nach wie vor nicht in der Tonika erschienen ist, geht der Satz zunächst weiter als wäre nichts gewesen. Wenn sich die Schlussgruppe dem Ende neigt und das Stück scheinbar zu Ende geht, überrascht uns ein erneuter Themeneinsatz im neapolitanischen Des-Dur! (Grafik 4) Dieser Takt ist zugleich Beginn der Coda, deren Höhepunkt der Ausgleich der harmonischen Spannung zwischen Hauptthema und Seitenthema ist, indem das Seitenthema schließlich in der Tonika erscheint. Doch zunächst bringt Beethoven nach dem Themeneinsatz einen Durchführungsabschnitt. Erneut treten in dramatischer Sequenzierung Motiv 1 und 2 des Themas auf (mE dramatischer als in der Durchführung). Eine beispielhaft kurze Modulation führt von As-Dur zurück zur Dominanten G-Dur Es erscheint das komplette Thema zunächst in G-Dur, dann erneut einen Ganzton tiefer in a-Moll. Dieser Durchführungsabschnitt steigert sich in Sequenzierung über a-h-c-d-e-f-g zur Dominanten. Es folgt ein Trugschluss a-Moll und dann sogleich C-Dur, das in einer brillanten Terzenpassage nach oben steigt und in zwei G7 Fermaten führen. In Takt 284 erscheint endlich das Seitenthema in C-Dur. Es beginnt in tiefer Lage und schwingt sich in seine ursprüngliche Höhe hinauf. Kompositorisch besteht nun ein interessantes Problem. Der Konflikt ist gelöst, irgendwie muss man zum Ende des Stückes finden Beethoven lässt das Seitenthema sogleich in eine Frage münden. Drei mal führt Beethoven uns in 3 verschiedenen Oktavlagen vom Quartsextakkord C-Dur zu einer G7-Fermate. Plötzlich erscheint das Thema (a tempo) in C-Dur, vollführt in 2,5 Takten eine Steigerung von p zu ff und endet mit wuchtigen ff Akkorden. Wie Beethoven so schnell, überzeugend und humorvoll den Abschluss findet, ist bemerkenswert. Resümierend lässt sich wohl sagen, dass Beethoven raffiniert die wörtliche Reprise umgeht und uns Spannung bis zur letzen Minute schenkt Für Ergänzungen, Anregungen und Kritik bin ich wie immer offen. lg marcus
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Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort |
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#52
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Hallo,
ich bitte Dich, nachdem Du Dir nun diese Mühe gemacht hast, bei Uhde (Reklam) nachzulesen und zu vergleichen - weniger wegen Korrekturen, als wegen der Proportionen. Der große Vorteil der völlig richtigen Analyse bei Uhde ist, dass sie die Zielrichtung des beethovenschen Harmonienverlaufs klarmacht und zugleich die Proportionen erklärt. Ohne Einordnung in den formalen Verlauf hilft das Aufzeigen oder Benennen von Akkorden bzw. Akkordfortschreitungen nicht allzu viel. Wäre es Dir - falls Du keine Lust oder Gelegenheit hast, den Uhde zu lesen - zu viel Mühe, den Kopfsatz formal und harmonisch zu untersuchen? Gruß, Rolf |
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#53
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Hallo rolf,
ich habe dieses Buch leider nicht und auch keine Uni-Bibliothek in der Nähe. Vielleicht komm ich ja selbst dahinter. Außerdem bin ich ja hier hoffentlich nicht allein am Werk lg marcus
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#54
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Uhde schreibt da über den Kontrast zwischen Kreuz-Tonarten-Bereichen und b-Tonarten-Bereichen. (Natürlich geht es natürlich in Wirklichkeit um eine Teilung des Quintenzirkels durch die Grundtonart, aber da die C-Dur ist, fällt die zufällig mit Kreuz gegenüber b zusammen.)
Er weist darauf hin, dass es in der Themenvorstellung einen Vorstoß in den b-Raum gibt, dann aber geht's weit in den Kreuz-Raum (damit das gefestigt wird, kommt nach der Vorstellung des ersten Themas so extrem viel H-Dur, das gegenüber dem "eigentlich" erwarteten D-Dur ja irgendwie falsch ist). Am Ende der Exposition schwingt es wieder zurück, und in der Durchführung dann weit in den b-Raum, von wo es nicht durch Zurückschwingen, sondern durch Spiralisierung (enharmonische Verwechslung ces > h in Takt 12 Das ist allerdings irgendwie etwas, wozu mir nur "Aha..." einfällt. Ich weiß nicht so recht, was ich mit dieser Feststellung anfangen soll, welche Bedeutung das hat. Viel eher erschließt sich mir die Bedeutung dessen, was Marcus ganz richtig über das Schicksal des Seitenthemas in der Reprise und Coda sagt: Dass das Seitenthema in A-Dur und dann gar a-moll reichlich Ungeklärtheit hinterlässt. (Darüber, dass es dann weitergeht "als wäre nichts gewesen", nämlich in C-Dur, beschwert sich Uhde übrigens (auch).) Dafür wirkt das Zusammentreffen der beiden Themen in der Coda umso stärker. Das zweite Thema hat endlich nach Hause gefunden (und freut sich darüber; es ist ja sogar ein wenig bewegter) und fragt das erste, aufbruchsorientierte Thema, ob man gemeinsam weitergeht. Und das wird dann auch getan, denn das erste Thema kommt sogleich und schließt das Stück. (Die gemeinsame Reise der beiden erleben wir halt nicht mehr mit, vielleicht, weil sie zu langweilig wäre. Es ist ja so oft nur das Problematische interessant.) Zu der Seltsamkeit ab Takt 167 sagt Uhde noch, dass es irgendwie eine Intensivierung der durch die analogen Takte in der Exposition angedeuteten Frage ist. Ist wohl der erste Hinweis, dass in der Reprise noch nicht alles geklärt ist, das erste Thema hat da gewissermaßen schon eine Vorausahnung, dass es noch nicht mit dem 2. zusammenkommt. |
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#55
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Danke für diese Zusammenfassung.
Mir ist darin nicht alles klar. Inwiefern sagt diese Betrachtung jetzt etwas über die Proportionen aus? Als ich über die Proportionen nachgedacht habe, habe ich überlegt, ob man nicht diese Dreiteilung 1) Exposition, 2) Durchfürhung, 3) Reprise + Coda nicht eher als zweiteilig betrachten kann. Nämlich die Blöcke 1) + 2) gegenüber 3) . Diese Spiralisierung ist mir auch nicht richtig klar. In Takt 112 haben wir C-Dur, Takt 140 wieder C-Dur. Dazwischen ein Amoklauf durch diverse Tonarten. F-Dur, B-Dur, es-moll, Fis=Ges, h-moll, G-Dur c-moll, Des-Dur, Dv, G-Dur, C-Dur Jetzt bei G-Dur Takt 130 einen Schnitt zu machen und zu sagen, alles was danach kommt ist nur noch vorbereitende Kadenzierung zu C-Dur erscheint mir fragwürdig. Zumal man die enharmonische Umdeutung nicht hören kann. Aber den grundsätzlichen Gedanken von B-Tonartbereich und Kreuztonartbereich hatte ich auch. Finde ich auch sehr interessant. lg marcus
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#56
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Also ihr seid echt super! Tolle Diskussion...Auch wenn ich nur passiv mitlese, war ich dadurch gerade motiviert, mit die Uhde-Buecher zu bestellen. Und jetzt wurde mir mitgeteilt, dass die vergriffen sind! Hat jemand vielleicht einen Tipp, wo man die antiquarisch bestellen kann?
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