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Alt 29.01.2010, 21:09
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Guendola Guendola ist offline
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Bisher kein Glaubenskrieg und ein paar spitze Bemerkungen kann man ja überlesen

- Teile pianistischer Entwicklung gänzlich verbaut (wobei diese Frage wohl eher perspektivisch zu sehen ist)

Verbauen kannst du dir mit dem Digitalpiano nur etwas, wenn du auf immer und ewig dabei bleibst.

- Bestimmte Entwicklungen "versaut" (Anschlag, Klanggestaltung, etc)

Denke ich nicht. Man lernt den Anschlag nicht so detalliert, wie am akkustischen Instrument, aber das kann man ja später nachholen.

- dazu führt, dass ich für das Erreichen eines bestimmten Levels mehr Aufwand aufbringen muss, weil das Instrument möglicherweise "suboptimal" ist

Ja, ab einem bestimmten Level mußt du mindestens einen Mehraufwand an Geld einkalkulieren, um dir ein gutes akkustisches Instrument zu kaufen.

Eigentlich wurde ansonsten schon alles gesagt. Ein Digitalpiano kommt einem akkustischen Klavier oder Flügel wesentlich näher als eine Orgel oder ein Keyboard, und das nicht nur klanglich sondern auch beim Spielgefühl. Allerdings gibt es einige Beschränkungen, die ein akkustisches Instrument nicht hat:

- Es steht nur eine begrenzte Anzahl von Klangfarben zur Verfügung

- Das Haltepedal hat bei vielen neueren Digitalpianos immerhin drei "Stellungen", nämlich "aus", "halb" und "voll", bei älteren Modellen gibt es fast nur "an" und "aus". Bei akkustischen Instrumente kann man das Pedal stufenlos benutzen und das ist später für eine differenzierte Spielweise sehr wichtig. Das geht so weit, daß man bei diffizileren Stücken am Digitalpiano eine ganz andere Pedaltechnik benötigt.

- Die Lautstärke von Digitalpianos läßt meistens zu wünschen übrig. Deswegen hört man Nuancen nicht so gut (weniger Nuancen heißt ja nicht "keine Nuancen") und lernt deshalb nicht so gut, sie zu kontrollieren.

- Der immerschöne Ton wurde ja schon erwähnt und auch die Konsequenz für das Lernen des Anschlags. Darpüber hinaus können "falsch" angeschlagene Töne auch sehr wirksam und interessant sein, die gibt es aber bei Digitalpianos nicht.

Ich denke, ein Digitalpiano reicht dann nicht mehr aus, wenn man wirlich anfängt, am Klang zu arbeiten. Es ist dann zwar noch nicht sinnlos, man braucht aber immer häufiger ein akkustisches Klavier oder Flügel, um Erfahrungen zu sammeln, was überhaupt möglich ist. Auf einem Digitalklavier kann man zum Beispiel einfach drauflos hämmern und es klingt immer noch "rund". Ein Klavier oder Flügel wird mit einem harten Ton reagieren, der auch mal gewollt sein kann, es ist aber vor allem wichtig, diesen zu vermeiden. Zwar reagiert jedes Instrument ein bischen anders, aber man muß den Sinn dafür schärfen und das geht eben überhaupt nicht mit einem Digitalpiano. Und zwischen hartem und weichen Klang liegen noch Welten, die man am Klavier auch noch hat, am Digitalpiano aber nicht.

Es hört aber nicht damit auf, daß man statt auf einem Digitalpiano auf einem Klavier spielt. Auch akkustische Instrumente unterscheiden sich sehr in der Sensibilität für die Klangerzeugung und mit steigendem Ansruch benötigt man auch bessere Instrumente. Der Schritt vom Digitalpiano zu einem durchnittlichen Klavier ist aber der dramatischste. Ein schlechter Pianist klingt auf einem fantastischen Konzertflügel kaum besser als auf einem einfachen Kleinklavier und ein guter Pianist holt auch aus einem einfachen Instrument noch viel heraus.
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